Editorial

Liebe Mitglieder,
liebe Freunde  der Umwelt-Akademie!

in unserem letzten Newsletter hatten wir Sie darüber informiert, dass die Umwelt-Akademie einen professionellen Fundraiser engagiert hatte, der zusammen mit Vorstand und Geschäftsführung über neun Monate hinweg Konzepte zur Gewinnung von Sponsoren bzw. Mitgliedern aus Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft entwickelt hat.

Für die erfolgreiche Umsetzung unserer Projekte sind langfristige Planungen und sichere finanzielle Grundlagen unerlässlich – das heißt, die Umwelt-Akademie benötigt neben Mitteln aus Mitgliedschaften, Spenden und Förderanträgen auch nachhaltige Unternehmens-Partnerschaften.  Wer die Umwelt-Akademie langfristig fördert, stärkt unsere vielfach ausgezeichnete, gesellschaftlich so wichtige Breitenarbeit.

Wir sind überzeugt, dass im Rahmen einer langfristigen Partnerschaft zwischen Unternehmen, die sich im Bereich Nachhaltigkeit engagieren, und der  Umwelt-Akademie für beide Seiten spannende Mehrwerte entstehen. Dementsprechend haben wir unterschiedlich dotierte Leistungspakete entwickelt, die sich in jeder Hinsicht individuell anpassen lassen.  So bieten wir etwa exklusive Zugriffe auf interessante Inhalte, hochrangige Kontakte, neue Netzwerke und erwiesene Kompetenzen im Nachhaltigkeitsbereich – natürlich mit allen Vorzügen einer Gemeinnützigkeits-Partnerschaft. Das ist eine einmalige Kombination und nutzt einem Unternehmen unmittelbar im täglichen Geschäft.

Vielleicht möchten Sie uns und unsere Arbeit einmal genauer kennenlernen  oder Sie kennen jemanden, der mit seinem Unternehmen gut zu uns passt und vermitteln uns einen Kontakt?

Wir freuen  uns über einen persönlichen Gedankenaustausch, in dem wir sicher mit einer passenden Form der Zusammenarbeit überzeugen können.

Ihre

Andrea Hübner


 

 

 

 

Dr. Andrea Hübner
Geschäftsführerin

Themen-Schwerpunkte

 

Werteregulierte Marktwirtschaft

 

Rückblick

Stadtplan der guten Dinge: Nachhaltige Lebensstile in München

in Kooperation mit dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft

Dienstag, 10. Februar 2015

Referenten: Daniel Überall (Kartoffelkombinat, Stadtimker, anstiftung&ertomis)

Das war eine ungewöhnliche Vortrags- und Diskussionsveranstaltung an diesem Abend: Titel, Form, Inhalte, Referent. Im Zukunftssalon, der Name ist Programm.

Das eigene Leben „nachhaltiger“ zu gestalten, ist der Wunsch vieler von uns – aber wie sollen wir anfangen? Was kann ich tun, wo? Bin ich dabei allein? Und für viele genauso wichtig: Muss ich mich dafür einschränken, „Verzicht“ üben?

Wir wandten uns an die Wissenden, die Ahnungsvollen und ja auch an die Ahnungslosen: Mit dem steigenden Bewußtsein für Umwelt, Mitmenschen, künftige Generationen und globale Gerechtigkeit steigt auch die Bereitschaft der Menschen, den Anforderungen an eine zukunftsfähige Gesellschaft nachzukommen: Verantwortung zu übernehmen für eine global enkeltaugliche Welt. Das Gegenmodell zu Kaufrausch und Wegwerfen ist gefragt, vom Konsument zum Pro-sument ist die neue Devise. Teilen statt besitzen, Share-Economy, Wohnungs-, Kleidungs-, Auto-, Fahrrad-sharing ist „in“.

Nachhaltige Lebensstile haben nicht nur mit Konsum zu tun. Wissens- und Erfahrungsaustausch in Initiativen und Communities helfen der Nachhaltigkeit. Nachhaltiger Lebensstil kann eine enorme Bereicherung sein: Die frischeren, qualitativ hochwertigeren regionalen Erzeugnisse, die Entdeckung einer neuen Freizeitbeschäftigung, die Beteiligung am eigenen Windrad oder der Austausch mit Gleichgesinnten sind nur Beispiele. Und für viele Gestreßte ist EigenZeit ein ganz großer Wunsch.

Die eigenen Möglichkeiten zu entdecken, ist eine zeitintensive Beschäftigung. Um diese Suche zu erleichtern und neue Denkanstöße zu geben, hat Daniel Überall vielfältige Projekte in München vorstellt. Und er hat gezeigt, wie man sich mit App & Co leicht in München zurecht findet, es gibt nämlich diverse „communities“ und „green maps“ für nachhaltiges Leben; nur wissen es noch zu wenige.

Daniel Überall kennt jeden und alles, was sich tut in München. Er hat gezeigt, was beim Surfen zu finden ist, am Rechner, im Internet; geordnet nach „Organisationen“ und „Konsum“. Wer nicht dabei war, hat was verpasst: Die vielen Einzelinitiativen in München; die Versuche, diese über zusammenfassende Karten (greenmaps) „einzufangen“; die Verknüpfungen zwischen zunächst unvereinbar scheinenden Aktivitäten (Fahrradreparatur/Flüchtlingshilfe); die Kurzfilme zum Manifest „Urban Gardening“ und zur Grundidee der „Repair-Cafès“; die motivierende Begeisterung in Vielfalt und Einzelfall.

Vortrag Daniel Überall: Klicken Sie hier

In der Diskussion wurde deutlich, was zu nachhaltigen Lebensstilen gehört, aber noch fehlt in München, zumindest in Netz-Initiativen: Wiederverwendung von Bauteilen, nachhaltiges Geld (Anlagen, Versicherungen, Krankenkassen), und: EigenZeit-Initiativen.

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet von Radio München und gesendet am 12.02.15, 19:00h, „Abends unterwegs“.

 

Dr. Ing. Peter H. Grassmann

Für das Thema
„Werteorientierte Marktwirtschaft“ engagiert sich  unser Vorstandsmitglied
Dr. Peter H. Grassmann.

 

 

 

 

In Koopertation mit: 

 

Ethisch-ökologischer Umgang mit Geld

 

Rückblick

Wertschöpfungskette Handys

Dienstag, 3. März 2015

Referent: Friedel Hütz-Adams, Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei SÜDWIND e.V. – Institut für Ökonomie und Ökumene

Friedel Hütz-Adams berichtete bei dieser Veranstaltung in erster Linie über die negativen Umweltauswirkungen und die sozialen Implikationen, die sich im Zusammenhang mit der Herstellung eines modernen Mobiltelefons im Verlauf der Wertschöpfungskette ergeben.

  • Abbau der Rohstoffe
    Zur Herstellung der Mobiltelefone werden seltene Metalle benötigt, deren Abbau mit beträchtlichen Umweltschäden und negativen Folgen für die dabei Beschäftigten verbunden ist. Zur Verdeutlichung der Mengen an Material mag hier zunächst schon die jährliche Anzahl von 1,8 Milliarden verkauften Mobilgeräten (2013) dienen. Bei der Herstellung einer solchen Anzahl an Geräten werden z.B. 60.000 Tonnen Kupfer verarbeitet, ferner seltene Metalle wie Tantal, Indium usw. Der Anteil an Gold beträgt 43 Tonnen, das sind ca. 10 % der weltweit in der Industrie verarbeiteten Mengen. Bei der Gewinnung und Verarbeitung der Metalle werden 7 % der gesamten Weltenergie verbraucht.

  • HerstellungDie Geräte werden fast ausschließlich in Billiglohn-Ländern wie China und Indien hergestellt. Dabei kommt es in der Regel nicht nur zu beträchtlichen Umweltschädigungen. Vor allem die Zustände Arbeits- und Lebensbedingungen für die Beschäftigten sind in diesen Produktionsstätten häufig verheerend.
    Immer wieder kommt es zu aufsehenerregenden Skandalen. Der größte Hersteller ist Foxconn in China mit 1,2 Mio. Mitarbeitern, bei dem extreme Überschreitungen der Arbeitszeiten, gesundheitliche Schädigungen am Arbeitsplatz, menschenunwürdige Unterbringung und unzureichende Löhne immer wieder bekannt werden.

  • Vertrieb
    Trotz dieser Verhältnisse und Bedingungen verleiten aber dieDie großen Anbieter wie Samsung, Apple und Nokia verleiten die Käufer dazu, alle ein bis zwei Jahre ein neues Gerät zu erwerben. Damit wird die Menge der verwendeten Geräte und auch des Abfalls unnötig in die Höhe getrieben.

  • Ansätze zur Abhilfe
    Die enormen Missstände werden immer mehr bekannt und erste Anstrengungen werden zur Abhilfe unternommen. Im Rahmen der Vereinten Nationen hat die OECD Leitsätze für multinationale Unternehmen entwickelt, um die Durchsetzung der Menschenrechte zu verbessern. Auch die ILO (International Labor Office) entwickelt Standards, an die sich die am gesamten Prozess beteiligten Unternehmen halten sollen.
    Für die Hersteller der RohstoffeRohstoffzulieferer gibt es ebenfalls internationale Empfehlungen.
    Gesetzliche Regelungen finden sich in erster Linie in den USA durch den 2010 erlassenen Dodd-Frank-Act. Mit diesem Gesetz soll verhindert werden, dass Metalle aus politischen Krisengebieten in den Handel geraten.

  • Das Fairphone
    In den Niederlanden wurde ein Mobiltelefon entwickelt, das bereits die meisten negativen Umweltauswirkungen eliminiert und nach hohen Sozialstandards hergestellt wird. Es werden davon derzeit allerdings jährlich nur 60.000 Stück hergestellt. Zu beziehen durch Fairphone.nl

Friedel Hütz-Adams ist in Deutschland der wohl beste Kenner dieser Materie. Seit vielen Jahren erforscht Friedel Hütz-Adams die ökologischen und sozialen Missstände auf den internationalen Rohstoffmärkten. Er hat hierzu eine Publikation verfasst:  „Von der Mine bis zum Konsumenten“ (Die Wertschöpfungskette von Mobiltelefonen), 30 S., Nov. 2012, Herausgeber Südwind e.V., www.suedwind-institut.de

Vortrag Friedel Hütz-Adams: Klicken Sie hier

 

 

Dr. Schwingenstein

Für das Thema „Ethisch-ökologischer Umgang mit Geld" engagiert sich unser Vorstandsmitglied Dr. Cristoph Schwingenstein.

Ökologische Ernährung

Ausblick

Brot, Wurst, Käse - Was ist drin in unserem täglichen Essen?

