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Editorial

Liebe Freundinnen und Freunde der Umwelt-Akademie,

letzte Woche war ich auf der BIOFACH (Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel) in Nürnberg und auf der VIVANESS, der „Internationalen Fachmesse für Naturkosmetik“.

Mit großer Freude habe ich festgestellt, dass ein Umdenken bei den Verbrauchern stattfindet, ein „Sich Besinnen“ auf gesunde Lebensmittel und auf natürliche, pflanzliche Kosmetikprodukte.

Im Rahmen der industriellen Massenproduktion gibt es inzwischen einfach zu viele Skandale, die die Menschen „wachrütteln“. Auf die im Verhältnis noch kleine Bio-Branche kommen dabei große Probleme zu: TTIP als Einfallstor zur Gentechnik, Agrogifte wie Glyphosat von Monsanto, BASF oder Syngente – überall versucht die Industrie, ihren politischen Einfluss geltend zu machen - zu Lasten des Mittelstandes, dem eigentlichen Motor der deutschen Wirtschaft.

Die Zahlen der Messe lassen aufhorchen: 48.000 Besucher – ca. 10 % mehr als im Vorjahr, ein Umsatz von mehr als 8 Mrd. Euro in Deutschland bei Lebensmitteln – ein Plus von 11 %. Ich denke allerdings, dass hier noch erhebliche Anstrengungen nötig sind, um im Gesamtmarkt für Lebensmittel, der sich im Jahr 2014 auf 165 Mrd. Euro belief, eine größere Rolle zu spielen.
Im Markt für pflegende Kosmetik sieht es jetzt schon anders aus: Pflegende Naturkosmetik erreicht inzwischen mit mehr als 1 Mrd. Euro Verkaufsumsatz einen Anteil von über 10 % des Gesamtmarktes.

Dennoch: Die Märkte für Bioprodukte reagieren äußerst sensibel. Dies mussten die Hermannsdörfer Landwerkstätten soeben spüren. So werden von der Presse angebliche Skandale im kleinen Biobereich mit Wonne aufgegriffen und vielfach überzogen dargestellt. Die Sensationsgier mancher Journalisten geht hier einfach über eine neutrale Berichterstattung hinaus – zumal gerade in diesem Fall ein Verstoß gegen gesetzlich vorgegebene Richtlinien im Biogesetz bis heute nicht festgestellt wurden.

Umso wichtiger ist es, die Verbraucher absolut ehrlich und frühzeitig zu informieren - „ethics in business“ sollte Grundlage allen Handels in der Biobranche sein - eigentlich eine Selbstverständlichkeit für jeden Unternehmer.

Es gilt, die Sensibilität der Verbraucher gerade bei Lebensmitteln noch erheblich zu steigern. So haben wir heute genug wissenschaftliche Beweise, dass biologische Lebensmittel gesünder und weniger belastet sind als industrielle Massenware. Und: Die Preise sollten eigentlich die ökologische Wahrheit sagen.

Ich freue mich jedenfalls über jeden Verbraucher/in, der/die zu Bio-Lebensmitteln oder Naturkosmetik greift und sich und der Umwelt damit Gutes tut.


Paul Greinder

 

 

 

Paul Greineder

Paul Greineder, Vorsitzender des Vorstands

 

 

Themen-Schwerpunkte

Werteregulierte Marktwirtschaft

Ausblick

Demokratisch in den Untergang? – Demokratie und Nachhaltigkeit

Dienstag, 5. April 2016, 19.00 Uhr, Donner & Reuschel AG, Friedrichstr. 18, 80802 München (Schwabing)

Referent: Roman Huber, Geschäftsführender Bundesvorstand von Mehr Demokratie e.V.

Ohne mehr Nachhaltigkeit wird die Menschheit die nächsten 100 Jahre vielleicht nicht überleben. Die Fakten liegen seit Jahren auf der Hand. Trotzdem passiert fast nichts und wenn, dann zu spät und zu wenig. Zu viele Menschen schauen nach wie vor weg, blenden die Not unserer Erde einfach aus. Aus Ohnmacht. Aus Bequemlichkeit. Aus Angst. Wir fragen uns doch alle, woher die notwendige, radikale Bereitschaft kommen soll, uns selbst zu verändern. Den grünen, „guten“ Ökodiktator, der es für uns richtet, wird es nicht geben. Auch im Handeln der Wirtschaft hat sich die Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann, noch nicht durchgesetzt. Deshalb wird es ohne die Politik nicht gehen. Da werden die Regeln gesetzt. Die Demokratiefrage ist immer auch die Machtfrage.

Roman Huber beschäftigt sich seit vielen Jahren hauptberuflich mit der Demokratie. Als Vorstand von Mehr Demokratie e.V. hat er an über zehn Volksbegehren selbst mitgearbeitet. Er hat mehrere Verfassungsbeschwerden initiiert zu Eurorettungs- und Wahlrechtsfragen. Derzeit konzentriert sich seine Arbeit auf die Handels- und Wirtschaftsabkommen der EU mit Kanada und den USA, CETA und TTIP. Seit fünf Jahren wohnt er in einem ökosozialen Gemeinschaftsprojekt in Baden-Württemberg, das er mitgegründet hat – nicht zuletzt auch aus Müdigkeit über das ständige Theoretisieren, ohne daraus entsprechende Konsequenzen für das eigene Handeln zu ziehen. Das Ziel war, eine praktische und funktionierende Alternative zu schaffen. In Schloss Tempelhof (einem ehemaligen Kinderheim samt Ländereien) wohnen und arbeiten mittlerweile 100 Erwachsene und 40 Kinder, es gibt eine eigene Schule, einen biologischen Landwirtschaftsbetrieb mit einem Selbstversorgungsgrad von 60–70 Prozent, einem Seminarbetrieb mit jährlich 8.000 Übernachtungen sowie eigenen Wirtschaftsbetrieben. In der Praxis wird hier jeden Tag daran geforscht, wie ein kluger Ausgleich zwischen Demokratie, Ökologie und Ökonomie funktionieren kann. Im Reallabor. Am eigenen Leib.

Wie der vermeintliche Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Demokratie funktionieren und positive Veränderung entstehen kann, darüber wird uns Roman Huber aus seinen eigenen Erfahrungen berichten.

Dr. Ing. Peter H. Grassmann

Für das Thema
„Werteorientierte Marktwirtschaft“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied
Dr. Peter H. Grassmann.

Ethisch-ökologischer Umgang mit Geld

Rückblick

Nachhaltig investieren in der Region

in Kooperation mit „Geld mit Sinn e.V.“

08. Dezember 2015

Referent: Mathias Winkler, Fachberater für nachhaltiges Investment, Mitglied in der Initiative „Ökofinanz21 e.V.“
Mathias Winkler ist gelernter Bankkaufmann. Seit 2005 arbeitet er als unabhängiger Finanzberater, seit 2010 als zertifizierter Fachberater für nachhaltiges Investment.

In seiner Präsentation stellte Mathias Winkler mehrere Möglichkeiten vor, wie man sich in der Region mit nachhaltigem Investment engagieren kann.

Im Bereich lokaler Währungen schilderte er das „Freigeld“ von Wörgl (Tirol) als erfolgreiches Modell aus den 1930er Jahren. Damit wurde in einer sehr kritischen Wirtschaftslage die soziale Situation in der Gemeinde Wörgl entscheidend verbessert und stabilisiert, solange, bis die Zentralregierung in Wien diese Initiative untersagte.
In unserer Gegend ist heute der „Chiemgauer“ die erfolgreichste Regionalwährung, gegründet von der Waldorfschule in Prien.

Herr Winkler schilderte ferner einige neuere Genossenschaften wie die „Rewig“, die vorwiegend in der ökologischen Lebensmittelproduktion tätig ist. Die „Regionalwert AG“ ist in der Landwirtschaft aktiv.
In der Energieerzeugung betätigt sich die Münchner „Green City Energy AG“, die das Prater- Kraftwerk in der Isar erbaut hat, außerdem auch größere Photovoltaik-Anlagen. Green City ist eine Tochtergesellschaft des Münchner „Green City e.V“.

Genossenschaftliches Bauen und Wohnen erwähnte Mathias Winkler mit einigen erfolgreichen Münchner Beispielen.

