in Kooperation mit dem Museum Mensch und Natur

16. März 2017
19.00 Uhr
Museum Mensch und Natur, Schloss Nymphenburg

Referent: Dr. Maximilian Hempel, Leiter der Projektgruppe Ressourceneffizienz, Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Maximilian Hempel studierte Geologie und promovierte 1993 an der TU Hamburg-Harburg zum Thema Quecksilber in der Umwelt. Er leitet seit 2002 das Referat Umweltchemie, seit 2016 die Projektgruppe „Ressourceneffizienz“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die DBU ist eine der größten Stiftungen Europas. Sie fördert innovative, modellhafte und lösungsorientierte Vorhaben zum Schutz der Umwelt unter besonderer Berücksichtigung der mittelständischen Wirtschaft.

Vier der 17 drängendsten globalen Handlungsfelder von dem „United Nations Sustainable Development Summit 2015“ betreffen den Stickstoff- und Phosphateinsatz. Hier ist Kreislaufwirtschaft die Lösung, um wieder weg zu kommen von gravierendsten Schäden wie ungenießbares Trinkwasser und umkippende Seen und Meere. Denn alljährlich bewirken von den Nutzpflanzen nicht aufgenommene Düngemittel diese Belastungen in Böden, im Wasser und letztlich in Meeren wie der Ostsee. Beide Stoffgruppen, ob als „Gülle - Abfall“ entsorgt oder als Dünger ausgebracht, haben also direkten Einfluss auf unsere Wasserqualität und damit unsere Gesundheit, auf die Vielfalt des Lebens (Biodiversität) an Land und im Wasser. Sie sind ein Indikator für verantwortungsloses bzw. verantwortungsvolles Wirtschaften.

Maximilian Hempel zeigte den akuten und dringlichen Handlungsbedarf zu den Stickstoff und Phosphat an Hand der „Planetaren Leitplanken“ Prof. Johan Rockström verändert nach Steffen, Will, et al. (2015), Science.

Bei beiden Elementen wir sind wir weit im „Roten Bereich“ und haben den sicheren Handlungsraum unseres Wirtschaftens weit überschritten. Schon jetzt können wir die Schäden unseres Handelns erkennen, messen und quantifizieren. Leider bedeutet das noch nicht, dass dies die Legislative, Exekutive und Verursacher so einfach zu einer Handlungsänderung veranlasst. Gerade bei Stickstoff ist der Hauptverursacher die Landwirtschaft. Dort ist alleine die maßlose und die unsachgemäße Fleischproduktion mit Gülle- und Stickstoffausbringung ursächlich für 25 % des stickstoffbedingten Artensterbens. Obwohl die Gesetzeslage eindeutig vorgibt, dass die Stickstoffausbringung nicht zu einem Anstieg von Nitrat im Grundwasser (Trinkwasser) führen darf, mangelt es aus politischen Gründen an einer erfolgreichen Gegensteuerung. Ein neues Denken und Handeln der Verursacher und der Verbraucher ist der einzige Weg aus der bestehenden nahezu bundesweiten Notlage, ohne dass der Referent dabei viel Hoffnung aufkommen ließ. Beim Phosphateinsatz in der Landwirtschaft sieht es nicht besser aus.

Anders gestaltet sich die Situation bei den Phosphaten aus Kläranlagen.

Der Austrag in unsere Gewässer aus Kläranlagen konnte mit Phosphatfällung und Umstellung von Waschmitteln (phosphatfrei) wesentlich reduziert werden.

Dabei sind wir hier noch nicht in der Kreislaufwirtschaft angekommen, da das Phosphat lediglich aus dem Wasserkreislauf herausgenommen wird, aber noch nicht in den Düngekreislauf überführt, also quasi recycliert wird. Versuche hierzu laufen allerdings erfolgreich.

Phosphate – als Bodenschatz abgebaut und noch nicht in Kreislaufwirtschaft wiedergenutzt – sind dazu verunreinigt mit Cadmium und Uran. Beides ist in Böden und im Trinkwasser schon signifikant angestiegen und haben messbare negative Folgen für unsere Gesundheit. Das Uran ist giftig, radioaktiv und cancerogen, das Schwermetall Cadmium ist giftig und cancerogen.

Einerseits sind Phosphate und Nitrate lebensnotwendig und in Stoffgruppen wie dem ATP (Adenosintriphosphat – wesentlich für den tierischen und menschlichen Stoffwechsel) oder der DNS (Disoxyribonucleinsäure – Träger von Erbgut) enthalten. Andererseits führen Phosphate und Stickstoff bei der aktuellen Überdosierung zu sauerstofffreien Zonen und zum Umkippen von Gewässern.

Im Bereich der Kläranlagenwirtschaft verwies Dr. Hempel auf laufende Projekte zur Schließung des Phosphatkreislaufs. Hier machte er Hoffnung auf eine zeitnahe Verbesserung der Situation mit dem Hinweis darauf, dass die Kläranlagenbetreiber als Zielgruppe gut motivierbar sind, wenn sie die Möglichkeit haben, die Kosten neuer Techniken auf die Gebühren umlegen zu können.

Präsentation Dr. Maximilian Hempel: Klicken Sie hier!

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