Dienstag, 9. Juni 2015, Vortragssaal der GLS-Bank, Bruderstr. 5 a (Eingang Unsöldstr), 80538 München (U-Bahn 4 (Richtung Arabellapark) oder 5 (Richtung Neuperlach Süd) bis zur Station „Lehel“)

Referent: Dr. Hanns-E. Kniepkamp, Leiter der Qualitätskommission bei Slow Food  Deutschland e.V.

Die meisten Lebensmittel, die bei uns auf den Tisch kommen, stammen aus industrieller Herstellung. Das gilt nicht nur für echte Fertiggerichte wie die Tiefkühlpizza oder den Linseneintopf aus der Dose, sondern auch für vermeintlich wenig verarbeitete, „reine“ Produkte wie Käse oder Brot.

Oft bedeutet das, dass wir „mehr“ bekommen, als die Produktbezeichnung vermuten lässt: Wer denkt bei Bauernbrot, Leberwurst, Fruchtjoghurt oder Butterkäse an Zusatzstoffe wie Aroma, Verdickungs-, Säuerungs- oder Konservierungsmittel, geschweige denn an Reste von technischen Hilfsstoffen? Vieles, aber nicht alles, was drin ist im Produkt, muss auf der Zutatenliste deklariert sein.

Dabei stellt sich die Frage, inwieweit die industrielle Lebensmittelproduktion auf Zusätze angewiesen ist oder ob es auch Herstellungsmöglichkeiten gibt, die auf den Einsatz von Zusatzstoffen verzichten oder sie zumindest minimieren können. Erst die Antwort darauf ermöglicht es uns Verbrauchern zu entscheiden, welchen Produkten wir vertrauen wollen und können.

Georg Schweisfurth

Für das Thema „Ökologische Ernährung“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied Georg Schweisfurth.

 

 "Ökologische Ernnährung" - Veranstaltungsreihe 2015
gefördert durch:

Selbach-Umwelt-Stiftung

 

Gesundheit und Eigenverantwortung

 

Rückblick

Naturkosmetik: eine besondere Produktphilosophie in der Hautpflege 

Dienstag, 17. März 2015

Referent: Dr. Reinhold Brunke, Geschäftsführer der ICADA (international cosmetic and device association) e.V. und Entwickler der ersten weltweiten Industrienorm für Naturkosmetik.

Der Verbraucher hat die informierte Wahl. Seit Mitte der 90er Jahre kann er zwischen herkömmlicher  Kosmetik und Kosmetik, die vorwiegend aus natürlichen Bestandteilen hergestellt wird, unterscheiden und daher bewusster entscheiden.

Die Vielzahl an Siegeln für Naturkosmetik und naturnahe-Kosmetik ist allerdings eher verwirrend als hilfreich. So finden wir unter anderem Siegel mit der Bezeichnung ICADA, NATURUE, BDIH, ECOCERT, DEMETER, NCCO, EcoControl, CosmeBio und viele andere. Jedes dieser Siegel weist Besonderheiten auf, die sich am Inhalt – also an den Rezepturen – der Produkte orientieren. Jedoch betreffen diese Aussagen nur die Provenienz der Rohstoffe und nicht die Qualität und Wirksamkeit.

Der Markt für Naturkosmetik erreicht in Deutschland inzwischen ein Volumen von über einer Milliarde Euro – und stört damit auch die Interessen der internationalen Konzerne. Der dadurch entbrannte heiße Marktkampf wird in den nächsten Jahren auch noch durch eine relativ anspruchsvolle ISO-Norm zu einer Veränderung des Marktes führen. Einer Auslese entgehen nur spezialisierte Unternehmen, die zum Beispiel über die Herstellung der Kosmetika aus Pflanzen hinaus auch auf die Herkunft der Rohstoffe achten, ökologische Anbauprojekte – oft mit Kleinbauern – initiieren und damit eine hervorragende Qualität ihrer Rohstoffe erreichen.

Der Kosmetikchemiker und promovierte Naturstoffchemiker Dr. Reinhold Brunke befasst sich seit vielen Jahren mit den Möglichkeiten der Naturkosmetik und hat den ersten Standard für eine Qualitätsbeurteilung entwickelt für einen damals kleinen, unbekannten Verband. Er kennt die Feinheiten der synthetischen Kosmetik ebenso wie diejenigen der Naturkosmetik. Er weiß um die Diskussion von Inhaltsstoffen, wie Parabenen, Mineralöl und anderen, die in der pflanzlichen Kosmetik nicht zu Einsatz kommen.

Dr. Brunke informierte uns darüber, welche Argumente  für die Verwendung von Kosmetikrohstoffen aus Pflanzen sprechen und welche Möglichkeiten der Verbraucher hat, sich in der Vielfalt des Angebotes zurechtzufinden.

 

 

 

Paul Greineder

Für das Thema „Eigenverantwortung und Gesundheit“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied Paul Greineder.

Mutbürger für Energiewende!

Ausblick

Wie nachhaltig ist München?

25. Juni 2015, 19:00 Uhr, Ratstrinkstube, Rathaus, Marienplatz 8, München (alle ÖPNV-Verbindungen „Marienplatz“, Eingang beim Fischbrunnen)

Referenten: Joachim Schwanck und Werner Gruban, Referat für Gesundheit und Umwelt, Hauptabteilung Umwelt, SG Umweltplanung/Ressourcenschutz/Nachhaltigkeit und SG Nachhaltige Entwicklung/Umweltberichterstattung

„Auf dem Weg zu einem nachhaltigen München“ lautet das Eingangskapitel im „Nachhaltigkeitsbericht 2014“ der Landeshauptstadt München, Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU). Eben: Auf dem Weg!

25 Indikatoren in den Nachhaltigkeitsdimensionen werden beschrieben und bewertet; Zustand und Tendenz; von „schlecht“ bis „sehr gut“. Darunter etwa der ökologische Fußabdruck, die CO2-Emissionen (Tendenz sehr gut ??), der Energieverbrauch, die Flächeninanspruchnahme, die Recyclingquote, das Kindergewicht, vorzeitige Sterblichkeit, der ökologische Landbau, Ausbildungschancen, Verkehrsunfälle, Bürgerschaftliches Engagement …

Drei ausführliche Kapital hat der Nachhaltigkeitsbericht: „Nachhaltige Entwicklung in München“, „Schlußfolgerungen und Anregungen“ sowie „Wissenschaftliche und nachhaltigkeitspolitische Grundlagen“. In letzterem werden z.B. die planetaren Grenzen (Klimawandel, peak oil, Rohstoffverknappung), schwache und strikte Nachhaltigkeitskriterien, der Rebound-Effekt etc. definiert und Entwicklung statt Wachstum in Richtung 2000-Watt-Gesellschaft präferiert.

Bei den Schlußfolgerungen steht die partizipative Demokratie, der (Bürger-) Dialog, die bürgerschaftliche Beteiligung und Verantwortung im Zentrum. Ohne Wirtschaft und Zivilgesellschaft ist Nachhaltigkeit nicht zu haben.

Was ist gutes Leben in München? Der Nachhaltigkeitsbericht versucht, dieses anhand des Regionalen Wohlfahrtsindexes München zu beschreiben. Die Autoren des Berichts werden darüber referieren und mit uns diskutieren.

 

 

Dr. Helmut Paschlau

Für das Thema „Mutbürger für Energiewende!" engagiert sich unser Vorstandsmitglied Dr. Helmut Paschlau.

Energiewende: Die Beiträge der Stadtwerke in und für München

23. Juli 2015, 19:00 Uhr, Ratstrinkstube, Rathaus, Marienplatz 8 (Eingang Fischbrunnen, ÖPNV Marienplatz)

Referent: Dr. Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München GmbH

Anfang Mai 2015 wird ein großes Ereignis gefeiert: Die Stadtwerke München (SWM) speisen so viel Ökostrom aus eigenen Anlagen ins Netz, wie alle Privathaushalte Münchens, die elektrisch betriebenen Verkehrsmittel der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und die E-Mobilität benötigen. Das ist was! Mit der „Ausbauoffensive Erneuerbare Energien“ erzielen die SWM weltweit Beachtung.

Aber: „Grün ist weit weg“ betitelte die Süddeutsche Zeitung ihren Kommentar vom 15.04.15 und kritisierte, dass die Wind- und Sonnenkraftwerke Andasol, Gwynt y Mors, Global Techs & Co. keine einzige Kilowattstunde nach München liefern – der dort erzeugte Strom kommt in München gar nicht an. In und um München „Fehlanzeige“ ? Wäre ungerecht, „zu wenig“ trifft‘s besser. Wo sind die versprochenen Engagements in Windkraftanlagen in Kooperation mit Kommunen und Bürgern im Umkreis Münchens? Die Aufgabe der Solarinitiative München (SIM) war es, Münchens Dächer mit PV- und Solarthermieanlagen zu bestücken; warum wird sie nun abgewickelt?

Das Heizkraftwerk Nord, Block 2, in Unterföhring wird mit Steinkohle betrieben; es ist unerläßlich für die Fernwärmeerzeugung. 25 Jahre in Betrieb, längst abgeschrieben. Doch statt auf Erdgas umzubauen, wollen SWM, SPD und CSU im Stadtrat, dass das HKW bis 2035 weiter mit Kohle betrieben wird. Doch HKW N2 ist die größte CO2-Schleuder in München, 17% der CO2-Emissionen geht auf das Konto dieses einen HKW, mitverantwortlich für die Klimaerwärmung. Es gibt nur finanzielle Gründe für den Kohle-Weiterbetrieb; doch: alle anderen CO2-Minderungsmaßnahmen in der Stadt wären weit teurer, als der kurzfristige Verzicht auf Gewinn durch den Weiterbetrieb des Kohleblocks. Nachhaltigkeit geht anders.
Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung ist wegen des hohen Wirkungsgrades eingesetzter Energie ökologisch sinnvoll: Doch warum sind in SWM-Wärme-Vorranggebieten PV, Solarthermie, Pelletheizungen verboten? Das Projekt, künftig 100% der Fernwärme mit Geothermie-Wärme zu fahren, ist langfristig preisgünstige, erneuerbare Energie: Doch wo sollen die 16 neuen Heizwerke innerhalb der Stadt hin? Wie und wann soll die Bevölkerung beteiligt werden, wenn die erforderliche Akzeptanz erreicht werden soll?

Man könnte die Gebäude aller Hallen- und Freiluftbäder der SWM mit PV-Anlagen bestücken, das Warmwasser aus eigener Solarthermie liefern, die Saunen mit Ökostrom beheizen.
Und die Mobilität – jenseits der erfreulichen Tatsachen des guten ÖPNV-Angebots in München: Wo bleibt die deutliche Verstärkung des ÖPNV zu Lasten des Individualverkehrs, wo die Verknüpfung von Fuß, Rad, E-share-Taxi, Tram? Kann man den Stromverbrauch von U-Bahnen weiter senken? Was ist der Ausbaustand der Gas-, E- oder Hybrid-Busse mit deutlich geringerem Verbrauch fossiler Energien? Wo ist die flächendeckende Bestückung Münchens mit E-Ladestationen?  