In der Diskussion mit dem Publikum wurden u. a. auch Fragen nach den Risiken von Beteiligungen an solchen Unternehmungen erörtert. Hierbei fand vor allem der Vorzug der lokalen Nähe zu den Projekten Beachtung. „Was man persönlich begutachten kann, läßt sich auch in den Risiken besser einschätzen.“
Dagegen sind Anlagen in fernen Ländern für den Laien oft nicht zu bewerten.

Präsentation Mathias Winkler: Klicken Sie hier

 

Dr. Schwingenstein

Für das Thema „Ethisch-ökologischer Umgang mit Geld" engagiert sich unser Vorstandsmitglied Dr. Cristoph Schwingenstein.

Ökologische Ernährung

Ausblick

Neue Landwirtschaft – neuer Lebensstil?

in Kooperatin mit Slow Food Deutschland e.V.

Dienstag, 15. März 2016, 19.00 Uhr, Orange Bar, Zirkus-Krone-Str. 10 (Eingang Georg-Schätzel-Straße), 80335 München, 6.OG

Referent: Dr. Hans Rudolf Herren, Landwirtschafts- und Entwicklungsexperte, Gründer von Biovision – Stiftung für ökologische Entwicklung

Für diesen Vortrag konnten wir Dr. Hans Rudolf Herren gewinnen, Mitautor und Ko-Vorsitzender des Weltagrarberichts 2008 des Weltagrarrates sowie 2013 mit dem Alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award) ausgezeichnet.

„Weiter wie bisher ist keine Option“ – so lautet das Credo des Weltagrarberichts. Obwohl die Landwirte im Jahr 2013 die größte Ernte aller Zeiten einfuhren, hungert laut der Welternährungsorganisation FAO beinahe jeder Siebte, das sind 900 Millionen Erdenbürger. Dabei könnte die Ernte – richtig eingesetzt – 12 bis 14 Milliarden Menschen ernähren, also fast das Doppelte der heutigen Weltbevölkerung.

Was muss sich also ändern, damit alle Menschen auf der Welt optimal mit Nahrung versorgt sind? Und wie geht das überhaupt, ohne dass die Natur – unser aller Lebensgrundlage – auf Dauer darunter leidet? Warum sind „Bio-Ökonomie“ und „Zweite grüne Revolution“ die falsche Lösung? Einige behaupten, dass wir einfach noch mehr technischen Fortschritt im Agrobusiness wie etwa die Gentechnik brauchen, um das Problem der Welternährung zu lösen. Oder – könnte stattdessen genau das Gegenteil, nämlich ein Mehr an Natur, an nachhaltigem Umgang mit der Fruchtbarkeit unserer Böden und unserer „Nutz“-Tiere die langfristig zum Erfolg führende Strategie sein?
Wie steht es mit unseren Lebensstilen, wie mit unserer Gesundheit, wie wirkt sich die eine oder andere Landwirtschaft darauf aus?

Diese und viele andere Fragen beantwortet uns Herr Dr. Hans Rudolf Herren – und wir freuen uns auf einen spannenden Abend!

 

Georg Schweisfurth

Für das Thema „Ökologische Ernährung“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied Georg Schweisfurth.

Gesundheit und Eigenverantwortung

Ausblick

Ausstellungsführung "Geschichte der Zeit-Messung: Vom Urknall zur Atomuhr"

Einladung zu einer kleinen Exkursion ins Deutsche Museum

21. Mai 2016, 10:00 Uhr,

Treffpunkt wird nach Anmeldung bekanntgegeben

Experte: Dipl. Ing. Christian Rüffler

Die Frage, was Zeit genau ist und ob es sie überhaupt gibt, ist auch heute noch nicht eindeutig beantwortet. Trotzdem ist der Umgang mit der Zeit in Alltag, Sport, Technik und auch in vielen Bereichen der Naturwissenschaften selbstverständlich und offenbar völlig unproblematisch.

Zeitmessung mit allen ihren verschiedenen Verfahren ist Teil unserer Kulturgeschichte. Die Entwicklung der Uhren war stets sowohl Ausdruck technischen Fortschritts als auch bestimmter gesellschaftlicher oder ökonomischer Erfordernisse.

Sie sind herzlich eingeladen, unter fachkundiger Führung die Uhren in der Abteilung Zeitmesstechnik des Deutschen Museums kennen zu lernen: Die zahlreichen Sonnenuhren, ägyptischen Wasseruhren, Sand- und Kerzenuhren, das breite Spektrum mechanischer Uhren von der Turmuhr bis zur Präzisionspendeluhr sowie Quarz- und Atomuhren. Anhand von wertvollen Exponaten wird auch die Funktionsweise der verschiedenen Uhrentypen erklärt.

Danach werden Sie die Welt der Zeitmesstechnik sicher unter einem neuen Blickwinkel betrachten.

Die Führung steht im Zusammenhang mit unseren Vortragsveranstaltungen „Nachhaltige Lebensstile: Leben mit oder gegen die Uhr“ (17.11.2015) und „EigenZeit und ZeitKultur“ (11.10.2016).

Da wir die Teilnehmerzahl auf 25 Personen beschränken müssen, bitten wir Sie, sich schnellstmöglich unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! anzumelden. Bei erfolgreicher Anmeldung erhalten Sie eine Bestätigung sowie die genauen Details zu Anfahrt, Ablauf und Treffpunkt. Die Bestätigungen erfolgen nach Reihenfolge des Eingangs.

Achtung: Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich. Nur wer eine Anmeldebestätigung erhält, kann teilnehmen. Die Einrittsgebühr richtet sich nach Anzahl der Teilnehmer.

 

Paul Greineder

Für das Thema „Eigenverantwortung und Gesundheit“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied Paul Greineder.

Rückblick

Umwelt und Krebs

Dienstag, 1. März 2016

Referentin: Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes KID am Deutschen Krebsforschungszentrum, Heidelberg

Obwohl hierzulande knapp 40% der Sterbefälle auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückgehen und „nur“ etwa 26% auf Tumorerkrankungen, haben die meisten von uns weit mehr Angst vor der Diagnose Krebs. Kaum eine andere Krankheit wird so sehr mit Hoffnungslosigkeit, Unheilbarkeit und Siechtum gleichgesetzt. Entsprechend groß ist das Bedürfnis der Menschen nach Wissen über die Ursachen von Krebs – und die Möglichkeit der Vorbeugung.

Inwieweit tragen sowohl natürliche als auch menschengemachte Umweltbedingungen bzw. die Gestaltung des individuellen Umfelds zur Krebsentstehung bei? Welchen Einfluss haben Faktoren wie Feinstaubbelastung, Ernährung, Rauchen und moderner Lebensstil tatsächlich? Gibt es Krebsformen, die einfach „biologisches Pech“ sind, und andere, auf deren Entstehung bzw. Vermeidung der Einzelne zumindest einen gewissen Einfluss nehmen kann? Und was bringen Vorsorgeuntersuchungen wirklich?

Regelmäßig geistern Berichte über „die“ Anti-Krebs-Diät, besonders tumorheilkräftige, meist exotische – und entsprechend teure – pflanzliche Heilmittel durch die Medien, wird hier eine Darmsanierung, dort die Einnahme hoch dosierter Nahrungsergänzungsmittel oder der Einsatz spezieller Filter für das Trinkwasser als ultimativer Schutz vor einer Krebserkrankung angepriesen. Selbst wenn zur Untermauerung der Behauptungen die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien ins Feld geführt werden: Wie soll man als medizinischer Laie deren Qualität und Relevanz sicher beurteilen?

Mit Frau Dr. med Susanne Weg-Reimers konnten wir einen Vortrag hören, der in spannender Weise auf die Themen einging, die uns alle tief berühren. So erfuhren wir dass jährlich fast 500.000 Menschen allein in Deutschland von Krebs betroffen sind. Und dies bedeutet, dass jeder 4. Mann und jede 5. Frau an dieser Krankheit sterben.

Die Komplexität dieser Thematik wird erst dann bewusst, wenn wir erfahren, dass es bis heute etwa 200 unterschiedliche Arten dieser bösartigen Gewebeneubildungen und bösartigen Tumoren gibt, die diagnostiziert sind. Dabei existieren inzwischen für eine Reihe dieser Krankheitsbilder Methoden, die entweder zur Heilung führen können oder eine längere Überlebensperspektive bieten.

