Veranstaltungsreihe: Mutbürger für Energiewende!

28. Juni 2018
19:00 Uhr
Münchner Zukunftssalon, Waltherstr. 29, Rückgebäude, 2. Stock (ÖPNV „Goethplatz“)

Referent: Hans-Josef Fell; Präsident der Energy Watch Group, Berlin; Sprecher für Energiepolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen 2005 – 2013, Autor des Entwurfs des EEG 2000

Deutschland versorgt sich zu 100% mit Erneuerbaren Energien. Und keiner hat’s gemerkt.


Am 01.01.2018, 06:00 Uhr, liegt die Stromnachfrage in Deutschland bei knapp 41.000 MWh; sie wird gedeckt zu 85% durch Windkraft; Wasserkraft und Biomasse besorgen den Rest von 15%; die Sonne ist noch gar nicht aufgegangen. Im bundesdeutschen Schnitt deckten die Erneuerbaren die Strom-Nachfrage in den Monaten Januar bis März 2018 zu 40,1%, im Januar zu 52,9%. Unglaublich? Aber wahr. Geht doch: Die „Erneuerbaren“ sind definitiv aus der Nische raus.


„100% EE weltweit geht aber nicht!“. Das hörten wir vor 20 Jahren in Deutschland auch, als die großen Versorger in Werbeanzeigen behaupteten, Erneuerbare könnten über 4% des Stromdargebots niemals hinauskommen.


Doch die globale 100%-EE-Wende ist nicht länger eine Frage technischer Möglichkeiten und wirtschaftlicher Rentabilitäten, sondern eine des politischen Willens: Eine neue Studie der Lappeeranta University of Technology (LUT), Finnland, und der Energy Watch Group (EWG), Berlin, aus November 2017 hat gezeigt, dass eine Wende zu 100% erneuerbarem Strom machbar ist, zu jeder Stunde und über das ganze Jahr – schon früher als 2050. Prognostiziert ist dabei ein Bevölkerungswachstum auf dem Globus von 7,3 auf 9,7 Milliarden Menschen in 2050; das korreliert mit einer Verdopplung des weltweiten Energiebedarfs von 24.300 TWh (2015) auf 48.800 TWh (2050). Und das System wird kostengünstiger als das bisherige, das überwiegend auf Kernkraftenergie und solcher aus der Verbrennung fossiler Ressourcen setzt: Liegen die durchschnittlichen Stromkosten heute bei 70€/MWh (2015), so sind es dann 52€/MWh (2050).


Dies aufgrund deutlich fallender Gestehungskosten aus Wind, insbesondere jedoch aus Photovoltaik und Speichertechnologien. Energieverluste: Drastisch unter der Hälfte des heutigen Systems. Arbeitsplätze: +17 Millionen im Bereich EE gegenüber 2015. Globale Treibhausgasemissionen aus der Stromerzeugung: Nahe Null.


Geht nicht? Geht doch. Erläutert uns Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group und ehemaliger MdB, GRÜNE, 1998-2013, Autor des Erneuerbare-Energien-Gesetz 2000.


Foto-Quelle

Zum Weiterlesen:
Die Umwelt-Akademie e.V., Rückblick der Veranstaltung mit Hans-Josef Fell „Was brauchen wir für eine wirksame Energiewende und wie kommen wir dahin?“, 15.02.2017: Klicken Sie bitte hier. 
Und die Studie von LUT und EWG: „Global Energy System Based On 100% Renewable Energy Power Sector“, November 2017: Klicken Sie bitte hier.

 

Dienstag, 17. Juli 2018
19:00 Uhr
Münchner Zukunftssalon, Waltherstr. 29, Rückgebäude, 2. Stock, U-Bahn U3/U6 Haltestelle „Goetheplatz“.

Referent: Dr. phil. habil. Weert Canzler, Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik im Wissenschaftszentrum Berlin (WZB)

Weitere Informationen folgen in Kürze. Danke für Ihre Geduld!

 

in Kooperation mit:  

Donnerstag, 26. Juli 2018
19:00 Uhr
Internationales Begegnungszentrum (IBZ), Amalienstrasse 38, 80799 München  (ÖPNV "Univerität")

Referenten: Dr. Anne von Streit, Lehr- und Forschungseinheit Mensch-Umwelt-Beziehungen, Department für Geographie an der LMU München 
Stefan Drexlmeier, Leiter der Geschäftsstelle der Bürgerstiftung Energiewende Oberland und Vorstandsvorsitzender des Energiewende Oberland - Kompetenzzentrum Energie EKO e.V. 

