in Kooperation mit SlowFood e. V. Deutschland, Convivium München

19.07.2016

Referenten:

  • Jutta Saumweber, Ernährungsexpertin, Verbraucherzentrale Bayern
  • Dr. Michael Lüdke, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
  • Nikolaus von Doderer, Geschäftsführer UNSER LAND GmbH
  • Günter Blodig, Geschäftsstellenleitung Augsburg, ABCERT AG


Die Kernfrage des Abends war, ob es – angesichts bereits zahlreicher gut eingeführter Biosiegel – das neue bayerische „Regional und Bio“-Siegel braucht oder ob es eher zur Verwirrung führt.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale heißt die Antwort darauf „Ja“, aus dem einfachen Grund, weil es bislang ein Verbindlichkeitsproblem auf dem Sektor „Regional“ gibt. Während die Herstellung von Bio-Produkten gesetzlich geregelt ist und der Verbraucher genau weiß, was er z.B. von einer Marmelade zu erwarten hat, die das Demeter-Siegel trägt, gilt dies bislang für Regionalität nicht. Tatsächlich wünschen sich aber immer mehr Menschen, nicht nur „Bio“ zu kaufen, sondern dabei auch im Sinne der Nachhaltigkeit regionale Wertschöpfungsketten zu unterstützen. Wenn ich mit meinem Einkauf die Existenz des Bauern vor meiner Stadt sichern kann, warum sollte ich dann das gleiche Produkt aus z.B. niedersächsischer Herstellung kaufen, das zudem einen unnötig langen Transportweg hinter sich – und damit eine deutlich schlechtere CO2-Bilanz – hat.

In diesem Sinne stellt das neue Siegel eine Verbesserung und nützliche Einkaufshilfe für uns Verbraucher dar, denn es verbindet die beiden Kriterien bio und regional. Konkret heißt das: Auf Bio-Ebene verspricht es höhere Qualität als EU-Bio-Standard, nämlich Bioland-Kriterien. Darüber hinaus bietet es geprüfte Herkunftskriterien, sprich alle Schritte von der Erzeugung bis zur Verarbeitung des Produkts müssen in Bayern erfolgt sein. So weit so gut.

Tatsächlich ist der Regionalbegriff des neuen Siegels mit „ganz Bayern“ relativ weit gefasst und es stellt sich die Frage, ob eine Wurst, die bei Würzburg produziert wurde, in München (ganz unabhängig von etwaigen Animositäten zwischen Bayern und Franken) noch als regional gelten kann. Zumal es bereits Marken wie „Unser Land“ gibt, wo nur die Produktion innerhalb des Landkreises als regional gilt und die einzelnen Produkte häufig sogar personalisiert sind.

Zudem könnte das geforderte Kriterium, dass alle Herstellungsschritte in Bayern erfolgt sein müssen, ein Grund für manchen Bauern sein, sich gerade nicht zertifizieren zu lassen. Denn das würde bedeuten, dass ein Landwirt aus dem Grenzgebiet zu Österreich, der bislang seine Futtermittel von dort bezieht, sich nach einem neuen Lieferanten aus Bayern umsehen müsste. Was möglicherweise gar nicht so einfach ist und dazu höchstwahrscheinlich mit längeren Transportwegen verbunden wäre – also eigentlich die Nachhaltigkeit seines Produkts reduziert.

Von daher wird abzuwarten sein, wie viele Lebensmittelproduzenten sich mit dem neuen Siegel zertifizieren lassen (bislang sind es 50 Hersteller mit 500 Produkten) und wie die Verbraucher den Regionalitätsfaktor einschätzen.

 Präsentation Jutta Saumweber: Klicken Sie hier

  Präsentation Dr. Michael Lüdke: Klicken Sie hier

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