Editorial

Share Economy – oder: Ist Couch-Surfing nachhaltig?
Folgt der Lebensmittellüge nun die Nachhaltigkeitslüge bei Internet-start-ups?

 

Der tägliche CO₂-Ausstoß durch die Fahrt mit Autos ist gigantisch; immer neue, teure Hotels in den Innenstädten verdrängen kostbaren Wohnraum. Dabei wissen wir doch alle schon probate Mittel, um wenigstens eine Linderung dieser Probleme zu erreichen. Die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, und nur bei tatsächlichem Bedarf in ein Taxi steigen , in einer fremden Stadt bei Freunden übernachten.

Einige äußerst erfolgreiche Startup-Unternehmen haben es sich auf die Fahnen geschrieben, dies den Nutzern ihrer Dienste möglichst einfach zu machen. Man hat nicht in jeder Reisestadt einen Freund. Da ist es doch eine tolle Sache, wenn man per Internetportal airbnb jemandem empfohlen bekommt, bei dem man für kleines Geld übernachten kann. So nimmt man die Stadt unmittelbarer wahr als in einem abgegrenzten Hotel, spart viel Geld und lernt gleichzeitig noch Einheimische kennen. Umwelt und Geldbeutel freuen sich, das klingt doch sehr verlockend! Oder Sie kommen spätabends aus einer Bar, der letzte Zug ist bereits gefahren. Ein Taxi ist Ihnen zu teuer, da ist es doch bequem, von einem Fremden im Auto mitgenommen zu werden. Der ist dank Uber App auch schnell gefunden. Natürlich soll es nicht sein Schaden sein und er bekommt ein paar Euro als Entschädigung. Und wieder ist Geld gespart und ein weiteres Auto wurde nicht von einer Einzelperson genutzt.

Wie kann es dann sein, dass sich neben Hamburg, Berlin und München auch der amerikanische Staat und selbst Barack Obama persönlich so vehement gegen diese Innovationen wehren, ja, sogar das Anbieten von Privatwohnung oder Privattaxi unter Strafe stellen? Wieso sind wir von Die Umwelt-Akademie nicht hellauf begeistert angesichts dieser beiden internet-Initiativen?

Um dies zu verstehen, muss man sich ein wenig tiefgreifender mit der Anwendung des Begriffes „Nachhaltigkeit“ und den Geschäftsmodellen der genannten Anbieter auseinandersetzen. Die Übernachtung bei einem Freund mag unstrittig nachhaltiger sein gegenüber der Hotelübernachtung. Auch spontane Fahrgemeinschaften sind der Erhaltung der Umwelt zweifellos zuträglich. Und je mehr Menschen so handeln, desto besser!

Ein großes Plus also für Uber, airbnb & Co., Tochtergesellschaften von Google, Goldman Sachs, facebook und twitter. An jeder dieser vermittelten Transaktionen verdienen sie erheblich mit, spielen dabei aber nie die Rolle des sozial eingebundenen Arbeitgebers nach nationalem Recht. Sie vermitteln und bewerben „nur“ ,müssen sich keine Gedanken über den Verbleib  von Nutzern und Anbietern machen, es ist ihnen egal, ob die Fahrdienste-Anbieter angemessen entlohnt werden – ist ja auch kein Problem, wenn es um einen netten Nachbarn geht; wohl aber, wenn es sich um ein  neues wirtschaftliches Geschäftsfeld von Unternehmensgiganten dreht. Ein konstanter Geldstrom, von dem kein Cent Steuern an den deutschen Staat, in die Altersvorsorge oder Krankenversicherung der selbsternannten Taxifahrer fließt. Das kleine Zubrot nach Feierabend mag da unbedenklich sein, doch was, wenn der Lebensunterhalt durch das private Chauffieren bestritten wird? Keine gewerkschaftliche Vertretung, keine öffentliche Tarifbindung (damit sich alle Nutzer die Taxifahrt auch leisten können), kein Mindestlohn. Ein Beinbruch kann  den Fahrer, ein Unfall den Fahrgast ruinieren. Kein Verdienstausfall wird mehr ausgeglichen, im Alter kommt keine Rente mehr, weil nicht eingezahlt wurde. Und auch an die arbeitslosen, weil bei Dumpingpreisen nicht konkurrenzfähigen beruflichen Taxifahrer wird dabei kein Gedanke verschwendet. Sie werden sogar von Uber offiziell als Gegner gesehen und als „veraltete europäische Wirtschaftsstruktur“ angegriffen. Dass der Konzern gerne schmutzige Tricks einsetzt und sich von gegen sie gefallene Gerichtsurteile nicht abhalten und von Verboten nicht schrecken lässt, zeigten zuletzt die durchgesickerten Pläne, Uber-kritische Journalisten mit Schmutzkampagnen in den Dreck zu ziehen.

Genauso die zunehmende Mode, per Airbnb die Wohnung an Fremde zu vermieten. Natürlich ist selbst bei geringen Übernachtungskosten die eigene Miete in nur wenigen Tagen pro Monat wieder in der eigenen Tasche. Hamburg und München haben  einen großen Wohnungsmangel zu beklagen, die Mieten sind drastisch gestiegen. Diese Not wurde noch durch ganze Wohnblocks befeuert, die ausschließlich an Airbnb-Nutzer illegal vermietet wurden; denn das „bringt mehr“ als die Vermietung an klassische Mieter; und das machen dann ja nicht nur Mieter Maier und Mieterin Müller, sondern große Wohnungsgesellschaften; gezielte „Entmietung“ ganzer Stadtviertel kann das genannt werden. Nachhaltige Stadtentwicklung ist da ausgeschlossen. Falls man bei der illegalen Vermietung erwischt wird, muss man sich übrigens keine Sorgen machen: Airbnb zahlt seinen Nutzern gerne die Strafe, um nicht aus dem Geschäft gedrängt zu werden, ebenso Uber.

Nachhaltigkeit ist das genaue Gegenteil, beinhaltet es doch eine langfristig positive ökologische, ökonomische und soziale Entwicklung. Zwei Beispiele für missbräuchlich monetarisierte nachhaltige Ideen also, die zum Nachdenken mahnen, nicht alles, was über das Internet „hip“ daherkommt ist auch gesellschaftlich verträglich, nachhaltig. Über solche schwarzen Schafe aufzuklären und mögliche Alternativen aufzuklären, ist eine der wichtigen Aufgaben der Umwelt-Akademie.

Die Kapitalinteressen der ganz ganz Großen werden stärker, sie versuchen, die share-economy-Initiativen zu übernehmen, es lockt viel Gewinn. Der weltbekannte amerikanische Zukunftsforscher Jeremy Rifkin sagt im Interview mit der ZEIT vom 04.12.2014: „Ich bin sicher, dass in allen Städten solche Kooperativen entstehen. Fahrer tun sich zusammen, gehen mit einer eigenen website online… Es wäre doch absurd, wenn die Fahrer weiter für Uber führen, obwohl sie doch genausogut eine leicht zu organisierende Kooperative aufmachen könnten – und dann die Einnahmen untereinander verteilen, statt sie Uber zu überweisen… Durch PS und Carsharing kann man dieselbe Mobilität mit 80% weniger Autos erreichen; und die verbleibenden 20% werden mit erneuerbarem Strom gefahren… Und im Fall des Couchsurfings gibt es immer noch Millionen von Menschen, die kostenlos ihre Wohnung teilen…“.   

 Michael Greza

 

 

 

 

 

 

 

 

Michael Greza engagiert sich als Praktikant für die Umwelt-Akademie.

Themen-Schwerpunkte

 

Werteregulierte Marktwirtschaft

 

Ausblick

Stadtplan der guten Dinge: Nachhaltige Lebensstile in München

in Kooperation mit dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft

Dienstag, 10. Februar 2014, 19:00 Uhr, münchner zukunftssalon, Waltherstr. 29, Rgb., 2. Stock (Haltestelle Goetheplatz U-Bahn U3/U6)

Referenten: Daniel Überall (Kartoffelkombinat, Stadtimker, anstiftung&ertomis)

Ein verantwortungsvoller Lebensstil als Gegenentwurf zu Kaufrausch und Wegwerfmentalität liegt im Trend. Immer mehr Menschen entscheiden sich gegen billig produzierte Ware und greifen zu regionalen Produkten aus ökologischer Herstellung. Für eine neue Generation der nachhaltigen Konsumenten ist der Einkauf im Bioland nicht mehr das Wichtigste – es geht auch um die neue Lust am do-it-yourself, um das Abenteuer Handmade, um ein neues Kräfteverhältnis zwischen Verbrauchern und Konsumenten. Der „Pro-sument“ möchte nicht nur passiv darauf warten, was ihm geliefert wird, sondern er möchte selbst teilnehmen – und die Welt in seinem direkten Umfeld zumindest ein bisschen besser machen; sei es durch die Veranstaltung von Kleidertauschpartys, beim urbanen Gemüseanbau im Gemeinschaftsgarten oder bei der Elektroschrottvermeidung im Repair Café.

Etliche Startups vom Gemüse-Lieferdienst mit Lastenrad über Urban-Farming-Projekte bis hin zum Imker-Team von München summt sind in dieser Atmosphäre des „Tuns“ in den vergangenen Monaten entstanden. Daniel Überall ist ein typischer Protagonist dieser Generation. Der ausgebildete Kommunikationswirt wirkte beim Aufbau der Online-Plattform Utopia mit, widmete sich dem Aufbau der Biobauernhof-Genossenschaft Kartoffelkombinat, produzierte als Stadtimker eigenen Honig und heuerte bei der Stiftung anstiftung & ertomis an, um sich für nachhaltige Projekte einzusetzen.

Von ihm werden wir mehr über den Alltag der neuen Bewegung erfahren. Wie organisieren sich die Menschen, die in München als Verbraucher Alternativen zum wachstumsorientierten Markt suchen? Wo produziert, konsumiert und tauscht diese Menschen mit nachhaltigen Lebensstilen ihre Waren – und was können wir davon übernehmen? Wie kommen wir aus der Nische raus, in den Mainstream rein?

Wissens- und Erfahrungsaustausch ist die Grundalge für einen nachhaltigen Lebensstil. In „idealistischen Salons“ und auf Online-Plattformen wie Grün&Gloria werden die Neuigkeiten ausgetauscht, wo man die – oft in kleinsten Mengen produzierten – regionalen Erzeugnisse erhält, wie man sich an einem Bürgerenergie-Projekt beteiligen kann oder wo der nächste Carrot Mob stattfindet. Und für viele Menschen geht es um die Frage: Wo finde ich entschleunigte Orte, um Zeit für mich zu haben.  

Daniel Überall wird einen kompakten Überblick über Münchens Initiativen nachhaltiger Lebensstile verschaffen, praxisnah berichten, wo man neue „Stadtverbesserer“ kennenlernt und welche Angebote bereits jetzt  jeder Münchner nutzen kann.

Dr. Ing. Peter H. Grassmann

  Für das Thema  
  „Werteorientierte
  Marktwirtschaft“ engagiert
  sich  unser Vorstandsmitglied
  Dr. Peter H. Grassmann.

 

 

 

 

In Koopertation mit: 

 

Rückblick

 

Wachstumswahn: Was uns in die Krise führte – und wie wir wieder herauskommen

in Kooperation mit dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, München (FÖS)

18. November 2014

Referenten

  • Dr. Christine Ax, Gründerin des Zukunftsrats, Büro für zukunftsfähige Entwicklung und Kommunikation, Hamburg
  • Dr. Friedrich Hinterberger, Gründer und Präsident des Sustainable Europe Research Institute (SERI), Wien; ehem. Leiter für Ökologische Ökonomie und Wirtschaftspolitik am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.


In Europa herrscht immer wieder Alarmstimmung, auf eine Krise folgt die nächste und die Antwort der Politik ist immer die gleiche: „Mehr Wachstum“. Gemeint ist der prozentuale Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP), die Summe aller produzierten Güter und Dienste – gemeint ist aber nicht ein Wachstum an Lebensqualität.