Geht es allerdings um den wissenschaftlichen schulmedizinischen Beweis, weshalb diese Veränderungen im Körper auftreten, so gibt es bis heute oft keine Antwort, so dass auch die Wissenschaft sich in vielen Fällen auf den Begriff der Zufallsursache zurückziehen muss. Klar sind hier Rauchererkrankungen oder genetische Belastungen bei einzelnen Krebsarten eindeutig definierbar.

Die Wissenschaft tut sich schwer mit dem Beweis von Umweltbelastungen als Ursache von Krebs. Wie wollen wir auch im Sinne der Definition unserer Wissenschaft genau beweisen, ob Glyphosat im Bier Krebs auslöst oder Aluminium im Deodorant zur Erkrankung führt. In der Petrischale mag ein chemischer Stoff zu krebsartigen Veränderungen führen, im Tierversuch können manche Dinge bewiesen werden, beim Menschen in seiner Vielfältigkeit ist das schwierig. Ich meine allerdings, dass solche Chemikalien in Lebensmitteln nichts zu suchen haben, egal ob Krankheiten damit ausgelöst werden oder nicht.

Präsentation Dr. Susanne Weg-Remers: Klicken Sie hier

Mein Ergebnis aus diesem Abend ist eindeutig: Menschen müssen wieder die Verantwortung für sich selbst übernehmen. Wir können weder Äerzten, Heilpraktikern oder Pfarrern, noch an sonst jemand die Verantwortung für unseren Körper übertragen - wir sind für uns selbst verantwortlich.

Ich bin auch der Meinung, dass gerade wir Menschen in ausgeglichenem Verhalten ein hohes Maß an Lebensqualität erreichen können, durch unsere Möglichkeit mittels des gesunden Menschenverstandes und einer kritischen Einstellung zu industriellen Massenprodukten einen wunderbaren Zustand der Gesundheit erreichen können.

Paul Greinder

 

 

Mutbürger für Energiewende!

Ausblick

Exkursion ins Deutsche Museum: Willkommen im Anthropozän

Montag, 07. März 2016, 15:00 – 16:30 Uhr, Deutsches Museum

Führung: Prof. Dr. Helmuth Trischler, Forschungsinstitut Deutsches Museum

Fast jeder von uns ist geflogen, hat Obst und Gemüse außerhalb der saisonalen Erntezeit gegessen oder nutzt Plastiktüten. Dass all diese Dinge einen Einfluss auf unseren Planeten haben, ist unbestritten. Inzwischen ist jedoch der Gesamteinfluss des „Menschgemachten“ so groß geworden, dass er nicht nur am Boden und vor Ort, sondern auch problemlos aus dem All gesehen werden kann; wie zum Beispiel die riesigen Gewächshausflächen in Spanien, die Plastikabfallstrudel in den Ozeanen, das schmelzende Grönlandeis. Der Mensch hat im letzten Jahrhundert begonnen, die Erde irreversibel zu verändern. Es wurden neue Radionuklide erschaffen, Tier- und Pflanzenarten sind aufgrund Menscheneinfluß ausgestorben und neue – genverändert – gezüchtet worden, die Globalisierung macht sich die Natur „untertan“.

Große Veränderungen in der Geschichte der Erde werden klassisch mit dem Beginn einer neuen Ära benannt. Nun sind die menschlichen Veränderungen so groß geworden, dass sich der Begriff „Anthropozän“ durchzusetzen beginnt. Das „Zeitalter des Menschgemachten“. Im Positiven, aber insbesondere auch im Negativen. Was ist der Beginn: Die Kohleverbrennung ab 1880 oder der erste Nukleartest 1951?

Um einen Eindruck davon zu bekommen und die Dimensionen unseres Eingriffs in Umwelt und Natur besser einschätzen zu können, heißt uns das Deutsche Museum in seiner Sonderausstellung „Willkommen im Anthropozän“. Wir freuen uns sehr, Sie zu einer Führung durch die Ausstellung einladen zu können. Professor Trischler, Museumsleiter im Bereich Forschung am Deutschen Museum und Geschichtsprofessor an der LMU München, wird uns einen spannenden Eindruck vom noch jungen Anthropozän gewähren.
Ob er uns auch Hinweise geben kann, wie wir aus der selbstgemachten Menschen-Falle wieder `rauskommen? Ernährung mittels eiweißreicher Insekten, Wohnen in Unterwasser-Städten, Ersatz-Chemie ohne Erdöl?

Da wir die Teilnehmerzahl auf 20 Personen beschränken müssen, bitten wir Sie, sich schnellstmöglich unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! anzumelden. Bei erfolgreicher Anmeldung erhalten Sie eine Bestätigung sowie die genauen Details zu Anfahrt, Ablauf und Treffpunkt. Die Bestätigungen erfolgen nach Reihenfolge des Eingangs.

Achtung: Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich. Nur wer eine Anmeldebestätigung erhält, kann teilnehmen. Die Einrittsgebühr richtet sich nach Anzahl der Teilnehmer.

 

Dr. Helmut Paschlau

Für das Thema „Mutbürger für Energiewende!" engagiert sich unser Vorstandsmitglied Dr. Helmut Paschlau.

Stadtwerke München: Strategie Fernwärme und Geothermie

17. März 2016, 19:00 Uhr, Saal des Münchner Stadtmuseums, St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München

Referent: Stephan Schwarz, Geschäftsführer Versorgung und Technik, Stadtwerke München

Bis 2040 wollen die Stadtwerke München (SWM) vollständig auf erneuerbare Energie für den Wärme-Sektor umgestellt haben: Mittels Geothermie. In einem von Europas größtem Fernwärme-Netz.

Ehrgeizig, vorbildhaft, risikoreich.

München ist gebaut auf einem geologischen Schatz, warme bis heiße Wasser-Ströme im Untergrund des Molasse-Beckens. In 2- 3.000 Meter Tiefe verlaufen Heißwasserströme, die angezapft werden können: Zwei Geothermieanlagen gibt es schon (Riem, Sauerlach); 15 neue Anlagen planen die Stadtwerke auf Münchner Stadtgebiet; derzeit wird bereits in Freiham gebohrt. Der nächste Standort wird an der Schäftlarnstraße sein, dem Standort des HKW Süd; dann Perlach und Schwere-Reiter-Str.
Die groben Standorte sind gefunden; derzeit wird mittels Seismik-Messungen – riesigen „Rüttel“-Fahrzeugen („Vibratoren“) – der Untergrund untersucht, um mittels der Schallreflektionen 3-D-Karten zu erzeugen (die bereits vorhandenen 2-D-Karten sind nicht präzise genug). Begleitet wird das Untersuchungsprogramm GRAME mit den hälftigen Kosten in Höhe von rd. 3,3 Mio. Euro vom Bundesforschungsministerium.

Doch die Investitionen sind erheblich, die Risiken auch. Es müssen 15 Standorte im innerstädtischen Bereich gefunden werden. Wie steht es um die Akzeptanz der Bevölkerung, Ängste vor „fracking“, brennendem Gas aus dem Wasserhahn, Lärm, Risse in und Entwertung von Häusern? (AdV: Geothermiebohrungen haben mit „fracking“, mit unterirdischen Sprengungen und Chemie-Einträgen ins Grundwasser nichts zu tun!).

Bei den Bohrungen ist in der Vergangenheit eine sehr positive Lernkurve erreicht worden – aber Bohrungen bis 3 km Tiefe sind immer nicht frei von Störungen. Die Bohrungen und die Anlagen selbst kosten Millionen-Beträge; hinzu kommt – aufgrund des geringeren Temperaturniveaus von erwartbaren 950 Celsius – die Notwendigkeit des Umrüstens des Fernwämedampfnetzes in ein Heißwassernetz; in den meisten Fällen dann auch die Umstellung in den Heizstationen der Häuser von Wohnungsgesellschaften und Privateignern.
Ein riesiges Investitionsprogramm für die nächsten 25 Jahre.

Lässt es sich beschleunigen, um vorzeitig aus der Steinkohleverbrennung im Heizkraftwerk Nord, Block 2, auszusteigen (bis 2022 sind fünf Bohrungen geplant)? Warum Dampf-Heißwasser-Umstellung erst ab 2025, schon heute könnte kräftig Energie gespart werden? Wie wird die Bevölkerung nicht nur informiert, sondern aktiv beteiligt? Wie schlägt sich das Programm auf die Energie- und Fernwärmepreise durch?



