in Kooperation mit SlowFood Deutschland e.V.        

aus der Veranstaltungsreihe „Werteorientierte Marktwirtschaft“ und „Ökologische Landwirtschaft und Ernährung“

Dienstag, 20. Juni 2017
19.00 Uhr
GLS-Bank, Bruderstr. 5a, München

Referent: Francisco Marí, Referent für Welthandel, Agrarhandel und Meerespolitik bei Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst

Der Bundesminister für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, Gerd Müller, rechnet für dieses Jahr mit 300.000 bis 400.000 afrikanischen Bootsflüchtlingen, die in Italien ankommen. Was treibt diese Menschen dazu, die lebensgefährliche Fahrt über das Mittelmeer zu wagen? Neben der Hoffnung, Bürgerkrieg oder despotischen Regimen zu entkommen, sind es nicht selten auch wirtschaftliche Gründe. Wer ohne Perspektive ist, sich in der Heimat ein Leben aufzubauen, sucht eben nach einer neuen Heimat.

Gerade weil wir gern ein bisschen die Nase rümpfen über die sogenannten „Wirtschaftsflüchtlinge“, lohnt sich ein Blick darauf, wie die EU (also wir) unser Teil dazu beitragen, Afrikanern in ihrer Heimat die Existenzgrundlage zu entziehen.
Sowohl die Agrar- als auch die Fischereipolitik der EU sind darauf ausgerichtet, die afrikanischen Märkte zu schwächen – zum eigenen Vorteil versteht sich. Beispiel Hühnerfleisch: Nicht nur Hähnchenteile, die bei uns nicht gern gegessen werden wie Beine und Füße landen in Afrika, sondern auch ganze verarbeitete und tiefgefrorene Hühnchen. Es gibt in Ghana praktisch keine Geflügelproduktion mehr, die Züchter sind pleite gegangen. Wie ist das möglich? Weil EU-Bauern dafür subventioniert werden, dass sie möglichst viel (und nicht auf Qualität ausgerichtet) produzieren – mit den entsprechenden Umweltbelastungen wie vermehrtem Aufkommen von Gülle, die auf unsere Felder ausgebracht wird und unser Trinkwasser belastet. So kommt es, dass EU-Hühnchen billiger sind als ghanaische; auch weil die EU dort keine oder nur geringe Einfuhrzölle bezahlen muss. Das ermöglichen Wirtschaftsabkommen, die den afrikanischen Ländern auferlegen, ihre Märkte für EU-Importe zu öffnen und ihre Zölle nach und nach abzuschaffen – unter dem Deckmäntelchen, nur ein freier Markt würde Afrika wettbewerbsfähig machen. Als Kenia zögerte, ein solches Abkommen zu schließen, wurden kurzfristig die Zölle auf deren Exportprodukte in die EU wie Kaffee, Schnittblumen etc. drastisch angehoben. Mit dem gewünschten Ergebnis.

Auch in der Fischereipolitik tut die EU so, als täte sie den afrikanischen Staaten noch einen Gefallen, wenn sie deren Gewässer leer fischt. Immerhin landen etwa 80 Prozent des vor den Küsten Afrikas gefangenen Fischs auf dortigen Märkten – allerdings ebenfalls zu Dumpingpreisen, die die lokalen Fischer ruinieren.
Was muss geschehen, damit endlich faire Handelsbeziehungen geschaffen werden, die allen Beteiligten ihr wirtschaftliches Auskommen und damit eine Existenz im eigenen Heimatland sichern? Das und mehr wird uns ein ausgewiesener Experte zu dem Thema erklären.

 

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