Vortrag und Diskussion

Mit einer Recyclingquote von 67 % loben wir uns gerne als Umwelt-Weltmeister. Tatsächlich werden jedoch durch die Kreislaufwirtschaft nur 16 % des Rohstoffbedarfs durch Sekundärrohstoffe gedeckt. Das zeigt, dass wir von einer echten Kreislaufwirtschaft noch meilenweit entfernt sind. Im Hinblick auf die künftige Entwicklung der Rohstoffnachfrage und ihrer Auswirkungen auf die Umwelt wird sichtbar, dass ein „weiter so“ nicht länger vertretbar ist.

Im Gegensatz zur kreislauforientierten Abfallwirtschaft von Deutschland bezieht die Circular-Economy-Strategie der EU die Produktions- und Konsumphase mit ein. Denn bereits bei der Produktentwicklung müssen Aspekte wie Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit mit bedacht werden. Der notwendige Systemwandel geht damit weit über die bisher praktizierte Abfallwirtschaft hinaus.

Die Referenten werden in ihrem Vortrag darlegen, wie ein zirkulärer Systemwandel gelingen kann. Maßgeblich wird dabei u.a. sein, eine ökologische Kostenwahrheit durchzusetzen. Dazu müssen die externen Kosten internalisiert werden, um Marktunvollkommenheiten auszugleichen. Zum Beispiel wird mit dem GPI (Genuine Progress Indicator) eine Alternative zum BIP als Indikator für wirtschaftliches Wachstum vorstellen.

Einen Schwerpunkt werden die Referenten auf aktuelle Ineffizienzen in der Ressourcenwirtschaft legen und ein umfangreiches Modell zur Kreislaufwirtschaft vorstellen. Zudem wird auf die Circular Economy als mögliches wirtschaftlichspolitisches Leitbild und Regulierungsstandard in der EU eingegangen. Mit dem Rückenwind durch der European Green Deal und dem Circular Action Plan der EU kann es auch in Deutschland gelingen, eine echte Circular Economy durchzusetzen.

In der anschließenden Diskussion besteht noch die Möglichkeit, einzelne Punkte weiter zu vertiefen. Die Moderation der Diskussion übernimmt Helmut Schmidt, Vorstand der DUA für den Bereich Ressourcen und Circular Economy.

 

Referenten:

Dr. Manuel Braun arbeitet an vielseitigen Praxis- und Forschungsprojekten im Bereich Nachhaltigkeitsökonmie und Kreislaufwirtschaft. Zusammen mit seinen Kollegen bei SYSTEMIQ schafft er neue Koalitionen für einen nachhaltigen Systemwandel in den Bereichen Energie – Materialwirtschaft – Landnutzung, gestaltet neue Geschäftsstrategien mit Pionieren, oder investiert Wachstumskapital in junge Unternehmen mit innovativen Lösungen.

Dr. Bertram Kloss arbeitet bei SYSTEMIQ an zwei wesentlichen Ansatzpunkten für den Systemwandel hin zu einer nachhaltigen Materialwirtschaft. Zum einen unterstützt er Unternehmen und Wirtschaftsinstitutionen dabei, nachhaltige und profitable Geschäftsmodelle für eine Kreislaufwirtschaft zu entwickeln und zu implementieren. Zum anderen arbeitet er mit Wissenschaftlern, nationalen Regierungen und der Europäischen Kommission daran, die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen und Anreize für eine Kreislaufwirtschat zu schaffen. 

 

Termin: 17.11.2020, voraussichtl. 19 Uhr
Ort: Waltherstr. 29, 2.OG

 

 Die Veranstaltung findet im Rahmen des Klimaherbst statt: