7. Juli 2015  

Referent: Dipl. Ing. Andreas Heidinger, Mitglied Forschungsverbund Hobos

Moderation und ökologischer Kontext:  Dr. Nico Döring

Millionen Jahre lebte die Honigbiene in Baumhöhlen, die der HOBOSphere-Bienenkugel recht nahe kommen. Eine Baumhöhle hat dicke Wände. Das hat Vorzüge für die Bienen, welche der Bienengesundheit, der Vitalität des Volkes und den natürlichen Fortbestand fördern. Baumhöhlen sind gut isolierend; damit verbrauchen die Bienen weniger Heizmaterial (Honig) um den Bienenstock im Winter und die Brut ganzjährig auf Temperatur zu halten. Legen Bienen in der HOBOSphere-Bienenkugel weniger Drohnenwaben an, weil so wie in den natürlichen Baumhöhlen ein geringerer Heizbedarf besteht?

Das Totholz der Baumhöhle nimmt im Gegensatz zum Holz der üblichen Bienenstöcke ein Vielfaches an Wasser auf, ohne zu schimmeln.
Erst seit ca. 150 Jahren wird mit Beuten dünnwandigen Brettern eckigen die zudem eckig sind, geimkert. Das führt zu schneller Überhitzung und Auskühlung sowie zu Kondenswasser in kalten Ecken, so wie in schlechten Häusern. Das alles ist Stress für unsere Bienen. Die einsetzende Schimmelbildung macht krank - auch die Bienen - welche diese Ecken meiden, so wie es jeder Imker weiß. Der Modellbauer, Gießereitechniker und Imker Andreas Heidinger startete mit seinem beruflichem Know how und seiner Bienenkenntnis zusammen mit dem Bienen Professor Jürgen Tautz an der Universität Würzburg und dem Hamburger Biologen Torben Schiffer, nun ein umfassendes Forschungsprojekt dazu, wie sich Bienen wohl fühlen und gesund sind.

Die HOBOSphere-Bienenkugel ist der Natur abgeschaut, und sie entspricht dabei in Vielem Standards der Baubiologie: Gesunde“ Baustoffe aus dem Naturkreislauf mit guten Dämmwerten, ein klimatisierender Wandaufbau, der dazu die Feuchtigkeit ausgleicht, und antibakterielle Oberflächen sind qualitative und bauphysikalische Eigenschaften der Bienenkugel vergleichbar zu einer guten Baumhöhle. Andere Funktionen der Bienenkugel, Synergien und Symbiosen sind erst zum Teil aufgeklärt. Symbiose Partner sind z.B. unscheinbare wenige Millimeter kleine ungiftige Bücherskorpione (Pseudoskorpiones). Man kennt sie als Nützling aus unseren Wohnungen, wo sie sich auch von Allergie auslösenden Hausstaubmilben ernähren. In Wohnungen kommen sie allerdings auch nur vor, wo sie ihren geeigneten Lebensraum vorfinden. Ein Bücherskorpion vertilgt in Symbiose mit den Bienen täglich 6 - 8 Varroamilben, die letztlich ein ganzes Bienenvolk umbringen können. Dafür braucht er geeignete Nischen im Bienenstock.

Weitere Symbiose Partner sind die Roten Waldameisen. Sie die Entfeuchtung des „Bienenhauses“ regulieren, so dass kein Schimmelbefall aufkommt. Dazu sind Bienen selbst nicht fähig. Womöglich erhalten die Ameisen dabei als Futter den täglichen eiweißreichen „Kehricht“ der Bienen und sind somit gleichzeitig Abfallentsorger im Bienenstock. Natürlich gibt es auch andere Ameisenarten – Räuberameisen -, die versuchen an den Honig zu kommen. Das ist ein anderes Kapitel. Die HOBOSphere-Bienenkugel wird heute schon in Kleinserie gebaut und mittlerweile in mehreren Kontinenten in der Bienenhaltung getestet. Mittlerweile sind über hundert Bienenkugeln im Einsatz. 499 € ist der aktuelle Preis. In dem HOBOSphere Forschungsprojekt werden nun auch Bienenblühpflanzen und ihre Bedeutung für Bienen einbezogen. Dabei können Forscher einzelne Bienen „nachverfolgen und erkennen, wen und welche Blüte sie wann besuchen oder was sonst sie gerade tun.

Hier geht es insbesondere darum, wie sich die Vielfalt der Natur (Biodiversität) und das Wohlbefinden der Honigbienen und der ca. 500 heimischen Wildbienenarten ergänzen und darum wie wir mit unserer Umwelt zum allseitigen Wohl gut umgehen.

Diese Bienenforschung ist nicht auf Hochschulen begrenzt, sondern sie findet in vielseitiger Kooperation mit Unternehmen, Stiftungen, Imkern und Schulen statt. Für Schüler ist das der spannendste Naturkundeunterricht in Kombination mit der praktischen Imkerei, Informatik und Soziologie. Das besondere an der HOBOSphere-Bienenkugel ist, dass sie für Bienen nicht nur gesund ist, sondern auch sehr friedlich macht, so Andreas Heidinger.

Auf der Online Bildungsplattform HOBOS - HOneyBee Online Studies, www.HOBOS.de. kann heute schon jeder weltweit sich beteiligen und an den Bienen forschen. Zurzeit wird diese Forschungsmöglichkeit für die Bienenkugel aufgebaut. Die aktuellen Forschungen an der Bienenkugel sind so auch für Internet-affine Jugendliche und Technikfreaks prädestiniert. Dabei können sie sich direkt einloggen, aktuelle Aufzeichnungen abrufen oder über ihr Handy die Bienen begleiten und beobachten. Klinken Sie sich ein!
Sind wir Menschen aktuell mehr Symbiose Partner und nutzen dabei den überschüssigen Honigertrag, oder sind wir mehr Räuber und schaden wir der Natur und damit auch den Bienen? “Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben” sagte Albert Einstein.

