in Kooperation mit  

 

Donnerstag, 08.11.2018

Referent: Prof. Dr. Dr. Peter Höppe; ehem. Bereichsleiter Geo Risk Research/Corporate Climate Centre, Munich Re; Experte für Naturgefahren, Klimawandel, Biometeorologie; Chair von Munic Climate Insurance Initiative (MCII); Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Institut für Nachhaltige Kapitalanlagen (NKI)

Rekordjahr für Extremwetterschäden 2017 – müssen wir mit weiter steigenden Schäden rechnen? 


Die durch Extremwetterereignisse verursachten Schäden betrugen 2017 global rd. 330 Mrd. US$; das entspricht dem Bundeshaushalt des gleichen Jahres. Nie zuvor waren sie so hoch.

Die Daten der großen Rückversicherer zeigen sehr deutliche Trends bei der Häufigkeit von schadenrelevanten Ereignissen und auch bei den von ihnen verursachten Schäden. Ein großer Teil der steigenden Schäden kann durch höhere Exposition von Menschen und Sachwerten, getrieben von Bevölkerungswachstum und steigendem Wohlstand erklärt werden. Wenn man die Schadentrends jedoch mit sozioökonomischen Veränderungen adjustiert, verbleiben immer noch deutliche Anstiege. Diese müssen dann vor allem durch eine veränderte Gefährdungslage erklärt werden: Insbesondere für Schäden aus starken Gewittern, Hurrikanen, aber auch Dürren, Hagelereignissen etc. spricht eine sehr plausible Indizienkette dafür, dass der Klimawandel Ursache ist. Darüber sind sich Klimaforscher (z.B. des International Panel on Climate Change, IPCC) und die großen (Rück-) Versicher-Gesellschaften wie MunicRe oder Swiss einig.

Das schilderte ausführlich anhand von Statistiken und mit eindrucksvollen Fotos Prof. Dr. Dr. Peter Höppe; ehem. Bereichsleiter Geo Risk Research/Corporate Climate Centre, beim weltgrößten Rückversicherer Munich Re; dort Erfinder und Betreuer der größten Schadens-Datenbank; Experte für Naturgefahren, Klimawandel, Biometeorologie; u.a. Chair von Munic Climate Insurance Initiative (MCII); Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Institut für Nachhaltige Kapitalanlagen (NKI); Inhaber diverser Lehraufträge zB an der Nanyang Technological University, NTU, Singapur.

2017, das Jahr mit den höchsten, durch Unwetter-Ereignisse verursachten Schäden, das Jahr mit dem heftigsten Wirbelsturm über dem Atlantik („Irma“) und dem heftigsten Regensturm über dem Golf von Mexiko („Harvey“), das wärmste Non-El-Nino-Jahr mit Durchschnittstemperaturen von 1,2o C über Vor-Industrie-Niveau… Und in Mitteleuropa, Juni 2017: Tief „Rasmund“, heftiger und andauernder Starkregen mit den höchsten Regenmengen von 269 mm innerhalb 36 Stunden in Brandenburg, Deutschland.

Dann 2018: Ungewöhnliche Wetterlage in Mitteleuropa von Mai bis Juni: In Deutschland und Frankreich führten Gewitterzellen zu Sturzfluten an mehreren Orten; Nordostdeutschland, Dänemark, Polen, und Skandinavien litten unter sehr großer Hitze und Trockenheit mit großen Ernteeinbußen. Ursache für beide Phänomene war eine stabile Wetterlage mit einem blockierenden Hochdruckgebiet über Skandinavien und einem großen Tiefdruckgebiet über West- und Mitteleuropa. Klimamodell-Studien zeigen, dass die globale Erwärmung in Mittel-und Nordeuropa zu häufigeren Perioden mit Hitze/Dürre, aber auch Starkniederschlägen führen wird – Sommer 2018 wird also „normal“.

Der Klimawandel wird weiter fortschreiten. Diese Grafik aus dem Vortrag von Prof. Höppe zeigt die Dramatik:

Seit der Existenz von Menschen auf dem Globus stieg die globale Durchschnittstemperatur nie über rd. 15o Celsius (grün, blau); seit rd. 10.000 Jahren, im „Holozän“, schwankt sie um + - ½ Grad um diese Marke (blau). Erst seit der Industrialisierung („pre-industrial“) „explodiert“ die globale Temperatur (gestrichelte Linie) bis ausserhalb der „sicheren Klimazone“ des Holozän („safe climate zone“) – das zeigt der senkrechte blaue Strich ganz rechts, verlängert um die rote Linie nach oben mit der möglichen Entwicklung bis zum Jahr 2100.

Diese und andere Fakten rund um den Klimawandel und seine Auswirkungen in Form von Unwetterereignissen und den daraus resultierenden zu beklagenden Todesfällen und finanziellen Schäden – in den sog. Entwicklungsländern, in Nordamerika, in Europa – zeigte Prof. Höppe faktenreich und eindrucksvoll. Der Link zu seiner lesenswerten Präsentation finden Sie hier.

Dr. Helmut Paschlau

Zum Weiterlesen:

Den Artikel über Unwetter finden Sie hier.
De Beitrag"Der globale Klimawandel und seine Auswirkung auf Deutschland" finden Sie hier.
Den Beitrag Sieben Positionen deutscher Versicherer zu den Folgen des Klimawandels finden Sie hier.

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren