Donnerstag 18.04.2013, 19:00 Uhr, Neues Rathaus, Sitzungssaal, Marienplatz 1, München

Referentin: Prof. Dr.(I) Elisabeth Merk, Landeshauptstadt München, Referentin für Stadtplanung und Bauordnung, „Stadtbaurätin“

Podiumsdiskussion mit: Michael Lörcher, Vorstandsvorsitzender

Moderation: Dr. Peter Grassmann, Vorstand

„Mut haben, neue Wege zu gehen“, wenn es um Stadtentwicklung im Zeichen der Energiewende geht, forderte Münchens Stadtbaurätin Prof. Dr. Elisabeth Merk. Bei ihrem Einführungsvortrag im Neuen Rathaus zeigte sie sich zuversichtlich, mit Pilotprojekten in neuen städtischen Quartieren sowie maßgeschneiderten Konzepten für bestehende Viertel  Wege zu finden, um trotz des starken Bevölkerungsanstiegs den motorisierten Verkehr zu mindern, Erholungsflächen zu erhalten und den CO2-Ausstoß zu senken.

Seit den 50er-Jahren habe der Flächenverbrauch im Verhältnis zum Bevölkerungswachstum unverhältnismäßig stark zugenommen, erläuterte Merk eingangs. Während München im Jahr 2009 noch über rund 2.000 Hektar Brachfläche verfügt habe, rechne das Planungsreferat für das Jahr 2020 nur mehr mit 920 Hektar Freifläche, für 2050 gar nur noch mit 250 Hektar. „So kann es nicht weitergehen, wir müssen neue Strategien wagen“, betonte Merk. Ziel müsse es sein, neue Konzepte zu entwickeln und bebaute Flächen durch Nachverdichtung optimaler zu nutzen. Zugleich sei wichtig, Erholungsräume wie den Münchner Grüngürtel zu erhalten. Daher arbeite das Referat seit zwei Jahren unter dem Label Langfristige Siedlungsentwicklung (LaSie) an einem Zukunftskonzept für München.

Derzeit arbeite die Verwaltung intensiv an der optimalen Nachnutzung ehemaliger Kasernen wie der Prinz Eugen- und der Bayernkaserne sowie Betriebsflächen, Beispiel: Siemenswerke.
Ein weiteres großes Projekt sei die Entwicklung und Integration des neuen Stadtteils Freiham, bei dem sozial wie ökologisch verträgliche Mustersiedlungen vorgesehen sind. In Pilotprojekten wolle man auch Holz als umweltverträglichen Baustoff einsetzen.

Bei der energetischen Sanierung und der ökologischen Stadtentwicklung sieht Merk eine große Chance in der besseren Vernetzung – auch über die Stadtgrenzen hinaus: Zum Erhalt der Grünflächen sei es wichtig, Baugebiete gemeindeübergreifend zu entwickeln. Auch die Integration neuer Gebäude in den Altbestand sei nötig. „Es muss gut überlegt werden, was schon steht“, sagte Merk, „Projekte müssen positive Impulse für ihre Umwelt mitbringen.“

