Veranstaltungsreihe: Ethisch-ökologischer Umgang mit Geld

Divestment Symposium - Klima im Blick: Kein Geld in Kohle, Öl und Gas

Mittwoch, 5. Juli 2017
19:00-20:30 Uhr
im Festsaal der Katholischen Hochschulgemeinde an der Ludwig-Maximilians-Universität
Leopoldstraße 11, 80802 München

Die Klimaschutzinitiative Fossil Free München, das Studentische Netzwerk für Wirtschafts- und Unternehmensethik (sneep) und der Die Umwelt-Akademie e.V. laden gemeinsam ein zu einer Podiumsdiskussion über die Verantwortung von Banken, Versicherungen und Kirchen bei der Geldanlagestrategie ein. Insbesondere soll die Rolle des sogenannten Divestment, d.h. dem gezielten Abzug von Geldern aus Geldanlageformen mit Bezug zu fossilen Brennstoffen, im Vordergrund stehen. Zu Beginn wird ein Vortrag zur Verknüpfung von Klima, Verantwortung und Geldanlagen ca. 15 Minuten Sie als Zuhörer/innen einstimmen Danach diskutiert das Podium ca. 45 Minuten u.a., ob Banken und Kirchen heute bereits Divestment nutzen und wie das im Alltag aussieht. Im Anschluss dürfen Sie ca. 20 Minuten Ihre Fragen stellen. Die Veranstaltung ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist erwünscht, aber nicht erforderlich.

Der Klimawandel betrifft nicht nur Eisbären in der fernen Arktis oder Millionen Menschen in Bangladesch – sondern uns alle, gerade auch in München. Für München, seine ansässigen Firmen, Körperschaften und uns Bürger/innen, stellt sich vor allem die Frage, welche Auswirkungen unser konkreter Lebensstil auf andere Länder und Menschen in der Welt hat. Bereits im Juni 1998 beschloss deshalb der Münchner Stadtrat: „Von München soll kein Schaden ausgehen.“

Den Kirchen und Orden in München kommt dabei eine hohe gesellschaftliche Erwartungshaltung entgegen. Ist es erlaubt, als Christ nach Zinsen und Renditen zu streben? Erlaubt der christliche Glaube Geldanlagen im Bereich Gentechnik, Rüstung oder Kohleminen? Prof. Dr. Gerhard Haszprunar, Direktor der Zoologischen Staatssammlung München, formuliert: „Die Evolution hat keine Moral. Moral gibt es nur bei Einsicht. Und Einsicht haben nur Menschen. Daraus erwächst Verantwortung. Wenn Sie religiös sind, können Sie das als Bewahrung der Schöpfung titulieren.“ Die Evangelische Kirche in Deutschland hat ihren Mitgliedern und Landeskirchen im November 2016 Divestment empfohlen, nachdem bereits 2011 ein Leitfaden für ethisch nachhaltige Geldanlagen in der EKD publiziert wurde. In Deutschland können auch katholische Finanzverantwortliche auf eine Orientierungshilfe „Ethisch-nachhaltig investieren“, publiziert von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken, zurückgreifen. Wie sieht der Alltag in den Finanzabteilungen der Kirchen- und Ordensvertreter/innen Münchens aus? Welche Argumente und gelebte Erfahrungen kann ein Hilfswerk der Katholiken in Deutschland beisteuern?

Die Banken und Versicherungen mit Sitz in München stehen in diesem Spannungsfeld ebenso unter gesellschaftlichen Druck: was passiert mit dem Geld auf den Giro- und Sparkonten als auch den Aktiendepots? Dürfen Münchner Banken eine Erdölpipeline in den USA finanzieren? Dr. Helge Wulsdorf bei der Bank für Kirche und Caritas in Paderborn gibt zu bedenken, dass Geld nicht ethisch neutral sei. Mit Geld kann Positives wie Negatives erreicht werden. Wie gehen in München ansässige Banken und Versicherungen mit diesem Missbrauchspotential um? Welche Rolle spielt Divestment und welche konkreten Geldanlagen werden nicht mehr unterstützt und gemieden? Die Allianz hatte im November 2015 angekündigt, Investitionen aus der Kohleindustrie abzuziehen. Was sagt eine gemeinwohlorientierte Bank dazu?

