Donnerstag, 27. März 2014
19:00 Uhr
Neues Rathaus, Großer Sitzungssaal, München, Marienplatz 8

Referent: Prof. Dr. Thomas Hamacher, Technische Universität München (TUM), Lehrstuhl für Energiewirtschaft und Anwendungstechnik

Welche europäischen Länder sind – gemessen an Wachstumsrate der Wirtschaft (BIP), Anteil erneuerbarer Energien und Gesamtenergieverbrauch – führend? Bulgarien, Estland und Schweden erfüllen ihre Ziele von 2020 schon heute; Deutschland erst zu 12,4%! Nichts da mit „Energiewende-Weltmeister“ (Quelle: Statistisches Amt der EU, zitiert nach Wirtschaftswoche 19.03.14.)

Das Thema „Energiewende Europa“ hat mindestens zwei Aspekte: Welche (technischen) Folgen hat der Energiewende-„Alleingang“ Deutschlands auf die europäischen (Nachbar-) Länder? Und welche Ziele setzt sich die Europäische Union hinsichtlich Energiewende, Abkehr von fossiler Energiewirtschaft, CO2-Klimaschutz für die Periode ab 2020?

Dass es „knirscht“ zwischen Deutschland und einigen Nachbarländern ist medienbekannt: Polen und Tschechien wollen Bollwerke gegen deutschen offshore-Windstrom errichten, Belgien und Niederlande haben sie schon: „Phasenschieber“. Weil deutsche Überlandleitungen von der Nordsee nach Süddeutschland fehlen, drückt offshore-Windstrom in die Übertragungs-Netze der Nachbarstaaten; diese drohen zu kollabieren, blackout´s werden befürchtet. Deshalb sollen dort für viele hundert Mio. Euro riesige Transformationen gebaut werden, die den deutschen Stromdurchfluss begrenzen können; mit der Folge, dass wiederum deutsche Netze überlastet würden. Denn der Strom sucht sich physikalisch „seinen“ Weg des geringsten Widerstands. Deutschland täte gut daran, seine Energiewende-Politik mit den europäischen Nachbarn abzustimmen, denn die haben den „Stromkrieg“ erklärt.

Zeitgleich grätscht die EU-Kommission in die deutsche Energiewende-Politik Deutschlands: Es geht vordergründig um die Wettbewerbskonformität der „Beihilfen“ aus dem Erneuerbaren Energien-Gesetz (EEG): Ob der zuständige EU-Wettbewerbskommissar die EE-Stromerzeuger-Subventionen durch die privaten Stromnachfrager, also mit dem EEG die gesamte Energiewende kippen will oder „nur“ die überbordenden Ausnahmen zugunsten energieintensiver Industriebetriebe, bleibt in dem seitens der EU-Kommission offiziell eingeleiteten „Straf“-Verfahren gegen Deutschland bislang offen.  Erstaunlich nur, dass die EU-Kommission die „Beihilfen“ – also die Steuerzahler-Subventionen zugunsten Kohle und Atom – nicht angreift. Oder ist das gar nicht erstaunlich? EU-Energiekommissar Oettinger bereitet das europäische Ziele-Paket für die Periode ab 2020 vor: Galten bisher EU-bindende Ziele für Energiesparen, Anteile von Erneuerbare Energien etc., soll es künftig nur noch (abgeschwächte) CO2-Klimaziele geben. Jeder Nationalstaat kann dann energiepolitisch machen, was er will: Großbritannien und Litauen bauen neue AKWs, Frankreich ruht sich auf seinem Staatskonzern EDF mit 80% Atomstrom aus, Polen und Tschechien setzen zunehmend auf Braunkohle, die Alpenstaaten mit ihrem Erneuerbare-Energien-Ansatz werden wettbewerbsrechtlich eingebremst.

Deshalb: „Energiewende europäisch denken!“. Prof. Dr. Thomas Hamacher, Technische Universität München (TUM), ehem. Lehrstuhl für Energiewirtschaft und Anwendungstechnik, jetzt Lehrstuhl für Erneuerbare und Alternative Energien, hat am 27.03.14 breit über die Energiesituation weltweit, Europas und – darin eingebettet – Bayerns berichtet. Seine Hauptthese: Gleichgültig welche Art der Stromerzeugung der jeweilige Nationalstaat wählt und gleichgültig wie er seine Energieversorgung organisiert (dezentral oder zentral): Erneuerbare Energien werden technisch nur zunehmen können, wenn sich die Staaten stärker vernetzen. Im wahrsten Worte: Nach Hamacher werden europaweit doppelt so viel Übertragungsnetze als heute benötigt.  

 Materialien zu Prof. Dr. Hamachers Präsentation: Klicken Sie Hier! und Hier!

Kommentare  

#1 Hans Arpke 2014-03-25 08:30
Habe Leider am 27. schon einen Termin. Wenn wir die europäische Versorgung anschauen ist wichtig, wie weit Frankreich zwischenzeitlic h auf die Versorgung aus Deutschland (über die Pufferung in Österreich und Schweiz) angewiesen ist. Nur mit diesem Blick ist auch zu verstehen, warum die Versorger die HGÜ-Leitungen wollen. Früher kam die Versorgung nachts aus der Überproduktion der AKW, heute sollen das Überkapazitäten in Norddeutschland übernehmen.
Weil den Versorgern "Power to Gas" zu teuer ist, sollen wir denen HGÜ-Leitungen bezahlen?
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