Welche Anstrengungen unternehmen die SWM in Sachen Energie-Einsparung? Z.B. durch Werbeplakate in allen ÖPNV-Fahrzeugen der MVG. Was ist die Erfahrung mit zusammengeschalteten, „virtuellen“ Kraftwerken, die volatilen Strom ausgleichen und dadurch Kraftwerkskapazität und Primärenergie einsparen? Was ist mit intelligenten E-Geräten in Haushalten und Wirtschaft, die anspringen, wenn der Wind bläst und die Sonne scheint? Mit einer Effizienz-Strategie zusammen mit der Industrie- und Handelskammer (IHK), um Gewerbebetriebe verstärkt zu Suffizienz und Effizienz zu bewegen? Wo sind die versprochenen Energie-Tarife, die Energiesparen belohnen und hohen Energieverbrauch deutlich verteuern?

Generell: Werden die Stadtwerke sich wandeln, vom Energieversorger zum Energie-Dienstleister, der mit immer besseren Ideen und Dienstleistungen und immer weniger Energieverkauf sein Geld trotzdem verdient?

Viele Fragen über die Energiewende in und für München, die der Chef des fünftgrößten Energiekonzern Deutschlands sicherlich gut beantworten kann.

 

 

Rückblick

Ästhetik der Energiewende

Donnerstag, 29. Januar 2015

Referent: Prof. Dr. Sören Schöbel-Rutschmann, TU München, Fakultät für Architektur, FG Landschaftsarchitektur regionaler Freiräume

Die Energiewende macht „Energie“ plötzlich für jedermann sichtbar. Die wachsende Zahl von Windrädern, Solaranlagen und Überlandleitungen führt bei manchen Menschen zu Verunsicherung, Angst und Abwehrhaltung. Sind die Befürchtungen berechtigt? Sind es Menschen, die die Nachteile tragen müssen, während andere – wir alle – Vorteile haben? Oder wird das Thema – von erkennbaren Interessen – aufgeschaukelt und für populistische Wahlkampfinteressen hochgeputscht?

Bislang rauchten die Kraftwerke als zentrale Energieversorger an einzelnen Standorten, meist fernab in Industriegebieten. Ansonsten war „Energie“ bis auf ein paar Stormmasten unsichtbar und unterirdisch; abgebaut und gefördert überwiegend weit weg in Kolumbien (Kohle), in Russland (Gas), in Saudi-Arabien (Öl).
Heute bringt die Wende Energie unübersehbar bis an’s Haus, nicht mehr zentriert auf wenige Standorte; sondern dezentral, überall hin. Strom kommt nicht mehr aus der Steckdose, sondern vom Windrad um die Ecke oder vom glänzenden Dach nebenan.  Über die Effizienz und die Kosten erneuerbarer Energieträger wurde viel diskutiert – der kulturell-soziale Preis wurde bisher vielleicht zu wenig beachtet. Kritiker beklagen die unzähligen „Industriebuckel“ von Biogasanlagen im Umfeld von Bauernhöfen, gewaltige Windkraftanlagen, die unsere Natur „verspargeln“, „Monster“ an Strom-Überlandleitungen der „Lobby-Energiefritzen“ und „glitzernde“ PV-Anlagen, die die Natur im Voralpenland industrialisieren.

Die Aufzählung zeigt: Die Debatte hat verschiedenste Aspekte. Energiewirtschaft, Technik, Europa- und Regionalpolitik, Kultur und Tradition, Industrie- und Häuslebauer-Interessen, Akzeptanz, Ängste und Gefühle. Was die Betroffenen oft vergessen: Wer dezentrale Strukturen, und damit regionalwirtschaftliche Vorteile und weniger Strommasten will, kann nicht gleichzeitig gegen On-Shore-Windanlagen vor Ort sein – es sei denn, er will Atom-Strom akzeptieren oder unbehelligt sein („not-in-my-backyard“).

An dem Abend diskutierten wir mit dem Landschaftsarchitekten Prof. Dr. Sören Schöbel-Rutschmann (TU München) über Wahrnehmung, Wahrnehmensänderung (den häßlichen Münchner Fernsehturm von 1972 sieht niemand mehr als „Verspargelung“ an), gestalterische Einbindung technischer Anlagen in die natürliche und kulturelle Umgebung, Beteiligtsein an technischen Veränderungen, gesellschaftliche und individuelle Akzeptanz. Auch die anschließende Diskussion mit dem Publikum ging auf die Suche nach Aspekten, Kompromissen und Lösungsansätzen für die Frage, wie die Schönheit der bayerischen Landschaft trotz der Zwänge einer dezentraleren Energiewende bewahrt werden kann.

 Vortrag Prof. Dr. Sören Schöbel-Rutschmann: Klicken Sie hier

 


 

Energiegerechte Stadtentwicklung: Wird München zukunftsfähig?

Donnerstag, 26. Februar 2015

Referenten:
Michael Hardi, Baudirektor, Referat für Stadtplanung und Bauordnung, HA II
Thomas Haser, Baudirektor, Referat für Stadtplanung und Bauordnung, HA III

Was bedeutet „nachhaltige Stadtentwicklung“? Wir wollten klären, dass und warum es in Zukunft nicht mehr ausreicht, die Stadt „grüner“ zu machen oder Häuser besser zu dämmen.

Mit Michael Hardi und Thomas Haser berichteten zwei Planer aus der Münchner Stadtverwaltung von ihren praktischen Erfahrungen und erläuterten die Komplexität möglicher Lösungen. Wenn die Stadt München die Herausforderungen der Zukunft in den Griff bekommen möchte, müssen neben der Ökologie ebenso der ökonomische und der sozio-kulturelle Bereich im Fokus sein. Hinzu kommen muß der Blick auf die Menschen, ihre Bedürfnisse, Wünsche und Lebensgewohnheiten. Und das alles vor dem Hintergrund des Wachstumsdrucks der – gewünscht oder nicht – „boomtown“ München, deren Einwohnerzahl bis 2030 geschätzt um 15 Prozent wächst, mit einem Bedarf an rund 152.000 neuen Wohnungen. Wie bitte soll das „nachhaltig“ vonstatten gehen können?

Die Landeshauptstadt München hat sich mit dem Grundsatzbeschluss des Stadtrats vom 17.12.2008 mit der Übernahme der Ziele des europäischen Netzwerks “Klima-Bündnis e.V.” hohe Ziele gesteckt: Die CO2-Emissionen sollen alle fünf Jahre um zehn Prozent reduziert, der CO2-Ausstoß bis spätestens 2030 – bezogen auf das Basisjahr 1990 – halbiert werden.

Von den Referenten erfuhren wir, mit welchen Schritten die Klimagas-Reduktion strategisch erreicht werden soll und wie wir uns auf den Klimawandel städtebaulich vorbereiten müssen. Einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Stadt liefern innovative Energiekonzepte. Beispielgebend sind hierfür die Projekte “Solare Nahwärme Ackermannbogen”, die Geothermieanlage in Riem und das Projekt “Energiegerechte Stadtentwicklung Freiham-Neuaubing”. Können die im Detail vorgerechneten Ideen zur „Ökologischen Mustersiedlung Prinz-Eugen-Kaserne“, die Entwicklungen auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne und die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme im Münchner Nordosten Modellprojekte für eine enkeltaugliche Stadtentwicklung sein?

Die Mitarbeiter des Referats für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München gaben uns einen Einblick in die integrierte Arbeitsweise auf den unterschiedlichen Planungsebenen.

Stets war klar: Die individuellen Interessen der Menschen/der Betroffenen harmonieren oftmals nicht mit übergeordneten Zielen der Stadtentwicklung: Wer in einem Gartenstadt-Viertel ein altes alleinstehendes Haus im Grünen erbt, möchte vielleicht das Grundstück maximal verwerten, etwa mit einem Vier-Spänner – das schafft Wohnraum und hilft der Verdichtung, stört aber wegen des Fällens von Bäumen die Nachbarschaft und verschlechtert die ökologische Situation; immer dann, wenn rechtliche Vorschriften einem solchen Ansinnen nicht entgegen stehen. Und: Die Zeit der Zugbrücken, die den Zuzug von Einwohnern verhindern könnten, sind vorbei.

Vortrag Michael Hardi: Klicken Sie hier

Vortrag Thomas Haser: Klicken Sie hier

 

 

Energieautarke (Bio-) Energiedörfer & Co.

26. März 2015

Referent: Bene Müller, Vorstand, solarcomplex AG, Singen

Seit 15 Jahren organisiert die solarcomplex AG mit Sitz in Singen in der Bodensee-Region erfolgreich energieautarke Dörfer und Anlagen erneuerbarer Energien. Ziel der Region ist „100% erneuerbar!“ bis 2030.

Der Kraftwerkspark erneuerbarer Energien von solarcomplex erzeugt rund 30 Mio. kWh/Jahr Strom und 40 Mio. kWh/Jahr Wärme: Mit 12 Bioenergiedörfern ist solarcomplex Marktführer in Deutschland. Im Bestand sind mehrere grundlastfähige Biogasanlagen; die erste entstand 2006. Das Unternehmen baut und betreibt eine Vielzahl der 1.000 Windkraftanlagen, die in Baden-Württemberg errichtet werden sollen. An Freiland- und Dachsolar-Anlagen sind 21 MW installiert. Solarcomplex plant, baut und betreibt Holz-Warmwasser-/Heizungsanlagen, auch im Wärme-Contracting. Und nicht zuletzt gehört eine Wasserkraftanlage in der Singener Aach zum Energie-Park. Ein stattliches Portfolio erneuerbarer Energie-Anlagen.
Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2000 von 20 Menschen mit 37.500 Euro Grundkapital; heute beträgt es 7,2 Mio. Euro, gehalten von mehr als 1.000 Aktionären. Denn das ist das Besondere: Bei der solarcomplex AG handelt es sich um eine „Aktiengesellschaft in Beteiligungsform“; wenn man so will: Eine Art Energiegenossenschaft in Form einer Aktiengesellschaft mit aktiver Miteigentümerschaft.

„Die Beteiligung an solarcomplex ist eine der sinnvollsten Investitionen, die Sie derzeit machen können, wenn Sie Geld anlegen möchten“ – so der Werbespruch der Firma. Und er stimmt: Mit erneuerbaren Energien kann man Geld verdienen: Die Bilanzsumme von solarcomplex hat sich in den letzten sieben Jahren von 7 auf 49 Mio. Euro versiebenfacht, das Anlagevermögen auf 41 Mio. Euro verneunfacht. Jetzt werden neue Aktien zu 2,50€ pro Stück bei einer Mindestzeichnung von 5.000€ ausgegeben.

