Editorial

Auszeichnung: Die Umwelt-Akademie ist offizielles Projekt der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung

Liebe Mitglieder,
liebe Freunde der Umwelt-Akademie,

wir freuen uns, dass die Deutsche UNESCO-Kommission uns, Die Umwelt-Akademie e.V., als „offizielles Projekt der Dekade der Vereinten Nationen zur Bildung nachhaltige Entwicklung 2005 – 2014“ ausgezeichnet hat. Ende Januar wurden wir als Münchens Vorreiter im Bereich Nachhaltigkeit auf der offiziellen Website der Weltdekade der vereinten Nationen als „Projekt der Woche“ präsentiert. Klicken Sie hier

Über die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005-2014):

Nachhaltige Entwicklung funktioniert nur, wenn sich jeder für eine menschenwürdige Gesellschaft einsetzt. Die notwendigen Fähigkeiten dazu vermittelt Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE. Mit der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005-2014) haben sich die Staaten der Vereinten Nationen verpflichtet, diese Art des Lernens in ihren Bildungssystemen zu verankern. Auf Grundlage eines einstimmigen Bundestagsbeschlusses koordiniert die Deutsche UNESCO-Kommission die deutschen Aktivitäten zur UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung". Sie hat ein Nationalkomitee berufen und mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eine Dekade-Koordinierungsstelle eingerichtet. In diesem Jahr widmen wir uns mit einer breit angelegten Veranstaltungsreihe dem Thema "Partizipation und nachhaltige Lebensstile“. Viele Menschen haben erkannt, dass unser auf Wachstum ausgerichtetes Wirtschaftssystem an seine Grenzen stößt. Zukunftsfähiger Konsum und Klimaschutz im Alltag sind Aktionsfelder, die viele Bereiche des Lebens betreffen. „Entsprechend wichtig ist der interdisziplinäre Ansatz von Bildungsveranstaltungen. Diesem Anspruch wird die Umwelt-Akademie mit ihren Schwerpunkten „Marktwirtschaft“, „Geld“, „Gesundheit“, „Ernährung“, „Energiewende“ und „Biodiversität“ gerecht.

Mit Exkursionen und ungewöhnlichen Veranstaltungsformaten zeigt die Umwelt-Akademie Wege hin zu einer werteorientierten Marktwirtschaft und einem ethisch-ökologischen Umgang mit Geld. Die Veranstaltungen tragen dazu bei, den  gesellschaftlichen Boden für eine ganzheitliche Betrachtung der Themen Gesundheit und ökologische Ernährung zu bereiten. Durch die Motivation der Eigenverantwortung können Verbraucher zu einem Funktionieren der Energiewende und dem Schutz der Artenvielfalt beitragen.

Im kommenden Jahr hat der 1990 gegründete Verein rund 45 Veranstaltungen geplant. Mit dem Projekt "Partizipation und nachhaltige Lebensstile" soll an das Erfolgsprojekt „Mutbürger für die Energiewende!“ angeknüpft werden. Die Reihe hatte 2012/13 rund 4.000 TeilnehmerInnen erreicht und ein beachtliches Medienecho hervorgerufen.
Nachfolgend eine Auswahl der diesjährigen Schwerpunkte und Veranstaltungen:

Neue Zielgruppen: Lehrkräfte, Pädagogen und Kinder
Im Jahr 2014 bietet die Umwelt-Akademie in Kooperation mit dem Pädagogischen Institut der Landeshauptstadt München erstmals ein explizites Programm für LehrerInnen und Schulen. Am 11. April und am 14. Oktober erhalten Lehrer und Schüler praxisnahe Einblicke im Bereich Klimaschutz und Energiewende: Konkret steht ein Besuch des Münchner Praterkraftwerks auf dem Programm. Umweltbildung im Vorschulalter ist das Thema einer Veranstaltung am 8. April. Almut Döring, Gründerin eines Waldkindergartens, stellt das Konzept naturnaher Kinderbetreuung vor, bevor sie am 10. Mai Pädagogen, Kinder und Eltern zu einer Exkursion in den Kindergarten einlädt.  

