in Kooperation mit VBio-Verband-Biologie-Biowissenschaften-und-Biomedizin e.V.

Dienstag, 5. Mai 2015

Referentin: Dr. Tina Heger, Technische Universitaet Muenchen, Lehrstuhl fuer Renaturierungsoekologie

Jeder kennt Klassiker invasiver Arten, wie das asiatische Drüsige Springkraut oder den japanischen Staudenknöterich. Wie sehr unsere Natur davon betroffen ist und wie vielfältig es uns berührt zeigte die Referentin ich ihrem allgemein verständlichen und gut strukturierten Vortrag. Wie wir damit umgehen wollen, darüber wurde lang und heftig diskutiert.

Die Bilanz des Vortrags war klar: Ja, invasive Arten betreffen uns in vielfacher Weise. Sie verändern unsere Natur und verdrängen heimische Arten, sie verursachen unserer Wirtschaft Kosten und sie belasten unsere Gesundheit. Sofern es nicht ganz so drastisch ist wie bei den Baumfäll-Aktionen vor unserer Haustür und niemand krank wird wie bei der Beifußambrosie, fällt es kaum einem auf. Einige Spezialisten sehen die Folgen der Neobionten und sie machen sich Gedanken. Was empfehlen Fachleute, wohin wollen Politiker und wie entscheiden letztlich Juristen?

Es ist nicht nur der asiatische Laubholzbock, der unsere Ortschaften und Laubwälder bedroht; es sind viele invasive Arten, die sich hier mehr oder weniger offensichtlich ausbreiten. Können uns die Neuankömmlinge über den Kopf wachsen? An landesweiten Strategien wird gearbeitet.
Die Vielzahl der quer über die Weltkugel transportierten und auf der einen wie auf der anderen Seite eingeschleppten Arten nimmt direkt mit dem Verkehr und den transportierten Waren zu. So ist die Anzahl der Neophyten und der Neozoen mit dem Verkehr und dem Transport exponentiell gestiegen. Invasive Arten sind überall, zu Lande und zu Wasser, und ihre Auflistung füllt Seiten. Insbesondere kleine Insekten, Samen, Pilzsporen und Bakterien sind nur schwer oder gar nicht zu kontrollieren. Nach einer Faustregel verursacht eine von tausend Arten Probleme.

Gleichzeitig sind langfristige Wirkungen von Neobointen nicht leicht abzuschätzen, da sich die Ausbreitung im neuen Lebensraum nach einer mehrjährigen ruhigen Phase des Ankommens erfahrungsgemäß drastisch ändern kann. Die Klimaerwärmung öffnet zudem neue freie Nischen, die sich anbieten besetzt zu werden.
Sofern Wirkungen in frühen Stadien schon abschätzbar sind und wegen zu erwartender Schäden Handlungsbedarf besteht, kann oder sollte man schnell handeln. Handeln ist erfolgversprechend in frühen Stadien, solange es noch im überschaubaren Rahmen abläuft. Dann ist es auch relativ begrenzt und damit kostengünstig.
Um Neophyten oder Neozoen fernzuhalten braucht es ein zeitnahes Vorgehen und entschiedenes landes- und sogar europaweit abgestimmtes Handeln. Wann sind wir in der Lage, hier einen Konsens und eine Handlungsfähigkeit herzustellen? Der Laubholzbock zeigt, dass wir in Deutschland es noch nicht sind.

Ein politisches Fazit war, dass nur dort Maßnahmen zu erwarten sind, wo sowohl Handlungsperspektiven bestehen als auch gebündelte wirtschaftliche und gesundheitliche Interessen dahinter stehen. Dort wo die Umweltkosten nicht (so schnell) auftreten und nicht offensichtlich werden, formiert sich kein gebündeltes wirtschaftliches Interesse und keine schlagkräftige Allianz. Dort ist eine Initiative zur Handlung sehr unwahrscheinlich.

Wie könnte eine Perspektive mit Weitsicht und Vorsorge aussehen? Der Vortrag hat gezeigt, dass das Thema umfassend ist, und dass sich Wissenschaftler und Juristen seit Jahren intensiv mit der Thematik ergebnisoffen beschäftigen. Dabei besteht neben dem internationalen Abstimmungsbedarf die Anforderung schnell zu handeln, um Steuerungsmaßnahmen frühzeitig, zielorientiert und effektiv zu ergreifen - zwei Anforderungen, die schwer unter einen Hut zu bringen sind.

Dr. Nico Döring

Präsentation Dr. Tina Heger: Klicken Sie hier
 

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