Denn mit den Bienen verschwinden auch andere Insekten, Vögel und die vielfältige Tierwelt. Und mit Ihnen verlieren, Obstbäume, Nahrungspflanzen und Blumen ihre Symbiose Partner, die für den Fortbestand des Netzwerks Natur unentbehrlich sind. Das Ganze mit seinen nicht ansatzweise fassbaren Synergien und Wechselwirkungen ist weit mehr als die Summe seiner Teile.

Diese tiefgehende Präsentation von Andreas Heidinger fesselte und berührte die Zuhörer, welche dies mit kräftigem Applaus quittierten.
Die Audi Stiftung unterstützt nun die HOBOSphere Bienenforschung mit dem Ziel Brücken zu schlagen und Synergien aufzuzeigen zwischen Technik, Naturnutzung und Naturschutz.
Dort ist auch das neue Bienenbuch von Prof. Jürgen Tautz kostenfrei erhältlich: Klicken Sie hier

Präsentation Dipl. Ing. Andreas Heidinger: Klicken Sie hier

Kommentare  

#2 Dr. Nico Döring 2016-08-03 09:26
Varroamilben als Problem unserer Bienen oder als Indikator für Lebensgemeinsch aften mit gestörten Symbiosen?
Sind die Varroamilben wirklich das Problem unserer Bienen oder ist der vielfach schlechte Zustand unserer Bienenvölker lediglich ein Ausdruck zu unserem vielfach unangemessenen, unsensiblen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen und somit mit der Natur?
Hierzu drei Fragen zu unserem Umgang mit der Natur und zwei Beispiele ebenso dazu:
Frage 1
Andreas Heidinger stellte 2015 die dickwandige Bienenkugel als „naturentsprech ende Bienenbehausung vor. Wie geht es den Bienen und ihren Symbiose Partnern in diesen Behausungen im Vergleich zu rechteckigen Styropor oder Holzkisten?
Frage 2
Nachdem der Imker einen Großteil „Naturhonig“ aus dem Bienenstock (für sich) entnommen hat, füttert er den Bienen Zuckersirup, welchen die Bienen zu Honig um fermentieren und als ihr neues Winterfutter einlagern. Könnte es sein, dass die Bienen mit dieser Diät unter einer Mangelversorgun g leiden und damit anfälliger für Parasiten oder Krankheiten werden?
Frage 3
Als Behandlung gegen Varroa wird häufig Ameisensäure eingesetzt. Diese Therapie könnte man als Roßkur bezeichnen, welche die Milbe eher umbringt als die Biene (abhängig von der Dosierung der Ameisensäure und der Temperatur). Welche Wirkung hat die Ameisensäure tatsächlich auf die Bienen selbst, auf ihre Symbionten im Bienenstock, oder auf Darmflora oder in der Biene selbst? Geht der kurzzeitige Behandlungserfo lg mit einer Langzeit Schwächung einher?
Lösungsansatz 1
Die Bienensaunaleut e um Dr. Florian Kiel und Richard Rossa bieten als Lösung des Varroa Problems die Bienensauna an und heizen den ganzen Bienenstock für zwei Stunden auf 40 Grad auf. Milben sterben schon bei 40° Celsius, Bienen aller Entwicklungssta dien kommen mit dieser Temperatur gut zurecht, (sogar ohne dabei ihre angeborene „Kühlung des Bienenstocks“ zu aktivieren) So kann man die Milben auch in der verdeckelten Brut gut erreichen und selektiv töten. Erste Praxistests klingen viel versprechend. Wie es dabei den Nützlingen und Symbionten ergeht, ist mir noch nicht bekannt.
Lösungsansatz 2
Beenature (mit Torben Schiffer einem Hamburger Biologen und Wissenschaftler an der Otto-Hahn Schule in Hamburg mit Prof. Tautz aus Würzburg) stellt zu dem aktuellen Problem des Varroa Milben Befalls neue Fragen:
Geht es den Bienen besser, wenn sie im Winter ihren eigenen Honig statt dem „Zuckerhonig“ essen?
Wie leben Bienen optimal mit welchen Nützlingen zusammen? (Der Bücherskorpion als Nützling kann die Bienen putzen und dabei die Varroamilben fressen, sie erforschten, wie man ihn man unterstützen kann).
Die Forscher gehen neue Wege ohne Varroa Behandlung ihrer Bienenvölker und ohne Varroa Probleme.
Die Umweltakademie wird in ihrer Vortragsreihe Biodiversität 2017 die aktuellen Forschungsergeb nisse mit Torben Schiffer präsentieren.
Dr. Nico Döring
Zitieren
#1 Christian Ulrich 2016-07-25 12:23
Dieser Bericht ist sehr interessant. Ich würde gern mehr über den Bücherskorpion wissen.
Zitieren

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Auszeichnungen

Bayerische Klima-Allianz PHINEO Wirkt Siegel http://www.un-dekade-biologische-vielfalt.de/ Umweltbildung Bayern UN_Dekade_Offizielles Projekt_2014 BNE-Auszeichnung www.landesstiftung.bayern.de

↑ nach oben

Copyright © 2013 www.die-umwelt-akademie.de. Alle Rechte vorbehalten.
Initiative Transparente Zivilgesellschaft