Lebensmittel-Lügen aufdecken
In praxisnahen Veranstaltungen klärt die Umwelt-Akademie über die „alltäglichen Lebensmittel-Lügen“ auf. Bedenkliche Zutaten in verarbeiteten Lebensmitteln und die (vielfach falschen) Aufschriften auf Verpackungen sind wichtige Themen für Verbraucher. Auch die Produktionsbedingungen unserer täglichen Nahrung werden genauer beleuchtet. Am 2. Oktober erläutern Fair-Trade-Experten beispielhaft die Wertschöpfungskette von Bananen und Schokolade. Am 29. April führt eine Exkursion in die Bio-Molkerei Andechs, um zu klären ob „bio“ drin ist, wenn „bio“ drauf steht, und wie die regionale Verarbeitung „fairer“ Milch aussehen kann. Experten und Fachjournalisten diskutieren am 13. Februar unter dem Titel „Dürfen wir noch Fisch essen?“, ob nachhaltiger Fischfang oder Aquakultur die bessere Lösung ist, und was „Fisch-Siegel“ wirklich aussagen.

Aufklärung und Verbraucherschutz
Die Umwelt-Akademie widmet sich auch 2014 wieder Themen, die in der Öffentlichkeit oft vernachlässigt werden; zum Beispiel den Folgen für unsere Gesundheit, wenn wir durch Baustellen, Straßenverkehr und Flugzeuge einer ständigen Geräuschkulisse ausgesetzt sind. Am 4. Februar erläutert Thomas Myck vom Umweltbundesamt, welche gesundheitsschädlichen Auswirkungen Lärm auf den Organismus haben kann. Um Gefährdung durch Umwelteinflüsse geht es auch in einer Veranstaltung im November, wenn ein Umweltmediziner der Frage nachgeht, ob und wie man sich vor Krebserkrankungen durch Feinstaub und andere schädigende Einflüsse schützen kann.

Erfolgsprojekt „Mutbürger für die Energiewende“
Die Veranstaltungsreihe „Mutbürger für Energiewende!“ wird seit Ende 2011 von der Umwelt-Akademie e.V. in Kooperation mit der Landeshauptstadt München durchgeführt. Sie wird gefördert von der IKEA-Stiftung und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Nur in Form von Rede und Gegenrede, Transparenz und Bürgerbeteiligung, Fairness und Klarheit kann das Ziel „Energiewende“ erreicht werden. Akteure mit kontroversen Standpunkten und Bürger führen Debatten, die anschließend auf der Website der Umwelt-Akademie fortgeführt werden. Am 17. April ist der Peak-Oil-Experte Jörg Schindler bei einer Veranstaltung im  Rathaus zu Gast, um unter dem Motto „Zur Energiewende gehört die Verkehrswende“ über postfossile Mobilität zu diskutieren. Projekte für Erneuerbare Energie sehen sich immer öfter mit dem Widerstand von Anwohnern konfrontiert. Warum Windräder so umstritten sind und welche Folgen der Bau für das direkte Umfeld hat, erfahren die Teilnehmer einer Exkursion zum Windrad in Dachau am 17. Mai.

Wir freuen uns auf ein spannendes Jahr mit Ihnen!

Dr. Helmut Paschlau



 

 

Dr. Helmut Paschlau

Dr. Helmut Paschlau
Vorstand

 

UN Dekade Nachhaltigkeit

Themen-Schwerpunkte

 

Werteregulierte Marktwirtschaft

 

Ausblick

 

Ko-Regulierung der werteorientierten Marktwirtschaft

11. März 2014, 19:00h, Vortragssaal GLS-Bank, Bruderstr. 5a, 80538 München (U-Bahn Odeonsplatz)
in Kooperation mit Forum Ökosoziale Marktwirtschaft (FÖS)

Referenten:

  • Dr. Sabine Ferenschild, SÜDWIND-Institut für Ökonomie und Ökumene, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Kampagne Saubere Kleidung

  • Dirk Sander, Managerfragen.Org e.V., Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V., CSR-Forum im Senat der Wirtschaft e.V.

Vom fehlenden Nutzen der Freiwilligkeit: Arbeitsbedingungen in der globalen Textilindustrie und Ansätze zu ihrer Humanisierung
Die Bekleidungsindustrie gilt als Vorreiterin der Globalisierung. Seit den 1970er Jahren ist sie nahezu flächendeckend aus den klassischen Industrieländern in die sogenannte Entwicklungsländer abgewandert. Seit den frühen 1990er Jahren überschlagen sich die Berichte aus vielen Produzentenländern zu katastrophalen Arbeitsbedingungen: Niedriglöhne, überlange Arbeitszeiten, fehlende Sicherheit bzw. Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, Kinderarbeit, Verhinderung betrieblicher Interessenvertretung sind an der Tagesordnung.