Ein besseres Zusammenspiel wünscht sich Merk auch für energetische Sanierungsmaßnahmen im Bestand: „Das wird nur funktionieren, wenn man viele einzelne Eigentümer mit an den Tisch holt und in die Quartiersentwicklung mit einbezieht“. Merk betonte, dass sie die energetische Sanierung daher künftig stärker mit Quartiersbezug durchführen will. Dafür habe man bereits verschiedene Schnittstellen mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) geschaffen; es sei  eine gemeinsame Vorgehensweise entwickelt worden. Die Ertüchtigung des Bestandes will Merk nicht vernachlässigen. „Neubauten machen nur 1 Prozent aus“, stellte die Stadtbaurätin klar. „Wenn wir die Ziele der Leitlinie Ökologie erfüllen wollen, wenn wir deutlich weniger CO2 emittieren möchten, müssen wir uns mit den Beständen beschäftigen“, forderte Merk.
„Energiekonzepte auf Quartiersebene sind das A und O“, sagte Merk. Alleine auf die Wärmedämmung an einzelnen Gebäuden zu setzen, hält sie für „anachronistisch“. „Wir müssen da umdenken“ – man brauche den Blick auf die Quartiersebene mit Neubau und Altbau, um differenzierte Konzepte für die unterschiedlichen Stadtteile zu entwickeln. Dazu gehöre auch der Ausbau der Erneuerbaren Energien, „wir haben viele Flächen für Solardächer“. So habe man in Freiham nicht nur den neuen Stadtteil im Blick gehabt, sondern zugleich die bestehende Siedlungsstruktur in Neuaubing untersucht. „Die oberste Baubehörde hat zugesagt, dass es ein Sanierungsgebiet für energetische Sanierung geben wird“, kündigte Merk an.
Die Stadtbaurätin stellte in ihrem Vortrag klar, dass ein „gut ausgebautes Mobilitätssystem Grundlage eines attraktiven Wohn- oder Arbeitsortes“ sei. Merk setzte dabei vorrangig auf einen weiteren Ausbau der Schieneninfrastruktur in Kombination mit Fuß- und Radwegen. Zu den städtischen Vorzeigeprojekten soll in dem Bereich Nahmobilität künftig auch die Bayernkaserne zählen. Hier möchte Merk grüne Korridore für den nicht motorisierten Verkehr ausbauen, außerdem soll eine Tramverbindung geschaffen werden.
Merk unterstützte auch den Ausbau des Fernwärmenetzes in den neuen Siedlungen. Insbesondere in Freiham biete die Geothermie optimale Voraussetzungen für Fernwärme. „Das ist eine Supersache und wir haben die Chance, mit großen Flächen zu arbeiten“. Eine Ausnahme für die Anschlusspflicht ans Fernwärmenetz der Stadtwerke gebe es jedoch z.B. in der ökologischen Mustersiedlung der Prinz-Eugen-Kaserne. In dem Pilotprojekt mit 500 Wohneinheiten plane die Stadt neben der innovativen Wärme- und Energieversorgung auch den Einsatz alternativer Energieträger.
In der Leitlinie Ökologie sieht sie „ein ganz wichtiges Instrument für die Stadtentwicklung“. Der ökologische Kriterienkatalog und das Integrierte Handlungskonzept Klimaschutz München (IHKM) mit seinen vielen konkreten Maßnahmen hätten direkte Auswirkungen auf die Arbeit im Planungsreferat. „Wir arbeiten ganz gezielt daran, dass wir Bausteine für die Bauleitplanung entwickeln, die wir bei Wettbewerben mit an die Hand geben können.“  Wenn man bestimmte Qualitäten will, müsse man als Stadt in Vorleistung gehen, etonte Merk; das tue die Stadt.

Podiumsdiskussion:

 

 

Michael Lörcher: „Laut einer kürzlich erschienenen Studie zu Klima und Umweltschutz in München sind sich viele Bürger der zahlreichen Bemühungen der Stadtplanung zum Thema gar nicht bewusst. Sind Sie der Meinung, dass es da noch Nachholbedarf gibt?“

Prof. Dr. Merk: Bedarf gebe  es immer. Aber man müsse  auch schauen, was wirklich realisierbar, was am besten wirksam sei. Die Ressourcen sind einfach begrenzt; ja, man müsste das Ganze noch mehr publik machen. Auf der anderen Seite seien diese Themen nicht leicht zu  kommunizieren. „Sie haben es gesehen“, sie, Merk,  bemühe sich schon, mit illustrativen Bildern zu arbeiten, dennoch ließen sich diese Themen oft nur schwer darstellen. Sie setze jetzt darauf, dass sich der notwendige Bürgerdialog in der Bearbeitung der Stadtquartiere, wie beispielsweise der Bayernkaserne, ergebe. So  sei z.B. das Zusammentreffen mehrerer Planungsebenen in Freiham wirklich toll gewesen, weil  in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken, dem neuen Stadtteil und der Geothermie gute Öffentlichkeit erzielt worden sei. In einer Stadt, in der so viel gleichzeitig passiert, erhalte manchmal  das einzelne Projekt zu wenig Aufmerksamkeit. „Helfen Sie uns dabei!“, bat Merk.