Bene Müller stellte zum einen die energiewirtschaftliche Lage im Bodensee-Raum, die Energie-Ziele und die realisierten Projekte erneuerbarer Energien dar. Zum anderen erläuterte  er, warum aus seiner Sicht eine Beteiligungs-AG Vorteile vor einer Bürger-Energiegenossenschaft hat.


Vortrag Bene Müller: Klicken Sie hier

 

 

Energiewende Bayern: Frust oder Freude? Wo stehen wir?

Donnerstag, 30. April 2015

Referent: Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner; Forschungsstelle Energienetze und Energiespeicher, Elektro- und Informationstechnik; Ostbayerische Technische Hochschule, Regensburg

„Bayern ist Gewinner der Energiewende, das Revier der Verlierer. Deshalb sage ich: Bayern steht nicht auf der Bremse, Bayern steht auf dem Gas. Wir sind erfolgreich und werden auf diesem Weg weitergehen!“ (Ministerpräsident Horst Seehofer in seiner Rede am 05.02.2014 im Bayerischen Landtag).

Die Realität sieht anders aus, so die klare Aussage von Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner, Forschungsstelle Energienetze und Energiespeicher, Elektro- und Informationstechnik, Ostbayerische Hochschule, Regensburg.  
Seehofers Propaganda-Schlacht ist zunächst mal geschlagen: „Der Energie-Dialog mit den Bürgern“ mit hunderten von Experten und solchen, die es gerne wären, ist beendet. Wie zu erwarten war, ohne erkennbare Lösungen.

Geredet wurde überwiegend über die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen und dessen Transport mittels Überlandleitungen aus Nord- und Ostdeutschland. Neue Gleichstrom-Überlandleitungen sind – obwohl mit den Stimmen Bayerns im Bundesrat längst beschlossen – bei Politik und Bevölkerung nicht beliebt.
Wärmeerzeugung, dezentrale Strukturen, Energieeffizienz und Suffizienz, Energiewende in der Mobilität, in der Landwirtschaft, in der Industrie… blieben weitgehend unbearbeitet; ebenso wie Klimawandel, Abkehr von der Atomkraft und von fossilen Primärenergien, Ressourcenschonung & Co.. Was wohl gewollt war; ein populistischer Pro-forma-Dialog, finden viele.

Doch auch bei der Stromerzeugung ist unklar, wie die Energiewende in Bayern gestaltet werden soll: „Dank“ der 10H-Regel ist die Windkraft in Bayern weitgehend beendet, die Photovoltaik hat der Bundesgesetzgeber mit der EEG-Novelle abgewürgt, die Ausbaupläne für Wasserkraft wurden von der Staatsregierung abgesenkt, Bio-Energie wird wegen der (unzutreffenden) „Teller statt Tank-“ Diskussion erschwert, Geothermie für Wärme und Strom ist in Bayern zwar privilegiert, aber sehr begrenzt. Pumpspeicherwerke seien „unwirtschaftliche Geschäftsmodelle“, sagt die Bayerische Wirtschaftsministerin den willigen Investoren.

Bayern setzt auf neue Gaskraftwerke. Doch wer sollte in neue Gaskraftwerke investieren? Das weltweit wirtschaftlichste in Irsching wird derzeit wegen Konkurrenz-Unfähigkeit gegenüber der Braunkohle auf minimalster Flamme gefahren; E.ON will es abschalten.

Alles bestätigt durch die Fakten, die Sterner vorstellte.

Anhand umfangreicher Potentialanalysen der verschiedenen Arten nachwachsender und erneuerbarer Energien zeigte er sehr deutlich: Bis 2022 könnte – politischer Wille unterstellt – eine Umstellung auf 100% erneuerbaren Strom gelingen und die bis dann abgeschalteten Atomkraftwerke ersetzen. Die vier Säulen: Photovoltaik, Windkraft, verbundene virtuelle Kraftwerke zum Ausgleich der volatilen Erzeugung, power-to-gas (also die Speicherung von EE-Überschußstrom im Erdgasnetz). Technik und Potentiale seien vorhanden.

Die Publikumsfrage, ob dann auch auf die zwei Überlandleitungen aus Nord- und Ostdeutschland verzichtet werden könnte, beantwortete er mit einem JA. Aber empfehlen wollte er dies keinesfalls: Es käme zu einem gespaltenen Strom(preis)markt in Süd und Nord mit Verteuerung des Stroms um 1-2Ct/kWh in Bayern; wer auf Windstrom aus dem Norden verzichtet werden wolle, müsse akzeptieren, dass die bayerische Landschaft dann mit sehr viel mehr Windkraftanlagen bestückt werden müsste, insbesondere um Städte oder Industrieanlagen wie Wacker-Chemie herum.

Auf die Frage, warum die bayerische Staatsregierung sich so vehement gegen alle erforderlichen Elemente der Energiewende wendet, sah Sterner zwei Spekulationen: Entweder die CSU wolle doch zurück zur Atomkraft (mit dem Argument, die Energiewende habe ja „nicht geklappt“) oder Ministerpräsident Seehofer wolle Zugeständnisse an anderer Stelle – z.B. Länderfinanzausgleich – ertrotzen.

 

 

Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran - 35 Jahre Energiewende

Donnerstag, 21. Mai 2015

Referent: Prof. Dr. Rainer Grießhammer, Mitglied der Geschäftsführung, Öko-Institut e.V.

Grußwort: Joachim Lorenz, Referent für Gesundheit und Umwelt, Landeshauptstadt München

„Energie-Wende – Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran“ - Und so lautet auch der Titel des vor 35 Jahren erschienenen Buches des Öko-Instituts aus Freiburg. Das gelbe Taschenbuch ist nur noch antiquarisch zu erhalten; herrlich die „handgezeichneten“ Grafiken. Aber zukunftsweisend waren die Thesen: Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch, Reduzierung des fossilen Energieverbrauchs, Abkehr von Atom aus Sicherheitsgründen – entweder bald und kostengünstiger oder später, dann politisch schwieriger und teurer.

Volkes Meinung ist ja: Die Bundeskanzlerin Angela Merkel habe die „Energiewende“ erfunden. Falsch. Der Begriff „Energie-Wende“ stammt aus eben diesem Alternativbericht des Öko-Instituts, Freiburg, aus dem Jahr 1980. Damals stammten die Thesen von den bekanntlich „unrealistischen Spinnern aus Freiburg“. Heute sind die 35 Jahre alten Thesen des Öko-Instituts immer noch in den Grundzügen die gleichen.

Doch ein wichtiger Unterschied: Nach einer Generation haben wir uns – in Deutschland und teilweise weltweit – auf den Weg einer Energiewende gemacht. Mehr als holprig. Aber Entkopplung von Wachstum und Energieverbrauch ist Mehrheitsmeinung, Reduzierung fossiler Primärenergie politisch gewollt, Atomausstieg beschlossen.
Eine Kernthese von damals aber können wir nicht in die Zukunft projektieren: Weniger Öl durch mehr Kohle. Auch nicht für weitere 25 Jahre im Steinkohle-befeuerten HKW Nord 2 der Stadtwerke München in Unterföhring. An CO2-Emissionen aus Kohle und dadurch bedingte Klimaerwärmung hat vor 35 Jahren noch keiner gedacht. An den Siegeszug der Erneuerbaren Energien auch nicht.

Für die nächsten 35 Jahre gibt es keinen Masterplan, kann es nicht geben. Ziele sind gesteckt – und werden, wenn es politisch zwickt, abgeschwächt, dann wieder verstärkt werden. Noch gibt es zu viele Beharrungen und beinharte Lobby-Interessen. An den Kernpunkten – Klimawandel, Atomausstieg, Ressourcenschonung – holt uns die Wirklichkeit aber immer wieder ein.

35 Jahre Energiewende: Von der Idee bis heute – und bis übermorgen. Prof. Dr. Rainer Grießhammer vom Öko-Institut hat uns den 35 Jahre alten Bericht vorgestellt – und von heute 35 Jahre in die Zukunft geschaut. „Halbzeit“ hätten wir jetzt bis 2050, analysierte er. Gesellschaftliche Veränderungen grundsätzlicher Art verlaufen in einer S-Kurve, zeigte er: Ganz langsames Reifen, dann Steilkurve nach oben (beginnen wir gerade) um dann bei näher kommendem Ziel wieder abzuflachen.

Und Grießhammer betonte, dass bei großen gesellschaftlichen Transformationen wie bei der Energiewende nicht ein einziger Akteur – etwa die Bundesregierung – agieren müssen, sondern alle gesellschaftlichen Bereiche: Politik, Forschung und Wissenschaft, Wirtschaftsunternehmen und Verbände, Nicht-Regierungsorganisationen, technischer Fortschritt, jeder Einzelne usw. Grießhammer zeigte sich optimistisch: Trotz derzeitiger „Delle“ sei die Energiewende nicht mehr aufzuhalten; gab es vor zehn Jahren im wesentlichen vier Versorger und einige Stadtwerke, so gäbe es heute über 1,5 Mio. Energieerzeuger in Deutschland, Tendenz steigend.

Vortrag Prof. Dr. Rainer Grießhammer: Klicken Sie hier

 

Biodiversität

Rückblick

Sind unsere städtischen Grünräume nachhaltig? Wie gestalten wir städtische Grünräume für die Stadt der Zukunft?

20. Januar 2015

Referent: Prof. Dr. Norbert Müller, Fachhochschule Erfurt. Er leitete das Grünamt Augsburg, bevor er an die Hochschule berufen wurde. Er kennt die Praxis ebenso wie die Wissenschaft.

Urbane Gesellschaften verbrauchen 75 % der globalen Ressourcen und verursachen ca. 80 % der Treibhausgas-Emissionen, wobei heute erst die Hälfte der Erd-Bevölkerung in Städten lebt, Tendenz steigend. Städte sind mit der Flächenversiegelung mitverantwortlich für den Verlust der globalen Naturvielfalt (Biodiversität). Selbst kleine Städte pflegen urbane Lebensmuster und das mit enorm hohem Flächenverbrauch. Hier ist eine Neuorientierung und eine Nutzungsoptimierung für städtische Grünräume angezeigt.

Zu Beginn zeigte Müller vier Grünanlagen; die Zuhörer durften sich äußern, ob sie die Grünanlagen und die Städte kennen. Es waren Grünanlagen, wie wir sie alle vor Augen haben. Berlin, Regensburg und Wien kam aus dem Publikum. Die gezeigten waren allerdings nicht in Mitteleuropa, sondern gleichaussehend und stereotyp in China, USA, Israel und Russland.

Eine Steigerung städtischer Grünräume schon um wenige Prozent wird das Stadtklima maßgeblich verbessern. Norbert Müller entwickelt dazu seit 2008 an der Fachhochschule Erfurt am Fachgebiet Landschaftspflege und Biotopentwicklung in seiner Weitsicht, Kommunen zukunftsfähig und nachhaltig zu gestalten, den „Urbio Index“. Dieser taxiert die Nachhaltigkeit von Grünanlagen. So ist der Urbio Index ein zukunftsweisender Leitfaden für Städteplaner, Landschaftsarchitekten, Ökonomen und kommunale Verantwortliche. Mit seiner Hilfe können ökologische Erfordernisse an öffentliche Grünflächen mit sozialen Bedürfnissen und mit wirtschaftlichen Belangen unter einen Hut gebracht werden.

