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Editorial

Umwelt-Akademie ist Partner der Bayerischen Klima-Allianz

Im Rahmen eines feierlichen Festaktes mit Vorträgen der Bayerischen Staatsministerin für Umwelt und Verbraucherschutz, Ulrike Scharf sowie der Referentin für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München, Stephanie Jacobs wurde die Umwelt-Akademie am 11. Mai 2016 in die Bayerische Klima-Allianz aufgenommen.

„Wir müssen die Treibhausgas-Emissionen um 80 Prozent senken, damit unser Planet für künftige Generationen lebenswert bleibt“, betonte Dr. Helmut Paschlau, Vorstand der Umwelt-Akademie e.V. (DUA), in seiner Ansprache anlässlich des Beitritts zur Bayerischen Klima-Allianz. Angesichts dieser weltweiten Herausforderung und dem weiter steigenden Druck auf die globalen Ressourcen sei eine völlig veränderte Einstellung zur Nutzung unserer Naturgüter oberstes Gebot, erklärte Paschlau. „Wissen zu vermitteln und zum nachhaltigen Handeln zu motivieren, verstehen wir deshalb als Teil der gesellschaftlichen Verantwortung“, so der DUA-Vorstand.

Mit dem Beitritt zur Klima-Allianz verpflichten sich die Bayerische Staatsregierung und DUA zu aktiver Kooperation im Sinn der Stärkung des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit in Bayern. „Bayern nimmt den Auftrag von Paris an. Bis 2050 wollen wir die Treibhausgas-Emissionen auf weniger als zwei Tonnen pro Kopf und Jahr senken“, sagte Ministerin Scharf bei der Veranstaltung in den Räumen des Bankhauses Donner & Reuschel.

Die Ministerin dankte der DUA, die sich seit mehr als 25 Jahren für den Wissenstransfer und die Umweltbildung in München einsetzt. Als Partner der Bayerischen Klima-Allianz strebt die DUA an, ihre Aktivitäten über die Metropolregion München hinaus auszuweiten. „ Klimaschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Dabei ist jeder gefordert. Ich freue mich daher, die DUA als offiziellen Partner der Klima-Allianz zu begrüßen“, so Scharf. „Die bayerische Klima-Allianz ist eine tragende Säule der bayerischen Klimapolitik. Sie bündelt Kräfte vor Ort, tauscht Informationen aus und stimmt Aktivitäten aufeinander ab. So verankern wir den Klimaschutzgedanken in der Gesellschaft“, erklärte die Ministerin.

Auch Münchens neue Umweltreferentin Stephanie Jacobs dankte in ihrer Festrede den Initiatoren der Umwelt-Akademie für ihren Einsatz. Sie verbreitete Zuversicht, dass die Herausforderungen durch neues Denken gemeistert werden. Die Landeshauptstadt München habe ein breites Spektrum von Klimaschutzprogrammen aufgelegt, damit die Klimaziele erreicht werden, sagte Jacobs.

In der Publikumsdiskussion mit hochrangigen Vertretern aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft wurde den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung die Botschaft mit auf den Weg gegeben, eine Kluft zwischen Zielen und Handeln zu vermeiden. Viel Zustimmung erhielt eine Wortmeldung, die darauf hinwies, dass die notwendigen Veränderungen nicht mit „bayerischer Gemütlichkeit“ geschafft werden können, vielmehr sei „eine Revolution in der Wirtschaftsweise“ erforderlich. „Wenn wir weitermachen wie bisher, wird das nicht reichen“, warnte auch Paschlau.

Forderungen nach härteren Sanktionen für klimaschädliches Verhalten Einzelner erteilte Jacobs eine Absage. „Wir brauchen Angebote statt Verbote“, sagte Jacobs, "nur so erreichen wir die dringend erforderliche nachhaltige Lebensstiländerung". Die Umweltreferentin warnte angesichts der Wohnungsbauprogramme davor, für bezahlbaren Wohnraum die Energiestandards herunter zu setzen. „Gebäude, die nicht effizient sind, sind die Bestandssanierungen von morgen“. Sie forderte die Anwesenden auf, gemeinsam neue Wege zu gehen und zitierte den ehemaligen Münchner Albert Einstein: "Man kann Probleme nicht mit dem Denken lösen, das die Probleme verursacht hat.“

Die Bayerische Staatsregierung hat die Bayerische Klima-Allianz 2004 gemeinsam mit dem Bund Naturschutz gegründet. Die Partner der Klima-Allianz haben sich zum Ziel gesetzt, in einem breiten Netzwerk das Bewusstsein für das Thema Klimaschutz zu stärken, mit gemeinsamen Aktionen Verständnis für einen nachhaltigen Umgang mit knappen Ressourcen zu wecken und klimafreundliches Verhalten zu fördern. Die Partner der Klima-Allianz aus Umwelt- und kommunalen Spitzenverbänden, Kirchen, Jugendarbeit, Bildung, Wirtschaft und Wissenschaft repräsentieren ein breites Spektrum der bayerischen Gesellschaft. Weitere Informationen unter www.klimawandel-meistern.bayern.de

Der Beitritt der Umwelt-Akademie zur Klima-Allianz wurde in den schönen Räumen
der Donner & Reuschel Bank gefeiert.

         

v. l. n. r. Paul Greineder (Vorsitzender des Vorstands, Umwelt-Akademie e.V.),
Ulrike Scharf (Bayerische Staatsministerin für Umwelt und Verbraucherschutz),
Dr. Helmut Paschlau (Vorstand, Umwelt-Akademie e.V.)

Beitrittserklärung zur Klima-Allianz
 

Ulrike Scharf, Bayerische Staatsministerin für Umwelt und Verbraucherschutz
Stephanie Jacobs, Referentin für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München

Dr. Helmut Theiler (Bayerisches Staatsministerin für Umwelt und Verbraucherschutz; Abteilungsleiter Klimaschutz)
und Stephanie Jacobs beantworten die Fragen des Auditoriums.

Paul Greineder bedankt sich bei Stephanie Jacobs.

 

 

 

Paul Greineder

Paul Greineder, Vorsitzender des Vorstands

 

 

Themen-Schwerpunkte

Werteregulierte Marktwirtschaft

Rückblick

Die "kurzsichtige" Evolution: Warum evoluntionsbedingte Gründe ein generationenübergreifendes, nachhaltiges Handeln erschweren

Dienstag, 12. Juli 2016

Referent:  Prof. Dr. med. Thomas Cremer, Professor für Anthropologie und Humangenetik der LMU, Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften, korrespondierendes Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

Warum ist nachhaltiges Handeln für die Weltgemeinschaft so schwierig, sind für uns doch die heutigen elementaren Gefahren offensichtlich? Einen ersten Fingerzeig auf unsere Veranlagungsproblematik brachte schon der Vortrag von Prof. Roth mit Ergebnissen der  Gehirnforschung „Warum wir nicht tun, was wir tun sollten“.

Das machte neugierig, den Blick auf unsere genetische Grunddisposition zu gemeinschaftsorientiertem Verhalten zu richten. Und schon der Titel verriet, dass da ein Problem liegt:
Die "kurzsichtige" Evolution: 
Warum evolutionsbedingte Gründe ein generationenübergreifendes, nachhaltiges Handeln erschweren

Wir Menschen teilen mit Affen eine angeborene Bereitschaft zu kooperativem, aber auch zu aggressivem Verhalten. Prof. Cremer belegte das gleich zu Beginn seines Vortrags mit einem you-tube-Filmchen des Verhaltensforschers Frans de Waal. Es zeigt die Wut eines Kapuzineraffens, der nur Gurkestückchen und der Nachbar besser schmeckende Trauben erhielt, siehe link in der anhängenden Präsentation. Kapzineraffen gehören zu den Neuweltaffen und unsere letzten gemeinsamen Vorfahren lebten vor etwa fünfzig Millionen Jahren. Dennoch können wir die emotionale Verfassung von Kapuzineraffen, aber auch von den sehr enger mit uns verwandten Schimpansen anhand ihres Verhaltens leicht nachempfinden. Das spricht dafür, dass die gemeinsamen Vorläufer heutiger Primaten-Arten bereits vor fünfzig Millionen Jahren über die genetischen Voraussetzungen für solch eine Wut verfügt haben.

Zum Vortrag zitiere ich aus einer mail des Vortragenden:
„Mir geht es um die ungeschminkte Diagnose unserer widersprüchlich erscheinenden Verhaltensweisen aus dem Blickwinkel der Evolution als möglichst umfassende Zustandsdiagnose gesellschaftlicher Krisen. Kooperative Verhaltensweisen werden für eine global interagierende Menschheit mit einem globalen Wirtschaftssystem immer wichtiger, wenn man auf eine Zukunft hofft, in der Gerechtigkeit, Menschenwürde und weltweite Menschenrechte nicht nur in Sonntagsreden gelten sollen.

Aggressives Verhalten gegen andere erschwert ein nachhaltiges, kooperatives Zusammenwirken der Menschheit. Die Diagnose, dass der Mensch seiner ursprünglichen Veranlagung nach ausschließlich auf Kooperation getrimmt sei, ist bequem. Aggressives Verhalten kann dann auf Verhältnisse zurückgeführt werden, die noch nicht so sind, wie eine Ideologie es wünscht, etwa auf eine schlechte Erziehung. Aber ich fürchte, es handelt sich dabei um eine Schönwetter-Diagnose, die in stürmischen Zeiten nicht standhalten kann. Als Humangenetiker und Anthropologe erscheint mir folgende Hypothese realistischer: Kooperative und aggressive Verhaltensweise haben eigenständige genetische Wurzeln, die in unserem Erbgut vernetzt sind. Als Beispiel stelle ich mir die Individuen einer altsteinzeitlichen Gruppe vor. Sie hätten ohne Kooperation keinen Winter überlebt. Darum hatten Mutationen, die kooperatives Verhalten befördern, Selektionsvorteile. Doch leider können auch genetisch verankerte Dispositionen zu aggressiven Verhaltensweisen evolutionäre Vorteile im Überlebenskampf bieten, wenn die Mitglieder dieser Gruppe, Mitglieder einer anderen Gruppe ausgebeutet oder sogar die gesamte andere Gruppe umgebracht haben, um deren Ressourcen für die eigene Gruppe verfügbar zu machen. Sowohl nur kooperative als auch nur aggressive Strategien des Verhaltens waren im Extrem zerstörerisch und konnten sich evolutionär nicht durchsetzen. Was sich durchgesetzt hat, so scheint mir, ist eine Mischung genetischer Dispositionen, die je nach den Umständen das eine oder andere Verhalten ermöglichen. Unser Phänotyp, dazu gehören nicht nur strukturelle körperliche Merkmalen sondern auch unser tatsächliches Verhalten aber wird durch genetische Dispositionen nicht einfach determiniert. Wichtig ist das kaum prognostizierbare Wechselspiel mit den Einflüssen der Umwelt.“

Dennoch sind wir keine Marionetten unserer Gene, sondern könnten im Gegensatz zur Tierwelt unser emotionales Verhalten überlegt steuern und wir können darüber mit anderen Menschen sprechen. „Das ist unsere Chance!“ um nochmals Cremer zu zitieren. Nutzen wir sie nicht, könnte die Menschheit ihre Lebensgrundlagen allerdings wegen ihrer „Überintelligenz“, die den ganzen Globus verändert, aber nicht begleitet ist von auf Nachhaltigkeit ausgerichteter Vernunft selbst zerstören– wie es einer der Zuhörer in der Diskussion zu diesem packenden Vortrag formulierte....

Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren hatte Prof. Dr. Gerhard Roth über solche behindernden Grüne aus neurobiologischer Sicht der Gehirnforschung referiert; diesmal ging es um humangenetische und anthropologische.

 

Dr. Ing. Peter H. Grassmann

Für das Thema
„Werteorientierte Marktwirtschaft“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied
Dr. Peter H. Grassmann.

Demokratisch in den Untergang? – Demokratie und Nachhaltigkeit

Dienstag, 5. April 2016

Referent: Tim Weber, Geschäftsführer Mehr Demokratie e.V.

Ohne mehr Nachhaltigkeit wird die Menschheit die nächsten 100 Jahre vielleicht nicht überleben. Die Fakten liegen seit Jahren auf der Hand. Trotzdem passiert fast nichts und wenn, dann zu spät und zu wenig. Zu viele Menschen schauen nach wie vor weg, blenden die Not unserer Erde einfach aus. Aus Ohnmacht. Aus Bequemlichkeit. Aus Angst. Wir fragen uns doch alle, woher die notwendige, radikale Bereitschaft kommen soll, uns selbst zu verändern. Den grünen, „guten“ Ökodiktator, der es für uns richtet, wird es nicht geben. Auch im Handeln der Wirtschaft hat sich die Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann, noch nicht durchgesetzt. Deshalb wird es ohne die Politik nicht gehen. Da werden die Regeln gesetzt. Die Demokratiefrage ist immer auch die Machtfrage.

Wie der vermeintliche Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Demokratie funktionieren und positive Veränderung entstehen kann, darüber berichtete uns Tim Weber.

 

Ethisch-ökologischer Umgang mit Geld

Ausblick

Gemeinwohlbilanz- Instrument für eine immer nachhaltigere Bank

20. September 2016, 19:00 Uhr, Seidlvilla, Zenzl-Mühsam-Saal, Nikolaiplatz 1B, 80802 München (U-Bahn Giselastr.)

Referentin: Christine Miedl, Direktorin Unternehmenskommunikation der Sparda-Bank e.G., München

Ökologische, ökonomische und soziale Aspekte bewegen unsere Gesellschaft, wenn es um enkeltaugliche Zukunftsfähigkeit geht. Der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) bzw. Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung umschreibt den freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung, der über die gesetzlichen Forderungen (Compliance) hinausgeht. CSR steht für verantwortliches unternehmerisches Handeln in der eigentlichen Geschäftstätigkeit (Markt), über ökologisch relevante Aspekte (Umwelt) bis hin zu den Beziehungen mit Mitarbeitern (Arbeitsplatz) und dem Austausch mit den relevanten Anspruchs- bzw. Interessengruppen (Stakeholdern).

