im Rahmen des 12. Münchner Klimaherbst

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Referentin: Julia Epp, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik im Wissenschaftszentrum Berlin (WZB)

Julia Epp führte mit einem historischen Rückblick in das Thema ein. Ihre These war: "Wenn man über ein halbes Jahrhundert den Menschen den privaten Autobesitz als Teil eines guten Lebens möglich macht, dann müsse man sich nicht wundern, wenn Widerstand gegen eine Veränderung so lange mobilisiert wird, solange es keine adäquate Alternative gäbe." Die heutige Situation ist geprägt von Rahmenbedingungen, Gesetzen und Konventionen, die auf die Autogesellschaft zugeschnitten sind. Deshalb müsse auch hier angesetzt werden: Die Reform der regulatorischen Rahmenbedingungen ist nötig: Dieselvorteil streichen, Dienstwagenunwesen abschaffen, Parkraum generell bewirtschaften.

Umweltverbund, Fahrräder oder die „intermodale Verkehrspraxis“ sind nur Teillösungen für eine Verkehrswende. Die Elektromobilität könnte für einen attraktiven Gesamtentwurf eine Schlüsselrolle spielen, wenn wir darunter nicht nur Autos, sondern auch Busse, Bahnen und Pedelecs subsumieren - auf Basis Erneuerbarer Energien.

Julia Epp zeigte dazu auch konkrete Beispiele aus dem Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel aus Berlin, wie dem fahrerlosen elektrisch betriebenen Kleinbus, für dessen Test auf öffentlichen Straßen jedoch die notwendigen Regularien erst noch geschaffen werden müssen.

Auch wenn derzeit in der Bundespolitik keine vielversprechenden Fortschritte für eine Verkehrswende zu erkennen seien, gäbe es doch Zeichen für ein Umdenken, wie ein ganz aktueller Artikel im Handelsblatt zeige, das ja eher als wirtschaftsfreundlich gelten könne: dort mache man sich inzwischen Sorgen, dass Deutschland seine Vorreiterrolle beim Klimaschutz verspielen könne, wenn die Politik weiterhin Big Auto protegiere: "... Die größte Bedrohung der Autobranche sind nicht die Klimaschützer. Sondern jene Manager, Arbeitnehmervertreter und Anteilseigner, die sich allzu lange dem notwendigen technologischen Wandel verweigert haben." (Handelsblatt vom 18.10.2018)

Es bleibe die Frage, wie holen wir Menschen ab, die sich (noch) nicht für die Verkehrswende interessieren? Vielleicht kommen neue Vorstöße aus unerwarteter Richtung!

Hier finden Sie den Link zu Julia Epps Vortrag.


Gerhard Gross

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