Die großen Bekleidungshändler wie u.a. C&A, H&M oder Otto sind die Auftraggeber der Bekleidungsfabrikanten in den südlichen Ländern. Sie haben seit Mitte der 1990er Jahre eine Politik der freiwilligen sozialen Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility – CSR) entfaltet, die aber in der Kritik steht wegen mangelnder positiver Auswirkungen für die Beschäftigten. Die Argumentation der Unternehmen, die Kritik der Kampagne für Saubere Kleidung an den Unternehmen und auch die politischen Regulierungsansätze werden im ersten Vortrag dargestellt.

Branchenspezifische Initiativen als Ergänzung zu staatlicher Regulierung als wichtige Komponente einer Werteregulierten Marktwirtschaft
Die heutige Gesellschaft wird durch zunehmend komplexe Herausforderungen für die nachhaltige Entwicklung geprägt, wie dem demographischen Wandel, Ressourcenknappheit oder ökosozial verantwortliches Handeln. Als Ergänzung staatlicher Steuerung interessant sind hier pragmatische und innovative Lösungsansätze in Kooperation zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Solche Initiativen von Unternehmensgruppen und Wirtschaftsverbänden werden oft als Selbst- (und Ko-) Regulierung bezeichnet, allerdings mit sehr gemischten Erfahrungen. Als Verbesserungsansatz interessieren vor allem sogenannte Multistakeholder-Initiativen, in denen divergierende Interessengruppen ihre Kompetenzen und Ressourcen in die Diskussion einbringen, um gemeinsam die Anforderungen an die Geschäftspolitik der Unternehmen in einem Verhaltenskodex festzulegen. Dies kann dem geringen Vertrauen eines Teils der Bevölkerung in ein „Qualitäts-Siegel“ – wie „Bio“ oder „fair-trade“ – entgegenwirken und die Ethikstandards eines Wirtschaftssektors deutlich heben. Im zweiten Vortrag erfahren Sie, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit solche Initiativen gelingen.

Dr. Ing. Peter H. Grassmann

Für das Thema „Werterorientierte Marktwirtschaft“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied Dr. Peter Grassmann.

Abbau von Wachstumszwängen

Mittwoch, 14. Mai 2014, 19:00 Uhr, GLS-Bank, Bruderstr. 5a, 80538 München-Lehel (U-Bahn Odeonsplatz)

Referentin: PD Dr. Irmi Seidl, Eidgenössische Forschungsanstalt WSL, Leiterin Forschungseinheit Ökologische Ökonomie

Wohlfahrtsorientierung statt Wachstum des Bruttoinlandprodukts, Minus-Wachstum, Null-Wachstum, Grünes Wachstum, Nachhaltiges Wachstum, Postfossiles Wachstum… so lauten Schlagworte rund um das Thema „Wirtschaftswachstum der Zukunft“. Genau genommen haben wir in Deutschland im langfristigen Durchschnitt schon keines mehr. Aber Länder der sog. Dritten Welt werden noch viel Wachstum ihrer Volkswirtschaften brauchen, wollen sie Elend und Unterversorgung beenden.

Wirtschaftswachstum – gemessen im Zuwachs jährlich erzeugter Güter und Dienstleistungen, dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) – ist in Deutschland, in Europa, in den westlichen Industrienationen ein Dogma. Ohne Wachstum des BIP keine Gewinne der Unternehmen, keine Arbeitsplätze, kein „Mehr“ an Steuereinnahmen, keine Stabilisierung der Rentensysteme, wird uns gepredigt. Der Bundestag hat in der letzten Legislaturperiode vergebens diskutiert, ob ein zweites Messinstrument neben dem BIP installiert werden solle – nicht Wohlstand, sondern Wohlfahrt wäre das richtige: Wohlfahrt beinhaltet nicht nur Geld, sondern auch eine geringe Kriminalitätsrate, gesunde Umwelt, hohes Bildungsniveau auf allen Ebenen, stabile Gesundheitssysteme, echte politische Teilhabe. Erwiesen ist: Mit steigendem BIP wird die Mehrheit der Deutschen nicht glücklicher.