Entscheidend ist, wie ernsthaft und dadurch glaubwürdig ein Streben nach dem immer nachhaltigeren Unternehmen tatsächlich ist – oder einfache (aber teure) Imagepflege: „greenwashing“. Derzeit, im Sommer 2016, läuft eine Bewerbungsausschreibung des Bundes-Wirtschaftsministeriums um den (dritten) deutschen CSR-Preis; ausgezeichnet werden sollen vorbildliche Betriebe, die nachhaltiges Handeln dauerhaft in ihre Geschäftstätigkeit integrieren.

Darüber, ob und was sich in ihren Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit bewegt, berichten mittlerweile etliche Konzerne, Finanzinstitute, Mittelständler. Ab 2017 müssen alle europäischen Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten zusätzlich zu ihrem klassischen Geschäftsbericht einen nicht-finanziellen Bericht veröffentlichen. Wissenschaftliche Grundlagen und Verfahrensvorschriften für solche Nachhaltigkeitsberichte gibt es viele; EMAS, UN Global Compact, OECD-Leitsätze, ISO 26000 usw.

Aber keine der Vorgaben sind so tiefgehend wie die der Gemeinwohl-Ökonomie. Sie ist eine Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft und eine positive Alternative zur neoliberalen Globalisierung. Eine gemeinwohlorientierte Wirtschaft fußt auf Vertrauensbildung, Wertschätzung, Kooperation und Solidarität. Der Erfolg eines Unternehmens wird dabei nach werteorientierten Indikatoren mithilfe der Gemeinwohl-Bilanz bemessen.

Es gibt in Deutschland nur eine Bank, die regelmäßig eine Gemeinwohl-Bilanz herausgibt: die Sparda-Bank München eG. Seit 2011 ist sie Pionierunternehmen der Gemeinwohl-Ökonomie und hat bislang drei Bilanzen herausgegeben.

Kommunikationsdirektorin Christine Miedl von der Sparda-Bank München berichtet über die Inhalte der Gemeinwohl-Ökonomie, die Anforderungen an eine Bilanzerstellung, deren Überprüfung durch neutrale Dritte und den Prozess der Erarbeitung, bei dem auch die Mitarbeiter einbezogen werden. Es geht um Strukturen, Mitarbeiterzufriedenheit, Achtsamkeit, Umwelt- und Klimaschutz, Förderung der Mitglieder  (rund 280.000 als Genossen), Transparenz und Offenheit sowie Zukunftsorientierung.

„Andere Banken braucht das Land“, so ist der eigentliche Übertitel des Schwerpunkts der Umwelt-Akademie e.V. „Ethisch-Ökologischer Umgang mit Geld“.

Dr. Schwingenstein

Für das Thema „Ethisch-ökologischer Umgang mit Geld" engagiert sich unser Vorstandsmitglied Dr. Cristoph Schwingenstein.

Ökologische Landwirtschaft und Ernährung

Rückblick

Neue Landwirtschaft – neuer Lebensstil?

in Kooperation mit Slow Food Deutschland e.V.

Dienstag, 15. März 2016

Referent: Dr. Hans Rudolf Herren, Landwirtschafts- und Entwicklungsexperte, Gründer von Biovision – Stiftung für ökologische Entwicklung,  Mitautor und Ko-Vorsitzender des Weltagrarberichts 2008 des Weltagrarrates, 2013 mit dem Alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award) ausgezeichnet

Grußwort: Markus Hahnel, Leiter Convivium München, Slow Food Deutschland

Die Frage an Herrn Dr. Herren war kurz und klar: Was muss geschehen, damit alle Menschen auf der Welt optimal mit Nahrung versorgt sind – und dieser Planet auch unseren Kindern und Kindeskindern noch eine Lebensgrundlage bietet? Seine Antwort war es ebenfalls. Sie lautet: Eine Umstellung auf Bio- statt konventioneller Landwirtschaft, und zwar weltweit – und bald.

Während hierzulande ungeheure Überproduktion herrscht, gehen anderswo durch Raubbau, Klimawandel oder Landgrabbing immer mehr Flächen zur landwirtschaftlichen Nutzung verloren und machen die Menschen abhängig von Lebensmittelimporten. Dennoch beträgt die weltweite Nahrungsmittelproduktion heute 4600 Kalorien pro Person und Tag, also fast das Doppelte des täglichen Bedarfs. Davon landen – zumindest in den Industrieländern – bis zu 45% auf dem Müll bzw. die Überschüsse werden so billig nach Afrika verkauft, dass sie die Existenz der dortigen Bauern vernichten. Dazu kommt, dass die Landwirtschaft, so wie sie momentan betrieben wird, etwa 50% Anteil an der Erderwärmung hat, also mehr als z.B. der Autoverkehr.

Es geht also nicht darum, immer noch mehr zu produzieren, sondern weniger und dafür qualitativ hochwertigere Nahrung auf umwelt- und klimaschonende sowie sozialverträgliche Weise herzustellen. Das geht nur mit biologischer Anbauweise. Damit ist keineswegs der Rückschritt in die mühselige und oftmals ärmliche bäuerliche Wirtschaft unserer Vorväter gemeint, sondern eine moderne, durchaus auch von Maschinen unterstützte Landwirtschaft, die sich neuester Erkenntnisse über natürliche Kreisläufe, die Mikroflora im Boden sowie die Bodenbearbeitung bedient. Fakt ist: Während im konventionellen Anbau 10 Kalorien verbraucht werden, um eine Kalorie zu produzieren, ist es im Bioanbau genau umgekehrt: Mit nur einer Kalorie „Einsatz“ lassen sich bis zu 30 Kalorien erzeugen. Und die Bio-Ernte ist nicht nur nährstoffreicher und gesünder, sie schont auch Umwelt und Klima, bindet CO2 im Boden statt es freizusetzen, dient der Artenvielfalt und schafft Arbeitsplätze. Das Stichwort heißt: „Agrarökologie“. Sie bringt Umwelt- und Klimaschutz, ethische und soziale Belange zusammen. Davon würden alle Menschen profitieren. Der Agro-Industrie, die uns nach wie vor weiszumachen versucht, dass wir ohne gentechnisch verändertes Saatgut, Pestizide und Spezialdünger nicht überleben können, aber auch hiesigen landwirtschaftlichen Großbetrieben, die sich ihre nutzlose Überproduktion mit EU-Subventionen vergolden lassen, geht es dagegen nur um ihre eigenen Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit.

Sind agrarökologisch erzeugte Nahrungsmittel teurer als konventionelle? Im Gegenteil, sie sind billiger. Denn heute ist es so, dass die Gemeinschaft über Steuern, Krankenkassenbeiträge etc. die verdeckten Kosten durch Umwelt- und Gesundheitsschäden der im Discounter billig angebotenen Lebensmittel bezahlt. Bioware mag im Laden etwas teurer sein, dafür zahlt aber jeder nur das, was er selbst verbraucht.

Was können wir Verbraucher tun, um eine Agrarwende herbeizuführen? „Abstimmen“ mit dem Einkaufskorb in erster Linie. Aber auch Druck machen: auf Lokalpolitiker, Stadtverwaltung, Kantinenpächter, Schul- und Kindergartenküchen, im Lieblingsrestaurant, in der Kirchengemeinde. Für Fortschritt statt Rückschritt: zukunftsfähige Innovation statt Festhalten an überholten, nachweislich nicht zielführenden Methoden.

Präsentation Dr. Hans Rudolf Herren:

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Georg Schweisfurth

Für das Thema „Ökologische Ernährung“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied Georg Schweisfurth

Biosiegel-Chaos?

in Kooperation mit SlowFood e. V. Deutschland, Convivium München

19.07.2016

Referenten:

  • Jutta Saumweber, Ernährungsexpertin, Verbraucherzentrale Bayern
  • Dr. Michael Lüdke, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
  • Nikolaus von Doderer, Geschäftsführer UNSER LAND GmbH
  • Günter Blodig, Geschäftsstellenleitung Augsburg, ABCERT AG


Die Kernfrage des Abends war, ob es – angesichts bereits zahlreicher gut eingeführter Biosiegel – das neue bayerische „Regional und Bio“-Siegel braucht oder ob es eher zur Verwirrung führt.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale heißt die Antwort darauf „Ja“, aus dem einfachen Grund, weil es bislang ein Verbindlichkeitsproblem auf dem Sektor „Regional“ gibt. Während die Herstellung von Bio-Produkten gesetzlich geregelt ist und der Verbraucher genau weiß, was er z.B. von einer Marmelade zu erwarten hat, die das Demeter-Siegel trägt, gilt dies bislang für Regionalität nicht. Tatsächlich wünschen sich aber immer mehr Menschen, nicht nur „Bio“ zu kaufen, sondern dabei auch im Sinne der Nachhaltigkeit regionale Wertschöpfungsketten zu unterstützen. Wenn ich mit meinem Einkauf die Existenz des Bauern vor meiner Stadt sichern kann, warum sollte ich dann das gleiche Produkt aus z.B. niedersächsischer Herstellung kaufen, das zudem einen unnötig langen Transportweg hinter sich – und damit eine deutlich schlechtere CO2-Bilanz – hat.

In diesem Sinne stellt das neue Siegel eine Verbesserung und nützliche Einkaufshilfe für uns Verbraucher dar, denn es verbindet die beiden Kriterien bio und regional. Konkret heißt das: Auf Bio-Ebene verspricht es höhere Qualität als EU-Bio-Standard, nämlich Bioland-Kriterien. Darüber hinaus bietet es geprüfte Herkunftskriterien, sprich alle Schritte von der Erzeugung bis zur Verarbeitung des Produkts müssen in Bayern erfolgt sein. So weit so gut.

Tatsächlich ist der Regionalbegriff des neuen Siegels mit „ganz Bayern“ relativ weit gefasst und es stellt sich die Frage, ob eine Wurst, die bei Würzburg produziert wurde, in München (ganz unabhängig von etwaigen Animositäten zwischen Bayern und Franken) noch als regional gelten kann. Zumal es bereits Marken wie „Unser Land“ gibt, wo nur die Produktion innerhalb des Landkreises als regional gilt und die einzelnen Produkte häufig sogar personalisiert sind.

Zudem könnte das geforderte Kriterium, dass alle Herstellungsschritte in Bayern erfolgt sein müssen, ein Grund für manchen Bauern sein, sich gerade nicht zertifizieren zu lassen. Denn das würde bedeuten, dass ein Landwirt aus dem Grenzgebiet zu Österreich, der bislang seine Futtermittel von dort bezieht, sich nach einem neuen Lieferanten aus Bayern umsehen müsste. Was möglicherweise gar nicht so einfach ist und dazu höchstwahrscheinlich mit längeren Transportwegen verbunden wäre – also eigentlich die Nachhaltigkeit seines Produkts reduziert.

Von daher wird abzuwarten sein, wie viele Lebensmittelproduzenten sich mit dem neuen Siegel zertifizieren lassen (bislang sind es 50 Hersteller mit 500 Produkten) und wie die Verbraucher den Regionalitätsfaktor einschätzen.

 Präsentation Jutta Saumweber: Klicken Sie hier

 Präsentation Dr. Michael Lüdke: Klicken Sie hier

 

Gesundheit und Eigenverantwortung

 

Ausblick

Zivilgesellschaftliches Engagement zum Thema „Zeit“: Ticken wir noch richtig? Auf der Suche nach der verlorenen Eigenzeit

11. Oktober 2016, 19:00 Uhr, GLS-Bank, Bruderstr. 5a, 80538 München (U-Bahn Odeonsplatz oder Lehel)

Referent: Manfred Molicki, Vorsitzender der Gesellschaft für Zeitkultur, Königsfeld

Wir leben in einer Tempo-Gesellschaft, in der Nonstoparbeit, Geschwindigkeit, Gleichzeitigkeit und Multitasking bestimmen, ob man noch als leistungsfähig gilt oder nicht. Die Folge: Wir verdrängen Pausen, Müßiggang und den eigenen Rhythmus immer mehr, bis Körper und Psyche nicht mehr mitspielen. Zeitstress macht krank! Zeitmanagement oft auch! Je mehr wir versuchen, Zeit zu „sparen“, desto weniger Zeit scheinen wir zu haben. Oft haben wir das Bedürfnis, „aus der Tretmühle auszusteigen“ und den inneren Zeit-Kompass wieder zu finden; doch fehlt uns auch dafür meist die Zeit.

Der Blick auf den Faktor Zeit fehlt aber nicht nur beim Blick auf den einzelnen Menschen, sondern auch beim Blick auf die Umwelt. Sind es nicht die kurzfristig gedachten, aktionistischen "Schnellschüsse", die uns heute so manche Umweltprobleme bereiten? Ist der eigentlich zeitgebende Begriff "Nachhaltigkeit" nicht schon zur Leerformel verkommen? Alles, was wächst, braucht seine Eigenzeit und kann nicht beschleunigt werden - es sei denn, man nimmt die Negativfolgen in Kauf. Das Zeitnot-Stressverhalten des Einzelnen findet eine Entsprechung im Zeitnot-Stressverhalten der Gesellschaft mit den entsprechenden Auswirkungen.

Was treibt uns so rastlos und atemlos bis zum Zeitinfarkt ("angina temporis")? Wie können wir in unserem Leben ein gesundheitsförderndes Zeit-Maß finden zugunsten einer besseren Gesundheit und mehr Lebensqualität? Warum können wir es nicht? Fehlt uns der Mut, etwas zu ändern und trauen wir uns nicht? Wer zwingt uns zu dem krankmachenden und umweltschädigenden Zeitstress? Wie finden wir zurück zu unserer Eigenzeit?

Manfred Molicki, Buchautor, ZEITforscher und Gründer der GESELLSCHAFT FÜR ZEITKULTUR, zeigt in einem interaktiven und visuell aufgelockerten Vortrag, wie Menschen es anstellen, keine Zeit zu haben, und welche Auswege andere Menschen gehen. Er weckt die Lust, innezuhalten, wenn gesundheitsschädigender Beschleunigungsaktionismus droht. Mal irritierend, mal in symbolhaften Anekdoten, dann wieder mit sinnlichen Impulsen und verblüffenden Versuchen gibt er Anregungen zum Reflektieren über den eigenen Umgang mit der Zeit.

 

Paul Greineder

Für das Thema „Eigenverantwortung und Gesundheit“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied Paul Greineder.

Rückblick

Ausstellungsführung "Geschichte der Zeit-Messung: Vom Urknall zur Atomuhr"

Kleine Exkursion ins Deutsche Museum
21. Mai 2016


Experte: Dipl. Ing. Christian Rüffler

Die Frage, was Zeit genau ist und ob es sie überhaupt gibt, ist auch heute noch nicht beantwortet. Trotzdem ist der Umgang mit der Zeit in Alltag, Sport, Technik und auch in vielen Bereichen der Naturwissenschaften selbstverständlich und offenbar völlig unproblematisch.
 