Keynote: Sabine Pex (oekom research AG, Senior Manager Client Relations)

Podiumsteilnehmer/innen:
Maurice Attenberger (GLS Gemeinschaftsbank eG, Regionalleiter Bayern)
Prof. Dr. Wolfgang Gehra (Deutsche Franziskanerprovinz, Kfm. Berater)
Stephan Jentgens (Bischöfliche Aktion Adveniat e.V., Geschäftsführer)
Dr. Marie-Luise Meinhold (ver.de für nachhaltige Entwicklung e.G., Vorstand)
Dr. Helmut Paschlau (Die Umwelt-Akademie e.V., Vorstand)

Moderiert von:
Tine Langkamp (350.org, Germany Divestment Organizer) und Regine Richter (urgewald e.V., Biologin)

Zeitablauf:
18:15 Uhr Einlass
19:00 Uhr Begrüßung 19:05 Uhr Keynote
19:25 Uhr Podiumsdiskussion inkl. Publikumsfragen
20:30 Uhr voraussichtliches Ende des Themenabends

in Kooperation mit „Geld mit Sinn e.V.“

Donnerstag, 20. Juli  2017
19:00 Uhr
im Münchner Zukunftssalon, Waltherstr. 29, Rückgebäude, 2. Stock
U-Bahnen U3/U6, Haltestelle „Goetheplatz

Referentin: Dr. Mari-Luise Meinhold, Gründerin der „nachhaltigen Versicherung“ ver.de

Nachhaltige Versicherungen wollen aktiv einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten, indem sie nachhaltigen Versicherungsschutz anbieten. Das bedeutet: Das Produkt oder die Dienstleistung "Versicherungsschutz" steht im Zeichen des Ziels, gesellschaftlichen Mehrwert in ökologischer und sozialer Hinsicht zu schaffen.

Das Geschäftsmodell von Versicherungen ist im Kern eine „Geldsammelstelle“; denn die Versicherungsbeiträge vieler Kunden werden zunächst eingesammelt und angelegt, um später dem einzelnen Versicherungsnehmer ausbezahlt zu werden. Daher ist es ein guter Hebel, um zu nachhaltiger Entwicklung beizutragen; mit der Bewegung des Geldes ist jedesmal eine Wirkung verbunden.
Das bedeutet konkret, dass gerade die Geldanlage positiv wirkt, wenn dabei auf ökologische Aspekte wie CO2-Emissionen oder auch der Einfluß auf die Biodiversität beachtet wird. Bei zwei Kapitalanlagemöglichkeiten, die gleichermaßen nach den Vorgaben der Aufsichtsbehörden geeignet sind, wird dann nicht die ausgewählt, die die höchste Wirtschaftlichkeit ausweist, sondern die, die bei einer Abwägung der Wirtschaftlichkeit, der ökologischen und der sozialen Aspekten den meisten "Sinn" macht. Das kann auch bedeuten, dass sie den geringstmöglichen Schaden erzeugt.

Nachhaltig interessierte Personen wollen Gegenstände, die noch funktionieren, so lange wie möglich nutzen, weil die Herstellung eines neuen Gegenstandes oftmals auch einen großen ökologischen Fußabdruck mit sich bringt. Doch wenn etwas zerstört wurde, ersetzt eine „nachhaltige Versicherung“ Dinge, die zerstört wurden, nicht einfach "nach gleicher Art und Güte", wie es üblich ist, sondern berücksichtigt, bewertet und fördert darüber hinaus, dass das „neue Ding“ beispielsweise energieeffizienter, fairer hergestellt und gesünder ist, als das „zerstörte Ding“.

All diese Wirkungen können erfasst und gemessen werden; und darüber kann in einer Gemeinwohlökonomie-Bilanz berichtet werden.
Eine „nachhaltige Versicherung“ kann auch nachhaltiges Verhalten „belohnen“, indem und wie sie die Prämien gestaltet. Dadurch entsteht auch für Interessenten ein Anreiz, noch einmal zu prüfen, an welcher Stelle eine Investition beispielsweise in erneuerbare Energien zur Eigennutzung oder eine Verhaltensänderung wie beispielsweise der Wechsel zu einem nachhaltigen Stromanbieter jetzt mal konkret umgesetzt wird. Oftmals wollte man ja "immer schon" solche Entscheidungen umsetzen; hier ist es gut, wenn zur intrinsischen Motivation noch ein finanzieller Anreiz winkt.

Weil Versicherungen nicht nur große Summen an Geld bewegen, sondern auch alle gesellschaftlichen Schichten und alle Wirtschaftsbereiche erreichen, kann dieses Geschäftsmodell gut zu einer Transformation der Gesellschaft beitragen. Allerdings fehlt bisher der Beweis, dass das tatsächlich geht, und daher bewegen sich die etablierten Versicherungs-Gesellschaften kaum. Ver-de, eine neue „nachhaltige Versicherungsgesellschaft“ – eine Genossenschaft – will das ändern. Es soll damit ein positives Beispiel gesetzt werden, wie es die Energiewerke Schönau oder die GLS-Bank in ihren Märkten getan haben. Um zu zeigen, dass es geht, und auch wie.

Darüber wollen wir uns informieren lassen.


Auszeichnungen

Bayerische Klima-Allianz PHINEO Wirkt Siegel http://www.un-dekade-biologische-vielfalt.de/ Umweltbildung Bayern UN_Dekade_Offizielles Projekt_2014 BNE-Auszeichnung www.landesstiftung.bayern.de

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