Freitag, 24. Juli 2015

Referent: Dr. Fred Luks

Wollte alle Welt so leben wie die Menschen in Mitteleuropa – wir bräuchten mehrere Planeten. Gewiss kein zukunftsfähiges Zivilisationsmodell! „Nachhaltigkeit“ hingegen würde bedeuten, dass alle Menschen mit dem, was unser Heimatplanet zu bieten hat, heute und in Zukunft gut leben können. Aber wie können wir uns diesem Ziel nähern?

Der aktuelle Diskurs über diese Nachhaltigkeitsfrage ist wenig zielführend. Denn er hat, so die These des Ökonomen Fred Luks, ein gravierendes Populismus-Problem: In komplizierten Zeiten haben offenbar einfache „Lösungen“ auch dort Konjunktur, wo es um ökologische, soziale und wirtschaftliche Zukunftsfragen geht. Ökonomischer Populismus verspricht mehr vom selben: mehr Technik, mehr Innovation und vor allem mehr Wachstum. Ökologischer Populismus verspricht einfache Wege zur Nachhaltigkeit und setzt entweder auf individuelle Umkehr und Verzicht auf den liebgewonnenen Lebensstil (etwa beim Reisen, Wohnen und Konsumieren) oder auf einen „fundamentalen“ und möglichst raschen Ausstieg aus dem Wachstumswahn unserer Gesellschaft – wenn er nicht gleich mit dem „unvermeintlichen Systemcrash“ liebäugelt und sich auf „die Zeit danach“ einstimmt.

Vielleicht aber ist „gut gemeint“ auch hier das Gegenteil von „gut“? Denn nachhaltige Entwicklung ist ein gesellschaftlicher Such- und Lernprozess. Die Fixierung auf simple Lösungen für komplexe Probleme, wie sie sich auch in der derzeitigen Wachstumskritik finden lassen, führt in eine Sackgasse. Weit besser wäre es, so die Überzeugung von Fred Luks, einen offenen Diskurs zu führen, der seine eigenen Beschränkungen mitreflektiert – und nicht zuletzt auf Humor, Ironie und Lebenslust setzt.

Dr. Fred Luks hat in Hamburg und Honolulu Volkswirtschaftslehre studiert. Er beschäftigt sich seit langem in Forschung, Lehre und Management sowie in zahlreichen Buchpublikationen mit Fragen und Lösungsansätzen nachhaltiger Entwicklung. Luks war mehrere Jahre Vorsitzender der Vereinigung für Ökologische Ökonomie, Gastprofessor an der Universität Hamburg und als Nachhaltigkeitsmanager einer Bank tätig. Seit 2013 arbeitet er als Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit an der Wirtschaftsuniversität Wien.

 

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