Zeitmessung mit allen ihren verschiedenen Verfahren ist Teil unserer Kulturgeschichte. Die Entwicklung der Uhren war stets sowohl Ausdruck technischen Fortschritts als auch bestimmter gesellschaftlicher Zustände oder ökonomischer Erfordernisse. Dabei sind Uhren nichts anderes als Takt-er der Zeit.
 
Unter fachkundiger Führung haben wir die Uhren in der Abteilung Zeitmesstechnik des Deutschen Museums kennengelernt: Die zahlreichen Sonnenuhren, ägyptischen Wasseruhren, Sand- und Kerzenuhren, das breite Spektrum mechanischer Uhren von der Turmuhr bis zur Präzisionspendeluhr sowie Quarz- und Atomuhren. An Hand von wertvollen Exponaten wurde auch die Funktionsweise der verschiedenen Uhrentypen deutlich; und die unstillbare „Sucht“ der Menschen, immer genauere Uhren herzustellen, die den physikalischen Gegebenheiten zuwider zu laufen scheinen.

Wir werden die Welt der Zeitmesstechnik künftig sicher unter einem neuen Blickwinkel betrachten; auch wenn wir noch immer nicht mehr wissen, als dass „Zeit“ eine weltweite Konvention ist, eine ungeheure Kulturleistung der Altvorderen aus dem Nahen Osten.

Die Führung steht im Zusammenhang mit unseren Vortragsveranstaltungen „Nachhaltige Lebensstile: Leben mit oder gegen die Uhr“ (17.11.2015) und „EigenZeit und ZeitKultur“ (11.10.2016). Auf Anfrage hat die große Mehrheit der Teilnehmer_innen der Exkursion befürwortet, dass Die Umwelt-Akademie die Veranstaltungsserie rund um die Zeit auch 2017 fortführen solle. Denn: Im Zuge nachhaltiger Lebensstile wird viel von „Verzicht“ geredet; jedenfalls gewinnen wir etwas, nämlich (mehr) Zeit.

 

Mutbürger für Energiewende!

Ausblick

Bürgerenergie
Exkursion: Windräder in den Wadlhauser Gräben, Berg/Starnberger See

8. Oktober 2016, 9:00 Uhr bis ca. 14:00 Uhr, Treffpunkt wird gesondert bekanntgegeben (siehe unten)

Führung: Robert Sing; Bürgerwind Berg Verwaltungs GmbH & Co KG; Ingenieurbüro Sing GmbH, Geschäftsführer

Nicht unumstritten, aber seit Dezember 2015 in Betrieb: Die vier Windräder, weithin sichtbar über der Gemeinde Berg, oberhalb des Starnberger Sees.

Die vier Windkraftanlagen liegen zwischen der Autobahn A95 und dem Starnberger See, ca. 4 km südöstlich von Starnberg. Es handelt sich um ein ausgedehntes Waldgebiet (Wadlhauser Gräben). Die nächstgelegenen Ortschaften sind Neufahrn in etwa 1,2 km Entfernung, Schäftlarn ca. 1,5 km, Irschenhausen und Icking 2 km und Berg 3 km südwestlich. Großräumig gesehen liegen die Standorte im Gebiet des Bayerischen Oberlands auf einem Moränenhügel zwischen Würm- und Isartal.

Die Anlagen wurden durch die Bürgerwind Berg GmbH & Co. KG errichtet, in Betrieb genommen und werden seither von ihr betrieben. Der Windpark besteht aus vier Windenergieanlagen des Typs Enercon E-115 mit einer Nabenhöhe von 149 m, einem Rotordurchmesser von 115 m (Gesamthöhe 206,9 m) und einer Nennleistung von jeweils 3 MW. Damit werden jeweils jährlich rd. 7.000.000 Klimawattstunden (kWh) Strom produziert, bei vier WEA also genug für ca. 8.000 Haushalte bzw. 24.000 Bürger.

Über die Mindestlaufzeit von 20 Jahren produzieren die vier WEA in Berg ca. 560.000.000 kWh Strom. Ein durchschnittliches deutsches Steinkohlekraftwerk benötigt für die gleiche Strommenge ca. 176.000 t Steinkohleeinheiten und emittiert dabei rd. 408.000 t CO2; mit den Windkraftanlagen Berg werden genau diese CO2-Emissionen vermieden.

Die Gesamtinvestition belief sich auf rd. 21,6 Mio. Euro. Davon sind 15 Mio. Euro Fremdkapital und 6,6 Mio. Euro Eigen- bzw. Kommanditkapital. Es handelt sich um eine „Bürgeranlage“, die überwiegend aus Einlagen von 169 lokalen Bürgern, der Gemeinde Berg, Nachbargemeinden, Energiegenossenschaften, Stadtwerken und einer regionalen Bank n finanziert ist. Eine Beteiligung ist nicht mehr möglich, da der Fonds geschlossen ist.
 
Der Windpark wurde von der Gemeinde Berg geplant. Federführend mit der Planung beauftragt war und ist die Ingenieurbüro Sing GmbH aus Landsberg am Lech; der Geschäftsführer wird uns führen und sachkundig informieren.

Vorgesehener Ablauf: Treffpunkt in München, 08.10.2016, 09:00 Uhr; Busfahrt; Führung ca. 10:00 – 12:00 Uhr; anschließend Biergarten-Besuch; Rückkehr München gegen 14:00 Uhr

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt; deshalb ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Teilnehmen kann nur, wer eine Teilnahmebestätigung erhalten hat!

Die Teilnahmegebühr (Höhe wird noch bekanntgegeben) wird zu Fahrtbeginn in bar erhoben.

 

 

Dr. Helmut Paschlau

Für das Thema „Mutbürger für Energiewende!" engagiert sich unser Vorstandsmitglied Dr. Helmut Paschlau.

Stadt sucht Zukunft

Nachhaltigkeitsstrategien unter Beteiligung von Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft in NRW-Großstädten, Augsburg und München

Donnerstag, 20. Oktober 2016, 18.00 Uhr, Green City Energy AG, Zirkus-Krone-Str. 10 (Eingang Georg-Schätzel-Straße/Hackerbrücke), 80335 München, Orangebar, 6. OG

Moderation: Maren Schüpphaus (Netzwerk Gemeinsinn e.V., angefr.)

Veranstalter: Ökologische Akademie e.V.,  in Kooperation mit: Bündnis Nachhaltigkeit Bayern (BNB), Die Umwelt Akademie e.V.; Green City e.V. ; Netzwerk Gemeinsinn e.V.; oekom e.V. ; Selbsthilfezentrum München (SHZ);      BenE München, MORGEN - Netzwerk Münchner Migrantenorganisationen; Bund Naturschutz, Kreisgruppe München

Kontakt:
Ökologische Akademie e.V., Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, T. 089-48 45 76

Teilnahmekosten:    5.- Euro

Die Landeshauptstadt München wurde für ihre  Nachhaltigkeitspolitik national und international ausgezeichnet. Auch der Nachhaltigkeitsbericht  des Referats für Gesundheit und Umwelt (2014) erfuhr einhellige Zustimmung. Eine zentrale und übergreifende Aufgabe wartet allerdings noch darauf realisiert zu werden: die Entwicklung einer Münchner Nachhaltigkeitsstrategie. Ihr Ausbleiben konstatiert das Referat mit den Worten: „Erfolgversprechende Nachhaltigkeitsstrategien basieren auf breitem Konsens. Sie sind dazu weniger als hierarchische Lenkungsinstrumente anzulegen, sondern als eine interaktive und partizipative  Form der Selbstbeobachtung und –steuerung von Politik und Gesellschaft.“  Mit der Unterzeichnung der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung durch  OB Reiter am 16. Juni und der Erklärung, dass die Stadt ein breites Bündnis mit lokalen Akteuren und den Münchnerinnen und Münchnern zum nachhaltigen Leben schmieden (möchte)“rückt die Beteiligung der Stadtgesellschaft in den Mittelpunkt.

Für die Erarbeitung einer Münchner Nachhaltigkeitsstrategie gibt allerdings keine Blaupause. Da liegt es nahe, sich das bundesweit beachtete Modellprojekt „Global Nachhaltige Kommune“  in NRW und  das einvernehmliche  Zusammenwirken von Stadtgesellschaft, Verwaltung und Politik in Augsburg bei den Zukunftsleitlinien genauer anzuschauen.
Die Veranstaltung will eine Verständigung über den Weg zu einer lokalen Nachhaltigkeitsstrategie unter den Münchner Akteuren initiieren, Verfahrensvorschläge entwickeln  sowie Chancen und Hemmnisse für ein partizipatives Vorgehen in der Erarbeitung einer Münchner Nachhaltigkeits-strategie herausarbeiten.

Programm: Klicken Sie hier

 

 

Gemeinsam handeln für Klimaschutz: Ist die „2000-Watt-Gesellschaft“ ein realistisches Ziel für München?

In Kooperation mit Green City Energy AG

27. Oktober 2016, 19:00 Uhr, Green City Energy AG, Zirkus-Krone-Str. 10 (Eingang Georg-Schätzel-Straße), 80335 München, 6. OG, „orangebar“ (ÖPNV Hackerbrücke)

Referent: Roland Stulz, intep – Integrale Planung GmbH; Vorsitzender des Aufsichtsrats

Angesichts des Klimawandels stellt sich die Frage nach der Ausgestaltung einer nachhaltigen und gerechten Energieversorgung. Nach der Vision „2000-Watt-Gesellschaft“ sollte der Energiebedarf jeden Erdenbewohners künftig einer durchschnittlichen Leistung von 2000 Watt (Primärenergie) entsprechen. Dies entsprach dem durchschnittlichen Weltjahresverbrauch von 17.520 kWh (Kilowattstunden) pro Person – im Jahr 1990. Dies entspricht einem maximalen Verbrauch von rund 1700 Liter Heizöl oder Benzin (Endenergie) pro Jahr und Person, umzurechnen auf alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche.

In einer 2000-Watt-Gesellschaft leben Menschen, die sich mit Engagement und Begeisterung für eine nachhaltig hohe Lebensqualität einsetzen. Sie schätzen die vorhandenen Ressourcen, nutzen diese mit Maß und verteilen sie global gerecht. Die Menschen einer hochentwickelten 2000-Watt-Gesellschaft haben erkannt, dass ihre eigene Lebensqualität nicht mehr an einen steigenden materiellen Lebensstandard gekoppelt ist. Effizienz, Konsistenz und Suffizienz sind die drei übergeordneten Umsetzungs-Strategien dazu.

Viele Städte und Gemeinden, insbesondere in der Schweiz, haben sich in den vergangenen Jahren den 2000-Watt-Zielen verpflichtet. Vier wurden seit 2004 mit dem Label „Energiestadt auf dem Weg in die 2000-Watt-Gesellschaft“ ausgezeichnet, darunter Basel und Zürich.

Der Kanton Basel-Stadt verfolgt seit vielen Jahren eine fortschrittliche bottom-up-Energie- und Umweltpolitik. Im aktuellen Legislaturplan der dortigen Regierung ist die „2000-Watt-Gesellschaft“ als Leitmotiv verankert. Weniger Ressourcen verbrauchen, die Energieeffizienz steigern und erneuerbare Energien fördern – mit dieser strategischen Ausrichtung will sich Basel zur Smart City weiterentwickeln. Dazu gehören Energienachbarschaften, Energiespar-Wettbewerbe, Sharing-Plattformen für E-Bikes, Preisauslobung „Faktor5“, Jahreskampagnen zu Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien.

In der Stadt Zürich hat es am 30.11.2008 eine Volksabstimmung gegeben: Das Ziel der „2000-Watt-Gesellschaft“ wurde mit 76%-iger Mehrheit angenommen. Konkret heisst das, dass Zürich seinen Energieverbrauch – top-down – auf 2000 Watt pro Person und seinen CO2-Ausstoss bis 2050 auf eine Tonne pro Person und Jahr senken will, erneuerbare Energien und Energieeffizienz fördert und seine Beteiligungen an Atomkraftwerken nicht erneuert.

Nun sollen die Erfahrungen Schweizer Städte auch auf München übertragen werden: Von heute 7.300 Watt pro Person (inkl. grauer Energie aus Importen) runter auf 2000 Watt. Wie kann das gehen, was ist zu tun, wie betrifft das Neu- und Bestandsgebäude, die gewerbliche Wirtschaft, die Verwaltung, die Infrastruktur und die Mobilität in München, jeden Einzelnen von uns?

Der Referent kommt aus der Planungsgesellschaft mit Schweizer Erfahrungen, die im Auftrag der Landeshauptstadt München einen 2000-Watt-Gesellschaft-Fahrplan für München erarbeiten soll. Im Jahr 2012 hatte der Stadtrat mit seinem Beschluss zur „Leitlinie Ökologie – Klimawandel und Klimaschutz“ das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) beauftragt, Wege zu einer 2000-Watt-Gesellschaft darzustellen.

Mit dem Gutachten sollen die Grundlagen zur Klärung und Konkretisierung der 2000-Watt-Gesellschaft geschaffen werden. Mit Hilfe eines Stoffstrom-Modells (Stoffhaushalt München) sollen die Ressourcenabhängigkeiten Münchens dargestellt werden, um u.a. die Resilienz Münchens zu verbessern. Dazu sollen Aufbau und Einsatz von (qualitativen und quantitativen) Wirkungs­modellen als ganzheitliche, systemische Planungs­methoden und als Grundlage für die Nachhaltigkeits-­Berichterstattung wie auch für die Planung der 2000-Watt-Gesellschaft geschaffen werden.