Lörcher: „Zu den Instrumenten, die den Klimaschutz unterstützen können:  Bebauungspläne, Entwicklungspläne usw. Es gibt das Integrierte Handlungskonzept, wo einige dieser Instrumente weiterentwickelt werden sollen im Hinblick auf Klimaschutz, Energiewende, Nachhaltigkeit. Aber gerade unter dem Blickpunkt, dass zur Zeit über 80 Prozent der C02-Emissionen aus Großstädten stammen und im Vergleich dazu beispielsweise das oben genannte Projekt sehr geringe finanzielle Mittel bekommt, stellt sich die Frage: Reichen die bisher beschlossenen Anstrengungen aus, um den Herausforderungen des Klimaschutzes gerecht zu werden?“

Merk: Ob sie ausreichen, könne man gar nicht so sagen. Die vorhandenen Instrumente seien intensiv zu nutzen, ehe man neue suche. Und daran arbeite das Planungsreferat momentan auf allen Planungsebenen; z.B. auf Ebene der Energiekonzepte mit dem Referat für Umwelt und Gesundheit (RGU),  um übergeordnete energetische Leitlinien aufzustellen. Ganz konkret: Das Planungsreferat erarbeite zur Zeit ein Konzept für die Flächennutzungsplanungsebene und für die Bebauungsplanungsebene; also ganz konkrete Bausteine, die sozusagen modulhaft dann auch wieder eingesetzt werden könnten. Ein ganz wichtiges Instrument  für die Städte sei das „besondere Städtebaurecht“. Wenn es gelingen würde, dass in den Ministerien beim Bund und beim Freistaat ressortübergreifend zwischen dem Städtebau (im Bundesbauministerium, A.d.V.) und den Ressorts Umwelt einerseits und Wirtschaft andererseits kooperiert  würde, damit er wirklich Raum-bezogen zur Wirkung kommt, dann würde die Stadtentwicklung in Wirksamkeit, Effizienz und Zeit viel, viel besser dastehen als heute. Die Wirklichkeit sei aber, dass die Städtebauförderung gerade mal so gehalten  und keineswegs ausgebaut wird. Dabei gehe es aus Sicht der Stadtbaurätin weniger um die Finanzen, sondern eher um das Planungs-Instrument „besonderes Städtebaurecht“. Und diesen Beweis wolle sie  mit dem Pilotprojekt Freiham antreten. Das Tolle sei, dass man den lokalen Bezug habe –  sie glaube, das sei nur über diese Quartierskonzepte richtig hinzubekommen.
Sie  träume, so die Stadtbaurätin, von einem neuen Städtebauförderungsprogramm der  Bundesregierung, das sich „energetischer Stadtumbau“ nennt, nach dem Modell des Stadtumbaus, wie sie ihn nach der Wende in Ostdeutschland kennengelernt habe. Es handelt sich  mit der Energiewende nämlich tatsächlich um ein Thema, das schrumpfende wie wachsende Städte gleichermaßen betrifft. Und es käme dem Klima, der energetischen Ertüchtigung und der Baustruktur unserer Städte gleichermaßen zu Gute.

Lörcher: „Thema Siedlungspolitik: Wie kann man die Pendlerströme von der Wohnung zur Arbeit  reduzieren? Alle Prognosen sagen voraus, dass diese im Raum München weiter zunehmen werden. Sie hatten bereits Lösungsansätze in den Neubaugebieten geschildert, aber was wird in den Bestandsquartieren unternommen?“