Der Urbio Index ist ab Beginn der Planungsphase neuer Projekte zur Selbstkontrolle bezüglich der Nachhaltigkeit vorgesehen. Erprobt wurde er allerdings an bereits vorhandenen „Best Practice“–Grünflächen, an Erfolgsmodellen wie etwa den Außenanlagen des Bayerischen Landesamtes für Umwelt in Augsburg, des Bundesamtes für Naturschutz in Bonn und für den Park am Nordbahnhof in Berlin.

Der Urbio Index wurde auch auf Teilflächen von verschiedenen Landes- und Bundes-Gartenschauen erprobt. Das Ergebnis zeigt, dass auf Gartenschau-Flächen deutschlandweit z.B. die Kriterien der Biodiversität und der nachhaltigen Materialverwendung deutlich unterrepräsentiert sind, obwohl Gartenschauen mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit werben. Offensichtlich fehlen im Vorfeld Zielvorgaben für Nachhaltigkeit.

Dieser neue Bewertungsschlüssel gibt also Planern ein Instrument an die Hand, mit dem sie im Vorfeld ihre Planungen und Projekte auf verschiedene Aspekte abklopfen und in Richtung Nachhaltigkeit optimieren können.

Es werden Indikatoren aus sechs thematischen Gruppen untersucht:
1.    Planung,
2.    Materialverwendung und Recycling,
3.    Aufenthaltsqualität,
4.    Biodiversität,
5.    Klima/Wasser/Boden,
6.    Unterhaltung und Pflege.

Für jede dieser Gruppen werden mindestens vier Indikatoren anhand möglichst einfach zu ermittelnder Ausgangs- und Planungsdaten mit Punkten bewertet. Solche Indikatoren sind beispielsweise: die Nutzerbeteiligung im Planungsablauf,  der Anteil an einheimischen Pflanzen,  Raum für Sukzession,  der nötige Pflegeaufwand,  die Zugänglichkeit für Nutzer,  die Verwendung von recyceltem Baumaterial  oder die Nutzung von Regenwasser.

Das Ergebnis wird in einem übersichtlichen Kreis-Diagramm dargestellt. Gute städtebauliche Konzepte und Grünplanungen verbinden also schon in der Planungsphase die nötige Wirtschaftlichkeit urbaner Nutzungen mit den Menschen und dem Naturschutz. Der Urbio Index zeigt hierzu Wege auf, Biodiversität in die Stadtplanung zu integrieren und unsere Städte zukunftsfähig zu gestalten. Mittlerweile wird das Konzept in ersten Städten in Japan, Südkorea und Florida/USA eingeführt.

Die sich anschließende angeregte Diskussion zeigte unter anderem, dass der Aspekt des Urban Gardening noch keinen Eingang in den Urbio-Bewertungsschlüssel gefunden hat.

Vortrag Prof. Dr. Norbert Müller: Klicken Sie hier

Publikation Prof. Dr. Norbert Müller: Klicken Sie hier

 

Dr. Nico Döring

Für das Thema „Biodiversität und Gewässerschutz“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied Dr. Nico Döring

 

In Kooperation mit

Asiatischer Laubholzbockkäfer, Indisches Springkraut & Co – Invasive Arten als Herausforderung für Wissenschaft und Gesellschaft

Dienstag, 5. Mai 2015

Referentin: Dr. Tina Heger, Technische Universitaet Muenchen, Lehrstuhl fuer Renaturierungsoekologie

Jeder kennt Klassiker invasiver Arten, wie das asiatische Drüsige Springkraut oder den japanischen Staudenknöterich. Wie sehr unsere Natur davon betroffen ist und wie vielfältig es uns berührt zeigte die Referentin ich ihrem allgemein verständlichen und gut strukturierten Vortrag. Wie wir damit umgehen wollen, darüber wurde lang und heftig diskutiert.

Die Bilanz des Vortrags war klar: Ja, invasive Arten betreffen uns in vielfacher Weise. Sie verändern unsere Natur und verdrängen heimische Arten, sie verursachen unserer Wirtschaft Kosten und sie belasten unsere Gesundheit. Sofern es nicht ganz so drastisch ist wie bei den Baumfäll-Aktionen vor unserer Haustür und niemand krank wird wie bei der Beifußambrosie, fällt es kaum einem auf. Einige Spezialisten sehen die Folgen der Neobionten und sie machen sich Gedanken. Was empfehlen Fachleute, wohin wollen Politiker und wie entscheiden letztlich Juristen?

Es ist nicht nur der asiatische Laubholzbock, der unsere Ortschaften und Laubwälder bedroht; es sind viele invasive Arten, die sich hier mehr oder weniger offensichtlich ausbreiten. Können uns die Neuankömmlinge über den Kopf wachsen? An landesweiten Strategien wird gearbeitet.
Die Vielzahl der quer über die Weltkugel transportierten und auf der einen wie auf der anderen Seite eingeschleppten Arten nimmt direkt mit dem Verkehr und den transportierten Waren zu. So ist die Anzahl der Neophyten und der Neozoen mit dem Verkehr und dem Transport exponentiell gestiegen. Invasive Arten sind überall, zu Lande und zu Wasser, und ihre Auflistung füllt Seiten. Insbesondere kleine Insekten, Samen, Pilzsporen und Bakterien sind nur schwer oder gar nicht zu kontrollieren. Nach einer Faustregel verursacht eine von tausend Arten Probleme.

Gleichzeitig sind langfristige Wirkungen von Neobointen nicht leicht abzuschätzen, da sich die Ausbreitung im neuen Lebensraum nach einer mehrjährigen ruhigen Phase des Ankommens erfahrungsgemäß drastisch ändern kann. Die Klimaerwärmung öffnet zudem neue freie Nischen, die sich anbieten besetzt zu werden.
Sofern Wirkungen in frühen Stadien schon abschätzbar sind und wegen zu erwartender Schäden Handlungsbedarf besteht, kann oder sollte man schnell handeln. Handeln ist erfolgversprechend in frühen Stadien, solange es noch im überschaubaren Rahmen abläuft. Dann ist es auch relativ begrenzt und damit kostengünstig.
Um Neophyten oder Neozoen fernzuhalten braucht es ein zeitnahes Vorgehen und entschiedenes landes- und sogar europaweit abgestimmtes Handeln. Wann sind wir in der Lage, hier einen Konsens und eine Handlungsfähigkeit herzustellen? Der Laubholzbock zeigt, dass wir in Deutschland es noch nicht sind.

Ein politisches Fazit war, dass nur dort Maßnahmen zu erwarten sind, wo sowohl Handlungsperspektiven bestehen als auch gebündelte wirtschaftliche und gesundheitliche Interessen dahinter stehen. Dort wo die Umweltkosten nicht (so schnell) auftreten und nicht offensichtlich werden, formiert sich kein gebündeltes wirtschaftliches Interesse und keine schlagkräftige Allianz. Dort ist eine Initiative zur Handlung sehr unwahrscheinlich.

Wie könnte eine Perspektive mit Weitsicht und Vorsorge aussehen? Der Vortrag hat gezeigt, dass das Thema umfassend ist, und dass sich Wissenschaftler und Juristen seit Jahren intensiv mit der Thematik ergebnisoffen beschäftigen. Dabei besteht neben dem internationalen Abstimmungsbedarf die Anforderung schnell zu handeln, um Steuerungsmaßnahmen frühzeitig, zielorientiert und effektiv zu ergreifen - zwei Anforderungen, die schwer unter einen Hut zu bringen sind.

Dr. Nico Döring

Präsentation Dr. Tina Heger: Klicken Sie hier

 

 

 

Veranstaltungen mit unseren Kooperationspartnern

Ausblick

Ökologischer Umbau, sozial gerecht – geht das? Stellschrauben für eine Trendwende im Energie- und Mobilitätsbereich

in Kooperation mit der  FÖS-Regionalgruppe München

Donnerstag, 18. Juni 2015, 18.30 Uhr, Orange Bar, Green City Energy, Zirkus-Krone-Str. 10 (5. OG), 80335 München (S-Bahn-Haltestelle Hackerbrücke)

Referent: Damian Ludewig, langjähriger Geschäftsführer des FÖS e.V.

Der Mensch ist kein reiner „homo oeconomicus“ – und doch wird unser Mobilitäts- und Konsumverhalten entscheidend durch das liebe Geld beeinflusst. Fatalerweise wird ein ökologisch „korrekter“ Konsum im Vergleich umso unattraktiver, je weiter die Preise für fossile Brennstoffe in den Keller sinken. Wenn die Tankfüllung immer weniger kostet, steigt kaum noch jemand auf die Bahn um. Auch chemische Düngemittel und Pestizide sind umso billiger, je billiger Energie ist.

Hier ist die Politik gefragt, nach dem Prinzip „Wer verschmutzt, zahlt!“ endlich höhere Steuern auf Ressourcenverbrauch und Emissionen zu erheben – und zwar so, dass sozial Schwächere dabei nicht über Gebühr belastet werden. Gleichzeitig gilt es, die rund 50 Milliarden umweltschädlicher Subventionen, die pro Jahr in Deutschland gezahlt werden, drastisch zu reduzieren. Allein im Mobilitätsbereich verzerren etwa die steuerliche Privilegierung von Dienstwagen, die zu geringe Besteuerung von Diesel und die noch immer steuerfrei gestellten Flugreisen die Entscheidungen von Konsumenten und Unternehmen auf unökologische Weise und belasten zusätzlich den Staatshaushalt.

Der Vortrag von Damian Ludewig zeigt Wege auf, wie sich ein solches fiskalpolitisches Umsteuern realisieren und zugleich sozial verantwortlich ausgestalten ließe. Im Anschluss an den Vortrag sind alle Zuhörer zu einer offenen Diskussion.

Unter Federführung der FÖS-Regionalgruppe München findet diese Veranstaltung statt in Zusammenarbeit mit dem BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung, Green City Energy, Green City, Mobilitätskultur, der Petra-Kelly-Stiftung

 
In Koopertation mit: 

 

Rückblick

Mehr als ein Strohfeuer? Über Fracking in Deutschland und die neuesten Entwicklungen in den USA

Dienstag, den 24. März 2015

Referent: Dr. Werner Zittel

Noch vor wenigen Monaten hätte niemand eine solche Trendumkehr für möglich gehalten: Öl und Gas, Tanken und Heizen werden immer billiger. Der Spritpreis ist so niedrig wie seit Jahren nicht. Der Grund für diesen Preisverfall an den internationalen Rohstoffmärkten ist ein Überangebot an Öl und Gas. Entsprechend fallen die Preise. „Peak Oil“, der Höhepunkt der weltweiten Förderung, scheint in weite Ferne gerückt zu sein.