 

 

Umsetzung der Energiewende in Deutschland

in Kooperation mit Green City Energy AG

24. November 2016, 19:00 Uhr, „orangebar“, Green City Energy AG, Zirkus-Krone-Str. 10, Eingang Georg-Schätzle-Str., 6. OG, (ÖPNV Hackerbrücke)

Referent: Prof. Dr.-Ing. Josef Neiß, bis Ende 2014 Leiter der Abteilung Energie, Bergbau, Rohstoffe und Umweltfragen des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie

Angesichts des Pariser Klimaschutzabkommens braucht es einen weiteren ambitionierten Ausbau der Erneuerbarer Energien. Das zeigen auch die vom Bundesumweltministerium beauftragten „Klimaschutzszenarien 2050“. Der Zubau der Erneuerbaren Energien müsste ins besonders bis 2030/2035 deutlich höher liegen als im EEG 2016 beschlossen. Der derzeitige 33% Anteil Erneuerbarer Energien am nationalen Stromdargebot, wäre problemlos weiter ausbaubar, soll aber gedeckelt werden.
In Bayern stellt sind eine besondere Situation dar: Die Abschaltung des letzten Atomkraftwerks erfolgt 2022, der Bau von Gleichstromtrassen von Nord nach Süd ist massiv verzögert und der Ausbau der Windenergie liegt wegen der 10H-Abstandregelung praktisch still.

Sind die Klima- und Energiewendeziele in Deutschland und Bayern durch die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen überhaupt erreichbar?

Ein Gespräch mit einem ehemaligen Spitzenbeamten des Bayerischen Wirtschaftsministeriums.   

 

 

Rückblick

Exkursion ins Deutsche Museum: Willkommen im Anthropozän

Montag, 7. März 2016

Führung: Prof. Dr. Helmuth Trischler, Forschungsinstitut Deutsches Museum

Fast jeder von uns ist geflogen, hat Obst und Gemüse außerhalb der saisonalen Erntezeit gegessen oder nutzt Plastiktüten. Dass all diese Dinge einen Einfluss auf unseren Planeten haben, ist unbestritten. Inzwischen ist jedoch der Gesamteinfluss des „Menschgemachten“ so groß geworden, dass er nicht nur am Boden und vor Ort, sondern auch problemlos aus dem All gesehen werden kann; wie zum Beispiel die riesigen Gewächshausflächen in Spanien, die Plastikabfallstrudel in den Ozeanen, das schmelzende Grönlandeis. Der Mensch hat im letzten Jahrhundert begonnen, die Erde irreversibel zu verändern. Es wurden neue Radionuklide erschaffen, Tier- und Pflanzenarten sind aufgrund Menscheneinfluß ausgestorben und neue – genverändert – gezüchtet worden, die Globalisierung macht sich die Natur „untertan“.

Große Veränderungen in der Geschichte der Erde werden klassisch mit dem Beginn einer neuen Ära benannt. Nun sind die menschlichen Veränderungen so groß geworden, dass sich der Begriff „Anthropozän“ durchzusetzen beginnt. Das „Zeitalter des Menschgemachten“. Im Positiven, aber insbesondere auch im Negativen. Was ist der Beginn: Die Kohleverbrennung ab 1880 oder der erste Nukleartest 1951?

Um einen Eindruck davon zu bekommen und die Dimensionen unseres Eingriffs in Umwelt und Natur besser einschätzen zu können, besuchten wir die Sonderausstellung „Willkommen im Anthropozän“ im Deutschen Museum. Professor Trischler, Museumsleiter im Bereich Forschung am Deutschen Museum und Geschichtsprofessor an der LMU München, gewährte uns einen spannenden Eindruck in das noch junge Anthropozän.

 

 

Stadtwerke München: Strategie Fernwärme und Geothermie

17. März 2016

Referent: Stephan Schwarz, Geschäftsführer Versorgung und Technik, Stadtwerke München

Bis 2040 wollen die Stadtwerke München (SWM) vollständig auf erneuerbare Energie für den Wärme-Sektor umgestellt haben: Mittels Geothermie. In einem von Europas größtem Fernwärme-Netz.

Ehrgeizig, vorbildhaft, risikoreich.

München ist gebaut auf einem geologischen Schatz, warme bis heiße Wasser-Ströme im Untergrund des Molasse-Beckens. In 2- 3.000 Meter Tiefe verlaufen Heißwasserströme, die angezapft werden können: Zwei Geothermieanlagen gibt es schon (Riem, Sauerlach); 15 neue Anlagen planen die Stadtwerke auf Münchner Stadtgebiet; die dritte Bohrung, in Freiham, ist erfolgreich abngeschlossen. Der nächste Standort wird an der Schäftlarnstraße sein, dem Standort des HKW Süd; dann Perlach und Schwere-Reiter-Str.

Die groben Standorte sind gefunden; derzeit wird mittels Seismik-Messungen – riesigen „Rüttel“-Fahrzeugen („Vibratoren“) – der Untergrund untersucht, um mittels der Schallreflektionen 3-D-Karten zu erzeugen (die bereits vorhandenen 2-D-Karten sind nicht präzise genug). Begleitet wird das Untersuchungsprogramm GRAME mit den hälftigen Kosten in Höhe von rd. 3,3 Mio. Euro vom Bundesforschungsministerium.

Doch die Investitionen sind erheblich, die Risiken auch. Es müssen 15 Standorte im innerstädtischen Bereich gefunden werden. Wie steht es um die Akzeptanz der Bevölkerung, Ängste vor „fracking“, brennendem Gas aus dem Wasserhahn, Lärm, Risse in und Entwertung von Häusern? (AdV: Geothermiebohrungen haben mit „fracking“, mit unterirdischen Sprengungen und Chemie-Einträgen ins Grundwasser nichts zu tun!).

Bei den Bohrungen ist in der Vergangenheit eine sehr positive Lernkurve erreicht worden – aber Bohrungen bis 3 km Tiefe sind immer nicht frei von Störungen. Die Bohrungen und die Anlagen selbst kosten Millionen-Beträge; hinzu kommt – aufgrund des geringeren Temperaturniveaus von erwartbaren 950 Celsius – die Notwendigkeit des Umrüstens des Fernwämedampfnetzes in ein Heißwassernetz; in den meisten Fällen dann auch die Umstellung in den Heizstationen der Häuser von Wohnungsgesellschaften und Privateignern. Ein riesiges Investitionsprogramm für die nächsten 25 Jahre.

Lässt es sich beschleunigen, um vorzeitig aus der Steinkohleverbrennung im Heizkraftwerk Nord, Block 2, auszusteigen (bis 2022 sind fünf Bohrungen geplant)? Warum Dampf-Heißwasser-Umstellung erst ab 2025, schon heute könnte kräftig Energie gespart werden? Wie wird die Bevölkerung nicht nur informiert, sondern aktiv beteiligt? Wie schlägt sich das Programm auf die Energie- und Fernwärmepreise durch?

Fragen, die der „technische Geschäftsführer“ der Stadtwerke München beantworten konnte:

Präsentation Stephan Schwarz: Klicken Sie hier

 

 

 "Energie-TÜV" für Heizungsanlagen

EU-Energielabel für Heizungsneuanlagen und Nationales Effizienzlabel für Heizungsanlagen

in Kooperation mit Innung Spengler, Sanitär- und Heizungstechnik München (SHK) und Bauzentrum München (Referat für Gesundheit und Umwelt, Landeshauptstadt München)

Mittwoch 29. Juni 2016

Referenten:

  • Carsten Müller-Oehring, Zentralverband Sanitär Heizung Klima, Bereichsleiter Grundsatzfragen/Recht, Sankt Augustin
  • Akke Wilmes, Dipl. Ing. (Architekt) für ökologisches Bauen; Energieberatung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
  • In der Diskussion steht uns in technischen Fragen zusätzlich Heinrich Fischer, Vorstandsmitglied und stellv. Fachgruppenleiter Installateure und Heizungsbauer der SHK Innung München zur Verfügung.

„Ein Thema, bei dem Sie zunächst wahrscheinlich gedacht haben: Geht mich gar nichts an!

Doch das ist falsch. Qualitäts- und Energieeffizienz-Label für Heiz- und Warmwasseraufbereitungsanlagen werden – künftig zunehmend – jede Wohnungsgesellschaft, jede Eigentümergemeinschaft, jeden Häuslebesitzer und letztlich auch jeden Mieter, jeden Haushalt betreffen.


Die neue EU-Energieeinsparungsverordnung führt mit der bekannten Dreifarbenampel (grün bis rot, A bis G) – nach Waschmaschinen, Kühlschränken, Staubsaugern … – seit 26.09.2015 nun auch ein verpflichtendes Energieeffizienzlabel für neue Heiz- und Warmwasseranlagen ein. Und für alte Heizanlagen hat die Bundesregierung im August 2015 ergänzend die gesetzlichen Grundlagen zur Umsetzung des „nationalen Effizienzlabels für Heizungsanlagen“ beschlossen; sie gelten seit dem 01.01.2016.

 


Energiesparende Heiztechnik soll leichter erkennbar werden. Denn alte Anlagen verheizen nicht nur viel Primärenergie, sondern auch viel Geld. Von den die Klimaerwärmung vorantreibenden CO2-Emissionen ganz abgesehen. Der (fossile) Heizungskeller ist der „große Verhinderer“ der Energiewende!! Denn: Markante 40% der Sekundärenergie wird für Wärmeerzeugung genutzt! Und das Durchschnittsalter der Heizgeräte in Deutschland liegt bei 17,6 Jahren; 70% davon dürften statt „A“ mühsam die neuen Effizienzklassen C, D oder E erreichen. Neuere Heizanlagen liegen gar bei A+++, verbrauchen also minimalste Mengen an Energie.

Bei Austausch oder Neuinstallation werden Heiz- und Warmwasserheizanlagen seit September 2015 mit dem Label versehen. Seit Januar 2016 können Altanlagen freiwillig ein Label bekommen. Ab 2017 wird das Label zur Pflicht; der Schornsteinfeger- oder Sanitär-Heizungsmeister wird das Label dann bei der Messung oder Wartung anbringen. 

Auch wenn das Label grundsätzlich zu befürworten ist, gibt es auch Kritik. Z.B. weil bestimmte Heizungstypen systematisch bevorzugt werden, ohne daß sie tatsächlich energiereduzierender wären. Auch erhalten Solaranlagen kein eigenes Label und können so mit anderen Heizgeräten nicht direkt in Marketing-Konkurrenz treten; sie gelten nicht als Wärmeerzeuger, sondern als Effizienztechnologie. Ebenso ist zu beachten, daß über das Produktlabel nur die Qualität der technischen Geräte „am Prüfstand“ bewertet wird, bei Heizungen jedoch hat die Qualität von Planung, Einbau, Gesamtfiguration (Leitungen, Zusatzgeräte) sowie die Bewirtschaftung (zB das Heiz- und Duschverhalten mehrerer Mieterparteien) eine herausragende Bedeutung; deswegen können in der Praxis Geräte mit guten „Prüfstand-Werten“ durchaus unerwartet hohe Verbrauchswerte aufweisen.

Wir haben uns fachmännisch aufklären lassen. Die wichtigste Erkenntnis: Sollen die Energielabel für Heizungsanlagen ein weiterer (Aufklärungs-) Beitrag zur Fortentwicklung der Energiewende im Wärmebereich werden, dann ist aber auch weitere Aufklärung dringend erforderlich: Kein Handschlag an der örtlichen Heizanlage, bevor nicht fachkundige Information eingeholt wurde (Kaminkehrer, Heizungsinstallateur, (ehrenamtliche) Energieberater)! 

Präsentation Carsten Müller-Oehring: Klicken Sie hier

Präsentation Akke Wilmes: Klicken Sie hier

 

 

Klimaherbst

Ausblick

Zivilgesellschaftliches Engagement

Der Münchner Klimaherbst feiert 2016 Jubiläum: bereits zum zehnten Mal findet die Veranstaltungsreihe statt.

Initiiert im Jahr 2007 von einem Team der Münchner Volkshochschule hat sich der Münchner Klimaherbst zu einer der wichtigsten und am meisten beachteten Veranstaltungsplattformen für Nachhaltigkeitsthemen in München entwickelt. Er wird getragen von einem umfangreichen Netzwerk an Initiativen und Vereinen, Bildungseinrichtungen, Stiftungen und auch einigen Unternehmen sowie gefördert u.a. vom Referat für Umwelt und Gesundheit der Landeshauptstadt München.

Ziel ist es, jeweils im Herbst eines Jahres, nach Ende des Oktoberfests, ab dem 04. Oktober, über einen Zeitraum von knapp einem Monat, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger Münchens, Jung wie Alt, für das Thema „Klimawandel und Klimaschutz“ zu sensibilisieren.

cool bleiben: auf geht´s!
Gemeinsam handeln für Klimaschutz

so lautet das Motto des diesjährigen Klimaherbstes.

Weitere Infos: Klicken Sie hier

 

 

Bürgerenergie
Exkursion: Windräder in den Wadlhauser Gräben, Berg/Starnberger See

08. Oktober 2016, 09:00 Uhr bis ca. 14:00 Uhr, Treffpunkt wird gesondert bekanntgegeben (siehe unten)

Führung: Robert Sing; Bürgerwind Berg Verwaltungs GmbH & Co KG; Ingenieurbüro Sing GmbH, Geschäftsführer

Nicht unumstritten, aber seit Dezember 2015 in Betrieb: Die vier Windräder, weithin sichtbar über der Gemeinde Berg, oberhalb des Starnberger Sees.

Die vier Windkraftanlagen liegen zwischen der Autobahn A95 und dem Starnberger See, ca. 4 km südöstlich von Starnberg. Es handelt sich um ein ausgedehntes Waldgebiet (Wadlhauser Gräben). Die nächstgelegenen Ortschaften sind Neufahrn in etwa 1,2 km Entfernung, Schäftlarn ca. 1,5 km, Irschenhausen und Icking 2 km und Berg 3 km südwestlich. Großräumig gesehen liegen die Standorte im Gebiet des Bayerischen Oberlands auf einem Moränenhügel zwischen Würm- und Isartal.

Die Anlagen wurden durch die Bürgerwind Berg GmbH & Co. KG errichtet, in Betrieb genommen und werden seither von ihr betrieben. Der Windpark besteht aus vier Windenergieanlagen des Typs Enercon E-115 mit einer Nabenhöhe von 149 m, einem Rotordurchmesser von 115 m (Gesamthöhe 206,9 m) und einer Nennleistung von jeweils 3 MW. Damit werden jeweils jährlich rd. 7.000.000 Klimawattstunden (kWh) Strom produziert, bei vier WEA also genug für ca. 8.000 Haushalte bzw. 24.000 Bürger.