Merk: Es werde das gemacht, was derzeit möglich sei, z.B. Parkraumbewirtschaftung. Das gefalle sicher nicht jedem, dennoch zeige sich generell, dass es der richtig Weg sei. Des Weiteren versuche man, bei der Bestandsentwicklung der Quartiere, den Stellplatzschlüssel (das Zahlenverhältnis von Wohneinheiten zu ausgewiesenen Parkplätzen, A.d.V.) kritisch zu hinterfragen.
Vor dem Hintergrund  der tatsächlichen Bestände und  Strukturen in der Stadt, sei kritisch zu prüfen, ob und wie die Arbeits-Pendlerströme zu steuern sind; das sei sicher sehr differenziert zu sehen.  Man müsse schon überlegen, wie die Schnittstellen von individueller Mobilität und öffentlichem Nahverkehr besser verzahnt werden können. Was die Pendlerströme angeht,  müsse man in diesem Leitbild einer großräumigen Siedlungsentwicklung umdenken. Die Säule Umwelt und Gesundheit und die Säule Mobilität verbänden sich genau beim Thema Siedlungsentwicklung. Es gehe an sich um „Erreichbarkeit“; und wenn diese vorhanden ist, sei  es zunehmend vielen Menschen egal, wie sie diese dann umsetzen. Es sei gar nicht mehr so, dass alle unbedingt das Auto wollten.

Lörcher:  „Eine visionäre Frage zum Abschluss: Wann haben wir den Zustand der „Morgenstadt“ erreicht, wie sie in der Studie der Fraunhofer-Gesellschaft skizziert wird?“

Merk: In der Zeitung stand mal, die Stadtbaurätin solle zaubern lernen; jetzt also auch noch hellsehen. Sie  glaube , dass  die Stadt mit den vorhandenen Möglichkeiten auf einem guten Weg  sei; aber auch, dass das Thema „Zukunftsfähigkeit der Städte“ absolut intensiviert werden muss und zwar in allen Kapiteln. Gerade in der Stadt- und Gebäudeplanung werde schon wahnsinnig viel  getan, im Verhältnis zu dem, was man leisten kann. Die Ziele würden aber nur erreicht werden können, wenn  auch die Wirtschaft, Industrie und  Gewerbe, sich  dahinter klemmen würde.
Und wenn sie  dann sehe, wie viele Gelder in andere Politikbereiche gesteckt werden – gemeint sei allerdings  die Bundesebene – dann  meine sie wirklich, dass man unter dem Gesichtspunkt klimafreundliche Zukunftsfähigkeit von Städten finanziell umpolen müsste. Sie als Stadtbaurätin sei  da gewillt; schon mit den  vorhandenen Instrumenten könnte man viel mehr tun. Auch das Geld sei  da, es werde  aber nicht an der richtigen Stelle wirksam gemacht.

Publikumsdiskussion:

Siedlungsentwicklung:

Zuschauer: „Ich wohne wenige Stationen vom Zentrum entfernt in einer Gegend mit vielen Einfamilienhäusern und Gärten. Wird auch mein Urenkel noch in meinem Garten spielen können?“

Merk: „Sie haben mir anscheinend nicht richtig zugehört“, sagte Frau Merk, „ja, ihr Enkel wird den Garten haben“. Es gehe hier nicht ums Zupflastern von Grünbereichen, sondern es gehe im Gegenteil darum, Wachstum so zu steuern, dass solche Qualitäten erhalten bleiben.

Zuschauer: „Ich möchte nochmal auf Ihren Traum zurückkommen, quartiersbezogen verschiedene städtebauliche Maßnahmen einzuleiten – und da wird sicher nicht nur der eine Wunsch sein, die Fördermittel zu erhöhen, sondern da wird es auch noch andere Wünsche geben im Ordnungs- oder Planungsrecht. Vielleicht geht es auch darum, eine Koordinationsstelle zu schaffen, die als Schnittstelle für mehrere Interessen innerhalb der Stadt wirken könnte. Wünschen Sie sich – um ganz konkret zu fragen – mehr Macht für die Stadtbauräte in den kommunalen Verwaltungen?“