 

Bayerisch-Münchnerischer Klimagipfel

Einladung zu Festakt und Festvortrag

Mittwoch, 11. Mai 2016, 19:00 Uhr, Donner & Reuschel AG, Friedrichstr. 18, München (U-Bahn Giselastr.)

Referentinnen:

  • Ulrike Scharf, Bayerische Staatsministerin für Umwelt und Verbraucherschut
  • Stephanie Jacobs, Referentin für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München

Die Teilnahme ist kostenlos. Aufgrund begrenzter Sitzplätze ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich.

Seit COP 21 – der „Conference of the Parties“, der 21. Weltklima-Konferenz in Paris im Dezember 2015 – ist manches anders, eines jedoch gewiß: Mehr als 195 Staaten haben sich völkerrechtlich bindend verpflichtet, dafür zu sorgen, die globale durchschnittliche Erwärmung der Erdoberfläche nicht mehr als +2 Grad Celsius gegenüber dem Beginn der vorindustriellen Temperaturmessungen 1881 ansteigen zu lassen; möglichst nur +1,5 Grad.

Im Wärmerekord-Jahr 2015 haben wir +0,9 Grad bereits erreicht. Jetzt sind in Deutschland die Bundesregierung, die Bundesländer, die Wirtschaft, die Zivilgesellschaft und wir gefordert: Rahmenbedingungen seitens Gesetzgeber und Wirtschaft, Verhaltensänderungen bei jeder/jedem Einzelnen.

Darüber wollen wir intensiv diskutieren mit:

  • der Bayerischen Staatsministerin für Umwelt und Verbraucherschutz, Ulrike Scharf
  • der Referentin für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München, Stephanie Jacobs


Im Rahmen eines Festaktes wird Frau Staatsministerin vortragen zum Thema „Klimapolitik in Bayern“. Auch wenn das StMUV nicht zuständig ist: Die „Energiewende in Bayern“ wird eine Rolle spielen müssen. Frau Scharf hatte erst kürzlich angekündigt, daß die Bayerische Staatsregierung sich als Ziel gesetzt hat, bis 2050 die energetisch bedingten CO2-Treibhausgasemissionen von derzeit knapp 6 Tonnen pro Person und Jahr auf 2 Tonnen zu senken (die Gesamt-CO2-Emissionen liegen in Bayern wie im Bundesdurchschnitt bei 9 bis 10 Tonnen). Dieses Ziel ist Teil des Bayerischen Klimaschutzprogramm Bayern 2050, das bereits 2014 beschlossen wurde.

Die neue „Stadtministerin“ für Umwelt, Stephanie Jacobs, hat erklärt, unter bestimmten Voraussetzungen für einen möglichst frühen Ausstieg aus der Kohleverbrennung im Heizkraftwerk München Nord 2 einzutreten; das hat nicht allen in der Großen Koalition im Münchner Rathaus gefallen. Es geht aber auch um Mehr: Integriertes Handlungsprogramm Klimaschutz München, Klimaschutzaktionsplan, die Festlegung neuer Klimaziele und -maßnahmen bis 2050, E-Mobilität in München, die Ziele einer 2000-Watt-Gesellschaft etc. Frau Jacobs wird referieren zum Thema „Klimapolitik in München“.

Wir freuen uns, dass im Rahmen dieser Veranstaltung unter „Blichtlichtgewitter“ auch die Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung“ zwischen Staatsregierung und Die Umwelt-Akademie e.V. zum Beitritt zur „Bayerischen Klimaallianz“ erfolgen wird. Mit einem anschließenden kleinen Stehempfang.

 

 

Rückblick

 
 

18. Februar 2016

Wir präsentierten zwei Themen: Das E-Mobilitätsprogramm der Landeshauptstadt München und das neue E-Fahrzeugkonzept von Green City.

Es referierten:

  • Dr. Uwe Hera, Landeshauptstadt München, Referat für Gesundheit und Umwelt, Hauptabteilung Umwelt
  • Dr. des. Jessica Le Bris, Projektleitung Flottentest ACM bei Green City Projekt Gmbh

Das Integrierte Handlungsprogramm zur Förderung der Elektromobilität in München der Landeshauptstadt München (IHFEM 2015) enthält neun Handlungsfelder (darunter etwa "Laden & Parken", Pendler, Mobilitätsmanagement & Carsharing) mit einer Reihe von Maßnahmen, die exemplarisch vorgestellt werden (u.a. ÖPNV, E-Zweiräder, Aufbau einer öffentlichen Ladeinfrastruktur). Das Förderprogramm soll in München E-Fahrzeuge (im Wirtschaftsverkehr (!)) sowie Ladeinfrastruktur stärken. Der Stadtrat hat für die Förderung insgesamt 22,2 Mio. Euro, insgesamt 30 Mio. Euro für zwei Jahre bereitgestellt.

Die „E-Allianz München“ ist ein neues Gremium, das von der Verwaltung gegründet, organisiert und mit spezifischen Aufgaben versehen wird. Während das IHFEM 2015 sämtliche E-Mobilitätsmaßnahmen umfaßt, die die Stadtverwaltung selbst umsetzen kann, wird es die wesentliche Aufgabe der E-Allianz sein, die Stadtverwaltung und externe Stakeholder aus dem Bereich E-Mobilität an einen Tisch zu bringen, um strategische E-Mobilitätsziele für München zu entwickeln; andererseits aber auch ganz konkrete Maßnahmen gemeinsam umzusetzen. Bürgerbeteiligung also.

Präsentation Dr. Uwe Hera: Klicken Sie hier

Green City Projekt Gmbh bietet unter dem Titel „Adaptive City Mobility“ (ACM) eine Reihe von E-Mobilitätsdienstleistungen an: Ziel des ACM Projekts ist es, mittels eines neuen E-Fahrzeugkonzepts und -Sharing-Systems eine maximale Auslastungs- und somit Kosteneffizienz bei der Elektromobilität zu erreichen und zugleich den Fahrzeugbestand v.a. in Innenstädten zu reduzieren. Ermöglicht wird dies durch verschiedene technologie- und systembasierte Innovationen, wie z.B. die Entwicklung eines 550 kg leichten Elektrovehikels mit neuartigem Akku-Wechselsystem und der Entwicklung eines softwarebasierten Multi-Mode-Systems (eine Art IKT gestütztes und gewerblich orientiertes Sharing bzw. Poolingkonzepts), das die gleichzeitige Nutzung eines Fahrzeugs z.B. als Taxi, im Corporate Sharing oder auch als Service- und Logistikfahrzeug ermöglicht. Die Integration von erneuerbarer Energie soll zudem 100% emissionsfreie Mobilität gewährleisten. Erst kürzlich wurde das Projekt dazu zu einem der Leuchtturmprojekte der Bundesregierung ernannt.

Dr. des. Jessica Le Bris: Klicken Sie hier

 

 

Biodiversität

Rückblick

16. Februar 2016

Referent: Dr. Reinhard Witt ist Pionier für Naturgärten und ein Inbegriff dieser Lebensphilosophie.

Er gestaltet Gärten, Schulhöfe und Grünanlagen Natur- und Menschen-tauglich. Er ist tätig für Kommunen und namhaften Firmen und mittlerweile international angefragt. Er ist Buchautor und mit ganzem Herzen bei der Sache.

Begrüßung: Dr. Gilla Simon, Museum Mensch und Natur
Einführung und Moderation: Dr. Nico Döring, Die Umwelt-Akademie e.V.

Ein Naturgarten ist Lebensphilosophie, das bewusste Ja zu heimischen Tieren und Pflanzen. Auch der kleinste Privatgarten kann ein naturnaher Garten und damit eine blühende Oase sein!

Gartenbesitzer als Artenschützer? Klingt nach Utopie. In seinem Vortrag zeigte Dr. Reinhard Witt, wie das tatsächlich gelingen kann. Vorrausetzung: Viel heimische Natur im Garten, viele Wildpflanzenarten, viele Strukturen und tierartengerechte Lebensräume - dann geht es aufwärts mit den Besuchern.

Porträts von 25 Naturgärten von 17m² - 13.000 m² Größe zeigen, wie jeder auch schon im Kleinen effektiv Artenschutz betreiben kann. Einerlei ob Garteneigner, Balkonliebhaber oder Grünflächenanwohner: So werden auch Sie zum Förderer von Distelfink, Blattschneiderbienen und Zitronenfaltern.