Stattdessen auf den Weltmärkten eine „Ölschwemme“. Ein Grund, gewiss nicht der einzige, sind neue Fördertechnologien wie das „Fracking“, mit denen auch „unkonventionelle“ Öl- und Gasvorkommen wie Schiefergas erschlossen werden können – nicht ohne z.T. erhebliche Gefahren für Mensch und Umwelt. Fracking boomt vor allem in den USA, aber auch in Deutschland gibt es entsprechende Vorhaben.

In dem Vortragsabend wurde zunächst auf die Situation in den USA  sowie auf die politischen, ökonomischen sowie ökologischen Auswirkungen des aktuellen Ölpreisverfalls eingegangen. Im Zentrum des Abends stand jedoch die Situation in Deutschland: Wäre Fracking als Technologie auch auf hiesige Verhältnisse übertragbar? Wie ist das Frackinggesetz der Bundesregierung zu bewerten?

Dr. Werner Zittel ist Ressourcenexperte beim Beratungsunternehmen Ludwig-Bölkow-Systemtechnik in Ottobrunn bei München und Vorstand der Ludwig-Bölkow-Stiftung.Der Physiker ist außerdem Mitglied der Energy Watch Group, eines internationalen Netzwerks von Wissenschaftlern und Parlamentariern. Gegründet 2007 versteht sich das Gremium als eine unternehmens- und regierungsunabhängige Informationsquelle für energiepolitische Entscheidungen.

 

 

Food Security, Sustainable Land Management and Agricultur - Transformative Steps to Achiev Sustainable Development Goals

Mittwoch, 11. Februar 2015

Referent: Dr. Hans R. Herren

Dr. Hans R. Herren ist einer der wichtigsten Vordenker und Akteur der weltweiten Ökologisierung der Landwirtschaft als Referenten. Er ist Präsident der Stiftung Biovision (Zürich) und des Millennium Institutes (Washington DC), war Ko-Vorsitzender des 2008 erschienenen Weltagrarberichts (IASSTD) und wurde 2013 mit dem Right Livelihood Award ("Alternativer Nobelpreis") ausgezeichnet.

Böden sind eine der zentralen Lebensgrundlagen. Erosion und Flächenversiegelung bedrohen diese essenzielle Ressource. Böden sind lokal und werden lokal bewirtschaftet. Zugleich aber ist nachhaltiges Landmanagement eine der zentralen globalen Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung, insbesondere für die Ernährungssicherung einer wachsenden Weltbevölkerung. 2015 wurde daher von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr der Böden“ erklärt.

Zudem sollen die bisherigen Millenniumsziele im September 2015 auf der UN-Vollversammlung durch Sustainable Development Goals (SDGs) abgelöst werden, bei denen Ernährungssicherung und nachhaltige Landwirtschaft eine zentrale Rolle spielen werden.

Dr. Hans Rudolf Herren, Träger des Alternativen Nobelpreises 2013, referierte im Rahmen dieser übergeordneten Thematik in Tutzing zum Thema Food Security, Sustainable Land Management and Agriculture. Dabei stellte er Strategien und Maßnahmen vor, die zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele in diesem Themenfeld beitragen können.

Zusätzlich stellte Dr. Christine Chemnitz, Heinrich- Böll-Stiftung, den neuen „Bodenatlas“ vor, der aktuelle Daten und Fakten zur weltweiten Boden- und Landnutzung enthält.

 

 Münchner Forum Nachhaltigkeit

Veranstalter / Initiatoren

  • oekom e.V.
  • Selbach-Umwelt-Stiftung
  • Schweisfurth-Stiftung

Kooperationspartner

  • Bürgerstiftung
    Zukunftsfähiges München
  • Die Umwelt-Akademie e.V.
  • Hochschule für angewandte Wissenschaften - FH München
  • Ringvorlesung Umwelt
    der Studentischen Vertretung der TU München

 

 "Endspiel – Wie wir das Schicksal der tropischen Regenwälder noch wenden können" - Der neue Bericht an den Club of Rome

Dienstag, 19. Mai 2015

Referent: Dr. Claude Martin

Für die einen sind sie Paradiese, andere sprechen noch immer von der „grünen Hölle“. Kaum ein Lebensraum löst so viel Faszination aus und ist gleichzeitig so bedroht: Rinderherden, Ölpalmplantagen und der Raubbau von Tropenholz nehmen die Regenwälder von allen Seiten in die Zange.

Claude Martin fasste den aktuellen Status quo im neuen »Bericht an den Club of Rome« zusammen, der am 21. Mai in Berlin in seiner deutschen und englische Fassung veröffentlicht wurde. Für Martin findet aktuell am Äquator ein dramatisches Finale statt – ohne dass jemand wirklich weiß, wie es ausgehen wird.

„Der Bericht ist ein Weckruf, der uns allen die globalen Gefahren, die von der fortschreitenden Zerstörung ausgehen, und die Konsequenzen für unseren Planeten klar vor Augen führt“, so die Präsidenten des Club of Rome in ihrem Geleitwort. „Er stellt aber auch jüngste positive Entwicklungen heraus und skizziert eine Reihe notwendiger Maßnahmen, die es auch künftigen Generationen ermöglichen würden, sich an der Magie unberührten Regenwaldes zu erfreuen.“
Der Schweizer Biologe und Umweltschützer Dr. Claude Martin hat in Tropenwäldern von Indien und Afrika geforscht und Nationalparks geleitet. Danach war er Geschäftsführer des WWF Schweiz und von 1993 bis 2005 Generaldirektor des WWF International.

Unter seiner Amtszeit entwickelte sich der WWF zur weltweit größten Naturschutzorganisation.

 

 

Blühende Geschäfte - Über den weltweiten Handel mit der Blume und Alternativen zum Massenmarkt

Freitag, den 17. April 2015

Referentin: Silke Peters (Fachautorin ud Expertin für Umwelt- und Sozialstandards)

Wann haben Sie das letzte Mal Blumen gekauft? Jetzt zu Ostern? Am Valentinstag? Oder einfach mal zwischendurch? Blumen haben immer Saison: In dunklen Wintertagen erfreuen sie uns durch ihre Farben, im Frühjahr künden sie vom Wiedererwachen der Natur; als Geschenk sind Blumen ohnehin zu jeder Zeit passend.

Doch was wissen wir eigentlich über die bunte Pracht, über die Bedingungen ihres Anbaus oder das Land ihrer Herkunft? Ist der Tulpenstrauß aus dem Supermarkt wirklich eine uneingeschränkte Freude, was ist von den Nachhaltigkeitslabeln zu halten, die ungetrübten Genuss versprechen, oder gibt es attraktivere Alternativen beim Floristen um die Ecke? Zertifizierungen gemäß bestimmter Umwelt- und Sozialstandards sind ein möglicher Weg, um Veränderungen in Gang zu bringen – aber sie sind bei weitem nicht der einzige.

Auf der Basis persönlicher Erfahrungen und langjähriger Berufspraxis gewährte die Referentin des Abends Einblicke in den internationalen Handel mit Blumen und Zierpflanzen. Silke Peters ist Regionalwissenschaftlerin für Lateinamerika. Sie war jahrelang Geschäftsführerin des Flower-Label-Programms, einer Schnittstelle zwischen Blumenanbau und -handel, Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften. Ihre Tätigkeit führte sie auf Plantagen in Afrika, Europa und Lateinamerika. Heute arbeitet sie als Fachautorin und Expertin für Umwelt- und Sozialstandards.

 

 

Freiwillig draufzahlen oder politisch umsteuern? Warum nachhaltiger Konsum die richtigen Rahmenbedingungen braucht

in Kooperation mit der  FÖS-Regionalgruppe München

Montag, 23. April 2015

Referent: Jakob Schoof

Im Zeitalter billigen Öls sind die Preise weiter denn je davon entfernt, die ökologische Wahrheit zu sagen. Zugleich glauben viele Zeitgenossen, allein durch ökologisch und sozial verantwortlichen Konsum die Welt verändern zu können. Damit legen sie ihre Hoffnung paradoxerweise in eine Verhaltensweise, die im ökonomischen Vergleich immer unattraktiver wird.

In seinem Vortrag plädierte Jakob Schoof für eine alternative Sichtweise: Ökologisches Umsteuern ist nicht nur eine Aufgabe des Einzelnen, sondern auch der Politik. Sozialwissenschaftliche Studien zeigen, dass allenfalls ein Drittel der Bevölkerung zu einem wirklich umweltbewussten Verhalten bereit ist, und auch diese Minderheit ist unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stets Anreizen zu ökologischem „Fehlverhalten“ ausgesetzt. Nur wenn Umweltverschmutzung wirklich teurer wird und die Politik zugleich für sozialen Ausgleich sorgt, kann ökologischer Konsum mehr sein als ein Feigenblatt zur privaten Gewissensberuhigung. Der Vortrag zeigte Denkansätze auf, wie ein solches finanzpolitisches Umsteuern gelingen könnte.

 

 In Koopertation mit: 

 

Wissenswertes

Die Umwelt-Akadmie tritt  Aktionsbündnis „Artgerechtes München“ bei

Startschuss für das Aktionsbündnis „Artgerechtes München“

Auf der Pressekonferenz im Presseclub München gaben das Tollwood Kulturfestival und seine über 140 Bündnispartner am 19. Mai 2015 den Start für den Zusammenschluss zum Aktionsbündnis „Artgerechtes München“ bekannt.Ziel des Bündnisses ist, dass sich die Landeshauptstadt München per Stadtratsbeschluss dazu verpflichtet, in ihrem Wirkungskreis zukünftig nur noch Produkte einzusetzen bzw. zuzulassen, die nachweislich aus artgerechter Tierhaltung stammen: Dies beträfe alle städtischen Kantinen, alle städtischen Einrichtungen – Krankenhäuser, Kultureinrichtungen etc. –, alle städtischen Empfänge sowie öffentliche Veranstaltungen, bei denen die Stadt München Hausherrin ist, z.B. das Stadtgründungsfest, die Auer Dulten, den Christkindlmarkt und das Oktoberfest.