Merk:  Die Frage sei  falsch gestellt: Es gebe Situationen, in denen Einzelne sehr viel Macht hätten und das Ganze trotzdem an die Wand gefahren wurde. „Wir sollten mehr auf enge Zusammenarbeit und Kooperation setzen“, plädierte die Stadtbaurätin. Es  sei  nach wie vor richtig, dass es unterschiedliche Kompetenzen und Zuständigkeiten gibt, also auch in den Ressorts der Stadt. Selbst in  ihrem Planungsreferat seien sich ja nicht immer alle einig; aber aus  Dialog und  Auseinandersetzung erwüchsen oftmals die guten Ideen und Konzepte. Sie glaube, man sei dann „mächtig“, wenn man gut mit anderen zusammenarbeite und damit letztlich auch erfolgreich sei. „So wie wir das eigentlich schon ganz gut hinkriegen“, ihre Bewertung. Natürlich wäre viel mehr an Gefolgschaft und Überzeugungstätern wünschenswert; aber das Eine sei, etwas zu verkünden, das Andere, das dann wirklich auch umzusetzen. Dann werde es nämlich wirklich mühsam, auch für die Mächtigen.

Grassmann: „Wenn ich da eine Frage nachschieben darf: Man hat diese widerstrebenden Dinge im Mietrecht, man hat Fragen wie Anschlusspflicht, Fernwärme ja oder nein, man hat natürlich auch bei Genossenschaften, großen Eigentumsgemeinschaften und Immobiliengesellschaften ganz andere Möglichkeiten, dazwischen sitzen wilde Spekulanten und wir haben idealistische, aber auch ganz und gar unwillige Eigentümer:  Muss für das Zusammenspiel all dieser Faktoren die Gesetzeslandschaft nicht an einigen Stellen verbessert werden, um planerisch einheitlicher werden zu können?“

Merk: Natürlich könne sie sich an einigen Stellen andere Steuerungswege vorstellen. Z.B. Thema Anschlusszwang: Dort, wo mit Geothermie Fernwärme geliefert werde und es sich um städtischen Grund handelt, der erst veräußert werden soll, sollte das über die rechtlichen Möglichkeiten des Anschlusszwanges natürlich auch getan werden. Auf der anderen Seite  brauche man in so einer großen Stadt auch Bereiche, die frei sind von solchen Zwängen, um sich weiterentwickeln zu können. Es sei  eine schwierige Abwägung, aber man müsse eine Balance finden. Es gelte, das Eine zu tun im  richtigen Maß und vor der Erkenntnis, die wir heute haben. Denn Klimaschutz und Energie sind Bereiche, die sich sehr schnell entwickeln. Es sei falsch, wenn Dinge zementiert würden, die sich dann in zehn Jahren als Unfug herausstellten.  
Zur Frage der Mieten, die in München sicher ein viel größeres Problem ist, als in anderen Orten: Es reiche halt nicht, ein Pilotprojekt mit  400 Wohnungen zu  realisieren, wenn man 7.000 bauen müsste. Und wenn diese dann zugleich wirtschaftlich sein sollen, aber auch mit sozialverträglichen Mieten versehen. Dann könne sie sich durchaus vorstellen, mit diesen Problemen anders umzugehen; auch, dass Eigentümer stärker in die Pflicht genommen werden müssten.  
Die Erfahrung habe allerdings auch gezeigt, dass so etwas wie die klassische Stadtsanierung durchaus helfe, viele einzelne Eigentümer an einen Tisch zu holen, die dann auch bereit seien zu investieren.  Solche Instrumente, die auf „Ins-Boot-holen“ setzen, seien sehr vielversprechend. Vermutlich werde man mittelfristig auch gar nicht drumherum kommen, an einigen Stellen über Gesetzesinitiativen deutlichere Zeichen zu setzen. Ihr Appell sei, dabei  räumliche Belange mit einzubeziehen und nicht außen vor zu lassen, wie es leider in der Vergangenheit oft passiert sei. Da gebe man viel Geld an der falschen Stelle aus und werde wenig wirksam. Und zu solchen Negativ-Beispielen könnte man dann auch eine Stadtrundfahrt machen.