Weitere Informationen: Klicken Sie hier

Dr. Nico Döring

 
 
 
 
 
 
 
 
Für das Thema „Biodiversität und Gewässerschutz“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied Dr. Nico Döring

Veranstaltungen mit unseren Kooperationspartnern

Ausblick

Förderung der Elektromobilität – Lösungsbeitrag oder Geldverschwendung?

eine Veranstaltung der FÖS-Regionalgruppe München

in Kooperation mit Green City – Münchner Mobilitätskultur, Petra-Kelly-Stiftung, Umwelt-Akademie e. V., Verkehrsclub Deutschland (VCD) e. V.

Donnerstag, 10. März 2016, 18.30 Uhr, Orange Bar, Green City Energy, Zirkus-Krone-Str. 10 (6.OG), 80335 München (S-Bahn Hackerbrücke)

Referent: Dieter Teufel, Umwelt- und Prognose-Institut e.V., Heidelberg

Die Stadt München will in den nächsten zwei Jahren 22 Millionen Euro in die Förderung von Elektrofahrzeugen investieren. Damit liegt sie im Trend: Für Politiker aller Parteien und Vertreter der Automobilindustrie ist die Elektromobilität die Lösung für mehr Klimaschutz im Verkehrsbereich.

Doch wie sinnvoll ist die Förderung wirklich?

Das Umwelt- und Prognose-Institut Heidelberg (UPI) hat die ökologischen Auswirkungen von Elektroautos untersucht und kommt zu zwiespältigen Ergebnissen: Mit dem derzeitigen Strommix stoßen E-Autos fast genau so viel CO2 aus wie kraftstoffbetriebene Pkw. Die Erfahrung z.B. in Skandinavien zeigt ausserdem, dass stromgetriebene Autos zusätzliches Verkehrsaufkommen nach sich ziehen und zum Umstieg von öffentlichen Verkehrsmitteln in den privaten Pkw führen. Durch die Steuerbefreiung leisten Besitzer von Elektroautos zudem keinen Beitrag zum Erhalt der Verkehrsinfrastruktur. Und nicht zuletzt werden EAutos bei den Flottenverbräuchen überaus großzügig angerechnet – die Hersteller können im Gegenzug also umso mehr „Dreckschleudern“ auf den Markt bringen.

 

Der Rebound-Effekt - Ein blinder Fleck in der Ökologiedebatte

eine Veranstaltung der Münchner Forum Nachhaltigkeit

Montag, 7. März 2016, 18.00 Uhr, orange bar (Green City Energy AG), Zirkus-Krone-Straße 10, 80335 München

Referent: Dr. Tilman Santarius

Achtung: Anmeldungen bitte ausschließlich an: Fax 0 89 / 76 75 89 56 oder E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Die Idee einer „Effizienzrevolution“ ist seit jeher eine Leitstrategie der Umweltbewegung und -politik. Energieeffizienz gilt auch als zentraler Bestandteil der deutschen Energiewende: Ohne besser gedämmte Häuser, sparsamere Autos oder effizientere Haushaltsgeräte sind die klima- und energiepolitischen Ziele der Bundesregierung kaum zu erreichen. Wenn die Effizienz nur stark genug gesteigert werde, so die Annahme, würde auch der Naturverbrauch deutlich zurückgehen: Effizienz gleich Sparsamkeit.

Eine Illusion? De facto haben genau jene Industriegesellschaften, die seit zweihundert Jahren die größten Produktivitäts- und Effizienzfortschritte seit Menschengedenken erzielt haben, laufend mehr Energie verbraucht. Effizienz kurbelt offenbar das Wachstum an und erhöht so wiederum den Ressourcenverbrauch – ein Dilemma, genannt „Rebound-Effekt“.

In seinem Vortrag wird der Soziologe und Volkswirt Tilman Santarius anhand verschiedener Beispiele analysieren, wie rein technische Lösungen der Nachhaltigkeit („Effizienzrevolution“) ihr Ziel verfehlen. Sie führen zu einem Anstieg des absoluten Verbrauchsniveaus, der das erhoffte Einsparpotenzial teilweise – manchmal auch vollständig – wieder zunichte macht.

  • Was sind die Gründe für diese Rebound-Effekte?
  • Werden durch sie die Ziele der Klima- und Energiepolitik in Frage gestellt?
  • Wie könnte es gelingen, Rückschläge durch Rebound-Effekte zu vermeiden?
Diesen Fragen wird Tilman Santarius in seinem Vortrag nachgehen. Von 2001 bis 2009 war er Projektleiter am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, danach bis 2011 Referent für Internationale Klima- und Energiepolitik bei der Heinrich Böll Stiftung. 2015 wurde Tilman Santarius mit einer Arbeit über den Rebound-Effekt an der Universität/Gesamthochschule Kassel promoviert.

Münchner Forum Nachhaltigkeit

Veranstalter / Initiatoren

  • oekom e.V.
  • Selbach-Umwelt-Stiftung
  • Schweisfurth-Stiftung

Kooperationspartner

  • Bürgerstiftung
    Zukunftsfähiges München
  • Die Umwelt-Akademie e.V.
  • Hochschule für angewandte Wissenschaften - FH München
  • Ringvorlesung Umwelt
    der Studentischen Vertretung der TU München

Wissenswertes

Paris und München: Immer wenn’s konkret wird, wird’s schwierig

Jeder Neubau eines Kohlekraftwerks auf dem Globus wird ökonomisch begründet. Aber immer wenn ein Kraftwerk abgeschaltet werden soll, wird ebenfalls die Ökonomie herangezogen: Abschalten geht aus betriebswirtschaftlichen Gründen gar nicht! In Ganghzou nicht , in Los Angeles nicht und in München auch nicht. In Summe werden weltweit CO2-Emissionen in die „Deponie Atmosphäre“ ausgespuckt , die ökologisch nicht mehr vertretbar sind, weil sie die globale Erdtemperatur gefährlich hoch treiben.
2015 war Wärme-Rekordjahr: +0,9oC durchschnittliche globale Temperaturerhöhung gegenüber dem Beginn der Temperaturaufzeichnungen ab 1881. In Paris COP 21 – die „Conference of the Parties“, die 21. Internationale Klimakonferenz unter dem Regime der Vereinten Nationen also – haben sich über 195 Staaten verpflichtet, vieles zu tun, um die Erderwärmung auf maximal +2 Grad gegenüber dem vorindustriellen Stand zu begrenzen; möglichst auf +1,5 Grad. Viel Kritisches wurde zu COP 21 kommentiert; ein Positivum ist unverrückbar: Die Weltgemeinschaft hat – völkerrechtlich verpflichtend – vereinbart, daß „Weiter-so“ in Sachen CO2-Emissionen nicht mehr geht. Alle fünf Jahre nun werden die (freiwilligen) Ziele der Nationalstaaten und ihre Erreichung hinterfragt. Das Thema bleibt also dauerhaft auf internationaler Bühne.

Die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks gehörte zu den treibenden Kräften des „Bündnis´ der Gutwilligen“, das COP 21 letztlich zum Erfolg gemacht hat. Jetzt müssen Bundesregierung und die Länder Konsequenzen ziehen: Dekarbonisierung, Energiesparen, dezentrale Energiewende bei Strom, Wärme, Verkehr, Landwirtschaft… Die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf hat angekündigt, daß der Freistaat ein Programm vorlegen werde, wonach die CO2-Emissionen von heute rd. 10 Mg/Person*Jahr auf max. 2 Mg reduziert werden sollen (das entspricht der als international gerecht angesehene Masse CO2, die bis 2050 von jedem Menschen auf dem Globus noch abgeschieden werden kann) – man darf gespannt sein.

Und auch jeder einzelne Bürger sollte seine Lebensgewohnheiten hinterfragen (und ändern!): Flug zum Shoppeni nach Barcelona für 49€, einr neuer SUV – dank d billigen Sprits –, jeden Tag Fleisch auf dem Teller? Der Papst hat den Schuldigen für die Klimaerwärmung in seiner Enzyklika „Laudato Si“ benannt: Es ist der Lebensstil der reichen Gesellschaften in den Industrieländern, von dem diese nicht ablassen wollen.

Doch just im ach so ökologisch daherkommenden München scheint die Botschaft noch nicht angekommen zu sein, zumindest, was die Hauptverantwortlichen angeht: Es geht um die Verkehrspolitik – bloß nicht ran an den PkW-Individualverkehr, Feinstaub hin oder her –, eine klimafreundliche Stadtentwicklungspolitik, die Energiewende im Stadtgebiet München, einen städtischen Bürger-Energie-Dialog usw.

