Dienstag, 3. März 2015

Referent: Friedel Hütz-Adams, Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei SÜDWIND e.V. – Institut für Ökonomie und Ökumene

Friedel Hütz-Adams berichtete bei dieser Veranstaltung in erster Linie über die negativen Umweltauswirkungen und die sozialen Implikationen, die sich im Zusammenhang mit der Herstellung eines modernen Mobiltelefons im Verlauf der Wertschöpfungskette ergeben.

  • Abbau der Rohstoffe
    Zur Herstellung der Mobiltelefone werden seltene Metalle benötigt, deren Abbau mit beträchtlichen Umweltschäden und negativen Folgen für die dabei Beschäftigten verbunden ist. Zur Verdeutlichung der Mengen an Material mag hier zunächst schon die jährliche Anzahl von 1,8 Milliarden verkauften Mobilgeräten (2013) dienen. Bei der Herstellung einer solchen Anzahl an Geräten werden z.B. 60.000 Tonnen Kupfer verarbeitet, ferner seltene Metalle wie Tantal, Indium usw. Der Anteil an Gold beträgt 43 Tonnen, das sind ca. 10 % der weltweit in der Industrie verarbeiteten Mengen. Bei der Gewinnung und Verarbeitung der Metalle werden 7 % der gesamten Weltenergie verbraucht.

  • HerstellungDie Geräte werden fast ausschließlich in Billiglohn-Ländern wie China und Indien hergestellt. Dabei kommt es in der Regel nicht nur zu beträchtlichen Umweltschädigungen. Vor allem die Zustände Arbeits- und Lebensbedingungen für die Beschäftigten sind in diesen Produktionsstätten häufig verheerend.
    Immer wieder kommt es zu aufsehenerregenden Skandalen. Der größte Hersteller ist Foxconn in China mit 1,2 Mio. Mitarbeitern, bei dem extreme Überschreitungen der Arbeitszeiten, gesundheitliche Schädigungen am Arbeitsplatz, menschenunwürdige Unterbringung und unzureichende Löhne immer wieder bekannt werden.

  • Vertrieb
    Trotz dieser Verhältnisse und Bedingungen verleiten aber dieDie großen Anbieter wie Samsung, Apple und Nokia verleiten die Käufer dazu, alle ein bis zwei Jahre ein neues Gerät zu erwerben. Damit wird die Menge der verwendeten Geräte und auch des Abfalls unnötig in die Höhe getrieben.

  • Ansätze zur Abhilfe
    Die enormen Missstände werden immer mehr bekannt und erste Anstrengungen werden zur Abhilfe unternommen. Im Rahmen der Vereinten Nationen hat die OECD Leitsätze für multinationale Unternehmen entwickelt, um die Durchsetzung der Menschenrechte zu verbessern. Auch die ILO (International Labor Office) entwickelt Standards, an die sich die am gesamten Prozess beteiligten Unternehmen halten sollen.
    Für die Hersteller der RohstoffeRohstoffzulieferer gibt es ebenfalls internationale Empfehlungen.
    Gesetzliche Regelungen finden sich in erster Linie in den USA durch den 2010 erlassenen Dodd-Frank-Act. Mit diesem Gesetz soll verhindert werden, dass Metalle aus politischen Krisengebieten in den Handel geraten.

  • Das Fairphone
    In den Niederlanden wurde ein Mobiltelefon entwickelt, das bereits die meisten negativen Umweltauswirkungen eliminiert und nach hohen Sozialstandards hergestellt wird. Es werden davon derzeit allerdings jährlich nur 60.000 Stück hergestellt. Zu beziehen durch Fairphone.nl

Friedel Hütz-Adams ist in Deutschland der wohl beste Kenner dieser Materie. Seit vielen Jahren erforscht Friedel Hütz-Adams die ökologischen und sozialen Missstände auf den internationalen Rohstoffmärkten. Er hat hierzu eine Publikation verfasst:  „Von der Mine bis zum Konsumenten“ (Die Wertschöpfungskette von Mobiltelefonen), 30 S., Nov. 2012, Herausgeber Südwind e.V., www.suedwind-institut.de

Vortrag Friedel Hütz-Adams: Klicken Sie hier

Kommentare  

#2 Hütz-Adams 2015-03-05 11:43
- Zur Software: Stimmt, Software hat einen großen Einfluss darauf, wie lange ich ein Handy nutzen kann. Auffallend ist, das die Updates immer mehr Speicherplatz fressen und das Gerät oft irgendwann nicht mehr nutzbar ist, weil der Speicher voll ist …
- Zu Fairphone: Von 100% „fair“ ist das Gerät noch weit entfernt. Aber das ist auch nicht der Anspruch der Niederländer, die das Projekt angeschoben haben. Sie belegen, dass es möglich ist, Schritt für Schritt die eigene Lieferkette unter Kontrolle zu bekommen – und setzen damit die Branche unter Druck, da nun vermehrt Kundinnen und Kunden nachfragen, warum die großen Hersteller das nicht genauso machen. Und weil die Netzbetreiber jetzt hoffentlich Nachfragen bei den Lieferanten der Hardware stellen, die ihnen immer erklärt haben, Transparenz in der Herstellungsket te sei wenn überhaupt nur schwer herzustellen und vor allem sehr teuer.

Friedel Hütz-Adams
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#1 Holder 2015-02-04 23:43
- wie ist das Fairphone in dem Kontext einzuschätzen?
- die Software (update-Fähigke it, Kompatibilität) spielt eine wichtige Rolle
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