Energie:

Zuschauer: „Ich würde gerne konkret auf die Energiefrage kommen. Sie haben die Fernwärme gelobt, derzeit ist die Fernwärme aber fossil und ob sie in Zukunft regenerativ sein wird, wissen wir  nicht. Mich interessiert, wie Sie aufpassen, dass die Fernwärme wirklich regenerativ sein wird. Aktuelle Vorstellungen prognostizieren, dass im günstigen Fall die Grundlast, also etwa 30 bis 50 Prozent, regenerativ sein wird. Und es macht ja wirklich keinen Sinn, fossile Netze auszubauen.
Zweite Frage: Sie haben Einiges zu  Neubauquartieren erzählt, aber bei den Bestandsquartieren sich nur heftig gegen Dämmprogramme ausgesprochen, ohne allerdings Lösungsansätze vorweisen zu können. Ich erwarte aus ihrem Referat ein bisschen was Konkreteres zu diesem Thema.“

Merk: Sie habe sich nicht vorbehaltlos für die Fernwärme ausgesprochen; Fernwärme sei momentan faktisch  vorhanden und somit ausbaufähig. Die Experten seien sich einig, dass es sinnvoll sei , in einer Großstadt das vorhandene Netz, dort wo man es kann, erst mal weiter auszubauen, und zwar unabhängig davon, womit man das Netz letztendlich speist. Es sei  allerdings die Aufgabe des Aufsichtsrats der Stadtwerke und des Stadtrats zu überprüfen, ob sich die Stadtwerke tatsächlich an die Vorgaben halten.
Aber natürlich würden auch Evaluierungen in den Quartieren hinsichtlich alternativer Energieversorgung gemacht;  gerade  Freiham und Neuaubing würden Gegenstand weiterer Betrachtungen. Sie sei der Meinung, dass das, was dort angegangen wird , innovativ und deutschlandweit einzigartig sei. Man dürfe dabei nicht vergessen, das der Bestand  oft  nicht  im Besitz der Stadt München ist. Dort, wo Einfluss genommen werden könne, versuche die Stadt  wirklich modellhaft, bestimmte Themen auszuprobieren.

Grassmann: „Die Fernwärmenetze sind in Gebieten, die geothermisch geeignet sind, zweifelsfrei ein Weg, den man gehen muss. Aber wie sieht denn der „Gesamtfootprint“ aus?  Eine solche Fernwärmeleitung zu errichten, bedarf in sich ja auch erheblichen Energieaufwand, und sie hat Energie-Verluste über die Verteil-Strecke. Wie präzise kann man denn eingrenzen, wo ein Fernwärmenetz gut oder schlecht wäre?“

Merk: „Also da müssen Sie wirklich den Umweltreferenten einladen“, sagte die Planungsreferentin. Sie sei an dieser Schnittstelle angewiesen, dass dort, im Umweltreferat, das grundlegende Konzept erarbeitet wird, auf das dann das Planungsreferat mit dem zweiten Schritt weiterarbeite. Natürlich sei  der Anschlusszwang eine Frage, wenn es z.B. um Grundstücksvergaben geht, weil die dann  mit dieser Vorgabe auch versehen werden müssten. Es gebe gesamtstädtische Karten, die die Stadtwerke von ihrem Netz zeichneten; mit deren Experten werde dann überlegt, wie es mit der „großen“ Stadtentwicklung weitergehen mag. Sie habe deutlich gemacht, dass sie durchaus dezentrale Strategien auch für klug halte. Das müsse im Einzelnen sehr intensiv diskutieren werden. Aber sie  halte es für hausgemachten Unfug, an der Stelle, wo das Netz sinnvoller Weise nochmal ergänzt werden kann, es dann nur halb zu machen. Und es gebe genügend viele Bestände ohne Fernwärmenetz, wo mit ganz anderen Lösungen rangegangen werden könnte, z.B. mit Solarenergie.