Und es geht um die Laufzeit des Steinkohle-Kraftwerkes HKW Nord2 in Unterföhring, das den Stadtwerken München gehört . Erst kürzlich hat der Stadtrat entschieden, dieses Kraftwerk bis 2035 weiter mit Steinkohle zu betreiben (mit der Überlegung, neu zu rechnen, wenn sich die Rahmenbedingungen geändert haben sollten). Das von den Stadtwerken selbst (!) erstellte Gutachten kommt auf „Kosten“ – es handelt sich tatsächlich um entfallende Gewinne – von bis 600 Mio. Euro, wenn vorzeitig abgestellt werden sollte. Es könnten auch nur 150 Mio. Euro sein…

Also die übliche Begründung (siehe oben): Abschalten „geht gar nicht“!
In der Zwischenzeit aber hat sich die Welt, haben sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch für Nord2 geändert: G7-Gipfel „Dekarbonisierung“, Papst-Enzyklika „Laudato Si“, EU-Beschlüsse zu CO2-Zielen und Verschärfung des CO2-Emissionsrechtehandels spätestens ab 2020, Paris COP 21, die Veränderungen auf den Öl-, Kohle- und Erdgas-Märkten, die Techniken für power-to-gas aus Überschuss-Energien aus Erneuerbaren Quellen, ein neues Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (das Erdgas gegenüber Kohle bevorzugt) usw.
Und politisch: Beschluß des Landkreises München, die Kohleverbrennung des Kraftwerks Unterföhring nicht weiter dulden zu wollen; eine neue Bürgerinitiative im Norden Münchens gegen das HKW Nord; ein von knapp 50 Organisationen getragenes, erfolgreich laufendes München-Bürgerbegehren „Raus-aus-der-Kohle München Nord bis 2022“ …
Geht alles nicht? Ich glaube beurteilen zu können , dass es doch geht: Die Kapazitäten für die Mit-Verbrennung von Klärschlamm in Nord 2 werden nicht gebraucht; Strom gibt es im Überfluß. Der einzige Engpaß in der Versorgungssicherheit liegt in der Fernwärme. Doch hier verfügt München über einen geologischen Schatz, den es schnellstmöglich zu heben gilt: Die Geothermie, erneuerbares Heißwasser aus 1500 bis 3000 Metern Tiefe. Bis 2022 können vier bis fünf der 15 geplanten Anlagen errichtet sein; dann wäre mit den beiden Müllblöcken Nord 1 und Nord 3, den bestehenden kleinen Heizwerken und der GuD im HKW Süd der Wärmebedarf in München gedeckt…

Dr. Helmut Paschlau

Dr. Helmut Paschlau

Dr. Helmut Paschlau ist Mitglied
des Vorstands

"Bio? Wo? Her damit!" Bio-Einkaufsführers für München

Das Bio-Angebot in München wächst!

Für die 12. Neuauflage der Einkaufsbroschüre "Bio? Wo? Her damit!" wurden 100 neue Adresse recherchiert. Mit mehr als 600 Bio-Adressen hat München beim Thema Bio sehr viel zu bieten und belegt einen Spitzenplatz unter den deutschen Großstädten. In dem bewährten Einkaufsführer listet der BUND Naturschutz das Bio-Angebot in der Stadt München und in den Landkreis Gemeinden auf.

Das Heft führt neben Naturkostfachgeschäften auch Adressen von Ökokisten, Bio-Bäckereien und Bio-Metzgereien sowie Wochenmärkten mit Bio-Angebot auf. Die Adressen sind übersichtlich nach Stadtteilen und Gemeinden geordnet. So findet jeder schnell echtes Bio in seiner Nachbarschaft. Die Broschüre ist aber vor allem auch deshalb beliebt, weil sie zahlreiche Restaurants mit Bio-Angeboten und Catering-Betriebe auflistet. Erstmals sind Bio Bistro-Angebote für die Mittagspause ermittelt worden und mit einem grünen Messer und Gabel - Symbol markiert.

Die Broschüre kann HIER runtergeladen werden.

 

Buchcover

Die Umwelt-Akademie stellt sich vor

Die Journalisten-Akademie hat die Umwelt-Akademie anläßlich ihres 25-jährigen Bestehens in einem Kurzfilm porträtiert. Wir finden, das ist eine gelungene Darstellung unserer Intentionen. Überzeugen Sie sich selbst: Klicken sie hier


 

In eigener Sache

Neuer Service der Umwelt-Akademie

Sie finden unsere Veranstaltungen sehr interessant, sind aber verhindert oder erhielten keine Platzreservierung und konnten somit nicht persönlich teilnehmen?

Mit unserem neuen Service bieten wir Ihnen die Möglichkeit, sich besonders "begehrte" Veranstaltungen als Video-Mitschnitt anzusehen.

So haben wir z.B. die Podiumsdiskussion zum Thema "Kohleausstieg München Nord: "Größter anzunehmender Unsinn" oder "Ökologisch-ethische Notwendigkeit jetzt"? für Sie aufgenommen: Klicken Sie hier

Und wenn Sie nachträglich noch mitdiskutieren möchten, nutzen Sie einfach unsere Kommentar-Funktion.

 

 

Buch- und Filmempfehlungen/Neuerscheinungen

Die Konsultative - Mehr Demokratie durch Bürgerbeteiligung

Claus Leggewie , Patrizia Nanz, Politik [749]. 112 Seiten. 9,90 €, ISBN 978-3-8031-2749-5

Not in my backyard versus Mitsprache für alle. Nur mit der Weisheit der Vielen können die drängenden Fragen der Zukunft gelöst werden. Die vierte Gewalt, die Konsultative, ist ihr Sprachrohr. Unsere Demokratie wird nicht mehr ohne sie auskommen können.

Demokratie in der Krise? Politikverdrossenheit allerorten? Verhöhnung und Wut der Bürger wie bei Stuttgart 21? Das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen fordern immer mehr Bürger Mitspracherechte und Gestaltungsmacht. Großprojekte wie die Energiewende bedürfen der Unterstützung aller, und dazu müssen auch tatsächlich alle im Vorhinein einbezogen werden. An vielen Orten beratschlagen engagierte Bürger nun zum Beispiel über den Trassenverlauf von Stromleitungen. Noch viel zu selten, aber immer häufiger findet eine breite und tiefgehende Konsultation der Bürgerschaft statt, bevor Gesetze entwickelt und beschlossen werden. Wir sind mittendrin in der Beteiligungsrevolution. Patrizia Nanz und Claus Leggewie, leidenschaftliche Streiter für Partizipation und die Demokratisierung der Demokratie, fordern die Institutionalisierung von Zukunftsräten, ein flächendeckendes Netz konsultativer Gremien von der lokalen bis zur europäischen Ebene. Sie haben mit diesem Konzept nicht nur ein wegweisendes Modell entwickelt, sondern unterstützen längst Bürger aktiv dabei, sich politische Handlungsspielräume zurückzuerobern. Gemeinsam erarbeiten sie praktikable Lösungsvorschläge für aktuelle Fragen wie die Unterbringung von Geflüchteten oder jahrzehntelang schwelende Konflikte wie den um die Endlagerung von Atommüll.

Patrizia Nanz (ab April 2016 wissenschaftliche Direktorin am Nachhaltigkeitsinstitut IASS in Potsdam) und Claus Leggewie (Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen), leidenschaftliche Streiter für Partizipation, unterstützen Bürger dabei, sich politische Handlungsspielräume zurückzuerobern. In ihrem Buch fordern sie die Institutionalisierung von Zukunftsräten, ein Netz konsultativer Gremien von der lokalen bis zur europäischen Ebene.

Patrizia Nanz ist Kuratoriums-Mitglied der Umwelt- Akademie e.V.

 

Die Konsultative

POWER TO CHANGE – Die EnergieRebellion

Kinostart am 17. März 2016

Nach Die 4. Revolution präsentiert Carl-A. Fechner mit seinem neuen Kinofilm "POWER TO CHANGE – Die EnergieRebellion" die Vision einer demokratischen, nachhaltigen und bezahlbaren Energieversorgung – mit 100% erneuerbaren Energien.