Wirtschaftswachstum bedeutet – zumindest ungebrochen bis zum heutigen Tag – mehr Ressourcenverbrauch, mehr fossile Energie, mehr Belastung von Umwelt und Atmosphäre als Deponie weltweiter CO2-Emissionen. Die Menschheit „verbraucht“ derzeit die Ressourcen von zweieinhalb Globen; wir haben aber nur einen Globus. Wir in den hochentwickelten westlichen Industriestaaten bestimmen den Lebensstil, den Milliarden von Menschen nachzuahmen versuchen – verbrauchen wir Menschen demnächst die Ressourcen von vier Globen??

Dass die Menschheit einen anderen Entwicklungspfad begehen muss, dämmert jedem von uns; wer sollte voranschreiten, wenn nicht diejenigen, denen es an nichts mangelt?! Wir sind gefragt. Es geht nicht nur um die Hinterfragung eines Fetisches; es geht konkret um die Frage, wie heute faktisch vorhandene Wachstumszwänge abgebaut werden können.

 

Ethisch-ökologischer Umgang mit Geld

Ausblick

 

Kabarettabend: Grünes Geld und frische Blüten – Ein C[r]ashkurs

Donnerstag, 13. März 2014, 19:30, Theater Drehleier (www.theater-drehleier.de), Rosenheimer Str. 123, 81667 München

Eine humoristische Spurensuche mit Max Deml und Georg Bauernfeind

Der Kabarettist Georg Bauernfeind und der Finanzfachmann Max Deml (Autor des Buches „Grünes Geld“ und Chefredakteur des Börsendienstes „Öko-Invest“) begeben sich auf humoristische Spurensuche nach dem Börsensturz 2008, mitten in der Euroland-Krise – und vor dem nächsten Crash: Was macht das Geld, wenn es nicht arbeitet? Macht es dann Urlaub? Und wo?

Zwischen Moneymakern und überforderten Erbschaftsantretern beleuchten Deml und Bauernfeind Wege und Irrwege der Finanzwelt.

Eintritt:

  • Vorbestellung: 20,00 Euro

  • Abendkasse: 22,00 Euro


Anmeldung: Da die Platzzahl beschränkt ist, bitten wir Sie, sich schnellstmöglich unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! anzumelden. Bei erfolgreicher Anmeldung erhalten Sie eine Bestätigung sowie die genauen Details zur Ticketvergabe.

 

Deml

 

Das Kabarett wird gefördert von:

GLS-Logo

Green City

greenValue

Ökologische Ernährung

 

Ausblick

 

Slow Food – Genießen mit Verstand

Donnerstag, 5. Juni 2014, 19.00 Uhr, Schweisfurth-Stiftung, Südliches Schlossrondell 1, München

Referntin: Dr. Ursula Hudson, Vorsitzende Slow Food Deutschland

Für diesen Vortrag konnten wir die Vorsitzende von Slow Food Deutschland, Dr. Ursula Hudson, gewinnen.Wissen Sie, wo Ihre Frühstückssemmel herkommt? Die Milch in Ihrem Kaffee? Das Schnitzel in Ihrer Pfanne? Welches Obst und Gemüse im Münchner Umland traditionell angebaut wird und wann es Saison hat? Unter welchen ökologischen und sozialen Bedingungen und in welcher handwerklichen Qualität unsere Lebensmittel produziert werden und wie sich das lokal und global auswirkt? Und schließlich: Faire saisonale Lebensmittel aus ökologischem, regionalen Anbau und Genuss – geht das überhaupt zusammen?

Genau auf diese Fragen will Slow Food Antworten geben: Unter dem Motto „Gut, sauber und fair“ setzt die Bewegung seit nunmehr fast 30 Jahren ein klares Zeichen gegen den Trend des „uniformen, globalisierten und genussfreien Fast Food“ und damit für eine lebendige und nachhaltige Kultur des Essens und Trinkens. Rund 120.000 Mitglieder in 150 Ländern zählt die Vereinigung „bewusster Genießer und mündiger Konsumenten“, deren Logo die Weinbergschnecke ist – als Symbol der Langsamkeit.

Egal, ob Fleischesser, Vegetarier oder Veganer: Slow Food steht für ein umfassendes Konzept des verantwortungsvollen Umgangs mit Mensch und Natur. Daraus ergeben sich ihre Forderungen – auch an die politischen Entscheidungsträger – nach nachhaltiger Landwirtschaft und Fischerei, artgerechter Viehzucht, traditionellem Lebensmittelhandwerk, sozialer Gerechtigkeit und nicht zuletzt der Bewahrung regionaler Geschmacksvielfalt. Kurz: Nach Genuss mit Verantwortung.