Stephanie Weigel, Leiterin der Tollwood-Umweltabteilung: „Die Unterstützung des Aktionsbündnisses durch namhafte Vertreter der Stadtgesellschaft, aber auch der Münchner Bürgerinnen und Bürger ist schon jetzt überwältigend und wir stehen erst am Anfang. Die Zeit ist reif, der Münchner Stadtrat muss seiner Verantwortung gerecht werden und ein Zeichen setzen: Für ein artgerechtes München. Für uns. Für Bayern.“

Auf der Pressekonferenz erläuterten hochrangige Experten der Branche und gleichzeitig Bündnispartner seine Notwendigkeit:                                             

Karl Ludwig Schweisfurth, Metzgermeister und Unternehmer, sprach über die „Symbiotische Landwirtschaft“, die den Erhalt kleinbäuerlicher Strukturen und den achtsamen Umgang mit den Tieren zum Ziel hat und seine persönlichen Erfahrungen: „Das Leben findet nur in Symbiosen statt. Es ändert sich nur zusammen.“
Dr. Rupert Ebner, Tierarzt, Mitglied des Vorstandes von Slow Food Deutschland, Mitorganisator der Demo „Wir haben es satt“ und seit 1.9.2014 Umweltreferent der Stadt Ingolstadt, erläuterte die Haltungsbedingungen in der industriellen Intensivtierhaltung, den dortigen Antibiotika-Einsatz sowie die gesundheitliche Gefahr durch multiresistente Keime: „Das Thema Landwirtschaft gehört in die Stadt, weil die Stadt vom Land lebt. Essen und Ernährung sind zentrale politische Themen“.

Josef Schmid, Landwirt und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. – Landesverband Bayern (AbL), erläutert die Situation der Landwirte in Bayern und begründet, warum kein Weg an einer sozial- und umweltverträglichen Landwirtschaft in Bayern vorbeiführt. „Landwirtschaft ist mehr als ein wirtschaftliches Unternehmen!“

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Staatsminister a. D. und Professor für Philosophie und politische Theorie an der Universität München, sprach abschließend über die ethische Dimension des Themas. „Bei allen Unterschieden der moralischen Beurteilung sollte der Mindestkonsens die artgerechte Tierhaltung sein!“

Warum braucht München ein Aktionsbündnis? Industrielle Intensivtierhaltung ist gesundheitsgefährdend, tierquälerisch, unsozial, umweltbelastend, unnötig – und unerwünscht. Bäuerliche Betriebe verlieren zunehmend den Kampf gegen Agrarfabriken. Auch in Bayern.
Gesundheitsgefährdend: Industrielle Tiermastanlagen sind eine Brutstätte für gesundheitsgefährdende, multiresistente Keime, gegen die oft keine Antibiotika mehr helfen. Tendenz steigend.
Tierquälerisch: Der Großteil der Nutztiere fristet ein erbärmliches, kurzes und leidvolles Leben in industrieller Intensivtierhaltung.
Umweltbelastend: Ein Drittel des Grundwassers in Bayern ist in schlechtem Zustand. Der Hauptgrund dafür ist die hohe Belastung mit Nitrat aus der landwirtschaftlichen Gülle – ein Stoff, der im Körper in krebserregendes Nitrit umgewandelt werden kann.
Unsozial: Deutschland hat sich längst zum „Billig-Schlachthaus Europas“ gewandelt. Stundenlöhne von de facto 5 Euro sind keine Seltenheit.
Heile Welt Bayern? Von wegen. Auch in Bayern sind die Weichen gestellt: Bei der Anzahl der beantragten und genehmigten Tierhaltungsplätze für Masthähnchen und Schweine liegt Bayern weit vorne in Deutschland.

Ist die Umstellung auf artgerechte Tierhaltung finanzierbar?
Eine Umstellung auf artgerechte Tierhaltung ist finanzierbar: Ein von Tollwood im Februar 2015 in Auftrag gegebenes, unabhängiges Gutachten von a’verdis kommt zu dem Schluss, dass die Mehrkosten für den Einsatz von Produkten aus artgerechter Haltung im Kinderbetreuungs- und Kantinenbereich unter 10 Prozent liegen würden, bei Empfängen und Großveranstaltungen zwischen 10 und 20 Prozent.

Was wollen die Münchnerinnen und Münchner?
Eine von Tollwood im Herbst 2014 in Auftrag gegebene TNS Emnid-Umfrage ergab: 75 Prozent der Einwohner Münchens würden eine derartige Selbstverpflichtung der bayerischen Landeshauptstadt begrüßen – noch mehr, nämlich 85 Prozent sind bereit, den dafür erforderlichen Mehrpreis zu bezahlen.
Mitmachen beim Aktionsbündnis „Artgerechtes München“ kann jeder. Eine Unterstützung ist ab sofort möglich unter www.artgerechtes-muenchen.de

 

 

 

 

 

 

 

Fotos:  Bernd Wackerbauer

Der erste verpackungsfreie Supermarkt für München

Hannah Sartin - Mama, Schneidergesellin und Lebensmittelfan - und Carlo Krauß - Papa, Skater und Ingenieur - wollen den ersten Supermarkt in München eröffnen, der unverpackte Bio Lebensmittel anbietet und alles, was man für den unverpackten Einkauf braucht (z. B. Bügelgläser und
-flaschen, Stoffbeutel, Leihgläser und -flaschen).

Zu diesem Zweck habe die beiden Initiatoren ein Crowd-Funding Projekt gestartet.
www.startnext.com/ohne-verpackungsfrei-muenchen

Mit der Überzeugung, dass unverpacktes Einkaufen eine simple Möglichkeit für aktiven Umweltschutz bietet, befürwortet die Umwelt-Akademie dieses Projekt.

Wenn Sie Interesse an diesem Projekt haben, können Sie unter dem oben angegebenen Link weitere Informationen finden.

 

Intern

Dr. Helmut Paschlau  - neuer Energieberater in der Energiekommission der Stadt München

Dr. Helmut Paschlau, Vorstand der Umwelt-Akademie wurde zum Energieberater der Energiekommission der Stadt München ernannt.

Damit gehört er zu den vier externen Sachverständigen, die jeweils für die Dauer der laufenden Stadtratsperiode durch die Vollversammlung des Stadtrats in die Kommission berufen werden.

Die Energiekommission berät den Münchner Stadtrat in energiewirtschaftlichen sowie energie- und umweltpolitischen Angelegenheiten und zeichnet sich somit für die zukünftige Gestaltung der Stadt München in den wesentlichen Fragen zu Energie mit verantwortlich.

Dr. Helmut Paschlau

Vorstandsmitglied Dr. Helmut Paschlau ist neuer Sachverständiger der Energiekommission der Stadt München.

Wir sind umgezogen!

"Befindet sich das Leben im Lauf - nimmt man gern einen Umzug in Kauf" - besser läßt sich die Entwicklung der Umwelt-Akademie nicht zusammenfassen.

Die Umwelt-Akademie ist in den letzten Jahren in jeder Hinsicht gewachsen: wir haben zahlreiche neue Projekte initiiert und erfolgreich umgesetzt, die Anzahl unserer Veranstaltungen auf hohem Niveau stetig gesteigert, in engagierten Kooperationen viel erreicht und kontinuierlich neue Mitstreiter und Gleichgesinnte gewonnen. Aber natürlich erfordert diese Entwicklung mit einem erheblichen Zuwachs an täglicher Arbeit das verstärkte Engagement von Vorstand und Geschäftsstelle - und mehr "Manpower" (bzw. auch "Woman-Power) bedeutet mehr Platzbedarf. Deshalb haben wir uns entschlossen, neue Räumlichkeiten zu beziehen.

Seit dem 18. Mai 2015 finden Sie uns in der:

Bäckerstraße 4
81241 München
1. OG

Telefonnummer, E-Mail-und Web-Adresse ändern sich natürlich nicht.

Wir freuen uns auf das neue Umfeld und die kommenden Monate mit vielen interessanten Projekten und Veranstaltungen.

 

 

Buch- und Filmempfehlungen/Neuerscheinungen

 

Energiewende zu Ende gedacht - Was denn sonst?

von Ulf Bossel, 156 Seiten, ISBN 3033047734

"Die Energiewende betrifft alle. Wir müssen den physikalisch bedingten Wandel begreifen und zielstrebig hinter uns bringen. Dieses Buch beschreibt die Ziele für den Wandlungsprozess. Seit 1972 befasse ich mich mit der Gestaltung der Energiezukunft. Damals postulierte man eine Welt „ohne Erdöl und Uran“. Seit 1978 kennt man dieses Ziel als „Energiewende“. Ich habe mich ernsthaft mit Sonnenenergie, Windenergie, Biomasse, Nullenergiehäusern, Elektrofahrzeugen, rationeller Energienutzung befasst und zu diesen Themen viele Berichte geschrieben und. Tagungen organisiert. Seit 1987 beschäftige ich mich mit Brennstoffzellen, mit denen ich heute in Verbindung gebracht werde. Die Notwendigkeit zur Schaffung einer auf erneuerbaren Energiequellen aufbauenden Energieversorgung wird jetzt verstanden. Für die Durchführung der notwendigen Wende fehlt meines Erachtens oft der erforderliche Weitblick. Mit physikalischer Begründung und logischen Folgerungen versuche ich, den Zustand nach der Wende zu beschreiben, damit die Wendeziele klar erkennbar sind und der Wendeprozess zielstrebig vollzogen werden kann. Die Energiewende ist ein physikalisch notwendiger Wandel, den wir zügig hinter uns bringen müssen. Dieses Buch könnte uns dabei helfen." Ulf Bossel


Der Zukunftsforscher Lars Thomsen hat sich so zum Buch geäussert:
„Mir gefällt Ihr Buch außerordentlich gut! Selten habe ich in so kompakter, dichter und verständlicher Form die wesentlichen Aspekte der Energie beschrieben gefunden. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht das Buch zu lesen, und auch ich habe noch einiges Neues lernen können. Vielen Dank, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, dieses wichtige und lesenswerte Buch zu verfassen.“

 

 Energiewende zu Ende gedacht - Was denn sonst? by Ulf Bossel

Es reicht! Abrechnung mit dem Wachstumswahn

Serge Latouche, mit einem Vorwort von Niko Paech, 208 Seiten, ISBN 978-3-86581-707-5, auch als E-Book erhältlich

In seinem Buch "Es reicht!" präsentiert die Gallionsfigur der französischen Wachstumskritik, Serge Latouche, ein Politik-Programm jenseits des Wachstums. Ein provokantes Plädoyer für Suffizienz, Einfachheit und bescheidene Fülle.
Leise Töne sind seine Sache nicht, auch nicht im Alter von über 70 Jahren. Ex-Präsident Sarkozy verglich seine Degrowthbewegung Décroissance schon einmal mit Terrorismus – zu Unrecht, denn gewaltsame Veränderungen sind Serge Latouche fremd. Was er hingegen liebt, ist die wortstarke Provokation, und so fordert er in seinem Buch "Es reicht! Abrechnung mit dem Wachstumswahn" (ET 16.03) nichts anderes als eine radikale "Absage an die Religion der Ökonomie". Seine Abrechnung ist heftig, aber nie apokalyptisch. Ganz im Gegenteil gelingt es Latouche in seinem Buch, eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen.