POWER TO CHANGE ist ein eindrucksvolles Plädoyer für eine rasche Umsetzung der Energierevolution. Der Film erzählt mitreißende Geschichten von den Kämpfern, Tüftlern und Menschen wie du und ich, von innovativen und überraschenden Technologien – und einer Reise in ein Land, das exemplarisch zeigt, wie die Abhängigkeit von fossilen Energien Kriege auslösen kann: der Ukraine.

Für seinen Film konnte der Regisseur prominente Fürsprecher wie Hans-Josef Fell (Mitautor des Erneuerbare-Energien-Gesetzes), die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Claudia Kemfert und MdB Dr. Julia Verlinden (energiepolitische Sprecherin der Grünen) gewinnen.

Große Filmmusik, cineastische Aufnahmen und überraschende Fakten lassen die Zuschauer erleben, warum die rasche Umstellung der Weltenergieversorgung auf 100% dezentral erzeugte Energien aus erneuerbaren Quellen entscheidend für das Überleben der Menschheit ist und uns alle betrifft – kurzweilig, spannend und visuell überwältigend. Nach diesem Film werden Sie die Energiewende mit anderen Augen sehen!

Ein Film über eine große Vision – und Menschen, die sie umsetzen: Die Rebellen unserer Zeit. Voll Leidenschaft und Hoffnung, Rückschläge einsteckend und Erfolge feiernd zeigt der Film den Aufbruch in eine Zukunft, die ohne fossile und atomare Energieträger auskommt – ganz nah an den Akteuren. Berührend, bewegend, überraschend und informativ vermittelt er die Botschaft: Lasst uns gemeinsam kämpfen – für eine nachhaltige und gerechte Welt!

Fred Pearce ist einer der renommiertesten Umweltjournalisten Großbritanniens. Seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt (auf Deutsch u. a. erschienen: »Wenn die Flüsse versiegen« und »Das Klima von morgen«). Derzeit ist Pearce Umweltberater der Zeitschrift New Scientist und schreibt regelmäßig für den Daily Telegraph und den Guardian.

Filmplakat

Gelassen gärtnern. 99 Gartenmythen und was von ihnen zu halten ist

Charles Dowding, ISBN 978-3-86581-769-3, 14,95 Euro, auch als E-Book erhältlich

In seinem neuen Buch unterzieht der renommierte Experte für Biogärtnern Charles Dowding gängige Mythen rund um Pflanzen & Säen, Gießen & Bodenbearbeitung sowie Kompostieren & Düngen einer kritischen Prüfung. Sein Ziel: Gärtnerinnen und Gärtnern ein entspanntes Gartenjahr zu ermöglichen.

Glauben Sie auch, dass man Tomaten nicht neben Gurken pflanzen und den Garten bei praller Sonne nicht gießen sollte? Oder dass es unerlässlich ist, regelmäßig umzugraben, damit es in Ihrem Garten auch wächst und gedeiht? Wenn ja, befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Die meisten von uns fühlen sich auf der sicheren Seite, wenn sie alles so machen, wie es seit jeher gemacht wurde. Denn auch unter Gärtnern wimmelt es von althergebrachten Glaubenssätzen. Viele davon sind nicht nur falsch, sie verhindern oft sogar gärtnerische Erfolge, wie der Brite Charles Dowding eindrucksvoll aufzeigt.

Über 30 Jahre lang hat Charles Dowding gewerbsmäßig Gemüse angebaut und verschiedene Anbaumethoden ausprobiert – auf unterschiedlichen Böden, unter unterschiedlichen Klimaten. Nun lässt uns Dowding an seinem enormen Erfahrungswissen teilhaben, indem er gängige Gartenmythen nicht nur überprüft, sondern verständlich und praxisnah von »falsch« bis »richtig« einstuft und bewertet. »Gelassen gärtnern« ist eine Fundgrube kluger Ratschläge für passionierte Gärtner und all diejenigen, die es werden wollen, ein Apell sich von altem Ballast zu befreien und eine Ermutigung alternative Wege zu gehen. Wer Zeit und Kosten bei der Gartenarbeit sparen will, liegt mit dieser Lektüre goldrichtig.

Saatgut. Wer die Saat hat, hat das Sagen

Anja Banzhaf, ISBN 978-3-86581-781-5, 19,95 Euro, auch als E-Book erhältlich

Die Grundlage unserer Ernährung, das Saatgut, ist innerhalb weniger Jahrzehnte vom öffentlichen Gut zur privatwirtschaftlichen Ware geworden. Anja Banzhaf zeigt in ihrem neuen Buch »Saatgut. Wer die Saat hat, hat das Sagen« die Ursachen und Folgen dieser Entwicklung auf und stellt Menschen vor, die auf unterschiedlichste Weise versuchen, das Sagen über ihre Saat zu behalten oder wiederzuerlangen.

Wirtschaftsinteressen und Gesetze schränken weltweit das Recht der Bäuerinnen und Gärtner ein, selbst zu züchten, Saatgut zu produzieren und weiterzugeben. Für die Saatgut- und Agrarchemiekonzerne geht es um einen riesigen Markt, mit dem zugleich die Kontrolle über die Nahrungsmittelproduktion verbunden ist. Doch was bedeutet es, wenn einige wenige Konzerne – im Einvernehmen mit der Politik – im weltweiten Saatgutmarkt das Sagen haben? Wenn die bäuerliche Züchtung weiter abgewertet und erschwert wird und privatwirtschaftliche Forschungsinstitute die Züchtungsarbeit bestimmen?

Eine Frage von höchster Brisanz, denn es geht nicht um eine abstrakte Ware: Die Firmen erhalten auf diese Weise die Kontrolle; über die Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten; über die Sorten, die angebaut werden; über die Methoden, mit denen angebaut wird; über die Prozesse der Lebensmittelverarbeitung – und sie beschränken somit letztlich das Recht auf Nahrungsmittel. Dabei ist die riesige Vielfalt an Nahrungspflanzen das Resultat vieler Jahrtausende Selektions- und Züchtungsarbeit unzähliger Menschen – und diese sollte auch weiterhin öffentliches Gut bleiben. Abgesehen davon: Ihre 'verbesserten' Sorten könnte die Industrie nicht produzieren, ohne auf das Erbe der bäuerlichen Sorten zurückzugreifen.

Anja Banzhaf schildert in »Saatgut. Wer die Saat hat, hat das Sagen« >, wie die Agrarindustrie mehr und mehr die Kontrolle über Zugänglichkeit und Vielfalt der genetischen Ressourcen unserer Kulturpflanzen übernimmt – und damit zugleich die Vielfalt zerstört. Sie zeichnet nach, was bäuerliche Saatgutsysteme von industriellen Agrarsystemen unterscheidet, wie Bäuerinnen und Gärtner vielerorts dafür kämpfen, über ihr Saatgut und ihre Art der Landwirtschaft selbst zu bestimmen und welche Wege Samengärtner, Züchterinnen und Aktivisten finden, die Sortenvielfalt zu erhalten. Diese Menschen geben ihr Saatgutwissen weiter, tauschen bäuerliche Sorten und erproben zukunftsfähige Wege der Zusammenarbeit.

Anja Banzhaf ist Garten- und Saatgutaktivistin und engagiert sich für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Sie ist Mitbegründerin eines Netzwerks für urbane Gärten in Göttingen, hat in einer Samengärtnerei gearbeitet und setzt sich zudem künstlerisch mit dem Thema Saatgut auseinander. Sie studierte Geografie, Ressourcenökonomik und Botanik in Göttingen und Wellington/Neuseeland und hat viele soziale und landwirtschaftliche Projekte inner- und außerhalb Europas besucht.
Die Autorin steht für Interviews zur Verfügung.

 

Die digitale Mobilitätsrevolution. Vom Ende des Verkehrs, wie wir ihn kannten

Weert Canzler / Andreas Knie, ISBN 978-3-86581-754-9, 12,95 Euro, auch als E-Book erhältlich

Die Digitalisierung wird den Verkehr in nur wenigen Jahren radikal verändern: Mit dem Smartphone haben immer mehr Menschen ihre eigene Informations- und Buchungsplattform dabei. So können sie je nach Bedarf auf verschiedenste Fortbewegungsmittel zugreifen. »Die digitale Mobilitätsrevolution. Vom Ende des Verkehrs, wie wir ihn kannten« lautet entsprechend auch der Titel des neuen Buches von Weert Canzler und Andreas Knie.