Über die Mindestlaufzeit von 20 Jahren produzieren die vier WEA in Berg ca. 560.000.000 kWh Strom. Ein durchschnittliches deutsches Steinkohlekraftwerk benötigt für die gleiche Strommenge ca. 176.000 t Steinkohleeinheiten und emittiert dabei rd. 408.000 t CO2; mit den Windkraftanlagen Berg werden genau diese CO2-Emissionen vermieden.

Die Gesamtinvestition belief sich auf rd. 21,6 Mio. Euro. Davon sind 15 Mio. Euro Fremdkapital und 6,6 Mio. Euro Eigen- bzw. Kommanditkapital. Es handelt sich um eine „Bürgeranlage“, die überwiegend aus Einlagen von 169 lokalen Bürgern, der Gemeinde Berg, Nachbargemeinden, Energiegenossenschaften, Stadtwerken und einer regionalen Bank n finanziert ist. Eine Beteiligung ist nicht mehr möglich, da der Fonds geschlossen ist.
 
Der Windpark wurde von der Gemeinde Berg geplant. Federführend mit der Planung beauftragt war und ist die Ingenieurbüro Sing GmbH aus Landsberg am Lech; der Geschäftsführer wird uns führen und sachkundig informieren.

Vorgesehener Ablauf: Treffpunkt in München, 08.10.2016, 09:00 Uhr; Busfahrt; Führung ca. 10:00 – 12:00 Uhr; anschließend Biergarten-Besuch; Rückkehr München gegen 14:00 Uhr

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt; deshalb ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Teilnehmen kann nur, wer eine Teilnahmebestätigung erhalten hat!

Die Teilnahmegebühr (Höhe wird noch bekanntgegeben) wird zu Fahrtbeginn in bar erhoben.

 

 

Stadt sucht Zukunft

Nachhaltigkeitsstrategien unter Beteiligung von Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft in NRW-Großstädten, Augsburg und München

Donnerstag, 20. Oktober 2016, 18.00 Uhr, Green City Energy AG, Zirkus-Krone-Str. 10 (Eingang Georg-Schätzel-Straße/Hackerbrücke), 80335 München, Orangebar, 6. OG

Moderation: Maren Schüpphaus (Netzwerk Gemeinsinn e.V., angefr.)

Veranstalter: Ökologische Akademie e.V.,  in Kooperation mit: Bündnis Nachhaltigkeit Bayern (BNB), Die Umwelt Akademie e.V.; Green City e.V. ; Netzwerk Gemeinsinn e.V.; oekom e.V. ; Selbsthilfezentrum München (SHZ);      BenE München, MORGEN - Netzwerk Münchner Migrantenorganisationen; Bund Naturschutz, Kreisgruppe München

Kontakt:
Ökologische Akademie e.V., Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, T. 089-48 45 76

Teilnahmekosten:    5.- Euro

Die Landeshauptstadt München wurde für ihre  Nachhaltigkeitspolitik national und international ausgezeichnet. Auch der Nachhaltigkeitsbericht  des Referats für Gesundheit und Umwelt (2014) erfuhr einhellige Zustimmung. Eine zentrale und übergreifende Aufgabe wartet allerdings noch darauf realisiert zu werden: die Entwicklung einer Münchner Nachhaltigkeitsstrategie. Ihr Ausbleiben konstatiert das Referat mit den Worten: „Erfolgversprechende Nachhaltigkeitsstrategien basieren auf breitem Konsens. Sie sind dazu weniger als hierarchische Lenkungsinstrumente anzulegen, sondern als eine interaktive und partizipative  Form der Selbstbeobachtung und –steuerung von Politik und Gesellschaft.“  Mit der Unterzeichnung der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung durch  OB Reiter am 16. Juni und der Erklärung, dass die Stadt ein breites Bündnis mit lokalen Akteuren und den Münchnerinnen und Münchnern zum nachhaltigen Leben schmieden (möchte)“rückt die Beteiligung der Stadtgesellschaft in den Mittelpunkt.

Für die Erarbeitung einer Münchner Nachhaltigkeitsstrategie gibt allerdings keine Blaupause. Da liegt es nahe, sich das bundesweit beachtete Modellprojekt „Global Nachhaltige Kommune“  in NRW und  das einvernehmliche  Zusammenwirken von Stadtgesellschaft, Verwaltung und Politik in Augsburg bei den Zukunftsleitlinien genauer anzuschauen.
Die Veranstaltung will eine Verständigung über den Weg zu einer lokalen Nachhaltigkeitsstrategie unter den Münchner Akteuren initiieren, Verfahrensvorschläge entwickeln  sowie Chancen und Hemmnisse für ein partizipatives Vorgehen in der Erarbeitung einer Münchner Nachhaltigkeits-strategie herausarbeiten.

Programm: Klicken Sie hier

 

 

Zivilgesellschaftliches Engagement zum Thema „Zeit“: Ticken wir noch richtig? Auf der Suche nach der verlorenen Eigenzeit

11. Oktober 2016, 19:00 Uhr, GLS-Bank, Bruderstr. 5a, 80538 München (U-Bahn Odeonsplatz oder Lehel)

Referent: Manfred Molicki, Vorsitzender der Gesellschaft für Zeitkultur, Königsfeld

Wir leben in einer Tempo-Gesellschaft, in der Nonstoparbeit, Geschwindigkeit, Gleichzeitigkeit und Multitasking bestimmen, ob man noch als leistungsfähig gilt oder nicht. Die Folge: Wir verdrängen Pausen, Müßiggang und den eigenen Rhythmus immer mehr, bis Körper und Psyche nicht mehr mitspielen. Zeitstress macht krank! Zeitmanagement oft auch! Je mehr wir versuchen, Zeit zu „sparen“, desto weniger Zeit scheinen wir zu haben. Oft haben wir das Bedürfnis, „aus der Tretmühle auszusteigen“ und den inneren Zeit-Kompass wieder zu finden; doch fehlt uns auch dafür meist die Zeit.

Der Blick auf den Faktor Zeit fehlt aber nicht nur beim Blick auf den einzelnen Menschen, sondern auch beim Blick auf die Umwelt. Sind es nicht die kurzfristig gedachten, aktionistischen "Schnellschüsse", die uns heute so manche Umweltprobleme bereiten? Ist der eigentlich zeitgebende Begriff "Nachhaltigkeit" nicht schon zur Leerformel verkommen? Alles, was wächst, braucht seine Eigenzeit und kann nicht beschleunigt werden - es sei denn, man nimmt die Negativfolgen in Kauf. Das Zeitnot-Stressverhalten des Einzelnen findet eine Entsprechung im Zeitnot-Stressverhalten der Gesellschaft mit den entsprechenden Auswirkungen.

Was treibt uns so rastlos und atemlos bis zum Zeitinfarkt ("angina temporis")? Wie können wir in unserem Leben ein gesundheitsförderndes Zeit-Maß finden zugunsten einer besseren Gesundheit und mehr Lebensqualität? Warum können wir es nicht? Fehlt uns der Mut, etwas zu ändern und trauen wir uns nicht? Wer zwingt uns zu dem krankmachenden und umweltschädigenden Zeitstress? Wie finden wir zurück zu unserer Eigenzeit?

Manfred Molicki, Buchautor, ZEITforscher und Gründer der GESELLSCHAFT FÜR ZEITKULTUR, zeigt in einem interaktiven und visuell aufgelockerten Vortrag, wie Menschen es anstellen, keine Zeit zu haben, und welche Auswege andere Menschen gehen. Er weckt die Lust, innezuhalten, wenn gesundheitsschädigender Beschleunigungsaktionismus droht. Mal irritierend, mal in symbolhaften Anekdoten, dann wieder mit sinnlichen Impulsen und verblüffenden Versuchen gibt er Anregungen zum Reflektieren über den eigenen Umgang mit der Zeit.

 

 

Power to change - Die Energierebellion

Kooperationsveranstaltung von Die Umwelt-Akademie, BürgerStiftung München, Selbach-Umwelt-Stiftung, Evangelische Stadtakademie München und WissenLeben e.V.

Film-Matinée und Diskussion mit dem Regisseur Carl A. Fechner

Moderation: Dietlind Klemm, Journalistin

Sonntag, 16. Oktober
11.00  Uhr
ARRI-Kino, Türkenstraße 91, 80799 München

Eintritt: 5 Euro

Anmeldung: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Deutschland steht zweifellos vor der größten strukturellen Veränderung seit Beginn des Industriezeitalters: Mit Power to Change wird das Jahrhundertprojekt Energiewende filmisch erlebbar.

Der Film zeigt anhand überzeugender Beispiele, dass Umstellungen in der Energiewirtschaft möglich und machbar sind.

Anschließend werden wir gemeinsam diskutieren, wie wir hier bei uns zu Hause, in München und Bayern die Energiewende schneller voranbringen können.

 

 Filmplakat

Gemeinsam handeln für Klimaschutz: Ist die „2000-Watt-Gesellschaft“ ein realistisches Ziel für München?

In Kooperation mit Green City Energy AG

27. Oktober 2016, 19:00 Uhr, Green City Energy AG, Zirkus-Krone-Str. 10 (Eingang Georg-Schätzel-Straße), 80335 München, 6. OG, „orangebar“ (ÖPNV Hackerbrücke)

Referent: Roland Stulz, intep – Integrale Planung GmbH; Vorsitzender des Aufsichtsrats

Angesichts des Klimawandels stellt sich die Frage nach der Ausgestaltung einer nachhaltigen und gerechten Energieversorgung. Nach der Vision „2000-Watt-Gesellschaft“ sollte der Energiebedarf jeden Erdenbewohners künftig einer durchschnittlichen Leistung von 2000 Watt (Primärenergie) entsprechen. Dies entsprach dem durchschnittlichen Weltjahresverbrauch von 17.520 kWh (Kilowattstunden) pro Person – im Jahr 1990. Dies entspricht einem maximalen Verbrauch von rund 1700 Liter Heizöl oder Benzin (Endenergie) pro Jahr und Person, umzurechnen auf alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche.

In einer 2000-Watt-Gesellschaft leben Menschen, die sich mit Engagement und Begeisterung für eine nachhaltig hohe Lebensqualität einsetzen. Sie schätzen die vorhandenen Ressourcen, nutzen diese mit Maß und verteilen sie global gerecht. Die Menschen einer hochentwickelten 2000-Watt-Gesellschaft haben erkannt, dass ihre eigene Lebensqualität nicht mehr an einen steigenden materiellen Lebensstandard gekoppelt ist. Effizienz, Konsistenz und Suffizienz sind die drei übergeordneten Umsetzungs-Strategien dazu.

Viele Städte und Gemeinden, insbesondere in der Schweiz, haben sich in den vergangenen Jahren den 2000-Watt-Zielen verpflichtet. Vier wurden seit 2004 mit dem Label „Energiestadt auf dem Weg in die 2000-Watt-Gesellschaft“ ausgezeichnet, darunter Basel und Zürich.

Der Kanton Basel-Stadt verfolgt seit vielen Jahren eine fortschrittliche bottom-up-Energie- und Umweltpolitik. Im aktuellen Legislaturplan der dortigen Regierung ist die „2000-Watt-Gesellschaft“ als Leitmotiv verankert. Weniger Ressourcen verbrauchen, die Energieeffizienz steigern und erneuerbare Energien fördern – mit dieser strategischen Ausrichtung will sich Basel zur Smart City weiterentwickeln. Dazu gehören Energienachbarschaften, Energiespar-Wettbewerbe, Sharing-Plattformen für E-Bikes, Preisauslobung „Faktor5“, Jahreskampagnen zu Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien.

In der Stadt Zürich hat es am 30.11.2008 eine Volksabstimmung gegeben: Das Ziel der „2000-Watt-Gesellschaft“ wurde mit 76%-iger Mehrheit angenommen. Konkret heisst das, dass Zürich seinen Energieverbrauch – top-down – auf 2000 Watt pro Person und seinen CO2-Ausstoss bis 2050 auf eine Tonne pro Person und Jahr senken will, erneuerbare Energien und Energieeffizienz fördert und seine Beteiligungen an Atomkraftwerken nicht erneuert.

Nun sollen die Erfahrungen Schweizer Städte auch auf München übertragen werden: Von heute 7.300 Watt pro Person (inkl. grauer Energie aus Importen) runter auf 2000 Watt. Wie kann das gehen, was ist zu tun, wie betrifft das Neu- und Bestandsgebäude, die gewerbliche Wirtschaft, die Verwaltung, die Infrastruktur und die Mobilität in München, jeden Einzelnen von uns?

Der Referent kommt aus der Planungsgesellschaft mit Schweizer Erfahrungen, die im Auftrag der Landeshauptstadt München einen 2000-Watt-Gesellschaft-Fahrplan für München erarbeiten soll. Im Jahr 2012 hatte der Stadtrat mit seinem Beschluss zur „Leitlinie Ökologie – Klimawandel und Klimaschutz“ das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) beauftragt, Wege zu einer 2000-Watt-Gesellschaft darzustellen.

Mit dem Gutachten sollen die Grundlagen zur Klärung und Konkretisierung der 2000-Watt-Gesellschaft geschaffen werden. Mit Hilfe eines Stoffstrom-Modells (Stoffhaushalt München) sollen die Ressourcenabhängigkeiten Münchens dargestellt werden, um u.a. die Resilienz Münchens zu verbessern. Dazu sollen Aufbau und Einsatz von (qualitativen und quantitativen) Wirkungs­modellen als ganzheitliche, systemische Planungs­methoden und als Grundlage für die Nachhaltigkeits-­Berichterstattung wie auch für die Planung der 2000-Watt-Gesellschaft geschaffen werden.

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Veranstaltungen mit unseren Kooperationspartnern

Ausblick

 Ökologische Steuerreform - gestern und heute

Eine Veranstaltung der Münchener Regionalgruppe des FÖS in Kooperation mit der Umwelt-Akademie und Green City Energy.

3. November 2016
Orange Bar, Green City Energy AG, Zirkus-Krone-Str. 10, Eingang Georg-Schätzle-Str., 6. OG, (ÖPNV Hackerbrücke)

Referent: Hans Eichel, ehem. Bundesfinanzminister

In Deutschland wurde vor über 15 Jahren die Ökologische Steuerreform durchgeführt – damals ein kontroverses Thema, aus heutiger Sicht ein Erfolg auf dem Weg zu einer Ökologisch-Sozialen Marktwirtschaft. Energieverbrauch wurde teurer und die Kosten für Arbeit geringer. Seitdem hat sich jedoch kaum etwas getan, die Fortschritte sind aufgezehrt. Umweltsteuern tragen heute weniger zum gesamten deutschen Steueraufkommen bei als vor der Durchführung der Ökosteuer.