Zahlreiche Initiativen in Deutschland und in Bayern haben auf regionaler Ebene die Energiewende von unten angeschoben und innovative Potentiale für die gesamtdeutsche Energiewende geliefert. Vielfach sind diese Initiativen auf zivilgesellschaftliches Engagement gegründet und haben sich zum Teil über die Jahre zunehmend professionalisiert. So sind zahlreiche Erneuerbare-Energie-Regionen entstanden, die sich das Ziel der vollständigen dezentralen Energieversorgung aus erneuerbaren Energien und damit ambitioniertere Ausbauziele als die der Bundes- oder Landesregierungen gesetzt haben. Motive solcher Initiativen sind nicht nur Chancen durch die Realisierung regionaler Wertschöpfung, sondern auch Hoffnungen auf eine Demokratisierung der Energieerzeugung und -nutzung durch kleinteiligere technische und soziale Strukturen im Energiesystem:

Im Zusammenspiel mit diesen lokalen Basisinitiativen bildete das EEG seit 2000 über finanzielle Anreize die Geschäftsgrundlage für den dezentralen Ausbau erneuerbarer Energien. Die garantierte Einspeisevergütung und die relativ leichte Umsetzbarkeit machten Investitionen in erneuerbare Energien ab 2000 auch für Akteure wie Einzelpersonen, Energiegenossenschaften, kleine und mittlere Stadtwerke attraktiv, während die großen Energieversorger nur wenig in Erneuerbare Energien investierten. 2016 waren 42 Prozent der Erneuerbarer-Energien-Anlagen in Deutschland in der Hand von Privatleuten (inkl. Energiegenossenschaften) und Landwirten (Trend: research 2017).

Derzeit sehen sich jedoch viele Initiativen mit zahlreichen Hemmnissen konfrontiert, die den Ausbau erneuerbarer Energien auf regionaler Ebene erschweren: Die Novellierungen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) ab 2012 und dessen Umstellung auf das Ausschreibungsverfahren 2016 haben zu einem Einbruch des dezentralen Ausbau erneuerbarer Energien – insbesondere bei PV- und Biogasanlagen – geführt. So verfehlte Deutschland 2017 das im EEG festgelegte jährliche Zubauziel beim PV-Ausbau deutlich; bei Biogas ist der Ausbau fast zum Erliegen gekommen und aufgrund des bayerischen Abstandsgesetzes 10H herrscht „Stillstand bei der Windkraft“ (SZ vom 25.01.2018). Damit wurde die „Bürgerenergiewende“ deutlich geschwächt; das zeigt sich auch an den seit mehreren Jahren rückläufigen Gründungszahlen von Energiegenossenschaften. Gleichzeitig wurden mit dem verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien auch die lokalen Konflikte um den Bau von Anlagen zahlreicher: Lokale Natur- und Umweltschutzgruppen, betroffene Anwohner und Tourismusvertreter versuchen häufig den Bau von größeren Erneuerbaren-Energie-Anlagen zu verhindern.

Wie gehen regionale Energiewende-Initiativen mit diesen Herausforderungen um und welche Aktivitäten unternehmen sie, um die regionale Energiewende zu stärken? Und: Wie spielen die veränderten äußeren Rahmenbedingungen mit den Konflikten auf regionaler Ebene zusammen? Letztendlich: Was muss passieren, dass die Energiewende wieder eine Bürgerenergiewende wird?



Dr. Anne von Streit, Foto eigen

Die Referentin beschäftigt sich in ihrer Forschung mit Fragen von Nachhaltigkeitstransitionen und leitet das Wissenschafts-Praxis-Projekt INOLA (Innovationen für ein nachhaltiges Land‐ und Energiemanagement auf regionaler Ebene). Unter anderem hat sie über Energieinitiativen in ganz Bayern, insbesondere im Oberland, geforscht. Mehr Informationen: www.inola-region.de.
Für die an den Vortrag anschließende Diskussion werden auch andere Vertreter*Innen von Energieagenturen, Energieinitiativen… in Bayern zugegen sein und sich – unter anderem an Infotischen – bekannt machen:

Energie-Genossenschaft
Zukunftswerk eG, Starnberg
Energieagentur Südostbayern
Fünfseenland eG
Energiewende Landkreis        
Starnberg e.V  

 

 

27. September 2018
19:00 Uhr
Internationales Begegnungszentrum der Wissenschaft München e.V. (IBZ), Amalienstr. 38, U3/U6 Haltestelle „Universität“

Referent: Prof. Dr. Michael Meyen, LMU, Institut Kommunkationswissenschaften und Medienforschung

Die Informationen folgen noch

im Rahmen des 12. Münchner Klimaherbst

Donnerstag, 11. Oktober 2018
19:00 Uhr
Münchner Zukunftssalon, Waltherstr. 29, Rückgebäude, 2. Stock, (ÖPNV „Goetheplatz“)