Künftig zählt die digitale Präsenz noch weit mehr als heute. Die technischen Eigenschaften eines Verkehrsmittels werden zugleich als Auswahlkriterium unwichtiger. Wenn Bahnen, Busse, Räder und Autos sich in wenigen Jahren alle auf einer gemeinsamen digitalen Plattform wiederfinden, erlaubt dies eine enge Verzahnung der Verkehrsträger und deren bequeme Nutzung weit über das bisher gekannte Maß hinaus.

Diese digitale Revolution verändert auch das Machtgefüge innerhalb der Verkehrsbranche grundlegend. Der private Autobesitz wird zunehmend unwichtiger, was zählt, ist die einfache Verfügbarkeit von Autos, wann und wo sie gerade gebraucht werden. Der Einstieg in eine vernetzte postfossile Mobilität hat längst begonnen, davon sind Weert Canzler und Andreas Knie überzeugt.
Individuelle Wege lassen sich in dieser neuen Verkehrswelt präzise erfassen und auch abrechnen, Preise sagen im Verkehr plötzlich die ökologische Wahrheit und mehr Effizienz wird so einfach wie nie zuvor. Offen bleibt, ob wir Nutzer an Souveränität gewinnen oder uns aus Furcht vor einer Überforderung von der »schönen neuen Verkehrswelt« abwenden. Unklar ist auch, ob die Politik bereit ist, die Verteidigung der bestehenden Strukturen aufzugeben und jetzt die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen.

Die Sozialwissenschaftler Weert Canzler und Andreas Knie haben 1997 die ”Projektgruppe Mobilität« am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) gegründet. Weert Canzler bearbeitet Mobilitätsthemen im Rahmen der WZB-Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik. Andreas Knie ist Geschäftsführer des Innovationszentrums Mobilität und gesellschaftlicher Wandel (InnoZ) und Professor an der TU Berlin.

Die neuen Wilden. Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten

Fred Pearce, ISBN 978-3-86581-768-6, 22,95 Euro, acch als E-Book erhältlich

Wir alle mögen Geschichten über den Kampf zwischen Gut und Böse. Und Fremde eignen sich stets besonders als Feindbilder – auch in der Tier- und Pflanzenwelt. Seit jeher beobachten wir deshalb aufmerksam, ob nicht etwa fremde Arten in störungsanfällige Umwelten eindringen und dort ein ökologisches Chaos anrichten. Was uns nicht vertraut ist, empfinden wir zunächst als Gefahr – und schließlich steckt ja auch etwas Gutes dahinter: die Sorge um das Heimische. Doch was, wenn unser Bemühen, heimische Arten zu schützen, indem wir fremde zurückdrängen und verteufeln, falsch ist? Was, wenn echter Naturschutz gerade darin besteht, die Eindringlinge willkommen zu heißen? Dieser Fragestellung widmet sich Fred Pearce in »Die neuen Wilden. Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten«

In seinem Buch begibt sich der renommierte britische Umweltjournalist auf eine Reise über sechs Kontinente. Dabei stößt er auf ernste Fälle, etwa den der Aga-Kröte, die Australien in beängstigendem Tempo erobert, auf Orte, an denen Eindringlinge ganze Kolonien von Seevögeln ausgeplündert haben; oder auf Inseln, auf denen sich durch vom Menschen eingeführte Arten dramatische Entwicklungen vollziehen. Immer wieder stellt er dabei fest, dass die »bösen« Invasoren lediglich Ökosysteme besiedeln, die bereits vom Menschen massiv gestört sind. Sie sind Opportunisten und zugleich Erneuerer der Natur, und sie übernehmen oft Aufgaben, die die heimischen Arten nicht mehr bewältigen können.

»Wir brauchen neue Wilde in einer neuen Wildnis, widerstandsfähige Arten, die unsere Natur im 21. Jahrhundert neu organisieren«, davon ist Fred Pearce überzeugt. »Und um das Beste daraus zu machen, muss auch der Naturschutz neu überdacht werden.« Denn wie anders sollen Arten gedeihen und auf den Klimawandel reagieren, als durch das Vordringen in neue Territorien? So manche Art wird in Zukunft »gebraucht« werden: die vielfach geschmähte Douglasie etwa, weil sie unter künftig trockeneren Bedingungen besser wächst als eine Tanne; die amerikanische Rosskastanie, weil sie sehr widerstandsfähig ist, oder auch das Drüsige Springkraut vom Himalaja, ohne das unsere Hummeln im Hoch- und Spätsommer in weiten Gebieten keine nektarrreichen Blüten mehr hätten. Auch das, so Pearce, sollten Naturfreunde im Auge behalten.

»Fred Pearce weist einen Weg. Sein Buch ist ungemein wichtig. Sich darauf einzulassen, erfordert jedoch die Überwindung von eingepaukten Widerständen, die unsere Sicht- und Denkweise so sehr beschränken. Eine Wende im Naturschutz ist überfällig. Das Buch wird Sie davon überzeugen!« Prof. Dr. Josef. H. Reichholf (Vorwort)

 

Besser leben ohne Plastik

Anneliese Bunk & Nadine Schubert, ISBN 978-3-86581-784-6, 12,95 Euro, auch als E-Book erhältlich.

Plastik ist überall: Wir atmen es, wir trinken es, wir essen es. Plastik macht krank und schadet der Umwelt. Grund genug, unser Leben mit Plastik zu überdenken – und Konsequenzen zu ziehen. Aber wie? Das neue Buch »Besser leben ohne Plastik« weiß Rat und beweist, dass es ganz einfach auch ohne geht.

Das Wasser, mit dem der Kaffee gebrüht wird, enthält kleinste Plastikpartikel. Der Honig, den wir uns allmorgendlich aufs Brötchen schmieren, ist ebenfalls mit Mikroplastik belastet. Plastik ist zum festen Bestandteil unseres Lebens geworden – mit entsprechenden Folgen für Gesundheit und Umwelt. Aber brauchen wir das viele Plastik wirklich? »Ganz und gar nicht«, sagen die beiden Autorinnen Anneliese Bunk und Nadine Schubert. In ihrem Ratgeber zeigen sie, wie und wo Plastik im Alltag eingespart und ersetzt werden kann – und dass dies viel einfacher ist als gedacht.

Jeder Deutsche verbraucht laut Umweltbundesamt 76 Plastiktüten jährlich. 300 Kilogramm Plastikmüll fallen pro Kopf und Jahr an, wovon nur 40 Prozent wiederverwertet werden. Der Rest landet in der Müllverbrennung. Die Weltgesundheitsorganisation warnt davor, dass Kunststoffverpackungen Schadstoffe an Lebensmittel abgeben – und das über viele Jahre hinweg. Auch wenn die genauen Folgen für die Gesundheit heute noch nicht absehbar sind, ist das Urteil der Wissenschaft klar: Sicheres Plastik gibt es nicht. Denn der Großteil aller Plastikprodukte wird aus Erdöl hergestellt und enthält eine Vielzahl von Chemikalien, über deren Langzeitfolgen wenig bekannt ist.

Als sich Nadine Schubert vor über zwei Jahren entschied, dem gesundheitsschädlichen Stoff den Rücken zu kehren, war dies zunächst nur für Lebensmittel geplant. »Doch dann hat sich das plastikfreie Leben ganz schnell verselbstständigt und auf den gesamten Haushalt ausgebreitet«, erklärt die Mutter zweier Kinder. Ähnlich ging es Anneliese Bunk, und so ist es nur folgerichtig, dass die beiden mit ihren Familien heute fast vollständig ohne Plastik auskommen. In »Besser leben ohne Plastik« > liefern die beiden Autorinnen zahlreiche praxiserprobte und leicht umzusetzende Tipps für ein Leben ohne den omnipräsenten "Kunst-Stoff" – vom bewussten Konsumieren und plastikfreien Einkaufen bis hin zum Selbermachen von Kosmetik- und Hygieneprodukten oder Snacks, die man »plastikfrei« in keinem Supermarkt bekommt. Einsteigen kann jeder, Schritt für Schritt und ganz nach eigenem Tempo.

Auszeichnungen

Bayerische Klima-Allianz PHINEO Wirkt Siegel http://www.un-dekade-biologische-vielfalt.de/ Umweltbildung Bayern UN_Dekade_Offizielles Projekt_2014 BNE-Auszeichnung www.landesstiftung.bayern.de

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