Hans Eichel war damals als Bundesfinanzminister direkt an den Reformen beteiligt - mittlerweile engagiert er sich als Beiratsvorsitzender des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) und plädiert dafür, einen neuen Anlauf für ökologisch und sozial wahre Preise zu nehmen.

 

Rückblick

Förderung der Elektromobilität – Lösungsbeitrag oder Geldverschwendung?

eine Veranstaltung der FÖS-Regionalgruppe München

in Kooperation mit Green City – Münchner Mobilitätskultur, Petra-Kelly-Stiftung, Umwelt-Akademie e. V., Verkehrsclub Deutschland (VCD) e. V.

Donnerstag, 10. März 2016

Referent: Dieter Teufel, Umwelt- und Prognose-Institut e.V., Heidelberg

Die Stadt München will in den nächsten zwei Jahren 22 Millionen Euro in die Förderung von Elektrofahrzeugen investieren. Damit liegt sie im Trend: Für Politiker aller Parteien und Vertreter der Automobilindustrie ist die Elektromobilität die Lösung für mehr Klimaschutz im Verkehrsbereich.

Doch wie sinnvoll ist die Förderung wirklich?

Das Umwelt- und Prognose-Institut Heidelberg (UPI) hat die ökologischen Auswirkungen von Elektroautos untersucht und kommt zu zwiespältigen Ergebnissen: Mit dem derzeitigen Strommix stoßen E-Autos fast genau so viel CO2 aus wie kraftstoffbetriebene Pkw. Die Erfahrung z.B. in Skandinavien zeigt ausserdem, dass stromgetriebene Autos zusätzliches Verkehrsaufkommen nach sich ziehen und zum Umstieg von öffentlichen Verkehrsmitteln in den privaten Pkw führen. Durch die Steuerbefreiung leisten Besitzer von Elektroautos zudem keinen Beitrag zum Erhalt der Verkehrsinfrastruktur. Und nicht zuletzt werden EAutos bei den Flottenverbräuchen überaus großzügig angerechnet – die Hersteller können im Gegenzug also umso mehr „Dreckschleudern“ auf den Markt bringen.

 

 

Der Rebound-Effekt - Ein blinder Fleck in der Ökologiedebatte

eine Veranstaltung des Münchner Forum Nachhaltigkeit

Montag, 7. März 2016

Referent: Dr. Tilman Santarius

Die Idee einer „Effizienzrevolution“ ist seit jeher eine Leitstrategie der Umweltbewegung und -politik. Energieeffizienz gilt auch als zentraler Bestandteil der deutschen Energiewende: Ohne besser gedämmte Häuser, sparsamere Autos oder effizientere Haushaltsgeräte sind die klima- und energiepolitischen Ziele der Bundesregierung kaum zu erreichen. Wenn die Effizienz nur stark genug gesteigert werde, so die Annahme, würde auch der Naturverbrauch deutlich zurückgehen: Effizienz gleich Sparsamkeit.

Eine Illusion? De facto haben genau jene Industriegesellschaften, die seit zweihundert Jahren die größten Produktivitäts- und Effizienzfortschritte seit Menschengedenken erzielt haben, laufend mehr Energie verbraucht. Effizienz kurbelt offenbar das Wachstum an und erhöht so wiederum den Ressourcenverbrauch – ein Dilemma, genannt „Rebound-Effekt“.

In seinem Vortrag analysierte der Soziologe und Volkswirt Tilman Santarius anhand verschiedener Beispiele, wie rein technische Lösungen der Nachhaltigkeit („Effizienzrevolution“) ihr Ziel verfehlen. Sie führen zu einem Anstieg des absoluten Verbrauchsniveaus, der das erhoffte Einsparpotenzial teilweise – manchmal auch vollständig – wieder zunichte macht.

  • Was sind die Gründe für diese Rebound-Effekte?
  • Werden durch sie die Ziele der Klima- und Energiepolitik in Frage gestellt?
  • Wie könnte es gelingen, Rückschläge durch Rebound-Effekte zu vermeiden?

Diesen Fragen ging Tilman Santarius in seinem Vortrag nach. Von 2001 bis 2009 war er Projektleiter am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, danach bis 2011 Referent für Internationale Klima- und Energiepolitik bei der Heinrich Böll Stiftung. 2015 wurde Tilman Santarius mit einer Arbeit über den Rebound-Effekt an der Universität/Gesamthochschule Kassel promoviert.

Münchner Forum Nachhaltigkeit

Veranstalter / Initiatoren

  • oekom e.V.
  • Selbach-Umwelt-Stiftung
  • Schweisfurth-Stiftung

Kooperationspartner

  • Bürgerstiftung
    Zukunftsfähiges München
  • Die Umwelt-Akademie e.V.
  • Hochschule für angewandte Wissenschaften - FH München
  • Ringvorlesung Umwelt
    der Studentischen Vertretung der TU München

Globalisierung und Gerechtigkeit - Zur Rolle einer weltweiten öko-sozialen Marktwirtschaft

Eine Veranstaltung des Münchner Forum Nachhaltigkeit

Montag, 6. Juni 2016

Referent:  Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher

„Die Welt befindet sich heute in einem Zustand globaler Apartheid“, diagnostizierte Professor Franz Josef Radermacher – mit Blick auf die ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung weltweit – bereits vor zehn Jahren im Manifest der Global Marshall Plan Initiative.

An dieser kritischen Zeitdiagnose hat sich wenig geändert. Im Gegenteil: Waren es damals noch 20 Prozent, so sind es heute gerade mal 10 Prozent der Weltbevölkerung, die über 80 Prozent des weltweiten Wohlstands besitzen – und zugleich für den Großteil der weltweiten Umweltzerstörungen verantwortlich sind.

Die Wahrscheinlichkeit einer zunehmenden „Brasilianisierung“ der Erde, dem Verschwinden der Mittelschicht und der Aufteilung der Bevölkerung in wenig Reiche und viele Arme, steigt – und mit ihr die sozialen und politischen Konflikte, wie sie unter anderem auch in der aktuellen Flüchtlingskrise zum Ausdruck kommen.

Der Vortrag von Professor Radermacher beleuchtete die internationale Entwicklung vor dem Hintergrund zweier großer Problembereiche:
- angesichts der rasch wachsenden Weltbevölkerung, dem zunehmenden Konflikt um Ressourcen und der Problematik immer größerer Umweltbelastungen, z.B. im Klimabereich;
- angesichts der aktuellen Weltwirtschaftskrise, die aus einer noch nicht überwundenen Weltfinanzkrise resultiert.

Wie kann es gelingen, die aktuellen politischen und sozialen Konflikte zu überwinden und den Weg zu einer gerechteren Zukunft zu ebnen?

Welche Rolle käme hierbei einer öko-sozialen Marktwirtschaft zu und wie ließe sich ein solches Wirtschaftsmodell globalisieren?

Welcher politischen Regulierungen bedarf es hierzu? Was ist zu tun, damit das Wünschenswerte auch wahrscheinlich wird?

Diesen Fragen ging Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher in seinem Vortrag nach.
Er ist Professor für „Datenbanken und Künstliche Intelligenz“ an der Universität Ulm, gleichzeitig Vorstand des dortigen Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung, Präsident des Senats der Wirtschaft e.V. (Bonn), Vizepräsident des Ökosozialen Forum Europa (Wien) sowie Mitglied im Club of Rome.

Wir haben den Vortrag von Prof. Radermacher für Sie aufgezeichnet: Klicken Sie hier

Dokumente zum Vortrag von Prof. Radermacher: Klicken Sie hier

 

Wissenswertes

Bündnis Nachhaltigkeit Bayern fordert lokale Nachhaltigkeitsstrategie

Die Landeshauptstadt München wurde für ihre  Nachhaltigkeitspolitik national und international ausgezeichnet. Auch der Nachhaltigkeitsbericht  des Referats für Gesundheit und Umwelt (2014) erfuhr einhellige Zustimmung. Eine zentrale und übergreifende Aufgabe wartet allerdings noch darauf realisiert zu werden: die Entwicklung einer Münchner Nachhaltigkeitsstrategie. Ihr Ausbleiben konstatiert das Referat mit den Worten: „Erfolgversprechende Nachhaltigkeitsstrategien basieren auf breitem Konsens. Sie sind dazu weniger als hierarchische Lenkungsinstrumente anzulegen, sondern als eine interaktive und partizipative  Form der Selbstbeobachtung und –steuerung von Politik und Gesellschaft.“  Mit der Unterzeichnung der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung durch  OB Reiter am 16. Juni und der Erklärung, dass die Stadt ein breites Bündnis mit lokalen Akteuren und den Münchnerinnen und Münchnern zum nachhaltigen Leben schmieden (möchte)“rückt die Beteiligung der Stadtgesellschaft in den Mittelpunkt.

Für die Erarbeitung einer Münchner Nachhaltigkeitsstrategie gibt allerdings keine Blaupause. Da liegt es nahe, sich das bundesweit beachtete Modellprojekt „Global Nachhaltige Kommune“  in NRW und  das einvernehmliche  Zusammenwirken von Stadtgesellschaft, Verwaltung und Politik in Augsburg bei den Zukunftsleitlinien genauer anzuschauen.

Das Bündnis Nachhaltigkeit Bayern, dem auch die Umwelt-Akademie angehört, hat in einem öffentlichen Brief an OB Reiter eine referatsübergreifende und partizipative Erarbeitung einer lokalen Nachhaltigkeitsstrategie gefordert: Klicken Sie hier

Zudem will das Bündnis Nachhaltigkeit Bayern im Rahmen einer Klimaherbst-Veranstaltung eine Verständigung über den Weg zu einer lokalen Nachhaltigkeitsstrategie unter den Münchner Akteuren initiieren, Verfahrensvorschläge entwickeln  sowie Chancen und Hemmnisse für ein partizipatives Vorgehen in der Erarbeitung einer Münchner Nachhaltigkeits-strategie herausarbeiten. Informationen zur Veranstaltung: Klicken Sie hier

 

Die Umwelt-Akademie stellt sich vor

Die Journalisten-Akademie hat die Umwelt-Akademie anläßlich ihres 25-jährigen Bestehens in einem Kurzfilm porträtiert. Wir finden, das ist eine gelungene Darstellung unserer Intentionen. Überzeugen Sie sich selbst: Klicken sie hier


 

CONSULTATIVE oder KONSULTATIVE

Ein Kommentar von Dr. Dieter Schmid zum Buch von P. Nanz und C. Leggewie „Die Konsultative“

Auch in unserer angeblich so schnellebigen Zeit brauchen notwendige Veränderungen oft erstaunlich lange, bis sie sich wirksam im öffentlichen Bewußtsein festsetzen. Das gilt besonders für gesellschaftliche Systeme, die als konstitutive Institutionen mehr oder weniger kommentarlos allgemein vorausgesetzt werden. Und zwar auch dann, wenn sie im Zug der tatsächlich rasend schnellen technischen und zivilisatorischen Veränderungen sich als unzulänglich und problematisch erweisen.

Für das Gesellschaftssystem der sogenannten parlamentarischen Demokratien bestehen solche im allgemeinen nicht mehr hinterfragten Grundvoraussetzungen zum Beispiel in der Festschreibung von drei „unabhängigen Gewalten“ - Der LEGISLATIVE, der EXECUTIVE und der JUDIKATIVE.

Als ideelles Konzept wird dabei der allem zugrunde liegende „Wille des Volkes“ durch direkt oder indirekt gewählte „Abgeordnete“ repräsentiert. Diese sind zwar „nur ihrem Gewissen verpflichtet“, in Wahrheit aber von politischen Parteien streng vorselektiert. In den von diesen Abgeordneten gebildeten Gremien (Parlamente, Räte, Landtage etc) sollen durch Mehrheitsentscheidung die Regeln entstehen, welche über die Handlungs-Institutionen (Regierungen, Behörden usf) operativ umgesetzt werden. Ob und wie das tatsächlich der Fall ist, überprüft ein Rechtswesen, das von beiden anderen Gewalten unabhängig ist und in vielen Nationen auf einem kodifizierten System der „vorausschauenden Einzelfallgerechtigkeit“ basiert .

Entstanden ist dieses System der parlamentarischen Demokratien in einer Zeit, in welcher die Vorstellung vom universell gebildeten, den Prinzipien der Humanität verpflichteten Citoyen als „Träger der Zivilgesellschaft“ verbreitetes Allgemeingut der Eliten war. Der „mündige Bürger“ werde in diesem Konstrukt von „Checks and Balances“ sowohl seine individuelle Rolle finden wie an der allgemeinen gesellschaftlichen Wohlfahrt gerecht teilnehmen können.

Die Realität zeigt, dass dieses Idealkonzept nur in wenigen Regionen der Welt überhaupt in Angriff genommen wurde – und dort, wo das der Fall war, extreme Unzulänglichkeiten offenbarte. Einer der Hauptfehler ist wohl, dass die rasant zunehmende Komplexität von industrialisierten Nationalstaaten sowohl die Kompetenz der gewählten Volksvertreter als auch die Kontrolle durch eine erstarrte Justiz („fiat jus, pereat mundus“) total überfordert.

Die Folge war und ist eine immer stärker werdende Forderung der Zvilgesellschaft – also jener Bürger, die sich überhaupt noch für die Gesellschaft interessieren – nach Transparenz und Mitwirkung. Und es war klar, dass dies nur über Modifikationen der politischen Mechanismen einer parlamentarischen Demokratie möglich sein könnte.

Angestossen von dem Physiker und „Querdenker“ Hans-Peter Dürr bildete sich in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts innerhalb der von dem Wissenschaftsmanager Heinz Häberle und seiner Frau Brigitte gegründeten UMWELT-AKADEMIE eine formlose Arbeitsgruppe, die über mehrere Jahre ein Konzept ausarbeitete, welches die offenkundigen Mängel der real existierenden parlamentarischen Demokratie kompensieren sollte. Es fand am Ende seinen Niederschlag in einem Verfahren, welches wir CONSULTATIVE nannten und Ende der Neunziger ins Internet gestellt haben (www.consultative.de).
Die Mitglieder dieser Gruppe bestanden – neben einer Reihe engagierter Frauen – unter anderem aus aktiven oder ehemaligen Managern mit Erfahrungen in Unternehmen und Grossbehörden. Das führte dazu, dass wir den Focus des Konzepts – welches von Beginn an als der Start zu einer „Vierten Gewalt“ verstanden wurde – auf ein detailliert geregeltes öffentliches Verfahren richteten.