Man kann mit guten Argumenten bezweifeln – und wir haben dies in diversen Veranstaltungen getan –, dass heute mehr Wirtschaftswachstum zu mehr Wohlfahrt führe. Aufzuarbeiten galt, woher der „Wachstumswahn“ kommt; warum der Versuch, Wachstum zu erzwingen, uns nur tiefer in die Kreise führt.

Doch die Analyse begann mit der klaren Feststellung: Wir haben in Europa, in Deutschland, seit Jahren keine großen prozentualen Wachstums-Zuwächse mehr, das Wachstum des BIP vergangener Zeiten kommt nicht wieder. Und die Analyse zeigte ebenso klar, dass die bisherigen „Wachstumszwänge“ zu immer größeren Problemen geführt haben: Staatsschulden, (fast) Zusammenbruch des Welt-Finanzsystems, ungerechte Einkommens- und Vermögensverteilungen, unsichere Sozialversicherungssysteme, explosionsartig steigender Ressourcenverbrauch, Umweltprobleme aller Art, Erderwärmung und Klimawandel.

Zu klären ist, ob es ohne Wachstum überhaupt ginge? Ob wir einer Ideologie von Politik und Wirtschaft aufsitzen oder uns tatsächlich aus Wachstumszwängen lösen könnten. Wie das gehen soll, was wir dafür brauchen – und wie lange das dauern würde.

Die Referenten zeigten sich jedenfalls der Überzeugung, dass es möglich ist, unsere Wirtschaft und die Gesellschaft insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels so umzubauen, dass es uns allen auch ohne Wachstum gut geht: Wir werden auch in Zukunft (weniger) Arbeit haben, gut leben und tun dürfen, was wir lieben.

Viele, aber nicht alle der 85 Teilnehmer_innen waren gleicher Meinung, die Diskussion war teils hochemotional, die Verunsicherung und Ängste sind groß.

Vortrag Dr. Friedrich Hinterberger: Klicken Sie hier
 

„Werteorientierte Marktwirtschaft" - Veranstaltungsreihe 2014

Gefördert durch

 

 

 

 

 

 


 

Ökologische Ernährung

 

Rückblick

Von der Plantage bis in den Einkaufskorb: Die Wertschöpfungskette von Banane und Schokolade

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Referenten:

  • Friedel Hütz-Adams, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Südwind e.V. – Institut für Ökonomie und Ökumene in Siegburg, wird über die Wertschöpfungskette Banane sprechen
  • Jens Soth, Senior Advisor Value Chain Sustainable Commodities Organic & Fairtrade Competence Center, Helvetas, Zürich, wird uns die Wertschöpfungskette Schokolade vorstellen


Im Schnitt verspeist jeder von uns stolze elf Kilo Bananen und etwa neun Kilo Schokolade pro Jahr. Grund genug, sich den Weg von Kakao und Bananen von der Plantage in Mittel-/Südamerika oder Afrika bis zu uns nach Hause einmal genauer anzusehen. Dass beide weit gereist sind, bis sie hier uns hierzulande im Laden anlachen, ist klar. Aber wer denkt schon daran, durch wie viele Hände eine Banane gegangen ist, bevor Sie bei Ihnen auf dem Obstteller landet? Wie viele Schritte nötig sind, damit der Inhalt einer Kakaofrucht in Form von Schokolade unseren Gaumen und unser Herz erfreuen kann?

Die Wertschöpfungskette eines Nahrungsmittels beginnt beim Anbau des Rohstoffes und reicht über die Weiterverarbeitung und gegebenenfalls verschiedene Produktionsstufen bei Zulieferern oder dem Unternehmen selbst sowie über den Handel und Zwischenhandel bis in den Supermarkt oder Tante-Emma-Laden, wo wir es einkaufen, um es unterwegs oder zu Hause zu verzehren. Dabei steigt mit jedem Verarbeitungs- bzw. Handelsschritt der Preis des Endproduktes – für die jeweils aufgewendete Arbeitskraft sowie verbrauchte Ressourcen.

Das klingt logisch und einfach, hat aber seine Tücken: Teilweise werden Rohstoffe unter ökologischen Bedingungen angebaut, die für Mensch und Natur vor Ort katastrophale Folgen haben – ohne dass diese entsprechend entschädigt würden. Und auch die Marktmacht und die Gewinnmargen der einzelnen Beteiligten sind oftmals sehr ungleich verteilt. Je mehr Zwischenschritte von der Plantage bis in unseren Einkaufskorb ein Lebensmittel durchläuft, desto undurchsichtiger wird dessen Preis/Leistungs-Verhältnis. Als Kunden wissen wir in der Regel nicht, wie viel Prozent des Ladenpreises an den Bananenbauer in Costa Rica oder an den Kakaopflanzer in Ghana und der Elfenbeinküste gehen. Die Abhängigkeit der Kakaoerzeuger von den sogenannten Pisteurs zum Beispiel, wie die Kakaotransportunternehmer heißen, ist schändlich und führt zu reichlich unfairen Verhältnissen. Auch ob die Mannschaften auf den Bananenfrachtern angemessen bezahlt werden oder unter welchen Umständen die weiteren Schokoladenzutaten wie Milch(pulver), Sojalecithin und Zucker produziert werden, wissen wir kaum.

Vortrag Friedel Hütz-Adams: Klicken Sie hier

Vortrag Jens Soth: Klicken Sie hier



 „Ökologische Ernährung" - Veranstaltungsreihe 2014

Gefördert durch

 

 


 

Exkursion: Öko-Bauernhof Moorenweis

Samstag, 25. Oktober 2014

Exkursionsleiter: Georg Schweisfurth

Nach unserem sehr interessanten und lehrreichen Besuch in der Hofpfisterei führte uns die zweite Exkursion im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Ökologische Ernährung " zu einem besonderen Bauernhof: Wir besuchten den Bauern Johann Schamberger in Moorenweis, etwa 60 km westlich von München im Landkreis Fürstenfeldbruck.

Johann Schamberger ist nicht irgendein konventioneller Bauer, sondern einer der streitbarsten Verfechter einer auskömmlichen bäuerlichen Landwirtschaft - die in Bayern nach wie vor möglich ist. Er hat sich sein Lebenlang gegen die Geldgier und Irrationalität der Agro- und Lebensmittel-Grosskonzerne gestellt und sich auch gegen die unsinnige und fehlgeleitete EU-Förderpolitik aufgelehnt.

So erlebten wir einen umtriebigen Bauern, der zwar seinen Hof im Griff hat, aber tief in sich eine Unzufriedenheit verspürt, die er auf kraftvolle und unterhaltsame Art zu erklären in der Lage was.

Johann Schamberger versorgte uns zwischendurch mit einer einfachen Brotzeit, und wir hatten Zeit zum Debattieren und Hinterfragen.

 

 

Georg Schweisfurth

Für das Thema „Ökologische Ernährung“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied Georg Schweisfurth.

 

Die alltägliche Lebensmittellüge

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Referentin: Jutta Saumweber vom Referat „Lebensmittel und Ernährung“ der Verbraucherzentrale Bayern

Da staunt selbst der gut informierte Verbraucher: Wie kann es sein, dass in zwei bis auf die Farbgestaltung identisch aussehenden Camembert-Schachteln nur einmal auch echter Weichkäse drin ist, während in der zweiten Verpackung lediglich eine Weichkäsezubereitung, also nicht aufwendig gereift ist, enthalten ist?

Ganz einfach: Weil in Deutschland der Produktname – also das, was in Großbuchstaben vorne auf der Packung steht und uns zum Kauf animieren soll – nicht unbedingt mit der Produktbezeichnung – die sich, oft aus gutem Grund, hinten über der meist sehr klein gedruckten Zutatenliste befindet – übereinstimmen muss. Und diesen Umstand nutzt die Lebensmittelindustrie weidlich aus. Da ist der Kaffee in der schön gestalteten Verpackung zu 10% mit Zucker „gestreckt“, wodurch der Händler ganz nebenbei die Kaffeesteuer spart und seinen Gewinn um genau diesen Betrag erhöht. Beim vermeintlichen Frischkäse (der nur ganz bestimmte Zutaten enthalten darf und aus reiner Milch plus einem Dickungs-/Säuerungsmittel und evtl. etwas Salz bestehen muss und dann direkt verpackt wird) handelt es sich in Wirklichkeit um eine Frischkäse-Zubereitung, die ganz legal mit allerlei Zusatzstoffen und Streckmitteln wie pflanzliches Fett und Eiweißersatz „optimiert“ sein darf, die im echten Frischkäse nichts zu suchen haben. Das Pizzagewürz der Firma XY besteht aus echten Kräutern und Gewürzen, während das Pastagewürz derselben Firma seinen intensiven Geschmack in erster Linie aus Aromen, Zucker und Geschmacksverstärkern bezieht. Nur der Blick aufs Kleingedruckte offenbart den Unterschied. Häufig suggeriert die Art der Verpackung ein anderes, hochwertigeres Produkt, wie etwa beim vermeintlichen Feta-Käse, der nicht aus Schaf-, sondern Kuhmilch gemacht ist – für den Verbraucher ist das erst auf den dritten Blick zu sehen.

Diese „Werbelügen am Produkt“, so Frau Saumweber, begleiten uns beim Einkauf auf Schritt und Tritt. Viele Lebensmittelhersteller führen zwei Produktlinien: eine, wo der Produktname hält, was er verspricht, und eine – von der ersten optisch auf den ersten Blick kaum unterscheidbare –, wo dies nicht der Fall ist. Da hilft nur eines: Immer das Kleingedruckte lesen, also die Produktbezeichnung und die Zutatenliste. Sie offenbart oftmals Überraschendes: Die Edelnuss-Mischung enthält Aroma, ebenso die Dose Erbsen und Möhren. Natürlich wird auch bei der Zutatenliste – ganz legal – getrickst. Da die Zutaten in der Reihenfolge ihres prozentualen Anteils am Produkt genannt werden müssen und es sich beim gesundheitsbewussten Konsumenten nicht gut macht, wenn Zucker an erster Stelle steht, werden verschiedene Zuckerarten eingesetzt, die dann jede für sich unter ihrer eigenen Bezeichnung (z.B. Maltodextrin, brauner Invertzuckersirup, Gerstenmalzextrakt, Glukosesirup) viel weiter unten in der Liste auftauchen! Das war vielen Zuhörern nicht bewusst.

Erhöhte Vorsicht ist generell bei Produkten geboten, die mit Worten wie „Fitness“ beworben werden und den Eindruck erwecken, kalorienreduziert zu sein. Selbst wenn auf der Packung „weniger Zucker“ steht und dies auch der Wahrheit entspricht, so ist dieser doch in der Regel durch einen höheren Fettgehalt ersetzt worden. Beim fettreduzierten Joghurt ist es umgekehrt: Er enthält dafür mehr Zucker. Wo Kalorien pro Portionsgröße angegeben sind, sind die Portionsgrößen üblicherweise viel zu gering angegeben, so zum Beispiel beim Müsli: 50 Gramm essen die wenigsten, sondern eher 100 Gramm und mehr. Bei einem Test der Verbraucherzentrale entsprach also eine durchschnittliche Portion etwa dem Doppelten bis Dreifachen der Packungsangabe. Da wird mit der Psychologie des Menschen gespielt.

Immerhin soll das Einkaufen für Allergiker in Zukunft einfacher werden: Ab 13.12.2014 gilt eine neue Kennzeichnungspflicht für die 14 häufigsten und etwa 90% der Patienten betreffenden Lebensmittelallergene. Sie müssen ab sofort in der Zutatenliste hervorgehoben werden. Beim Bäcker, Metzger oder bei offenem Thekenverkauf müssen die Verbraucher jedoch nach wie vor gezielt nachfragen. Auch die Gastronomen müssen diese Allergene künftig kennzeichnen. Das ist aufwendig und so machen es sich viele leicht, indem sie einfach prophylaktische alle 14 angeben (z.B.: „Kann Spuren von Nüssen enthalten“), selbst wenn gar keins dieser Allergene im Essen enthalten ist.