Grassmann: „Wie kann man Solarkollektoren und ein ansprechendes Stadtbild  verbinden? Ich denke da besondes an Denkmalschutz.“

Merk: Wenn man das klug mache, dann vertrage es sich auch. Es gebe mittlerweile hervorragende Technologien, konstruktive Lösungen, wo auch im Denkmalschutz gute Ergebnisse erzielt werden.  Oft sei im Planungsreferat aber zu erleben, dass jemand mit absolut grässlichen Teilen daher komme, die man unpassend obendrauf bauen will; das gehe dann planungsrechtlich nicht.
Es gibt allerdings auch die städtische Stadtgestaltungskomission, die z.B. die Staatskanzlei, als das Gebäude oben mit Solarkollektoren versehen werden solllte, vorgeladen hat. Aber jetzt sehe die erzielte Lösung  eigentlich ganz gut aus. Da es oft um Einzelbauten gehe, gelte es, die Bauherren zu überzeugen, dass sie da ihren Beitrag leisten. Und die Industrie müsse in dem Bereich natürlich so weiter entwickeln, dass Solaranlagen auch im größeren Stil und auch im denkmalgeschützten Bereich umsetzbar werden.

Bauweisen:

Grassmann: „Was gibt es zum Thema Bauweisen, inklusive der energetischen Gebäudesanierung, aus städtebaulicher Sicht zu erläutern?“

Merk: Bei der Gebäudesanierung generell gebe es recht gute Voraussetzungen, auch zügig voranzuschreiten. Da sei ein großer Bestand aus der Nachkriegszeit, der gestalterisch nur in Einzelfällen sensibel sei. In München gebe es vorwiegend Putzbauten, bei denen  man mit Wärmedämmung gut zurecht komme, wenn der Vorgang vorher gut geplant wurde; sowohl gestalterisch als auch energetisch. Die Stadt-eigenen Gesellschaften hätten auch gute Erfahrungen dabei gemacht, die energetisch optimierten Bestände aufzustocken; insbesondere mit der Holzbauweise, die sich sowohl statisch als auch optisch oftmals gut einfüge.
Aus dieser Erkenntnis sei  auch die Überlegung erwachsen, die Holzbauweise mal in einem Stadtquartier in den Vordergrund zu stellen. Wie innovativ man letztlich sein kann, werde dieses Jahr entschieden. Man werde sicher nicht die ganz großen Geschossbauten mit Holz konstruieren können, aber im mittleren Bereich seien gute Entwicklungen durchzusetzen. Insbesondere das Gebiet Prinz-Eugen-Kaserne sei  da ein gutes Übungsfeld, weil die Bebauungsstrukturen dort auch kleinteiligere Bauten ermöglichten. Sowohl gestalterisch als  auch energetisch ein wichtiger Beitrag.
Die Stadt habe Fördermöglichkeiten, um bestimmte Projekte aktiv auch finanziell zu unterstützen. Auch das Bauzentrum versuche mit seinen Beratungen solche Dinge anzustoßen. Aber auch im Rahmen des Baugenehmigungsprozesses werde sicherlich eine verstärkte Bauherrenberatung benötigt.  Darum gebe es jetzt auch Energieberater im Planungsreferat. Wichtig sei aber auch, dass die richtige Umsetzung von festgesetzten Sanierungsmaßnahmen hinterher überprüft werden kann.

Wie weiter?

Zuschauer: „Ich war neulich bei einem Vortag zum Thema „Smart Cities“ in Wien. Dort gibt es einen Aktionplan und zahlreiche angepeilte Ziele,  sodass man sich die ganze Planung viel besser vorstellen kann. Mich interessiert nun, ob es auch in München ähnliche Planziele gibt, die man gegebenenfalls kommunizieren könnte, damit jeder weiß, wie es in zehn, 20, 30 Jahren bei uns aussschauen könnte.“

Merk: Natürlich gebe es die und sie seien auch veröffentlicht. Einmal lägen sie in den Stadtratsbeschlüssen vor, aber auch in anderen Veröffentlichungen wie der Leitlinien Ökologie, dem Bündnis für Klimaschutz oder dem erwähnten IHKM. Wo aber beizupflichten sei: Es wäre wirklich gut, wenn das alles in einer relativ konzentrierten, einfach handbaren Form noch Mal dargestellt würde. Und das sei sicherlich auch etwas, das man im Internet verfügbar machen sollte. "Das werde ich mitnehmen und weitertragen“, schloss die Stadtbaurätin.

Für Die Umwelt-Akademie e.V.
Marco Eisenack, Grün und Gloria.de




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