H. Häberle sprach dezidiert von der „Würde des Verfahrens“, welches individuelle Willkür bei der Anwendung unbedingt vermeiden musste. In der Praxis wurden eine Reihe von solchen Verfahren (von Technikprojekten wie dem in Bayern geplanten TRANSRAPID oder der Zukunft der Energieversorgung bis hin zu einer Stadtplanung oder auch von Erziehungskonzepten) gestartet, die aber stets dann abgebrochen wurden, wenn den Auftraggebern klar wurde, dass keineswegs das von ihnen gewünschte Ziel als Ergebnis des Prozesses herauskommen würde, selbst wenn es sich dabei nur um Empfehlungen handelte.

Als Fazit liess sich feststellen, dass ausser engagierten Debatten in mehreren evangelischen Akademien etc. wohl „die Zeit noch nicht reif war“ für eine Entwicklung, die wir für absolut notwendig gehalten hatten.

Daher wirkt es nun doch sehr ermutigend, wenn von anderer Seite und mit einigen Änderungen zu unserem Ansatz erneut der Versuch gemacht wird, die dringend benötigte Ergänzung in System der parlamentarischen Demokratie anzustossen.
Hat dies zunächst die Gruppe um J. Sikora („Deutschland neu starten“) als Initiative aufgenommen, so wird nun mit dem genannten Buch von Patrizia Nanz und Claus Leggewie ein weiterer grundsätzlicher Anstoss versucht. Er liest sich ausgesprochen flüssig, ist präzise in seinen Aussagen und arbeitet mit hervorragenden Begründungen.

Diese finden sich vor allem im ersten Teil. Dort werden die Gründe für das partielle Versagen unserer parlamentarischen Demokratien offen angesprochen. Als „demokratisches Defizit“ wird (Zitat Seite 16) unter anderem herausgestellt dass es (Zitat) . . „die unkontrollierte, nur ihren Aktionären rechenschaftspflichtige Macht grosser Unternehmen . . .(ist, die) das parlamentarische Entscheidungssystem kolonisiert und oft zur puren Fassade degradiert“. Messlatte für das benannte Defizit ist für die Autoren das zunehmende Auftreten eines mehr oder weniger aggressiven Populismus und dessen Rückwirkung auf die Politik.

Dann werden die bisherigen Versuche einer „Beteiligungsdemokratie“ untersucht, wobei sich besonders im Basisbereich – bei den Kommunen und Regionen – deutliche Erfolge zeigen. In einem Übergangsteil wird schliesslich einleuchtend auf moderne Konzepte einer am Gemeinwohl orientierten Politik mit einer (Zitat Seite 48) „. .Kooperation und Partizipation als Modi gemeinsamer Gestaltung . .“ eingegangen..

Aus alledem ergibt sich dann im zweiten Teil des Buches der konkrete Vorschlag für eine „Konsultative als vierte Gewalt“. Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zu unserem seinerzeitigen Konzept. Statt des von uns vorgeschlagenen Weges einer prozessorientierten „Consultative“, die durch eine Reihe von „Testverfahren“ die Öffentlichkeit überzeugen sollte, verfolgen Nanz und Leggewie von Anfang an die Idee einer institutionalisierten Regelung. Das dazu vorgeschlagene Werkzeug sind die sogenannten Zukunftsräte, die sich besonders in der Schweiz (auf kantonaler und auch örtlicher Ebene) und auch in einigen deutschen Kommunen – mit dieser oder ähnlichen Bezeichnungen - bewährt haben.

Es erscheint durchaus einleuchtend, dass auf diesem Weg das eindeutige Handicap unseres Vorschlags umgangen werden könnte: dass nämlich die dazu legitimierten Auftraggeber einer Consultative – also gewählte Gremien von Parlamentariern – einen solchen Beteiligungsprozess in dem Moment abbrechen, wo er zu anderen Lösungsvorschlägen als den bis dahin von Parteien ins Auge gefassten führen würde.

Wie dem auch sei: dem Buch beziehungsweise den darin gemachten Vorschlägen ist jeder Erfolg zu wünschen. Auch wenn als kleine Seltsamkeit verbleibt, dass innerhalb eines mehrseitigen Zitaten-Anhangs das seinerzeit von der Umwelt-Akademie ausgearbeitete und seit fast 20 Jahren im Internet eingestellte Konzept einschliesslich seiner „Testläufe“ mit keinem Wort Erwähnung findet. Ob es an den unterschiedlichen Anfangsbuchstaben liegt, müssten die Professoren Nanz und Leggewie entscheiden.

Dr. Dieter Schmid

 

 

 

 

 

Dr. Dieter Schmid ist Gründungsmitglied der Umwelt-Akademie und gehörte über 10 Jahre dem Vorstand an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Partizipation verteidigt unsere Werte

Ein Kommentar von Dr. Peter H. Grassmann zum Buch von P. Nanz und C. Leggewie „Die Konsultative“

Es überrascht nicht, dass der Ausgang des Britischen Referendums missbraucht wird, um die Bürgerbeteiligung auf Bundes-und Europaebene in Misskredit zu bringen. Meine Wut darüber ist gewaltig, denn gerade Referenden und Volksentscheide können Werte verteidigen und Umbrüche durchsetzen. Die Gründung des Vereins Mehr Demokratie e.V. geht auf den Volksentscheid in Bayern zu Gunsten der Abfalltrennung Zurück und war der Anfang einer Tradition der Bürgerbeteiligung, die der bayerischen Politik durchaus gut bekommen ist.
Zweckmäßig ist allerdings, die oft von der persönlichen Betroffenheit geprägtem Volksentscheide für örtliche Baumaßnahmen und Projekte zu unterscheiden von den Grundsatzentscheiden auf Landes-, Bundes- und Europaebene. Hier ist es, wo wir immer noch auf den beharrlichen Widerstand der Kanzlerin und einigen Teilen der  Christdemokraten - übrigens nicht der CSU -  stoßen.  Hier gilt es, gegenzuhalten und die bürgerliche Beteiligung unverändert einzufordern.

Die Wut über die negativen Äußerungen zum Volksentscheid bei uns nach dem Brexit kombiniert sich übrigens mit der Wut über die Reform des EEG, das nun die Verbraucher mit insgesamt 80 Milliarden €(!) belastet hat bei geringer Wirkung.  Denn der CO-2-Ausstoß in der Bundesrepublik blieb lediglich konstant,  von einem ernsthaften Rückgang kann keine Rede sein.
Sinnvoller als solch industriefreundliche Gesetze zu machen wäre es, den Versorgern Analog zur Automobilindustrie die gesetzliche Auflage zu machen, den Anteil an erneuerbaren Energien in ihrem Lieferprogramm in den nächsten 15 Jahren auf 80-90 % zu bringen, die Wirkungslosigkeit der Emissionszertifikate einzugestehen und durch eine allgemeine CO2 Steuer zu ersetzen und im übrigen  den vielen Bürgerinitiativen und kleinen Genossenschaften den Anschluss an die Versorgernetze zu erlauben. Denn deren Konzept ist sowieso regional und die Einspeisung und Netzbelastung gering. Ich wage zu behaupten: Mit Bürgerentscheiden gegen die Macht der Konzerne hätte Deutschland ein besseres Klimaprogramm! Jetzt die Verfassung öffnen für Partizipation

Es läuft also schlecht in unserer Politik zu allen Themen der Nachhaltigkeit und der Fairness in der Wirtschaft. Deshalb wäre die verfassungsmäßige Verankerung des bundesweiten Volksentscheids Gebot der Stunde – eben gerade jetzt, wo noch eine große Koalition die Verfassungsänderung verabschieden könnte. Das Gesetz dazu könnte dann in der nächsten Registratur Periode folgen. Mit diesem Vorschlag sprechen wir mit Mehr Demokratie e.V. und halten Sie informiert.
Die Falschaussagen zum Referendum bringen die Literatur für Volksentscheid und die Kraft informativ begleiteter Partizipation wieder in Erinnerung. Dazu gehört die nachstehende Würdigung des im letzten newsletter erwähnte Buchs Konsultative, deren Autoren zwar die wesentlich ältere Consultative der Umwelt-Akademie ohne Zitat übergehen, aber jedenfalls eine leidenschaftliche Begründung für mehr Partizipation liefern. Das Buch Plateau3, das sich noch breiter mit den vielen Vorteilen und  Möglichkeiten der Beteiligungsdemokratie auseinandersetzt, wurde nun als e-Book aufgelegt. Siehe dazu die Buchbeschreibung am Ende des Newsletter und die Blogs in  http://www.huffingtonpost.de/peter-grassmann/

Dr. Peter H.  Grassmann

 

 

Dr. Ing. Peter H. Grassmann


Dr. Peter H. Grassmann
Vorstand Die Umwelt-Akademie

 

Die Konsultative - Mehr Demokratie durch Bürgerbewegung

Claus Leggewie , Patrizia Nanz, Politik [749]. 112 Seiten. 9,90 €, ISBN 978-3-8031-2749-5

Not in my backyard versus Mitsprache für alle. Nur mit der Weisheit der Vielen können die drängenden Fragen der Zukunft gelöst werden. Die vierte Gewalt, die Konsultative, ist ihr Sprachrohr. Unsere Demokratie wird nicht mehr ohne sie auskommen können.

Demokratie in der Krise? Politikverdrossenheit allerorten? Verhöhnung und Wut der Bürger wie bei Stuttgart 21? Das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen fordern immer mehr Bürger Mitspracherechte und Gestaltungsmacht. Großprojekte wie die Energiewende bedürfen der Unterstützung aller, und dazu müssen auch tatsächlich alle im Vorhinein einbezogen werden. An vielen Orten beratschlagen engagierte Bürger nun zum Beispiel über den Trassenverlauf von Stromleitungen. Noch viel zu selten, aber immer häufiger findet eine breite und tiefgehende Konsultation der Bürgerschaft statt, bevor Gesetze entwickelt und beschlossen werden. Wir sind mittendrin in der Beteiligungsrevolution. Patrizia Nanz und Claus Leggewie, leidenschaftliche Streiter für Partizipation und die Demokratisierung der Demokratie, fordern die Institutionalisierung von Zukunftsräten, ein flächendeckendes Netz konsultativer Gremien von der lokalen bis zur europäischen Ebene. Sie haben mit diesem Konzept nicht nur ein wegweisendes Modell entwickelt, sondern unterstützen längst Bürger aktiv dabei, sich politische Handlungsspielräume zurückzuerobern. Gemeinsam erarbeiten sie praktikable Lösungsvorschläge für aktuelle Fragen wie die Unterbringung von Geflüchteten oder jahrzehntelang schwelende Konflikte wie den um die Endlagerung von Atommüll.

Patrizia Nanz (ab April 2016 wissenschaftliche Direktorin am Nachhaltigkeitsinstitut IASS in Potsdam) und Claus Leggewie (Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen), leidenschaftliche Streiter für Partizipation, unterstützen Bürger dabei, sich politische Handlungsspielräume zurückzuerobern. In ihrem Buch fordern sie die Institutionalisierung von Zukunftsräten, ein Netz konsultativer Gremien von der lokalen bis zur europäischen Ebene.

Patrizia Nanz ist Kuratoriums-Mitglied der Umwelt- Akademie e.V.

 

 

Die Konsultative

Wirkungsvolle und Sinn stiftende Geldanlagen finanzieren gesellschaftliche Innovationen - neue Marktchancen für Finanzinstitute

In Deutschland befinden sich wirkungsorientierte Investitionen zur Finanzierung von Sozialdienstleistungen in einem frühen Entwicklungsstadium. Vor allem Banken und Sparkassen haben bisher nur vereinzelt auf diesen Trend reagiert, indem sie  themenspezifische Finanzprodukte mit ökologischen Schwerpunkten anbieten. In einer von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegebenen Studie wurde von einem Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Schäfer, Universität Stuttgart, der Stand des zweck- und wirkungsorientierten Produktangebots von Finanzinstituten in Deutschland erhoben. Darauf aufbauend und unter Einbezug innovativer Best Practise-Konzepte wurden konkrete Prototypen entwickelt, mit denen Finanzinstituten eine Umsetzung von sozial und ökologisch ausgerichteten Finanzprodukten schrittweise ermöglicht wird. Mit solchen wirkungsorientierten Finanzprodukten besteht für Finanzinstitute ein bislang noch unterschätztes geschäftspolitisches Potenzial, ihre Nachhaltigkeitsleistungen zu erhöhen. Es bereichert zudem die zukünftig für viele Institute gesetzlich vorgeschriebene Berichterstattung in Nachhaltigkeit.

Die Kurzversion der Studie findet sich unter: Klicken Sie hier
Die Langeversion der Studie ist als Download erhältlich unter: Klicken Sie hier

Prof. Dr. Henry Schäfer, Universität Stuttgart, Betriebswirtschaftliches Institut, Abt. III (Allgemeine BWL und Finanzwirtschaft), Tel.: 0711 685 86000, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

In eigener Sache

Die Umwelt-Akademie e.V. wird für herausragende Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet

Die Deutsche UNESCO-Kommission hat 2016 gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung Auszeichnungen für eine besonders gelungene Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung initiiert. Ausgezeichnet werden sowohl Lernorte als auch Netzwerke und Kommunen, die Bildung für nachhaltige Entwicklung in hoher Qualität implementieren und langfristig verankern werden.

Die Auszeichnungen werden im Rahmen der nationalen Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung vergeben und sind ein Beitrag zur Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Ausgezeichnete Bildungsinitiativen werden daher offiziell als Teil des Weltaktionsprogramms deklariert und auf dieser Webseite ausführlich dargestellt.

Auch die Umwelt-Akademie konnte die Fachjury mit ihrer Bewerbung überzeugen - mit ihrer Arbeit leiste Die Umwelt-Akademie einen herausragenden Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland. Im Rahmen ihrer Themenschwerpunkte rund um die Fragestellungen zu Umweltschutz und Nachhaltige Lebensstile vermittelt die Umwelt-Akademie Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln. Sie versetzt Menschen in die Lage, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und abzuschätzen, wie sich eigene Handlungen auf künftige Generationen oder das Leben in anderen Weltregionen auswirken. In der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und dem UNESCO Weltaktionsprogramm (2015-2019) ist die Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung als Ziel für die Weltgemeinschaft festgeschrieben.