Fazit: Es ist ausgesprochen ärgerlich, dass das geltende Kennzeichnungsrecht den Herstellern so viele Schlupflöcher zur Verbrauchertäuschung lässt, aber wer konsequent die Zutatenlisten liest und vergleicht, kann Schönfärbereien und falsche Versprechungen auf Lebensmittelverpackungen zumeist schnell entlarven. Unzureichende oder irreführende Kennzeichnungen können Sie dem vom Bundesministerium für Verbraucherschutz finanzierten Internetportal www.lebensmittelklarheit.de melden. Der Hersteller wird dann aufgefordert, den Missstand zu beheben – durchaus mit Erfolg.
Der beste Rat lautet jedoch nach wie vor: Meiden Sie – die zudem häufig überteuerten – industriellen Fertigprodukte. Kaufen Sie stattdessen frische Lebensmittel und möglichst wenig verarbeitete Monoprodukte, und kochen Sie wieder mehr selbst! Nur so haben Sie die Kontrolle darüber, was bei Ihnen auf den Tisch kommt.

 

 

Gesundheit und Eigenverantwortung

 

Rückblick

 

Traditionelle Chinesische Medizin und westliche Diagnostik  -  umfassende Versorgung für ein gesundes Leben

Dienstag, 4. November 2014

Referent: Prof. Dr. Carl-Hermann Hempen, Facharzt für innere Medizin – Naturheilverfahren, Medizinische Informatik, Chinesische Medizin, Akupunktur; Leiter des ersten TCM-Masterstudiengangs an der TU München

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) konnte sich in China und Ostasien seit mehr als 2.000 Jahren kontinuierlich entwickeln. Nach Westen kam diese Heilkunst vor ca. 350 Jahren als „Exotikum“ der Akupunktur. Erst seit ca. 50 Jahren gibt es eine ernsthafte Auseinandersetzung mit TCM in Form konsequenter Bearbeitung der Quellen und des erkenntnistheoretischen bzw. philosophischen Hintergrundes.

Die Chinesische Medizin ist ein eigenes Behandlungssystem, das den Patienten und seine Lebensenergie mit allen gängigen Lebensfunktionen wie Atmung, Verdauung, Körperbewegung und emotionale Vorgänge in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt.

Nach seiner fachärztlichen Ausbildung als Internist begann Prof. Dr. Carl-Hermann Hempen, sich intensiv  mit der Chinesischen Medizin auseinanderzusetzen. Er studierte viele Jahre in China, rief die die Internationale Gesellschaft für Chinesische Medizin (SMS) ins Leben, gründete  in München das "Fachärztliche Zentrum  für Chinesische Medizin"  und verfasste zahlreiche Lehrbücher zur TCM.  Seit 2012 ist Hempen  Honorarprofessor der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaft,  die erstmals den Masterstudiengang "Traditionelle Chinesische Medizin" anbietet.  Heute gilt er als einer der erfahrensten Ärzte für Chinesische Medizin in Deutschland.

Prof. Dr. Carl-Hermann Hempen gab einen Überblick über Entwicklung und Therapiemethoden der TCM und legte dar, inwiefern diese Heilkunst ein wichtiges  Komplement zur westlichen Medizin darstellt. 

Sie haben unsere Veranstaltung nicht besuchen können? Informieren Sie sich! Wir stellen Ihnen die Präsentationsfolien des Referenten als PDF-Datei zum Download zur Verfügung.
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„Gesundheit und Eigenverantwortung" - Veranstaltungsreihe 2014

Gefördert durch

 

Paul Greineder

Für das Thema „Eigenverantwortung und Gesundheit“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied Paul Greineder.

Mutbürger für Energiewende!

Ausblick

Ästhetik der Energiewende

Donnerstag, 29. Januar 2015, 19:00 Uhr, Neues Rathaus, Ratstrinkstube (erreichbar durch Haupteingang am Fischbrunnen), Marienplatz 8, München

Referent: Prof. Dr. Sören Schöbel, TU München, Fakultät für Architektur, FG Landschaftsarchitektur regionaler Freiräume

Die Energiewende macht „Energie“ plötzlich für jedermann sichtbar. Die wachsende Zahl von Windrädern, Solaranlagen und Überlandleitungen führt bei manchen Menschen zu Verunsicherung, Angst und Abwehrhaltung. Sind die Befürchtungen berechtigt? Sind es Menschen, die die Nachteile tragen müssen, während andere – wir alle – Vorteile haben? Oder wird das Thema – von erkennbaren Interessen – aufgeschaukelt und für populistische Wahlkampfinteressen hochgeputscht?

Bislang rauchten die Kraftwerke als zentrale Energieversorger an einzelnen Standorten, meist fernab in Industriegebieten. Ansonsten war „Energie“ bis auf ein paar Stormmasten unsichtbar und unterirdisch; abgebaut und gefördert überwiegend weit weg in Kolumbien (Kohle), in Russland (Gas), in Saudi-Arabien (Öl).
Heute bringt die Wende Energie unübersehbar bis an’s Haus, nicht mehr zentriert auf wenige Standorte; sondern dezentral, überall hin. Strom kommt nicht mehr aus der Steckdose, sondern vom Windrad um die Ecke oder vom glänzenden Dach nebenan.  Über die Effizienz und die Kosten erneuerbarer Energieträger wurde viel diskutiert – der kulturell-soziale Preis wurde bisher vielleicht zu wenig beachtet. Kritiker beklagen die unzähligen „Industriebuckel“ von Biogasanlagen im Umfeld von Bauernhöfen, gewaltige Windkraftanlagen, die unsere Natur „verspargeln“, „Monster“ an Strom-Überlandleitungen der „Lobby-Energiefritzen“ und „glitzernde“ PV-Anlagen, die die Natur im Voralpenland industrialisieren.

Die Aufzählung zeigt: Die Debatte hat verschiedenste Aspekte. Energiewirtschaft, Technik, Europa- und Regionalpolitik, Kultur und Tradition, Industrie- und Häuslebauer-Interessen, Akzeptanz, Ängste und Gefühle. Was die Betroffenen oft vergessen: Wer dezentrale Strukturen, und damit regionalwirtschaftliche Vorteile und weniger Strommasten will, kann nicht gleichzeitig gegen On-Shore-Windanlagen vor Ort sein – es sei denn, er will Atom-Strom akzeptieren oder unbehelligt sein („not-in-my-backyard“).

An dem Abend diskutieren wir mit dem Landschaftsarchitekten Prof. Dr. Sören Schöbel (TU München) über Wahrnehmung, Wahrnehmensänderung (den häßlichen Münchner Fernsehturm von 1972 sieht niemand mehr als „Verspargelung“ an), gestalterische Einbindung technischer Anlagen in die natürliche und kulturelle Umgebung, Beteiligtsein an technischen Veränderungen, gesellschaftliche und individuelle Akzeptanz. Auch die anschließende Diskussion mit dem Publikum geht auf die Suche nach Aspekten, Kompromissen und Lösungsansätzen für die Frage, wie die Schönheit der bayerischen Landschaft trotz der Zwänge einer dezentraleren Energiewende bewahrt werden kann.

 

Dr. Helmut Paschlau

Für das Thema „Mutbürger für Energiewende!" engagiert sich unser Vorstandsmitglied Dr. Helmut Paschlau.

Energiegerechte Stadtentwicklung: Wird München zukunftsfähig?

Donnerstag, 26. Februar 2015, 19:00 Uhr, Neues Rathaus, Ratstrinkstube (erreichbar durch Haupteingang am Fischbrunnen), Marienplatz 8, München

Referenten:
Michael Hardi, Baudirektor, Referat für Stadtplanung und Bauordnung, HA II
Thomas Haser, Baudirektor, Referat für Stadtplanung und Bauordnung, HA III

Was bedeutet „nachhaltige Stadtentwicklung“? Wir wollen klären, dass und warum es in Zukunft nicht mehr ausreicht, die Stadt „grüner“ zu machen oder Häuser besser zu dämmen.

Mit Michael Hardi und Thomas Haser berichten zwei Planer aus der Münchner Stadtverwaltung von ihren praktischen Erfahrungen und erläutern die Komplexität möglicher Lösungen. Wenn die Stadt München die Herausforderungen der Zukunft in den Griff bekommen möchte, müssen neben der Ökologie ebenso der ökonomische und der sozio-kulturelle Bereich im Fokus sein. Räumlich kann man mit Stadt, Quartier, Gebäude auf drei Ebenen handeln. Aber hinzu kommen muß der Blick auf die Menschen, ihre Bedürfnisse, Wünsche und Lebensgewohnheiten. Und das alles vor dem Hintergrund des Wachstumsdrucks der „boomtown“ München, deren Einwohnerzahl bis 2030 geschätzt um 15 Prozent wächst, mit einem Bedarf an rund 152.000 neuen Wohnungen. Wie bitte soll das „nachhaltig“ vonstatten gehen können???

Die Landeshauptstadt München hat sich mit dem Grundsatzbeschluss des Stadtrats vom 17.12.2008 mit der Übernahme der Ziele des europäischen Netzwerks “Klima-Bündnis e.V.” hohe Ziele gesteckt: Die CO2-Emissionen sollen alle fünf Jahre um zehn Prozent reduziert, der CO2-Ausstoß bis spätestens 2030 – bezogen auf das Basisjahr 1990 – halbiert werden.

Von den Referenten möchten wir erfahren, mit welchen Schritten die Klimagas-Reduktion strategisch erreicht werden soll und wie wir uns auf den Klimawandel städtebaulich vorbereiten müssen. Was tut die Stadt, Ihre Bürger auf ein neues Zeitalter – ohne fossile Ressourcen – einzustimmen? Welche Denkbarrieren gilt es zu überwinden, Beispiel Autoverkehr? Kommen „Einfahrverbote“ bei Grenzwertüberschneidungen? Mehr fossil-freie Mobilität, Fuß, Rad, Tram, vernetzte Systeme wie jetzt in Schwabing angedacht? Vorschriften zur Erneuerung der Heizung wie die derzeitige Brennstoffverordnung? Werden die südlichen Autobahnen zu Frischluftschneisen umgebaut, um München vor dem Hitzekollaps zu bewahren? Erhalten Neubaugebiete trotz Kostendrucks künftig Vorschriften zu niedrigeren Wärmeverlusten von Gebäuden?

Einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Stadt liefern innovative Energiekonzepte. Beispielgebend sind hierfür die Projekte “Solare Nahwärme Ackermannbogen”, die Geothermieanlage in Riem und das Projekt “Energiegerechte Stadtentwicklung Freiham-Neuaubing”. Können die „Ökologische Mustersiedlung Prinz-Eugen-Park“, die Entwicklungen auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne und die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme im Münchner Nordosten Modellprojekte für eine enkeltaugliche Stadtentwicklung sein?

Die Mitarbeiter des Referats für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München werden uns einen Einblick geben in die integrierte Arbeitsweise auf den unterschiedlichen Planungsebenen. Dabei wird auch die Frage gestellt werden: Wie viel Bürgerbeteiligung wagt die Stadt bei der Entwicklung einer zukunftsfähigen Stadt?

 

 

Rückblick

Schulterschluss für die Erneuerbaren – Können Gewerkschaften und Naturschutzverbände die Energiewende retten?