Referent: Prof. Dr. Andreas Löschel; Lehrstuhl für Mikroökonomik insbes. Energie- und Ressourcenökonomik an der Universität Münster; Leiter der Energie-Expertenkommission der Bundesregierung

Es ist ja nicht so, dass man es nicht gewusst hätte:
„Industrieländer bereiten Kohleausstieg vor“ (SZ 09.11.2017): 2006 plante die Britische Regierung noch den Bau neuer Kohlekraftwerke, 2008 erfolgte mit dem „Klimawandelgesetz“ die Umkehr, 2012 die Einführung eines CO2-Mindestpreises (18 Brit. Pfund/t CO2), Herbst 2017 dann das „Aus“ für die Kohle bis 2025. Ähnlich Kanada: Kohleausstieg bis 2029, CO2-Preis 50 Kanad. Dollar bis 2022. 19 westliche Länder wollen aus der Kohle aussteigen, darunter neben C und GB auch Neuseeland, Österreich, Frankreich, Niederlande, Dänemark, Finnland, Schweden, Portugal; bis spätestens 2030.
Und Deutschland?

„Klima: Selbst der vermeintliche Vorreiter Deutschland verfehlt sein Klimaschutzziel. Die Atmosphäre bleibt Abgas-Deponie“ (DIE ZEIT, 14.09.2017): „Heute wird hierzulande mehr dreckige Braunkohle gefördert als in jedem anderen Land der Welt. Sogar mehr als in China!“
„Deutschland verfehlt Klimaschutzziele!“ (AEE 16.12.2017, auf Basis eines Experten-Gutachtens, u.a. mit Prof. Löschel): „Deutschland wird sein Klimaschutzziel, im Jahr 2020 die Treibhausgasemissionen um 40% gegenüber 1990 zu reduzieren, verfehlen“.

In den Sondierungsgespräch zu einer neuen Großen Koalition wird klar: „Klimaschutzziel erscheint kaum noch erreichbar“ (SZ 09.01.2018)
„Vom Musterschüler zum schlechten Vorbild“ (SZ 16.01.2018): „Selbst wenn die künftige Regierung es schafft, die „Handlungslücke“ zu schließen, könnte das Geschluder anderen Staaten als Ausrede dienen“. Und „Wo geht’s hin? Die deutsche Wirtschaft will endlich Klarheit!“
Und „Der letzte Kredit: Auf der nächsten Klimakonferenz zeigt sich, ob Deutschland weltweit Vorreiter bleibt“ (DIE ZEIT, 18.01.2018).

Jenseits der Frage, ob Deutschland in Sachen „Klimaschutz“ jemals – nicht nur wortreicher, sondern tatsächlicher – „Vorreiter“ in Sachen Klimaschutz war: Genau das wollen wir wissen: Wie stellt sich die Bundesregierung auf zu den kommenden Internationalen Klimaschutzverhandlungen in Katowice, Polen, Anfang Dezember 2018? Näheres dazu finden Sie hier


Quelle Foto 

Das wollen wir von jemandem wissen, der es wissen muss: Andreas Löschel ist u.a. „oberster Energie-Experte der Bundesregierung“ – sagt zumindest DIE ZEIT (18.01.2018). Deshalb haben wir ihn eingeladen, um zu hören und mit ihm kräftig zu diskutieren, wie es um den internationalen Klimaschutz und die Erfüllung der Pariser Klimaziele steht, welche Klimaziele die Bundesregierung anstrebt, was sie außer der Einberufung einer Kommission (u.a. mit dem Bundes-Innenminister (?!)) konkret zu tun gedenkt, wie durch ein kommendes Bundes-Klimagesetz alle Sektoren in Deutschland auf CO2-Senkung getrimmt werden, bis wann die Kohlekraftwerke in Deutschland abgeschaltet sind, ob die Bundesregierung ihre Behinderungen eines wirksam hohen EU-CO2-Emissionspreises einstellt, wie Deutschland sein arg ramponiertes internationales Klima-Image (durch viele Milliarden Euro Kompensationszahlungen?) wieder aufhübschen will?

Wer die Fakten nachlesen will, sei zum Rückblick auf unsere diesbezügliche Veranstaltung mit AGORA-Energiewende am 22.02.2018 verlinkt.

 

Auszeichnungen

Bayerische Klima-Allianz PHINEO Wirkt Siegel http://www.un-dekade-biologische-vielfalt.de/ Umweltbildung Bayern UN_Dekade_Offizielles Projekt_2014BNE-Auszeichnung www.landesstiftung.bayern.de

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