Beim ersten nationalen Agendakongress BNE am 11. Juli 2016 in Berlin verliehen die Bundesministerin für Bildung und Forschung Prof. Dr. Johanna Wanka und die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Prof. Dr. Verena Metze-Mangold die Auszeichnungen. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung Professor Wanka sagte anlässlich der ersten Verleihung von Auszeichnungen im UNESCO-Weltaktionsprogramm: „Bildung für nachhaltige Entwicklung muss gelebt werden, sie muss im Alltag der Bürger ankommen. Ich freue mich sehr, dass das an vielen Orten schon heute der Fall ist. Das zeigen die ersten Auszeichnungen im Weltaktionsprogramm.“ Bundesministerin Wanka hob hervor: „Erstmalig ehren wir Kommunen, Netzwerke und Lernorte, die stabile Strukturen und eine Verstetigung über BNE-Aktivitäten erreicht haben oder anstreben. Denn nur so kommen wir unserem Ziel näher, insgesamt eine nachhaltige Gesellschaft zu werden. Ich gratuliere den Ausgewählten herzlich.“

 

Neuer Service der Umwelt-Akademie

Sie finden unsere Veranstaltungen sehr interessant, sind aber verhindert oder erhielten keine Platzreservierung und konnten somit nicht persönlich teilnehmen?

Mit unserem neuen Service bieten wir Ihnen die Möglichkeit, sich besonders "begehrte" Veranstaltungen als Video-Mitschnitt anzusehen.

So haben wir z.B. die Podiumsdiskussion zum Thema "Kohleausstieg München Nord: "Größter anzunehmender Unsinn" oder "Ökologisch-ethische Notwendigkeit jetzt"? für Sie aufgenommen: Klicken Sie hier

Und wenn Sie nachträglich noch mitdiskutieren möchten, nutzen Sie einfach unsere Kommentar-Funktion.

 

 

Buch- und Filmempfehlungen/Neuerscheinungen

Der leise Atem der Zukunft. Vom Aufstieg nachhaltiger Werte in Zeiten der Krise

Ulrich Grober, 315 Seiten, ISBN 978-3-86581-807-2, 19,95 Euro, auch als E-Book erhältlich

Drei Jahre lang war Ulrich Grober auf den Spuren eines gesellschaftlichen Wertewandels in Deutschland unterwegs. In seinem Buch »Der leise Atem der Zukunft. Vom Aufstieg nachhaltiger Werte in Zeiten der Krise« lässt er uns an seinen Eindrücken teilhaben.

Ein historischer Prozess des Umdenkens ist im Gange. Überall machen sich Menschen auf die Suche nach einer »anderen Welt«: vielgestaltig und kreativ, ohne fertige Lösungen, aber mit gemeinsamen Werten und einer geteilten Vision von nachhaltiger Zukunft. Die Bewegung ist dynamisch, hoffnungsvoll und unumkehrbar. Und doch verengt sich momentan die Perspektive vieler zum Tunnelblick. Sie starren wie gebannt auf die Symptome von Krise und Kollaps: Erderwärmung, Artensterben, Schuldenberge, scheiternde Staaten, Flüchtlingsdramen, fundamentalistischer Terror. Die Krise – eigentlich ein Ausnahmezustand – ist zum Dauerzustand geworden. »Das tut uns nicht gut und lähmt uns«, so Grober. »Was wir brauchen, ist ein achtsamer Blick auf die Alternativen gelingenden Lebens. Mit welchen Werten bieten wir der Krise – und dem Fundamentalismus – die Stirn? Welche Zukunft ist wünschenswert und wie kann man ihr zum Durchbruch verhelfen?«

Für sein aktuelles Buch hat Ulrich Grober Landschaften durchwandert und Orte besucht, an denen die Umrisse einer Kultur der Nachhaltigkeit bereits sichtbar werden – die leisen, unterschwelligen Veränderungen ebenso wie die lauten Umbrüche. Auf den Spuren von Wilhelm Hauffs Märchen »Das Kalte Herz« durchstreift er den Nordschwarzwald und entdeckt die Aktualität dieser Parabel: Nicht Gier und Narzissmus, sondern Warmherzigkeit und Empathie sind zukunftsfähig. Er entwirft einen Abgesang auf die Traumfabrik des VW-Konzerns in Wolfsburg und spürt: der Kult der Beschleunigung ist passé, das Auto, wie wir es kennen, hat seinen Zenit überschritten. Auf Meister Eckharts Sitz im Predigerkloster zu Erfurt meditiert er über Gelassenheit, auf einer Bergbauhalde im Ruhrgebiet über den Wert der zyklischen Zeit. Zwischen Münsterland, Thüringer Wald und dem Breisgau besucht er Pioniere des Wandels, die an neuen Lebens- und Wirtschaftsformen arbeiten.

Entstanden ist ein Reisebericht, der vom Hunger nach Empathie, Gelassenheit und Entschleunigung erzählt, von der Suche nach Einfachheit, Gemeinschaft und Sinn; eine Erzählung, die Mut macht, denn der Wandel ist schon längst im Gange, und zwar viel erfolgreicher, als wir manchmal meinen.

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FAIRreisen. Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen

Frank Herrmann, ca. 320 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-86581-808-9, 19,95 Euro, auch als E-Book erhältlich

Das neue Handbuch »FAIRreisen« warnt vor den verheerenden Folgen des Massentourismus und zeigt, wie »anders reisen« funktioniert.
Der Tourismus boomt. Ungeachtet von Krieg, Terror und Flüchtlingskrisen reisen jährlich rund 1,2 Milliarden Menschen rund um den Globus – das sind achtmal mehr als noch im Jahr 1970. Doch wie viel Tourismus verträgt unsere Erde? Fest steht, dass die Grenzen der Belastbarkeit vielerorts erreicht, wenn nicht bereits überschritten sind. Welche Probleme der immer weiter wachsende Massentourismus für Mensch, Umwelt und Klima mit sich bringt und wie wir einen umweltverträglicheren Tourismus leben können, zeigt der Tourismusexperte und Reisebuchautor Frank Herrmann in seinem neuen Buch »FAIRreisen. Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen« (ET 25.07.16).

Als eine der wichtigsten Industrien der Welt setzt die Tourismusbranche nach Angaben des World Travel und Tourism Councils (WTTC) jährlich weltweit rund zwei Billionen Euro um und erwirtschaftet 9,8 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Damit leistet sie in vielen Ländern einen bedeutenden Wirtschaftsbeitrag und schafft rund 284 Millionen Arbeitsplätze – wenngleich überwiegend im Niedriglohnsektor. Doch mit dem wirtschaftlichen Erfolg wird auch die Kehrseite der wachsenden Touristenströme immer deutlicher sichtbar. »Während der Tourismus Jobs und Einkommen schafft, werden die Rechte der Angestellten und Arbeiter in den Urlaubsregionen oftmals mit Füßen getreten«, kritisiert der Autor in seinem Handbuch »FAIRreisen«. Unsere zunehmende Reiselust geht einher mit einem Mehr an Abfällen, Treibhausgasen und Ressourcenverbrauch – und nicht selten auch mies bezahlten Jobs, Kinderarbeit und Sextourismus.

Doch wie sieht der verantwortungsbewusste Tourismus der Zukunft aus? »Ökologisch, sozial verträglich, klimafreundlich und politisch korrekt«, so Frank Herrmann, und er liefert in seinem Buch zahlreiche Tipps, Ideen und Adressen zu dessen Realisierung: Wie finde ich umweltfreundliche Hotels, Fluggesellschaften, Kreuzfahrtschiffe? Wie kompensiere ich die Klimagase, die meine Reise verursacht? Welche Tourismussiegel sind seriös, welche nur Augenwischerei? Wie kann ich klimafreundlicher Skifahren? Wie gestalte ich meine Geschäftsreisen nachhaltig? Werden auf meiner Urlaubsreise Menschenrechte verletzt? Wie vermeide ich Müll im Urlaubsland? Wo bekomme ich ökologisch und fair produzierte Trekkingsklamotten? Wer Antworten auf diese und viele weitere Fragen sucht, wird bei Frank Herrmann garantiert fündig. Zusätzlich stellt der Autor den Leserinnen und Lesern über 300 faire und grüne Länderreisetipps exklusiv und kostenlos im Internet zur Verfügung.
 
Frank Herrmann hat viele Jahre in Lateinamerika gelebt und dort Reisen veranstaltet, Entwicklungshilfe geleistet und Hilfsorganisationen beraten. Der Betriebswirt ist unter anderem Co-Autor des erfolgreichen Ratgebers »Fair einkaufen – aber wie?« sowie der Stefan-Loose-Travel-Handbücher »Peru/Westbolivien« und »Guatemala«.

Die Welt im Anthropozän. Erkundungen im Spannungsfeld zwischen Ökologie und Humanität

Wolfgang Haber, Martin Held, Markus Vogt (Hrsg.), 184 Seiten, ISBN 978-3-86581-773-0, 24,95 Euro, auch als E-Book erhältlich

Die Menschheit hat in ihrer kurzen Existenz den Planeten Erde bereits so stark geprägt und verändert, dass aktuell über die Definition eines neuen erdgeschichtlichen Zeitalters diskutiert wird: das Anthropozän.

Das Werk des Menschen ist unübersehbar: Unsere Aktivitäten lassen Arten aussterben, verursachen die Erwärmung der Atmosphäre, setzen radioaktive Elemente frei, zerstören die Ozonschicht und bewegen mehr Masse als alle Flüsse der Erde zusammen. Doch diese Zustandsbeschreibung vermag das Menschenzeitalter nur unzureichend zu erschließen. Wolfgang Haber, Martin Held und Markus Vogt bestimmen das Grundmerkmal dieser Epoche in ihrem Buch »Die Welt im Anthropozän. Erkundungen im Spannungsfeld zwischen Ökologie und Humanität« > (ET 4.5.2016) als eine dynamische Wechselwirkung zwischen technischer Zivilisation und Natur. Eine Dynamik, die der Mensch nur unvollständig beherrschen kann. Dies, so die Herausgeber, liegt im Widerspruch zwischen dem biologischen und geistigen Wesen des Menschen begründet. Die Folge ist eine ständige Spannung zwischen Natur und Kultur, zwischen ökologischen Erfordernissen und humanitären Maßstäben, die den Menschen im Denken und Handeln vor gewaltige Herausforderungen stellt. Die Suche nach Orientierung und Ausgleich schließlich kennzeichnet das Anthropozän als Menschenzeitalter.

»Die Welt im Anthropozän« gibt Einblick in diese vielfältigen Zusammenhänge, regt an zu einer Selbstreflexion über die Wurzeln, die Natur und den Kulturauftrag humaner Existenz und liefert einen wichtigen Beitrag zur laufenden Anthropozän-Diskussion.

Prof. Dr. Dr. Wolfgang Haber ist der Doyen der deutschen wissenschaftlichen Ökologie. Als Wissenschaftler und Berater hat er über lange Jahre hinweg die deutsche Umwelt- und Naturschutzpolitik wesentlich geprägt. Er half unter anderem, die ersten deutschen Nationalparks zu etablieren und war 1993 erster Träger des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.
 
Dr. Martin Held war bis Ende 2015 Studienleiter der Evangelischen Akademie Tutzing für Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung. Er initiierte einen Vorschlag für eine international verbindliche Konvention zum nachhaltigen Umgang mit Böden und ist Koordinator des Gesprächskreises »Die Transformateure – Akteure der Großen Transformation«.
 
Prof. Dr. Markus Vogt, Professor für Christliche Sozialethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians Universität München, ist unter anderem Mitglied der ökologischen Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz und in verschiedenen Gremien der Politikberatung tätig.

 

 

Plateau 3 – Werteregulierte Marktwirtschaft und Beteiligungs-Demokratie

Plateau 3 – Werteregulierte Marktwirtschaft und Beteiligungs-Demokratie
Jetzt als E-Book bei Amazon und im online-Buchhandel

Den Kapitalismus zähmen
Plateau 3 zeigt die Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft zu einer werteregulierten Marktwirtschaft. Es ist eine Marktwirtschaft, die durch ihre inneren Mechanismen nicht nur marktwirtschaftlichen Erfolg, sondern auch Werteorientierung und nachhaltige Verantwortung sichert. Diese höhere Priorität von Fairness und Nachhaltigkeit, von Werteschutz gegenüber der reinen Profitorientierung ist ein Weg, die Gier des Kapitalismus zu zügeln. Und ich behaupte, es ist der einzige Weg, wenn wir die positiven Kräfte der Marktwirtschaft und damit unseren Wohlstand nicht beschädigen wollen. Aber diese Wertesicherung stößt auf erhebliche Widerstände der Wirtschaftsverbände. Denn gerade sie müssen sich in diese Gesellschaft anders einordnen, mehr kooperierender Wächter und weniger Lobby-Frechheiten. Eine Auseinandersetzung, vor der die Politik zurückschreckt.

Beteiligungsdemokratie
Deshalb ist eine werteregulierte Marktwirtschaft nur durchsetzbar durch Mitspracherechte der Bürger auch in der Gesetzgebung, sowohl in Deutschland wie auch in der Europäischen Union. Zentral ist dabei das Recht auf bundesweiten Volksentscheid und den Entscheid von Grundsatzfragen. Diese Beteiligungsdemokratie wird bisher von der politischen Klasse verhindert. Plateau 3 fordert den klassischen Volksentscheid auf Bundesebene und lässt die Bürger, den Souverän,  auch die wichtigsten Grundsatzfragen direkt entscheiden. Denn ohne verstärkte Bürgerrechte wird diese Marktwirtschaft nicht zu sanieren sein.  Eine Weiterentwicklung unserer sozialen Marktwirtschaft beginnt mit dem Kampf um mehr Bürgerrechte. Nur damit kann eine Mitsprache auch im Wirtschaftsgeschehen erreicht werden.

Plateau 3 als preisgünstiges e-Book im Online-Buchhandel oder als Buch beim Buchvertrieb der Global Marshallplan Foundation

 

Auszeichnungen

Bayerische Klima-Allianz PHINEO Wirkt Siegel http://www.un-dekade-biologische-vielfalt.de/ Umweltbildung Bayern UN_Dekade_Offizielles Projekt_2014 BNE-Auszeichnung www.landesstiftung.bayern.de

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