Montag, 6. Oktober 2014

Referenten:

  • Jürgen Wechsler, Industriegewerkschaft Metall (IGM), Bezirksleiter Bayern
  • Prof. Dr. Hubert Weiger, BUND - Bund für Umwelt und Naturschutz e.V., Erster  Vorsitzender; Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung

„Bayern ist Gewinner der Energiewende, das Revier der Verlierer. Deshalb sage ich: Bayern steht nicht auf der Bremse, Bayern steht auf dem Gas. Wir sind erfolgreich und werden auf diesem Weg weitergehen!“. Richtig, Ministerpräsident Horst Seehofer hat das in seiner Rede am 05.02.2014 im Bayerischen Landtag gesagt. Heute am 06.10.14 schon die Abendzeitung-Zeitung gelesen? Der Strompreis in Bayern, in Bayern (!), steige um 10% - weil die Bayer. Staatsregierung jede weitere Überlandleitung ablehnt. Das verteuere den Strompreis wegen des dann gespaltenen Strompreises in Deutschland, Nord-Wind-billig, Süd-Gas-teuer, sagen Gutachten und die AZ. „Quatsch“, antwortete Herr Seehofer am gleichen Tag, wörtliches Zitat.“

So leitete Dr. Helmut Paschlau, Vorstand der Umwelt-Akademie e.V., den zehnten Veranstaltungsabend der Reihe „Mutbürger für Energiewende!“ 2014 ein. Der Veranstaltungstitel war durchaus etwas zuspitzend gemeint: „Können Gewerkschaften und Naturschutzverbände die Energiewende retten?“

Schon vor einem Jahr, am 12.11.2013, haben IG Metall Bayern und BUND Naturschutz in Bayern in einer Presseerklärung ihren gemeinsamen Brandbrief an Ministerpräsident Seehofer und die CSU veröffentlicht: Energiewende und Atomausstieg in Bayern sind in höchster Gefahr, schrieben die Vorsitzenden. Die beiden Organisationen bilden seither eine „Allianz für die Energiewende“, u.a. für Arbeitsplätze in der Erneuerbaren-Industrie und gegen die 10H-Regel, die faktisch das AUS für die Windkraft in Bayern bedeutet. Seither trommeln beide für klare Standards beim Umbau der Industriegesellschaft und für eine wirkliche Energiewende.

Das Thema und diese Referenten an einem Tisch, das war schon prickelnd. Vorgetragen und diskutiert wurde zu zwei Teilthemen: Der erste Teil widmete sich dem Umbau unserer Industrie- und Zivilgesellschaft – weg von atomaren und fossilen Ressourcen – dem größten Generationenprojekt seit Beginn der Industrialisierung. Präzise: Den dabei anzulegenden Standards, ginge es nach den Gewerkschaften bzw. nach naturschützenden Kriterien.

Beide Referenten stimmten in der Einschätzung völlig überein, dass der Umbau der Industriegesellschaft jetzt angepackt werden muss, im Sinne einer „Großen Transformation“ (auch wenn der Begriff etwas sperrig ist). Dabei geht es nicht „nur“ um einen tatsächlichen Ausstieg aus der Stromversorgung mit Atom, sondern – viel weiter – um den Ausstieg der gesamten (westlichen, globalen) Industrie aus der Nutzung endlicher, insbesondere fossiler Ressourcen; und einer Energiewende, die mit Erneuerbarer Erzeugung, dezentralen Strukturen und Suffizienz (auch bei Mobilität und Ernährung) ihren Namen auch verdient.

Präsentation Prof. Dr. Hubert Weiger, 1.Teil: Klicken Sie hier

Präsentation Jürgen Wechsler: Klicken Sie hier

Im zweiten Teil blieb es nicht aus, den Stand der Energiewende in Bayern zu diskutieren. Wir wollten die Einschätzungen von Spitzenvertreter von Gewerkschaften und Naturschutz hören.
Die Stellungnahmen von IG Metall und Naturschutzbund waren auch hier klar und sehr eindeutig. Sage noch einer, Gewerkschaften und Naturschützer seien „eh gegen die Energiewende“, wie man es immer noch aus interessierten (politischen, unternehmensnahen) Kreisen hört. Im Detail mögen Unterschiede bestehen, z.B. im Anteil offshore-Wind (mit mehr Überlandleitungen – IG Metall) oder mehr onshore-Bayernwind (mit weniger Übertragungsleitungen – BUND).

Präsentation Prof. Dr. Hubert Weiger, 2. Teil: Klicken Sie hier

Zusammenfassende Einschätzung beider Redner: In Bayern wird die Energiewende von der Bayerischen Staatsregierung derzeit kaputtgemacht; offensichtlich sollen zentrale Energiestrukturen der großen Stromversorger auf Basis Atom (?) und Erdgas (!) erhalten werden.

Ein Ausweg ist nur über ein breites Interessenbündnis erreichbar, eines aus Mittelstand, Handwerk, Industrie – wie die Süddeutsche Zeitung am 06.10. vorschlug – kombiniert mit Gewerkschaften, BUND und übriger Zivilgesellschaft – wie abends in der Diskussion angeregt wurde. Einer „Bürgerinitiative pro Energiewende“ also. Denn mit Bürgerinitiativen kennt Seehofer sich ja aus.
Also auch: Mit Ihnen und mir
meint Dr. Helmut Paschlau

 

"Mutbürger für
Energiewende!“

Veranstaltungsreihe 2014

Gefördert durch

 

In Kooperation mit

Landeshauptstadt München,  Referat für Gesundheit und Umwelt

Anthropozän und die große Transformation: Brauchen wir eine Agenda 2050?

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Referent: Dr. Benno Hain, Umweltbundesamt (UBA), Dessau, Leiter des Fachgebietes „Energiestrategien und -szenarien“

Seit Beginn des Industriezeitalters im 18. Jahrhundert hat der Mensch der Erde seinen Stempel aufgedrückt. Inzwischen sind die Auswirkungen unseres Handelns für unseren Planeten so bestimmend, dass in Fachkreisen mit dem sogenannten Anthropozän der Begriff für ein neues Erdzeitalter geschaffen wurde. Durch die folgenden Umweltveränderungen und die einhergehende Knappheit vieler Rohstoffvorräte wird sich die Industriegesellschaft dramatisch verändern müssen. Kurz: Wir stehen vor der großen Transformation.  

Inzwischen benutzt auch Dr. Benno Hain vom Umweltbundesamt den Begriff Anthropozän. Seine Behörde fordert als Antwort auf die Herausforderungen eine „Erd-Systempolitik“ – ressourcenleicht, immissionsneutral, global gerecht. Dazu gehört maßgeblich ein CO2-neutrales Deutschland. Bis 2050 könnten wir 100% Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen, haben die Experten des Umweltbundesamtes ausgerechnet.

In ihren Forderungen stimmen die Kollegen von Fachgebietsleiter Dr. Hain mit dem Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung „Globale Umweltveränderung“ überein: Dort fordert man unter dem Titel „Welt im Wandel“ einen „Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“. Und auch der Ethikkommission der Bundesregierung sieht in Deutschlands Energiewende „ein Gemeinschaftswerk für die Zukunft“. Von Berlin mehr Mut in Sachen Klimaschutz und Energiewende fordert zugleich der Rat für Nachhaltige Entwicklung bei der Bundesregierung.

Was ist zu tun? Wie können wir von derzeit 11 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr auf 2 Tonnen abspecken? Wie sind jetzt die Weichen zu stellen, damit innerhalb einer Generation das Ziel „ressourcenleicht, immissionsneutral, global gerecht“ erreicht wird? Was muss geschehen durch politische Entscheidungen, in den gesellschaftlichen Strukturen, in der Umweltbildung, bei der Lebensmittelproduktion, der Energiewende, der Mobilität und nicht zuletzt im persönlichen Verhalten der Bundesbürger, damit unsere Kinder die große Transformation als gelungen empfinden können?

Dr. Benno Hain ist jemand, der darauf Antworten haben muss. Als Leiter des Fachgebietes „Energiestrategien und –szenarien“ beim Umweltbundesamt in Dessau diskutierte er mit uns, ob und wie die Utopie in Realität übersetzt werden kann. Er konzentrierte sich dabei auf die Strom-Erzeugungsseite: Nach Berechnungen des UBA können wir in Deutschland bis 2050 nur aus erneuerbaren Quellen soviel Strom erzeugen, dass aus diesem – trotz hohen Umwandlungsverlusten von 44% – auch der Wärmebedarf und der Kraftstoffbedarf (Wasserstoff) abgedeckt werden kann!
Zunächst unvorstellbar; aber vom UBA als machbar bezeichnet.

Bleibt die Frage, wie wir auf diesen Entwicklungspfad kommen. 2050 ist morgen.

Vortrag Dr. Benno Hain: Klicken Sie hier

 

Exkursion: SWM-Geothermie-Heizkraftwerk Sauerlach

Samstag, 15. November 2014, Geothermie-Heizkraftwerk Sauerlach

Exkursionsleitung: Angelika Magerl, Umweltpädagogin, Stadtwerke München

 

Seit 10 Monaten ist es in Betrieb, daas Geothermie-Heizkraftwerk der Stadtwerke München (SWM) in Sauerlach. Es liefert erneuerbaren Strom für 16.000 Haushalte und ökologische Wärme für Sauerlacher Gewerbebetriebe. Dass Geothermie auch – und im vorliegenden Fall sogar vorrangig – für Stromerzeugung genutzt wird, ist noch ungewöhnlich; die Stadtwerke verstärken dadurch ihre Ausbauoffensive Erneuerbare Energien im Wärmebereich, aber insbesondere auch im Stromsektor. Genutzt wird das Thermalwasser mit einer Temperatur von 140 Grad; durch die Anlage werden rd. 35.000 Tonnen CO2 pro Jahr vermieden; sie erzeugt etwa 40 Mio. kWh pro Jahr.

 

München ist tiefen-thermisch privilegiert: Unter der Erdoberfläche befindet sich in einer Tiefe von 2.000 bis 5.000 Metern ein riesiger Vorrat an umweltfreundlicher Energie: Heißwasser von 80 bis 140 Grad. Hier wird nichts „gefrackt“: Durch zahlreiche kleine Hohlräume („Schwamm“) fließt das heiße Wasser relativ leicht nach oben; kleines Bohrloch, große Wirkung, kein Aufsprengen des Untergrund-Gesteins. Und das Heißwasser wird auch nicht verändert: Nach der Temperaturausnutzung wird es ohne jegliche Chemie in die gleiche Tiefenschicht des Malm-Karst geleitet, aus dem es kam. Denn das thermale Heißwasser erwärmt nur einen zweiten Heizwasser-Kreislauf, kommt mit ihm nicht in Berührung. Generell: Keine Schadstoffe, Dampfschwaden, Erschütterungen; die Geräusche aus der Kühlung des Sekundär-Arbeitsmittels werden drastisch gedämpft.

 

Ein gelungenes Beispiel einer Stadt-Umland-Kooperation. Denn die Energiewende ist dezentral, die Erneuerbare Energieerzeugung Münchens findet überwiegend außerhalb Münchens statt. Schön wäre es, wenn Sauerlach vermehrt Abnehmer-Investoren von Wärme fände – vielleicht mit dem Hinweis auf (günstige) Erneuerbare Energie aus der Erde?!

Bildmaterial und wichtige Informationen: Klicken Sie hier

 

 

Wachstum und ökologische Nachhaltigkeit – (k)ein Widerspruch?!

in Kooperation mit dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, München (FÖS)

Donnerstag, 27. November 2014,

Referent: Dr. Michael Jakob,  Fellow am Mercator Research Institute for Global Commons an Climate Change (MCC) – Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK)

Grußwort: Joachim Lorenz, Referent für Gesundheit und Umwelt (RGU) der Landeshauptstadt München

Kaum zu glauben: Während die kritische Öffentlichkeit zu erahnen beginnt, dass die Wachstumszwänge des Bruttoinlandsprodukts mehr (Umwelt-) Probleme erzeugen als (Wirtschafts-) Probleme lösen – da sagt der „climate chairman“ des IPCC: Kluge Investitionen in den Klimashcutz behindern das erforderliche globale Wachstum nicht.

„Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten“, rechnete er im 5. IPCC-Bericht vom April 2014 vor: Die IPCC-Gutachter empfehlen der Welt eine schnelle und deutliche Verschiebung von Investitionen: Weg von Förderung und Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, hin zu klimafreundlichen Energien; bis zur Mitte des Jahrhunderts müsse die kohlenstoffarme Energieerzeugung verdrei- bis vervierfacht werden, wenn das Klimaschutzziel von +2 Grad im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung noch erreicht werden soll. Macht die Welt weiter wie bisher, so sagt der IPCC, kommen wir dann auf eine Erderwärmung um 3,7 bis 4,8 Grad – mit wirklich unvorstellbar negativen Auswirkungen.

Die Kernbotschaft: Mit Klimaschutz muss man nicht auf Wirtschafts-Wachstum verzichten; der nötige Wechsel schlage bei einem globalen Wirtschaftswachstum von 1,6 bis 3,0 Prozent pro Jahr nur mit einem Minus von 0,06% zu Buche.

Die Kernfrage aber ist: Investieren wir richtig? Richtig in privates physisches Kapital, Humankapital, Soziales Kapital, Natürliches Kapital? Wieviel des globalen „Net National Product“ (NNP) kann – unter Berücksichtigung der Abschreibung von physischem Kapital, Investitionen in Ausbildung, Ausbeutung natürlicher Ressourcen und Schäden durch Umweltverschmutzung – in einer Periode global konsumiert werden, ohne die Möglichkeit zu untergraben, das gleiche NNP in der Zukunft zu produzieren? Das wäre dann „nachhaltiges Wachstum“.

Die zentrale Frage für die Wirtschafts- und Klimapolitik ist nicht „growth“ oder „degrowth“, sondern das Gemeinwohl; ob Über- oder Unterinvestitionen bei wichtigen „Common-Pool-Ressourcen“ vorliegen: Wirtschaftswachstum kann kein Selbstzweck sein; aber es könnte dazu beitragen, erstrebenswerte Ziele zu erreichen (z.B. Verringerung von Armut); die Politik sollte sich nicht primär mit Wohlstand, sondern mit Wohlfahrt befassen. Denn heute übernutzen wir z.B. die globale Gemeinschaftsgüter wie die Atmosphäre als CO2-Deponie und unternutzen lokale und globalen Gemeinschaftsgüter wie Wissen und Infrastruktur. Ein neuer Ansatz für ein globales Wirtschaftsmodell des 21. Jahrhunderts.

Und das Ganze wurde auch noch verständlich erklärt! Von Dr. Michael Jakob, Fellow am Mercator Research Institute for Global Commons on Climate Change (MCC) – eine Forschungstochtergesellschaft des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, an dem Prof. Edenhofer der Direktor ist.

Präsentation Dr. Michael Jakon: Klicken Sie hier

In seinem Grußwort erläuterte Joachim Lorenz, Referent Gesundheit und Umwelt (RGU), die vielfältigen Aktivitäten der Landeshauptstadt zur Klimaschonung; erst kürzlich habe der Stadtrat 30 Mio. Euro zusätzlich für definierte Klimaschutzmaßnahmen in München genehmigt.

Großartig,
meint Dr. Helmut Paschlau

 

In Koopertation mit: 

 

Biodiversität

Ausblick

Sind unsere städtischen Grünräume nachhaltig?

Wie gestalten wir städtische Grünräume für die Stadt der Zukunft?

Dienstag 20. Januar 2015, 19.00 Uhr, Green City Energy AG, Zirkus-Krone-Str. 10 (Eingang Georg-Schätzel-Str.), 80335 München, 6. Stock (ÖPNV „Hackerbrücke“)

Referent: Prof. Dr. Norbert Müller, Fachhochschule Erfurt Prof. Er leitete das Grünamt Augsburg, bevor er an die Hochschule berufen wurde. Er kennt die Praxis ebenso wie die Wissenschaft.

Urbane Gesellschaften verbrauchen 75 % der globalen Ressourcen, sind Hauptakteure des Verlustes der globalen Naturvielfalt (Biodiversität) und verursachen ca. 80 % der Treibhausgas Emissionen, wobei heute erst die Hälfte der Erd-Bevölkerung in Städten lebt, Tendenz steigend. Selbst ländliche Kommunen pflegen urbane Lebensmuster mit noch höherem Flächenverbrauch.

So ist es unerlässlich, den ökologischen Fußabdruck zu optimieren und Städte und Dörfer zukunftsfähig und nachhaltig zu gestalten.

Menschen brauchen Naturbezug dort, wo sie leben, zum Wohlfühlen, für ihre Gesundheit, zum Stressabbau und insbesondere für eine ausgeglichene Entwicklung.

Noch werden innerörtliche Grünräume zur Versorgung mit Obst und Gemüse, Kräutern und Honig kaum genutzt. Hierzu gibt es vorbildliche Beispiele, wie Menschen damit gut und günstig leben. Urbane Grünräume sind bezüglich Biodiversität, Ressourcenverbrauch und Kosten zu optimieren.

Bei unserer Veranstaltung werden Indikatoren für die Bewertung von Grünanlagen erklärt und Ergebnisse von „Best Practice“ –Grünflächen, Erfolgsmodellen wie den Außenanlagen des Bayerischen Umweltamtes in Augsburg und des Mauer-Parks in Berlin u. a. ausgewählten Grünflächen und Landesgartenschauen vorgestellt.

Dabei waren vielseitige Ansprüche an Grünflächen zu erfassen, zu bewerten und zielorientiert umzusetzen. Soziale Bedürfnisse und ökologische Erfordernisse an öffentliche Grünflächen waren unter einen Hut zu bringen. Gute Grünplanungen verbinden die nötige Wirtschaftlichkeit urbaner Nutzungen mit den Menschen und dem Naturschutz. Gleichzeitig zeigt es Wege auf, Biodiversität in die Stadtplanung zu integrieren und Städte zukunftsfähig zu gestalten.

Das ist zukunftsweisend für Städteplaner, Landschaftsarchitekten, Ökonomen und kommunale Verantwortliche. Mittlerweile wird das Konzept durch unseren Referenten Prof. Norbert Müller auch in Japan, Südkorea und Florida / USA/eingeführt.

Dr. Nico Döring

Für das Thema „Biodiversität und Gewässerschutz“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied Dr. Nico Döring

 

Rückblick

Tages-Exkursion

Naturschutz mit Erfolg: Rosenheimer Stammbeckenmoore

Exkursionsleitung: Harry Rosenberger, Gemeinde Raubling, Dr. Nico Döring, Die Umwelt-Akademie e.V.

Dieses Moor gehört zu den größten Moorkomplexen des Alpenraumes. Wo bis zur Eiszeit noch ein See in der Größe vom Bodensee mit ca. 450 km² Fläche lag, wuchsen nach dem Auslaufen des Sees bis zu 10 Meter mächtige Hochmoortorfe auf: Auf dem dichten Seegrund staute sich das Wasser. Die Torfmoose wuchsen auf dem Wasser nach oben immer weiter und zersetzten sich unter dem Wasserspiegel, also ohne Luft-Zufuhr, zu Torf.

Vor der Ära des Torfabbaues, beginnend um 1800, waren die Stammbeckenmoore ein großflächiger Hochmoorkörper. Der Urzustand läßt sich lediglich in der Sterntaler Filze, dem letzten intakten Hochmoor hier im Rosenheimer Becken, nachempfinden. Im letzten Jahrhundert wurden Moore zunächst kleinweise entwässert und als Handtorfstich in sogenannte Torfziegel abgestochen. Hier in den Rosenheimer Stammbeckenmooren arbeiteten aber zu Hochzeiten, 1800 – 1880, bis zu 700 Arbeiter im Torfstich (hauptsächlich für die Verbrennung in der Rosenheimer Saline). Durch weite Trockenlegungen und maschinellen Frästorfabbau entstanden so riesige Flächen mit trockenen, ständig gefrästen Torfwüsten. Die 1 km-langen Fräsfelder wurden mehrmals jährlich zentimeterweise abgefräst.

Das hatte große Nachteile:

  • Aufgrund der Entwässerung der Moore entwickelten sich artenarme Moorheiden mit Zwergsträuchern und kümmernden Wäldern. Die natürliche Moorvielfalt in Flora und Fauna – es gab alleine 39 verschiedene Torfmoosarten und spezielle Vogelarten – ging großflächig verloren.
  • Die entwässerten und drainierten Moore konnten insbesondere bei Starkregen das Wasser nicht mehr zurückhalten, die Hochwasserspitzen nahmen zu und gefährdeten die umgebenen Ortschaften.
  • Im Zuge der Entwässerung kommt Luft an den Moorkörper, das Moor zersetzt sich. Es erfolgt ein Biomasseverlust von 5 - 10 m³ Torf pro Jahr und Hektar, bei gleichzeitiger Bildung von Methan (CH4). Das ist eine enorme Klimabelastung; freiwerdendes Methan ist 23-fach klimaschädigender ist als CO2. Im genässten Zustand dagegen sind Moore dagegen hervorragende Kohlenstoff-Depots; ihre vernässende Renaturierung ist ein wichtiger Baustein im Schutz gegen die Erderwärmung durch CO2.

Es brauchte die Vision und 17 Jahre Engagement mit allerlei Aktivitäten wie Medienrummel, Gutachten, Anträgen und Exkursionen engagierter Moor-Schützer, bis es losging mit der Renaturierung; das war 1997.

Bei der ersten „Moor-Renaturierung“ durch die Torf-Abbaufirmen wurden Entwässerungsgräben mit Torf und Holz geschlossen, um das Regenwasser wieder im Moor zu halten. Dann renaturierte der Landkreis im Zuge des EU-Projekts „LIFE-Natur Rosenheimer Stammbeckenmoore“ von 2005 bis 2010 rund 420 Hektar. Das kostete den Steuerzahler nahezu 2 Mio. €.

Später erkannte man, dass die improvisierten Dämme einem Jahrhundertregen nicht standhalten könnten und insbesondere bei Starkregen zu einer Überschwemmungs-Gefahr wurden. Ein neues Renaturierungsprojekt wurde vom Landesamt für Umwelt (LfU) aufgestellt; gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt wurden neue (wasserbaulich berechnete) Dämme für eine sichere Wasserrückhaltung gebaut. Diese „zweite Renaturierung“ der Stammbeckenmoore umfasste nun 1.100 Hektar Moor. Die Dammbau -Kosten lagen über einer Million Euro. Der Fokus lag nicht auf der Verbesserung der Biodiversität, sondern auf der Hochwasserrückhaltung. Die Arbeiten bewährten sich: 2013, bei einem 200-jährigen Regenereignisses, hielten die Dämme das Wasser im Moor zurück.

Zugleich zeigte sich aber auch, dass die in Entwässerungsgräben noch vorhandenen Torfmoose in der Lage waren, sich für ein neuerliches Hochmoorwachstum zu regenerieren: Das charakteristische saure Milieu des Hochmoores hat sich mit einem pH-Wert unter 4 wieder eingestellt. Das sind ideale Voraussetzungen für das weitere Moorwachstum und die gewünschte moorspezifische Biodiversität.

Mit der Größe der Renaturierungsflächen von über zehn Quadratkilometern entstand ein weiter und ungestörter Lebensraum, auch für viele Vogelarten. Kraniche z.B. entdeckten ihn und nutzen ihn alljährlich auf ihrem Zug. Noch ist der Flächenumgriff der Renaturierungsmaßnahmen nicht vollständig. Es wird noch viele Generationen Engagement brauchen, bis das Moor in etwa wieder renaturiert sein wird, wie es vor dem Jahr 1800 aussah. Die spannende Frage während der Exkursion der Umwelt-Akademie e.V. war, ob der Mensch – in seiner großen Weitsicht – hier steuernd eingreifen (und etwa die 39 Torfarten durch Menschenhand ansiedeln) soll, oder doch besser Natur Natur sein lässt; mit dann nicht vorgeplanten Ergebnissen.