"Degrowth oder Barbarei" – so kommentiert der Autor den unbequemen Stand der Dinge und legt in seinem Buch eine akribische Begründung dieser Parole vor. Dabei geht es um weit mehr als eine wachstumskritische Reinterpretation des Nachhaltigkeitsbegriffs. Wachstumskritik bedeutet für Latouche immer auch, sich gegen ein wirtschaftliches Gesamtsystem aufzulehnen, das auf nicht gerechtfertigter Bereicherung beruht. "Es reicht!" plädiert nachdrücklich für einen politischen und wirtschaftlichen Mix aus Schrumpfung und Regionalisierung sowie die Übertragung aller echten Kosten auf die Verursacher "ökologischer und sozialer Funktionsstörungen", die Unternehmen. Ein wichtiges Buch für alle, die sich in der Umweltpolitik oder als politische AktivistInnen engagieren – und für alle, denen es reicht, Wachstum als "alternativlos" präsentiert zu bekommen.

"Wissenschaftlich analytischer Scharfsinn trifft auf eine politische Kritik, die sich nicht vor einer aufrührerischen Attitüde scheut. Theoretische und empirische, weit über den Tellerrand einzelner Disziplinen hinausreichende Beschlagenheit verbindet sich mit einer verständlichen, nicht selten sogar humorvollen Sprache. Diese Publikation ist nicht nur angesichts ihrer inhaltlichen Substanz von immenser Bedeutung, sondern weil sie die hiesige Wachstumsdebatte um erhellende Einblicke in die französische Behandlung desselben Themas bereichert". Niko Paech (Vorwort)

 

 

 

Buen Vivir. Vom Recht auf ein gutes Leben

von Alberto Acosta, 208 Seiten, ISBN-13: 978-3-86581-705-1

"Sumak Kawsay", auch bekannt als "Buen vivir" – "das gute Leben" – ist eine Lebensanschauung der indigenen Andenvölker, die in den letzten Jahren vermehrt internationale Aufmerksamkeit erregt. Der Grund dafür liegt in der Aufforderung lateinamerikanischer Politiker, zentrale Aspekte dieser Lebensweise auch in industrielle Gesellschaften zu integrieren. Dass das "Buen Vivir" 2008 Eingang in die ecuadorianische Verfassung fand, ist vor allem Alberto Acosta zu verdanken. In seinem Buch "Buen vivir. Vom Recht auf ein gutes Leben" (ET 02.04) setzt sich der Ökonom und ehemalige Energieminister Ecuadors intensiv mit dem Konzept des guten Lebens auseinander und geht der Frage nach, wie es für eine solidarischere und demokratischere Lebensweise sorgen kann.

Während unser Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell die planetarischen Grenzen immer stärker gefährdet, haben die sozio-ökonomischen Ungleichheiten trotz einem beachtlichen BIP-Zuwachses in den letzten Jahrzehnten national wie international zugenommen. Angesichts der vielfältigen Krisen in der globalen Ordnung zieht die Debatte über den notwendigen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft immer weitere Kreise. In Lateinamerika ist der Diskurs über Alternativen zum Neoliberalismus eng mit dem indigenen Konzept des "Buen vivir" verbunden. Es betrifft einen tiefgreifenden Wandel und Wege zur zivilisatorischen Veränderung und entspringt im Kern einer Gemeinschaft von Völkern, die in Harmonie mit der Natur leben. "Buen vivir" zielt aber nicht nur auf ein Leben im Einklang mit der Natur und allen Geschöpfen, es bedeutet auch konkret eine neue "Ethik der Entwicklung", es fordert ein soziales und solidarisches Wirtschaften und eine Abkehr von Wirtschaftswachstum als zentralem Entwicklungskriterium.

Als Präsident der verfassungsgebenden Versammlung war Alberto Acosta maßgeblich daran beteiligt, dass die Grundsätze des "Buen vivir" als Staatsziel in die Verfassung Ecuadors aufgenommen wurden. Aufbauend auf diesen Erfahrungen erläutet er in seinem Buch das Potential des "Buen Vivir" als Ausgangspunkt für einen gesellschaftlichen Gegenentwurf zum vorherrschenden Entwicklungsmodell. Sein radikales Plädoyer für eine Redefinition des Verhältnisses zwischen Mensch und Natur geht dabei weit über die bloße Kritik am Konzept der Entwicklung hinaus. Es liefert Denkanstöße, die auch die hiesigen Debatten um Postwachstum, Degrowth und die Frage, wie wir künftig leben wollen, befruchten können.

 

 

Wachstum oder Nachhaltigkeit. Die Ökonomie am Scheideweg

Gerhard Scherhorn, mit einem Vorwort von Johannes Hoffmann, Erkelenz 2015 (= Geld & Ethik 3), ISBN 978-3-932483-35-6, 432 Seiten

Das zentrale Problem der Menschheit heute ist der Substanzverzehr, seine Ursache die Fixierung der Politik auf Wirtschaftswachstum. Die Lösung liegt im Gegenteil der Wachstumspolitik, in der Politik der Nachhaltigen Entwicklung. Diese Politik lässt die nachhaltigere Produktion in den Grenzen des Substanzerhalts wachsen und die weniger nachhaltige schrumpfen. Sie wird erst gelingen, wenn nicht mehr Wachstum, sondern Nachhaltigkeit das Ziel der Wirtschaftspolitik ist. Das erfordert eine neue Verantwortlichkeit für die Gemeingüter. Und es ist durchsetzbar, wenn die Sozialbindung des Eigentums auf das Kapitaleigentum ausgedehnt wird.

Die zum 80. Geburtstag des Sozialökonomen Gerhard Scherhorn hier gesammelten Aufsätze aus seiner Feder verbindet die Erkenntnis, dass die Zukunftsfähigkeit der Menschheit von der Ökonomie ein anderes Menschenbild, eine andere Vorstellung von den Bedürfnissen, vom Kaufen und Arbeiten, von den Gemeingütern und vom Wirtschaftswachstum fordert; zudem dass diese Veränderungen eine Öffnung der Ökonomie für transdisziplinäre Kooperationen mit anderen Wissenschaften erfordern und dass sie – allesamt schon auf den Weg gebracht – jetzt kräftigen Rückenwind brauchen.

Der Band wird von der Forschungsgruppe Ethisch-Ökologisches Rating in ihrer Reihe „Geld & Ethik“ herausgegeben.

Gerhard SCHERHORN lehrte 1966–1975 Volkswirtschaftslehre in Hamburg und 1975–1998 Konsumökonomik in Stuttgart. Seit 1996 arbeitet er im Wuppertal Institut für Klima Umwelt Energie, bis 2003 als Direktor der Arbeitsgruppe „Neue Wohlstandsmodelle“, danach der  Forschungsgruppe „Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren“, heute als Senior Consultant. Er war Mitglied u. a. im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, im Verbraucherbeirat beim Bundesminister für Wirtschaft, im Verwaltungsrat
der Stiftung Warentest, im Vorstand der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und Mitherausgeber des „Journal of Consumer Policy.

 

 

Schlusskonferenz. Geschichte und Zukunft der Klimadiplomatie

Nick Reimer, mit einem Vorwort von Hartmut Graßl, einem ausführlichen Glossar und einer Chronologie aller Klimakonferenzen. 208 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-86581-746-4, auch als E-Book erhältlich

Rio, Kyoto, Kopenhagen – und jetzt Paris. Im Dezember soll ein neuer Weltklimavertrag geschlossen werden, ein Vertrag über das Ende des fossilen Zeitalters. Aber geht das? Warum soll in Paris gelingen, woran viele Vorgängerkonferenzen zuvor scheiterten? Ein neues Buch nimmt die aufschlussreiche Geschichte der Klimakonferenzen ins Visir – und zeigt, mit welch einschneidenden Folgen wir rechnen müssen, wenn die Verhandlungen auch in Paris scheitern.

Es ist die letzte Chance, das globale Klimaproblem doch noch diplomatisch in den Griff zu bekommen: Im Dezember 2015 soll auf dem Weltklimagipfel in Paris ein neuer Weltklimavertrag unterschrieben werden, der erstmals alle Staaten der Welt zur Reduktion ihrer Treibhausgase verpflichtet. Ein Vertrag, der 100 Milliarden Dollar jährlich aus den Industriestaaten in den Süden transferieren, fossiles Wirtschaftswachstum verbieten und die Macht der Energie- und Industrielobby beschneiden soll. Seit 20 Jahren arbeitet die internationale Staatengemeinschaft an einer gemeinsamen Lösung für das Klimaproblem – und kommt doch kaum voran. Die Klimadiplomaten wollten auf der letzten Vertragsstaatenkonferenz Ende 2014, der COP 20 in Lima, die Fundamente für den Weltklimavertrag von Paris legen. Nach langem Gefeilsche um Formulierungen und Wortlaute einigte man sich schließlich auf einen vierseitigen Kompromiss. Vier Vertragsseiten, um die Zukunft zu gestalten?

Nick Reimer berichtet seit 1995 über die Klimakonferenzen. In seinem neuen Buch "Schlusskonferenz. Geschichte und Zukunft der Klimadiplomatie" (ET 4.6.15) lässt der renommierte Umweltjournalist 25 Jahre Klimadiplomatie Revue passieren. Dabei wird nicht nur verständlich, warum es bislang trotz vieler Jahre Verhandlungen zu keiner globalen Einigung gekommen ist, sondern auch, vor welchen Herausforderungen die Verantwortlichen in Paris stehen. Die COP 21 wird nicht nur darüber entscheiden, ob sich die Erderwärmung noch aufhalten lässt; in Paris entscheidet sich, ob die Demokratie grundsätzlich in der Lage ist, die Menschheitsprobleme des 21. Jahrhunderts zu lösen. Scheitern die Delegierten, könnte das kommen, was am Ende einer jeden Epoche auf die Spezies Mensch zukam: Massenmigrationen, Verteilungskämpfe oder kriegerische Auseinandersetzungen. – In Paris findet das große Finale der internationalen Klimadiplomatie statt. Das kurzweilige und anekdotenreiche Buch liefert alles, was man dazu wissen muss. Ein spannendes Stück Zeitgeschichte und ein Fahrplan für Politik und Zivilgesellschaft über Paris hinaus.

Nick Reimer ist Journalist und Buchautor. Zehn Jahre lang war er Wirtschaftsredakteur der taz und dort zuständig für Klima und Energiethemen. Mit Toralf Staud schrieb er 2007 "Wir Klimaretter. So ist die Wende noch zu schaffen". Im Anschluss gründeten Reimer und Staud das Webportal klimaretter.info, für das sie 2008 den UmweltMedienpreis in der Kategorie Neue Medien erhielten.

 

 

 

   

Auszeichnungen

Bayerische Klima-Allianz PHINEO Wirkt Siegel http://www.un-dekade-biologische-vielfalt.de/ Umweltbildung Bayern UN_Dekade_Offizielles Projekt_2014 BNE-Auszeichnung www.landesstiftung.bayern.de

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