Wie gestalten wir städtische Grünräume für die Stadt der Zukunft?

in Kooperation mit dem Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin - VBIO e.V.

Dienstag 20. Januar 2015,
19.00 Uhr,
Green City Energy AG, Zirkus-Krone-Str. 10 (Eingang Georg-Schätzel-Str.), 80335 München, 6. Stock (ÖPNV „Hackerbrücke“)

Referent: Prof. Dr. Norbert Müller, Fachhochschule Erfurt Prof. Er leitete das Grünamt Augsburg, bevor er an die Hochschule berufen wurde. Er kennt die Praxis ebenso wie die Wissenschaft.

Urbane Gesellschaften verbrauchen 75 % der globalen Ressourcen und verursachen ca. 80 % der Treibhausgas-Emissionen, wobei heute erst die Hälfte der Erd-Bevölkerung in Städten lebt, Tendenz steigend. Städte sind mit der Flächenversiegelung mitverantwortlich für den Verlust der globalen Naturvielfalt (Biodiversität). Selbst kleine Städte pflegen urbane Lebensmuster und das mit enorm hohem Flächenverbrauch. Hier ist eine Neuorientierung und eine Nutzungsoptimierung für städtische Grünräume angezeigt.

Zu Beginn zeigte Müller vier Grünanlagen; die Zuhörer durften sich äußern, ob sie die Grünanlagen und die Städte kennen. Es waren Grünanlagen, wie wir sie alle vor Augen haben. Berlin, Regensburg und Wien kam aus dem Publikum. Die gezeigten waren allerdings nicht in Mitteleuropa, sondern gleichaussehend und stereotyp in China, USA, Israel und Russland.

Eine Steigerung städtischer Grünräume schon um wenige Prozent wird das Stadtklima maßgeblich verbessern. Norbert Müller entwickelt dazu seit 2008 an der Fachhochschule Erfurt am Fachgebiet Landschaftspflege und Biotopentwicklung in seiner Weitsicht, Kommunen zukunftsfähig und nachhaltig zu gestalten, den „Urbio Index“. Dieser taxiert die Nachhaltigkeit von Grünanlagen. So ist der Urbio Index ein zukunftsweisender Leitfaden für Städteplaner, Landschaftsarchitekten, Ökonomen und kommunale Verantwortliche. Mit seiner Hilfe können ökologische Erfordernisse an öffentliche Grünflächen mit sozialen Bedürfnissen und mit wirtschaftlichen Belangen unter einen Hut gebracht werden.

Der Urbio Index ist ab Beginn der Planungsphase neuer Projekte zur Selbstkontrolle bezüglich der Nachhaltigkeit vorgesehen. Erprobt wurde er allerdings an bereits vorhandenen „Best Practice“–Grünflächen, an Erfolgsmodellen wie etwa den Außenanlagen des Bayerischen Landesamtes für Umwelt in Augsburg, des Bundesamtes für Naturschutz in Bonn und für den Park am Nordbahnhof in Berlin.

Der Urbio Index wurde auch auf Teilflächen von verschiedenen Landes- und Bundes-Gartenschauen erprobt. Das Ergebnis zeigt, dass auf Gartenschau-Flächen deutschlandweit z.B. die Kriterien der Biodiversität und der nachhaltigen Materialverwendung deutlich unterrepräsentiert sind, obwohl Gartenschauen mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit werben. Offensichtlich fehlen im Vorfeld Zielvorgaben für Nachhaltigkeit.

Dieser neue Bewertungsschlüssel gibt also Planern ein Instrument an die Hand, mit dem sie im Vorfeld ihre Planungen und Projekte auf verschiedene Aspekte abklopfen und in Richtung Nachhaltigkeit optimieren können.

Es werden Indikatoren aus sechs thematischen Gruppen untersucht:
1.    Planung,
2.    Materialverwendung und Recycling,
3.    Aufenthaltsqualität,
4.    Biodiversität,
5.    Klima/Wasser/Boden,
6.    Unterhaltung und Pflege.

Für jede dieser Gruppen werden mindestens vier Indikatoren anhand möglichst einfach zu ermittelnder Ausgangs- und Planungsdaten mit Punkten bewertet. Solche Indikatoren sind beispielsweise: die Nutzerbeteiligung im Planungsablauf,  der Anteil an einheimischen Pflanzen,  Raum für Sukzession,  der nötige Pflegeaufwand,  die Zugänglichkeit für Nutzer,  die Verwendung von recyceltem Baumaterial  oder die Nutzung von Regenwasser.

Das Ergebnis wird in einem übersichtlichen Kreis-Diagramm dargestellt. Gute städtebauliche Konzepte und Grünplanungen verbinden also schon in der Planungsphase die nötige Wirtschaftlichkeit urbaner Nutzungen mit den Menschen und dem Naturschutz. Der Urbio Index zeigt hierzu Wege auf, Biodiversität in die Stadtplanung zu integrieren und unsere Städte zukunftsfähig zu gestalten. Mittlerweile wird das Konzept in ersten Städten in Japan, Südkorea und Florida/USA eingeführt.

Die sich anschließende angeregte Diskussion zeigte unter anderem, dass der Aspekt des Urban Gardening noch keinen Eingang in den Urbio-Bewertungsschlüssel gefunden hat.

Nico Döring

Vortrag Prof. Dr. Norbert Müller: Klicken Sie hier

Publikation Prof. Dr. Norbert Müller: Klicken Sie hier

 

 

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