Die dunkle Seite: Die Unternehmen,  die während der industriellen Torfabbau-Zeit die Gewinne durch Naturzerstörung machten, sind, ohne dass sie ihre Versprechen einer vollständigen und hochwertigen Renaturierung gehalten hätten, aus der Verantwortung entlassen worden: Nun zahlt der Staat, zahlen wir Steuerzahler, Millionen für die Bereinigung der Abbauschäden und Renaturierung der Moore.

Die Exkursion der Umwelt-Akademie wurde mit Interesse vom Landesamt für Umwelt (LfU), der Regierung von Oberbayern und dem Landratsamt Rosenheim begleitet und dankenswerter Weise mit Hintergrundinformationen unterstützt. Geführt wurden wir von Herrn Rosenberger von der Gemeinde Raubling, der uns mit viel Herzblut einen guten Einblick zum aktuellen Stand der Rosenheimer Stammbeckenmoore vermittelte. Danke.

Dr. Nico Döring

Frästorfabbau
Schon in den  achtziger Jahren forderten Naturschützer gemeinsam die Beendigung des  Frästorfabbaus und die Renaturierung der Moore  der Rosenheimer Stammbeckenmoore
Foto: Bund Naturschutz Kolbermoor

 

 "Biodiversität!“ - Veranstaltungsreihe 2014

Gefördert durch

 

 

Selbach-Umwelt-Stiftung


 

Stadtimker bringen Bienenvölker in die Stadt

Donnerstag, 18. September 2014

Referentin: Erika Mayr, bayerische und internationale Stadtimkerin

Dieser Tag war wirklich ideal für urbane Bienenliebhaber und Naturschwärmer. Wer hätte ihre Liebe zu den Tierchen und ihr Glücksgefühl dabei besser spüren lassen als Dipl. Ing Erika Mayr Imkerin, Gärtnerin, und Gartenbauingenieurin?

Zu Beginn geht es rauf aufs Dach des 6. stöckigen Hauses von Green City Energy in der Zirkus-Krone-Str. für einen ersten Überblick:

Es ist ein wunderbarer Tag mit Blick bis in die Berge. Unter uns der der alte bekannte Zirkus-Krone-Rundbau und dazwischen ist alles betoniert, wie man es früher „sauber und pflegefreundlich“ gestaltete. Damals dachte noch keiner an Bienenstöcke hoch oben auf den Dächern und daran, dass auch oder gerade Städte vielfältig blühende Landschaften sein können, wenn wir es zulassen und selbst gestalten. Daneben, welch ein Kontrast, liegt das neue Dach der WWK Versicherung mit Dachterrassen und Dachbegrünung, alles noch ganz frisch. Dort blüht der gelbe Mauerpfeffer, sind Menschen vom Büro auf den Dachterrassen, das wirkt menschen- und bienenfreundlich. Im Anschluss stehen alte Kastanien, Ahornbäume und Linden entlang der Zirkus-Krone-Straße. Unten gleich anschließend im Osten liegt der Augustiner Biergarten mit den alten Kastanien. Diese vielen Bäume sind super für Bienen, hier sind sie den ganzen Sommer gut mit Nahrung versorgt.
Und wie ist es mit dem Wasser? Gerade im Sommer, wenn die Sonne oben auf den Dächern auf den Bienenstock brennt, brauchen die Bienen täglich Wasser in erreichbarer Nähe. Sie sind dann tagelang voll beschäftigt, Wasser in den Bienenstock einzutragen und ihn zu kühlen, um die Brut vor Überhitzung zu schützen. Also, wo ist die nächste Wasserstelle - vielleicht ein Brunnen oder eine Bienentränke? Wie sieht es hinter dem Biergarten aus, im Süden in der Arnulfstraße oder hinter dem Rundfunkgebäude? Und los ging's: die bieneninteressierten Münchner im Alter von 10 bis in die reiferen Jahrgänge schwärmten aus in die zauberhafte Welt der Bienen.

 

 

Unten im Biergarten beim Augustiner ahnt man gar nicht die Bedeutung der alten schattenspendenden Bäume für die Honigbiene. Blattsaugende Läuse scheiden dort ständig eine Zuckersoße aus, die Bienen und auch Ameisen als Nahrung dient. Wir kennen diese Soße als Honigtau und sind wenig davon begeistert, wenn sie Autos und alles unter den Bäumen pappig-schwarz verklebt. Das kann man in Kauf nehmen, wenn man sich bewusst ist, dass er lebensnotwendig ist für unsre Honigbienen und nebenbei für viele andere Tiere wie Vögel, Käfer, Ameisen und so  weiter.  
Als Gegenmaßnahme gegen den klebrigen Honigtau pflanzte man immer wieder Hybridbäume die für all die kleinen Tiere ungenießbar sind. Nun, mit steigendem Umweltbewusstsein, kommt man wieder ab von diesem Unfug. Die Hybridbäume sind mit ihren harten Blättern unverträglich z. B. für Schmetterlingsraupen, Läuse und damit ebenso unverträglich für Bienen. Ob man das bedacht hat? Hier im Biergarten jedenfalls sind die Bäume noch „echte, vollwertige“ Bäume, die nicht nur Schatten spenden und die Luft erfrischen, sondern zugleich blühen und duften, und in ihren Kronen Weide für ein ganzes Bienenvolk und anderes Getier sind. Unten am Eingang fanden wir den Biergarten bunt mit Blumen, aber leider nur „gefüllte“ Zierpflanzen wie Chrysanthemen, die weder Staubgefäße noch Nektar haben - gar nicht bienen- und schmetterlingfreundlich.

Draußen vor dem Tor in der Arnulfstraße fanden wir einen breiten Grünstreifen, wo die Straßenbahn fährt. Schön so. Und Bienen Hummeln oder Schmetterlinge? Fehlanzeige, leider nur Rasenflächen. Hier (zumindest an den Säumen der begrünten Straßenbahntrassen) könnten, so wie wir hörten, an den verschiedenen natürlicherweise vorkommenden Wildpflanzen 40 verschiedene Tagfalterarten leben, dazu die vielen Wildbienen und andere Insekten. Hier gäbe es noch großes Potential für die lebendige Naturvielfalt. Sanftblaue Wegwarten, roter Mohn, gelbes Greiskraut, tiefblaue Kornblumen, Natternkopf und Lein - sie alle würden hier gut wachsen, wären pflegefreundlich und wunderschön. Wer setzt sich dafür ein, dass sie hier wieder blühen?

Weiter ging es, vorbei am Rundfunk und an der Hopfenstraße. Die Nachmittagssonne war warm und schien auf die Fetthennen am Grünstreifen in der Fußgängerpassage. Sie sind voller Bienen. "Das ist ideal," meinte Erika Mayr. "Hier in der Nähe gibt es einen Bienenstock, sonst wären nicht so viele Bienen da. Und einige Meter weiter ist ein Brunnen, so haben die Bienen hier alles, was sie brauchen."

Und auch Erika Mayr hatte mit ihren Bienen und den interessierten Zuhörern alles, was sie sich wünschte. Man konnte richtig spüren, wie sie sich in die Bienen einfühlte und mitempfand. Ihre Bienen… Ja, Bienen können echt  glücklich machen. Und so erzählte sie über ihre Art zu imkern als Stadtimkerin über den Dächern. Bienenstöcke müssen nicht am Boden stehen. Anfangs waren alle besorgt, ob es den Bienen auf dem Dach nicht zu windig wäre oder im Sommer zu heiß. Und überhaupt, warum so anders? Mittlerweile ist es klar, dass beides funktioniert: die traditionelle Imkerei ebenso wie die moderne „etwas andere“ Stadtimkerei. Sie entstand in New York und gestaltete sich unter den Stadtbedingungen eben etwas anders. Anstatt der horizontalen Gärten auf dem Boden sind es in den Städten die vertikalen Gärten mit Bäumen und begrünten Fassaden, die die Bienen anzieht. Und in der Stadt haben sie es manchmal sogar besser als auf dem Land mit den großflächigen Maisfeldern und regelmäßigen Giftduschen, mit Insektiziden oder Herbiziden, welche die Pflanzenvielfalt in den Monokulturen wegspritzen.

Unsere Bienenspezialistin liebt es, ganz besondere Honigsorten zu haben. Sie packte ihre Tasche aus, machte einige Gläschen auf und verteilte mit Holzstäbchen kleine Kostproben: Berliner Ahorn- Kastanienhonig mit dem kräftigem Kastaniengrundton und  feiner Ahornnote und sommerlich-süßer Lindenhonig. Und wie schmeckt München?

Auf unserer Exkursion waren zwei Imker mit dabei (leider hatten sie keine Münchner Kostproben mitgebracht): ein Münchner Bio-Imker, ja sogar Demeter-Imker, und ein junger Mann, der in der Schule zum Imkern kam. Worin liegen die Unterschiede: Stadtimker, Bio Imker, Bio nach Demeter? Imker gehen ganz verschieden um mit ihren Bienen. Die Unterschiede können ebenso groß sein wie bei der Massentierhaltung und dem Zusammenleben mit einem Haustier. Angefangen bei der Varroa- Milben-Behandlung, der Fütterung in der Herbst- und Winterszeit, bis hin zu der Frage wieviel Honig man entnimmt oder den Bienen im Stock belässt. Das wurde ein eigenes Kapitel der Exkursion.

 

Was können Sie tun, selbst wenn Sie keine eigenen Bienen halten? Lassen Sie an der Fensterbank, am Balkon, im Garten Bienenweide und Schmetterlingspflanzen schon wachsen. Gedeiht bei Ihnen schon ein Efeu der, der, sobald er -alt genug- im Herbst blüht, eine wunderbare Bienenweide ist? Ergreifen auch Sie Initiative und lassen Sie sich umschwärmen!

Urbanität heißt Vielfalt im städtischen Raum. Das gilt sowohl für das Zusammenleben von Menschen, ihre städtischen Lebensgewohnheiten und -formen, das gilt auch für die Vielfalt in der Natur von Tieren und Pflanzen und natürlich im Zusammenspiel mit den Menschen. Hier stehen wir noch am Anfang einer neuen Welt des Miteinanders, der Symbiosen, der Lebensfreude, der Vielfalt und auch der Biodiversität.

Dr. Nico Döring

Präsentation Erika Mayr: Klicken Sie hier

Pressestimmen: Klicken Sie hier

Einige Webseiten mit Informationen über Bienenhaltung und -zucht sowie urban gardening (natürlich unvollständig):

http://www.diehonigpumpe.de
http://flugradius.de
http://bienen-helfen.html
http://www.muenchen.deutschland-summt.de
http://www.bienenretter.de
http://www.einfachbienenhalten.de
http//www.muenchen-querbeet.de
http://www.bund.net/...wildbienen
http://imkereipixis.de/2014/presse/beitrag-zur-stadtimkerei-in-lebendige-erde-12014
http://www.greencity.de
http://urbangardeningmanifest.de/manifest

 

 

 

 

 

 

 

Nachhaltigkeit lernen

Rückblick

Kinder können Energiewende erleben

8. Oktober 2014

Exkursion Energiespardorf Wartaweil

Im Rahmen des Projektes „Nachhaltigkeit von Kindesbeinen an“ ermöglichte die Umwelt-Akademie e.V. aus München zwei 4. Klassen der Grundschule Süd aus Puchheim einen Ausflug ins Jugend- und Naturschutzzentrum Wartaweil. Aus dem vielfältigen Programm der Umweltbildungsangebote hatten sie die Möglichkeit, anhand des „Energiespardorfes“ modelhaft die komplexen Zusammenhänge von Energieerzeugungsmaßnahmen und Energieverbrauchssituationen zu simulieren.

