Mittwoch, 28. März 2012, 19.00 Uhr, Internationales Begegnungszentrum der Wissenschaft (IBZ), Amalienstr. 38, 80799 München
in Kooperation mit „Geld mit Sinn e.V."

Der Nachfrageboom im Goldmarkt scheint keine Grenzen zu kennen. Doch viele Anleger fragen sich auch, welchen sozialen und ökologischen Preis wir für die Förderung und den Handel mit Gold bezahlen. Der nachhaltige Investmentexperte Dr. Christoph Schwingenstein hat die Wertschöpfungskette des Goldes zurückverfolgt und die Nachhaltigkeit eines Geschäfts untersucht, das ebenso lukrativ wie schwer zugänglich ist. Im Rahmen des Vortragsabends erörterte Dr. Schwingenstein die wichtigsten Ergebnisse seiner Recherchen, wobei er insbesondere folgende Fragen beleuchtete:

  • Wie verhalten sich die Bergbaukonzerne?
  • Wie arbeitet der „wilde“ Bergbau?
  • Wie regulieren Regierungen den Bergbau?
  • Wie stark sind kriminelle und kriegerische Aktivitäten mit dem Goldabbau verbunden?
  • Wie verhalten sich die Abnehmer und Verarbeiter?
  • Wiie reagieren die privaten Käufer?
  • Welche Akteure bemühen sich um eine Begrenzung der negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen?

Das Thema ist vor allem deswegen so brisant, weil mit Gold außer den rein materiellen und finanziellen Aspekten auch große emotionale Werte verbunden sind. Der Trauring als Symbol der Ehe oder der Schmuck zur Hebung des Wertes einer Person sind von hoher Bedeutung. Auch im sakralen Bereich spielt Gold eine große Rolle, wie schon in den frühen Berichten der Bibel die Anbetung des goldenen Kalbes oder die Dekoration  von Kirchenausstattungen von der Antike bis heute.

Jedes Jahr kommen global ca. 4.000 Tonnen Gold in Umlauf. Davon werden ca. 2.500 im Bergbau neu gewonnen und ca. 1.500 Tonnen kommen aus vorhandenen Beständen. Hiervon werden für die Herstellung von Schmuck ca. 2.000 Tonnen verbraucht, für Barren und Münzen ca. 1.600 und für Industrie und Zahntechnik ca. 400.

Die ethisch-sozialen und ökologischen Probleme liegen in erster Linie beim heutigen Abbau von Gold im Bergbau.
87 % hiervon finden industriell statt, wo ca. 2,5 Millionen Menschen beschäftigt sind. 13 % werden in Kleinbetrieben von sogenannten informellen Kleinschürfern gewonnen. Hier sind bis zu 20 Millionen Menschen weltweit tätig.
Gold wird heute kaum mehr aus massiven Goldadern gewonnen, sondern durch auswaschen aus zermahlenem Mineralgestein mit Hilfe von hochgiftigen Substanzen wie Cyanit oder Quecksilber.

Die Umweltprobleme sind dabei offensichtlich:
Riesige Abraumhalden zerstören die Landschaft, die giftigen Substanzen werden oft nicht separiert und gelangen ins Wasser, in den Boden und in die Luft. Vor allem bei den Kleinschürfern fehlen jegliche Schutzmaßnahmen für die Beschäftigtem. Erkrankungen sind die Folge. Besonders geschädigt sind die Kinder. Beim industriellen Abbau kommt es zur Vertreibung der Bevölkerung, oft mit militärischer Gewalt. Organisierte Vertretungen der Arbeiter werden gewaltsam verhindert. Es gibt zerstörerische Auswirkungen auf das soziale Gefüge der ansässigen Bevölkerung.
Die NGO „No Dirty Gold Campaign“ bezeichnet den Goldabbau als eines der gefährlichsten

Unter diesen Gegebenheiten kann auf keinen Fall eine Anlage in Gold empfohlen werden. Auch vom direkten Erwerb von Gold oder Schmuck aus  Gold ist abzuraten.

Aus der Sicht der Anleger oder Konsumenten wäre es denkbar, in einen Dialog mit den Anbietern einzutreten. Bei der Bank kann man die Frage stellen, aus welcher Quelle z.B. die Goldbarren oder Münzen bezogen werden. Beim Juwelier kann die Herkunft des Materials erfragt werden.
Erste, noch zaghafte Ansätze zu einer Verbesserung der Situation sind erkennbar. So gibt es vereinzelt Juweliere, die Fair Trade Gold anbieten. Auch im industriellen Bergbau arbeiten die einschlägigen internationalen Vereinigungen auf Druck der neuesten US-amerikanischen Gesetzgebung und durch Initiativen von NGO’s, darunter solchen auch dem kirchlichen Bereich, an Standards zur Verbesserung der Zustände im Sozialen und ökologischen Bereich.  

Dr. Christoph Schwingenstein

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