Wollen sich Kinder und Jugendliche eigentlich auch an der Energiewende beteiligen? Wer die Schülerinnen und Schüler der beiden vierten Klassen der Grundschule Puchheim erlebt hat, die sich am vergangenen Mittwoch mit dem ENERGIESPARDORF des BUND Naturschutz in Wartaweil beschäftigt haben, hatte da keinen Zweifel. Hier wurde an einem Modell ausprobiert, was beim Landkreis Fürstenfeldbruck in Wirklichkeit ebenfalls auf der Agenda steht: Der Umstieg auf Erneuerbare Energien bis 2030.

Das dies keine leichte Aufgabe ist wurde ebenfalls deutlich. Zuerst musste einmal mit einem Energiefahrrad selbst Strom erzeugt werden. Beim Anschluss von verschiedenen Geräten, wie Glühbirne, Radio, Föhn und Wasserkocher, spürte man am eigenen Leib welche Leistung dafür notwendig war. Einen halben Liter Wasser zum Kochen zu bringen gelang auch dann nicht, wenn sich die ganze Klasse beim Treten abwechselte.

Bei dem Modell handelt es sich um eine Art Eisenbahnlandschaft mit Häusern, Wald, Feldern, Wiesen und Mooren. Aufgabe der Schülerinnen und Schüler ist es innerhalb der Kursdauer die Energieversorgung des Dorfes von Atomkraft und fossilen Energieträgern auf regenerative Energien umzustellen. Dabei wird schnell klar, dass der enorme Energieverbrauch des Dorfes mit ca. 8000 Einwohnern halbiert werden muss, wenn das Ziel erreicht werden soll. Denn Sonne und Wind besitzen zwar, wenn auch nicht immer nutzbar, ein fast nicht auszuschöpfendes Potential, aber die Fläche die zur Energieerzeugung genutzt werden kann, die ist begrenzt.

Die Kinder schlüpfen, um über die zukünftige Energieversorgung ihres Dorfes entscheiden, in verschiedene Rollen: Es gibt Landwirte, Elektrohändler, Handwerker, Planer, Energieversorger, Pfarrer, Naturschützer und einen Betreiber des Atomkraftwerkes. Alle sind Bürgerinnen und Bürger des Dorfes und sitzen zusammen im Gemeinderat.           

Nach drei Stunden sind auf den Häuschen Photovoltaikanlagen entstanden, es drehen sich zwei Windräder, eine Biogasanlage ist in Betrieb gegangen und die Haushalte sind alle mit modernen energiesparenden Geräten ausgestattet. Das Ziel ist also erreicht. Das wichtigste war aber der Weg dorthin. Bei den vielen Diskussionen haben die Kinder viel erfahren über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Energieerzeugungsarten und Stromsparmaßnahmen, aber auch über die CO2-Speicherung auf der Fläche in Mooren und Wäldern. Sie haben Handlungsalternativen entwickelt und dabei festgestellt, dass niedriger Energieverbrauch nicht automatisch Verzicht bedeutet, sondern intelligentes Nützen von Einrichtungen und Geräten.

Als der Kursleiter fragte „Was hat Dir am meisten Spaß gemacht?“ konnte man von den Kindern oft Rückmeldungen, wie „selber entscheiden“, „miteinander eine Lösung finden“ und „etwas für die Zukunft tun“ hören. Vielleicht sollten auch richtige Entscheidungsträger das STROMSPARDORF buchen.

 

 

Veranstaltungen mit unseren Kooperationspartnern

Rückblick

Kann man sich Kapitalismus abgewöhnen? Auftaktveranstaltung des Münchner Klimaherbstes

Dienstag, den 7. Oktober 2014

Referent: Prof. Dr. Elmar Altvater

"Es reicht. Wie viel Haben braucht das Sein?".

Unser Wirtschaftssystem ist in hohem Maße abhängig von der Nutzung fossiler Brennstoffe. Die Krisen, die dadurch entstehen, sind bedrohlicher als alle Finanzkrisen. Denn Krisen im Geldsystem sind grundsätzlich behebbar; es werden zwar ungeheure Summen vernichtet, aber diese lassen sich ersetzen. Die Zerstörungen der Natur hingegen, die mit unserer Form des Wirtschaftens einhergehen, sind unwiederbringlich.

Zugleich verliert die Wirtschaft mit jedem Wachstumsschub immer mehr ihre Ressourcenbasis. Der bekannte Politikwissenschaftler und -berater Prof. Dr. Elmar Altvater ist daher überzeugt: „Der fossile Kapitalismus hat keine Zukunft.“

Wie aber könnte eine postfossile Wirtschaft aussehen, wie ein Leben ohne Übernutzung der Natur und ihrer Ressourcen? Diese Fragen standen im Zentrum der Auftaktveranstaltung des 8. Münchner Klimaherbstes.
 
Elmar Altvater ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der FU Berlin und u.a. Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac. Nach seinem Vortag moderierte Iska Schreglmann (BR) das Gespräch. Gäste waren die Journalistin und Autorin Greta Taubert, die ein Jahr lang versucht hat, aus der westlichen Konsumkultur konsequent auszusteigen (beschrieben in ihrem Buch „Apokalypse Jetzt!“), und der politische Ökonom Johannes Schneeweiss vom Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V., das Anfang September in Leipzig mit großem Erfolg die „4. Degrowth-Konferenz für ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit“ mitveranstaltet hat. Musikalisch begleitet wurde der Abend von Laye Mansa (art for green e.V.).

Der Abend wurde in Kooperation mit Global Challenges Network (GCN) e.V., dem Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München sowie der Münchner Volkshochschule durchgeführt.

 

 

Verlust der Nacht - Über die Folgen der Lichtverschmutzung für die Natur

Freitag, 19. September 2014, 18.00 Uhr, münchner zukunftssalon, oekom e.V., Waltherstr. 29. Rgb., 2. Stock, 80337 München, U-Bahn Goetheplatz

Referent: PD Dr. Franz Hölker

„Wo sind die Sterne geblieben?“ fragt sich mancher, der nachts in den Himmel schaut. In den Städten leuchten sie kaum noch, die Dauerbeleuchtung erhellt den Himmel und macht die Nacht zum Tag. Da Licht positiv mit Werten wie Sicherheit, Wohlstand und Modernität besetzt ist, neigen wir dazu, unsere Umgebung intensiv zu beleuchten. Doch was unschätzbare Vorteile bringt, hat auch seine Schattenseiten: Die „Lichtverschmutzung“ nimmt zu – mit bisher unbekannten Auswirkungen auf Mensch und Natur.

Für die meisten Organismen ist der Wechsel von Tag und Nacht der stärkste Zeitgeber. Viele physiologische Prozesse, etwa zur Regenerierung von Zellen, der gesamte Schlaf-Wach-Rhythmus werden durch Licht gesteuert. Welche Auswirkungen hat es für uns Menschen, aber auch für die anderen Lebewesen in der Natur, von denen viele sich über Jahrmillionen an ein Leben in der Dunkelheit angepasst haben, wenn wir zunehmend unsere Nachtlandschaften beleuchten? Wie wirkt sich dies auf Ökosysteme und Artenvielfalt aus? Müsste sich nicht der Naturschutz auch verstärkt für den Schutz der Nacht einsetzen?

Der Biologe und Privatdozent Dr. Franz Hölker vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin leitet zurzeit den Forschungsverbund „Verlust der Nacht“, dessen wichtigsten Ergebnisse er in dem Vortag vorstellte. In dem weltweit einmaligen interdisziplinären Projekt untersuchen Sozial- und Naturwissenschaftler, Astronomen und Lichttechniker erstmals gemeinsam die ökologischen, gesundheitlichen sowie kulturellen und sozioökonomischen Auswirkungen von künstlichem Licht in der Nacht.

Münchner Forum Nachhaltigkeit

Veranstalter / Initiatoren

  • oekom e.V.
  • Selbach-Umwelt-Stiftung
  • Schweisfurth-Stiftung

Kooperationspartner

  • Bürgerstiftung
    Zukunftsfähiges München
  • Die Umwelt-Akademie e.V.
  • Hochschule für angewandte Wissenschaften - FH München
  • Ringvorlesung Umwelt
    der Studentischen Vertretung der TU München

Mehr Wohlstand durch weniger Naturverbrauch - Europa als Vorreiter der ökologischen Moderne

Freitag, 12. Dezember 2014, ab 18.30 Uhr, im HVB-Forum, Prannerstr. / Ecke Kardinal-Faulhaber-Str., 80333 München

Referent: Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker

Grußwort: Heinz Laber, Mitglied des Vorstands der UniCredit Bank AG

Das Know-how für eine neue, umweltschonende Form des Wirtschaftens ist vorhanden. Zahlreiche Beispiele zeigen: Dank technischer und sozialer Innovationen lassen sich Naturgüter um ein Vielfaches effizienter nutzen als bisher. Wir können Solarhäuser bauen, deren Energiekosten fast bei Null liegen, oder gesunde Lebensmittel ökologisch so produzieren, dass die Fruchtbarkeit der Böden gesteigert und nicht gemindert wird.

Diese Steigerung der Ressourcenproduktivität ist für den Biologen und Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker die »Melodie des neuen technischen Fortschritts, der einen neuen großen Wachstumszyklus trägt«. Im Unterschied zu früheren Wellen technischer Innovationen geht es diesmal darum, dass »der Naturverbrauch vermindert, aber der Wohlstand vermehrt wird«.

Das ist allerdings nur mit Unterstützung und Rahmensetzung der Politik möglich. In globaler Perspektive kommt dabei Europa – und allen voran Deutschland – eine zentrale Rolle als Vorreiter einer ökologischen Moderne zu.

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker gilt international als einer der wichtigsten Vordenker eines ökologischen Umbaus moderner Industriegesellschaften. Er war Gründungspräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, Mitglied des Deutschen Bundestages und ist seit 2012 Ko-Vorsitzender des Club of Rome. Seit 2007 arbeitet er zudem in leitender Funktion im International Panel on Sustainable Resource Management der Vereinten Nationen.

 

Wissenswertes

 

E.on - Späte Reue

„Neues zerstört Altes“: Das ist die inhärente Furcht jedes Konzernmanagers. Microsoft zerstörte IBMs PC-Bereich, Apple nahm Microsoft die Marktführung und Google und Samsung werden vielleicht Apple eines Tages in eine Krise führen. Das ist der klassische Wandlungsprozess, den jeder erfahrene Manager fürchtet. Denn Neues gedeiht nicht in alten Strukturen, die Alten sind zu mächtig. Diese Erfahrung ist alt. Und so versuchten auch die Manager von E.on, die Gefahren durch die Erneuerbaren Energien wegzudrücken. Das alte Konzept war ein Konzept der großen Zentralen, der Atomkraftwerke und der Kohlekraftwerke, zwar vor Jahrzehnten entstanden aus dem regionalen Ansatz, aber der konnte mit Großkraftwerken nicht konkurrieren. Die großen zentralen Kraftwerke mit ihren enormen Netzverteilern bestimmten nun drei Jahrzehnte das Bild.

Aus diesem Geist heraus versuchten E.on und andere, neue „Zentren“ zu schaffen, wie zum Beispiel die großen off-shore-Windparks oder desertec, und mit diesen Konzepten die alten Strukturen der europaweiten Netze und großer Zentralpunkte zu erhalten. Aber das ging schief. Zu stark sind die Vorteile der Regionalisierung der Erneuerbaren Energien. Auch der Gesetzgeber half, übrigens im Auftrag der Energiekonzerne: Er entzog den großen Solarparks die Einspeisezusicherung, um konkurrierende Zentren der neuen Art zu verhindern. Zahlreiche hochwirtschaftliche Solarpark-Projekte oberhalb 10 MW mussten damit aufgegeben werden.

Nun also die Einsicht, zumindest bei E.on. Es nützt nichts mehr, den Siegeszug der Erneuerbaren Energien zu negieren. Akzeptiert man ihn aber, dann ist die Teilung von Konzernen wie E.on eine logische Konsequenz. Denn damit entsteht ein unabhängiger und auf die neue Zeit ausgerichteter Konzern und es verhindert, dass ein Niedergang der alten Strukturen durch die Belastungen der Stilllegungen von Kohle und Atom das Neue mit hineinreißt. Nun zu klagen, dass damit E.on sich der Last der Abbaus der Atomkraftwerke entledigt, ist falsch. Denn diese Last bleibt den alten Strukturen erhalten. Und es nützt für einen erfolgreichen Weg der Neuen Energien nichts, sie durch diese Altlasten zu gefährden.

Ob nun die gebildeten Rückstellungen reichen oder nicht, wird man sehen. Jedenfalls ist diese Frage unabhängig davon, ob diese Zahlen richtig sind. Denn wenn sie nicht ausreichen und man  als logische Konsequenz eine Insolvenz erzwingen würde, dann reißen Sie die neuen Energien wenigstens nicht mit in den Abgrund.

Wenn eine Insolvenz, dann wird der Steuerzahler einspringen müssen. Bis dahin allerdings garantiert der Erlös der weitgehend abgeschriebenen Kohlekraftwerke und der unverändert wichtigen Gaskraftwerke, dass es eben nicht der Steuerzahler ist, der am Schluss die enormen Kosten der Fehler vergangener Jahrzehnte bezahlen muss. Insofern  ist die Teilung von E.on ein strategisch richtiger Schritt.

Nun bleibt zu hoffen, dass gutes Management das klassische Geschäft mit großen Anlagen einigermaßen erfolgreich hält und der nun selbstständige Teil der Erneuerbaren Energien durch seine neue Freiheit zu einem starken Partner der Kommunen, der Industrie und letztlich des Verbrauchers wird. Denn große Erfahrung hat man in beiden durch die Teilung entstehenden Firmen, die Altvorderen hatten nur deren Nutzung für die Neuen Energien blockiert. Ein typisches Beispiel übrigens, dass kurzsichtiges Handeln unter Vernachlässigung der Gebote der Nachhaltigkeit sich irgendwann auch für große Konzerne unheilvoll auswirkt. Die E.on-Aktie, die ja auch viele Kommunen und Pensionsfonds als bisherigen Blue Chip halten, hat durch diese Kurzsichtigkeit schon die Hälfte ihres Wertes verloren, immerhin die Hälfte, ein Verlust von mehr als 40 Milliarden. Weitblick hätte dies vermeiden können.

Dr. Peter H. Grassmann

Dr. Ing. Peter H. Grassmann

Peter Grassmann, Vorstandsmitglied

 


Klimawandel: eine globale Herausforderung
(Climate change: a global challenge)

Fotoausstellung im Botanischen Garten München-Nymphenburg, 1. Dezember 2014 bis 01. Februar 2015

Der Klimawandel schreitet unbeirrt fort, ohne dass wir Maßnahmen ergreifen, die unsere Treibhausgas-Emissionen drastisch genug reduzieren. Mit Fotos über die Ursachen, Folgen und Lösungsmöglichkeiten des Klimawandels soll diese Ausstellung auf die Dringlichkeit und Machbarkeit effektiven Klimaschutzes hinweisen. Die Fotos stammen von dem preisgekrönten amerikanischen Naturfotografen Gary Braasch.
 
Braasch dokumentiert den Klimawandel seit über 40 Jahren. Dabei ist sein zentrales Anliegen, über Kunst die Menschen zu mehr Verständnis und Faszination für die Natur zu bewegen und sie gleichzeitig zum Handeln zu motivieren. Braasch erhielt den Ansel Adams Preis vom Sierra Club und wurde von der nordamerikanischen Fotografie-Vereinigung zum Outstanding Nature Photographer ernannt. 2010 wurde er vom Outdoor Photography Magazin zu einem der 40 einflussreichsten Naturfotografen gekürt.
 
Die Ausstellung enthält Fotos aus Regionen der ganzen Welt – über die Arktik, Hochgebirgsregionen wie Himalaya und den Alpen, Brasilien, Nordamerika, China, Kenia und Australien zur Antarktik – überall hinterlässt der Klimawandel dramatische Spuren. Die Bilder werden mit ausführlichen Beschreibungen in deutscher und englischer Sprache begleitet.
 
Als Wanderausstellung werden die Bilder in 2015 und 2016 an vielen verschiedenen Orten, v.a. an Schulen, zu sehen sein. Details zur Wanderausstellung finden Sie unter hier. Die Konzeption der Ausstellung erfolgte durch den Verein WissenLeben.

Zeitlgeich findet im Botanischen Garten die jährliche Schmetterlingsausstellung statt. Wir empfehlen. die Schmetterlingsausstellung vor 15:30 zu besuchen, da bei Beginn der Dunkelheit die Schmetterlinge  nicht mehr fliegen, und dadurch schwer zu entdecken sind.

 

Buch- und Filmempfehlungen/Neuerscheinungen

 

Klimaschutz: Neues globales Abkommen in Sichtweite?

politische ökologie Band 139, 144 S., 17,95 €, ISBN 978-3-86581-488-3

Der aktuelle Band der Zeitschrift politische ökologie erläutert, warum Rhetorik und Wirklichkeit beim Klimaschutz weiter auseinanderklaffen – trotz vermehrter Stürme, Überflutungen und Dürren sowie all ihren dramatischen Folgen für Mensch und Natur.

Laut Weltklimarat kostet es nicht die Welt, den Planeten zu retten. Trotzdem fehlt bislang der politische und gesellschaftliche Wille, konsequent auf einen Niedrigemissionspfad einzuschwenken. Und das obwohl die Alarmsignale und Prognosen mehr als eindeutig sind: Schaffen es Industrie- und Schwellenländer nicht, ihren Treibhausgasausstoß bis 2050 drastisch zu senken, wird es richtig ungemütlich auf der Erde.

Immer dringlicher fordern deshalb Klimaschützer(innen) und diejenigen Menschen, die auf allen fünf Kontinenten bereits heute am stärksten unter den Folgen der globalen Erwärmung leiden, ein Ende der klimaschädigenden Politik und Wirtschaftsweise. Und spätestens seit die USA und China jüngst ambitionierte CO2-Reduktionsziele vereinbart haben, mehren sich die Hoffnungszeichen, dass der entscheidende UN-Klimagipfel im Dezember 2015 in Paris – wenn die Weltgemeinschaft ein neues verbindliches globales Abkommen zum Schutz des Klimas verabschieden will – von Erfolg gekrönt sein könnte.

Die Autorinnen und Autoren der Zeitschrift politische ökologie loten aus, wo die nationale und internationale Klimaschutzpolitik stehen und welche Blockaden es aus dem Weg zu räumen gilt, damit ein wirkungsvolles globales Abkommen in Paris 2015 tatsächlich zustande kommt.

 

 

 

Der Bauer und sein Prinz

von Bertram Verhaag

Kinostart deutschlandweit: 20. November 2015 (Termine)

Der neue Film von Bertram Verhaag zeigt einen Prinzen, der die Vision hat, die Welt ökologisch zu ernähren und die geschundene Natur zu heilen. Dieses Ziel verfolgt er mit seinem charismatischen Farmmanager David Wilson jetzt schon seit 30 Jahren.

Bertram Verhaag beobachtete die beiden Visionäre mehr als fünf Jahre durch alle Jahreszeiten hindurch. Der Prinz of Wales fühlte sich dem ökologisch nachhaltigen Gedanken schon verbunden, als wir das Wort „nachhaltig“ noch nicht mal kannten. Schon vor mehr als 30 Jahren war ihm klar, dass man nur mit praktischen Beispielen Bauern überzeugen kann, Land im Einklang mit der Natur und ohne Gifte zu bewirtschaften. Das ist den Beiden eindrücklich gelungen und Bauern aus ganz Britannien pilgern zur Duchy Home Farm und holen sich dort den Mut und das Wissen, ihre eigene Landwirtschaft umzustellen. Prinz Charles erscheint in einem gänzlich ungewohnten Licht, das den Zuschauer zwingt, viele Vorurteile gegenüber ihm und der ökologischen Landwirtschaft über Bord zu werfen.

Eigentlich erwartet man eine Geschichte über den im eigenen Land verrufenen „Ökospinner“, doch was man zu sehen bekommt, ist eine spannende Begegnung  mit naturgemäßer Landwirtschaft in all seiner Vielfalt. Man lernt einen Prinzen kennen, der sich eindeutig politisch zur bäuerlichen Kultur äußert und mit welcher Art von Landwirtschaft das Überleben der Menschheit gesichert werden kann.  Die Farm ist kein Traumschloss, sie schreibt schwarze Zahlen und gilt als Leuchtturmprojekt für den organischen Landbau.

Weiter Informationen: www.derbauerundseinprinz.de

Die aktuellen Termine finden Sie hier:

Link zum Trailer des Films: http://www.youtube.com/watch?v=lIJeijy3HRA

 

"So können wir nicht weitermachen:
nehmen, aber nichts zurückgeben.
Heutzutage geben wir nichts zurück  –  
wir nehmen nur."
(HRH Charles, Prince of Wales)

Bio-Lebensmittel Warum sie wirklich gesünder sind

Dr. Andrea Flemmer, mit einem Vorwort von Sarah Wiener, 3. Auflage, humboldt, 200 Seiten, ISBN 978-3-86910-319-8, € 12,99, auch als E-Book erhältlich.

„Bio“ war lange Zeit fast ein Schimpfwort. Und diejenigen, die die Produkte kauften, galten als Spinner oder Ökos. Nach zahlreichen Lebensmittel-Skandalen änderte sich das. Heute gibt es einen Bio-Boom. Aber was ist dran an diesem Boom? Ist Bio wirklich besser? Welche Schadstoffe erspare ich mir, wenn ich zu dieser Bio-Lebensmitteln greife? Welche unerwünschten Technologien umgehe ich, wenn ich Bio kaufe? Warum sind Bio-Produkte teurer? Ist das berechtigt oder werde ich einfach nur „abgezockt“?

Wie erkenne ich Bio-Lebensmittel zweifelsfrei?  Was sagt die Wissenschaft zu den gesundheitlichen Vorteilen von Bio-Lebensmitteln?  Wie viel mehr dürfen Bio-Lebensmittel kosten?  Welche Produkte darf man zur Not auch konventionell kaufen und bei welchen Lebensmitteln geht man besser keine Kompromisse ein?

Diese Fragen beantwortet die Autorin in ihrem Ratgeber. Sie stellt das gesamte Umfeld der Bio-Lebensmittel auf den Prüfstand. Sie erklärt klar und verständlich was biologische Lebensmittel sind und was sie auszeichnet. Aber auch die konventionelle Landwirtschaft/Lebensmittelindustrie wird beleuchtet: der Einsatz von Chemie, die Bestrahlung von Lebensmitteln, Gentechnik und Massentierhaltung sind nur einige der vorgestellten Aspekte. Interessant ist auch zu erfahren, wie sich die Preise bei ökologischen Lebensmitteln zusammen setzen und warum sie zum Teil so teuer sind.

Die Starköchin und Bio-Botschafterin Sarah Wiener hat das Vorwort zu diesem Ratgeber geschrieben: „Ich träume davon, dass alle Menschen mündige Verbraucher sind. Das sie gesunde, nachhaltig produzierte Lebensmittel einfordern. Dr. Flemmer gibt interessierten Verbrauchern ein so sachkundiges wie praktisches Buch an die Hand“.

Dr. Andrea Flemmer ist Diplom-Biologin und Ernährungswissenschaftlerin. Sie arbeitet im Umweltschutz und veranstaltet Podiumsdiskussionen zu Ernährungs-, Gesundheitsund Umweltthemen. Die Autorin hat bis heute zahlreiche Ratgeber rund um das Thema Ernährung veröffentlicht.

 

Auszeichnungen

Bayerische Klima-Allianz PHINEO Wirkt Siegel http://www.un-dekade-biologische-vielfalt.de/ Umweltbildung Bayern UN_Dekade_Offizielles Projekt_2014 BNE-Auszeichnung www.landesstiftung.bayern.de

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