 

 

Georg Schweisfurth

Für das Thema „Ökologische Ernährung“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied Georg Schweisfurth.

Rückblick

 

Dürfen wir noch Fisch essen?

Dienstag, 13. Februar 2014, 19.00 Uhr, Schweisfurth-Stiftung, Südliches Schlossrondell 1, München

Referentinnen:

  • Dr. Iris Menn, Greenpeace e.V. Hamburg, Campaignerin u.a. für den Bereich Fisch und Herausgeberin des „Greenpeace Fischführers“:
    „Industrielle Fischwirtschaft: Gefangen und gezüchtet – welchen Fisch zu essen ist noch vertretbar?“ 
  • Nicole Knapstein, Journalistin und Initiatorin des „FischEinkaufsführers“, Mitinitiatorin der „Slow Fish“-Messe  in Hamburg:
    „Was sagen uns Verbrauchern die „Fisch-Siegel“ – und was nicht?“

Moderation: Georg Schweisfurth

Die gute Nachricht des Abends gleich vorweg: Ja, wir dürfen noch Fisch essen.Aber...

Zunächst berichtete Dr. Iris Menn über den Status quo im Bereich Fischfang. Die Fakten sind wenig erfreulich: Fast alle gängigen Speisefischarten sind inzwischen überfischt, die Populationen können sich nicht mehr ausreichend regenerieren. Ganz zu schweigen von den Millionen Tonnen Beifang (nicht vermarktungsfähige Meerestiere; bis zu 90% der Fangmenge!), die bislang schwer verletzt oder tot einfach ins Meer zurückgekippt wurden. „Kollateralschäden“ wie etwa die irreversiblen Zerstörung weiter Bereiche des Meeresbodens und ihrer Bewohner (z.B. Korallen) durch Grundschleppnetze bleiben ein Problem. Und nicht zuletzt zum Thema fairer Handel: Europäische Trawler fischen vor der westafrikanischen Küste die Bestände leer, um unseren ständig wachsenden Nachfrage nach Seefisch nachzukommen, obwohl die Bevölkerung in Westafrika dringend auf diesen Fisch als Eiweißquelle angewiesen ist.

Ist Aquakultur die Lösung? Leider nein, Zuchtfisch ist keineswegs per se die bessere Alternative: Umweltzerstörungen wie die Abholzung von Mangrovenwäldern, um dort Fischzuchten anzulegen, mit weitreichenden Folgen für die ansässige Bevölkerung, aber auch zu hohe Besatzdichten, Desinfektionsmittel- und Medikamenteneinsatz in den Becken sind eher die Regel als die Ausnahme. Dazu kommt, dass viele Zuchtfische Raubfische sind: Für ihre Ernährung müssen große Mengen Wildfisch gefangen werden. Ein Kilo gezüchteter Lachs braucht fünf, ein Kilo gezüchteter Thunfisch sogar 20 Kilo Futter in Form von wild gefangenem Fisch, der auf riesigen sogenannten Gammelkuttern zumeist ungekühlt zu den großen Fischmehl- und Fischöl-Fabriken transportiert wird. Das macht etwa 30 Mio. Tonnen pro Jahr macht das aus, bei insgesamt 90 Mio. Tonnen Fisch, den man jährlich aus den Meeren zieht.

Ein paar Lichtblicke gibt es aber inzwischen. Eine frisch verabschiedete EU-Richtlinie, die „Common Fishery Policy“, verbietet ab 2014 schrittweise, den Beifang einfach als Abfall zu entsorgen. Kleinere Fische sollen jetzt ebenfalls in den Verkauf kommen, bei Registrierung in der entsprechenden Fangquote, nicht vermarktbare Meerestiere wenigstens zu Fischfutter verarbeitet werden.

Für den Konsumenten wichtig ist die verbesserte Deklaration auf der Verpackung von Frisch- und Tiefkühlfisch, die genauen Aufschluss über Fanggebiet und -methode gibt. Ebenfalls ein Fortschritt, der nicht zuletzt Greenpeace zu verdanken ist: Zahlreiche Supermarktketten betreiben inzwischen eine nachhaltige Fischeinkaufspolitik und schulen auch ihre Mitarbeiter entsprechend. Für uns Kunden hat Greenpeace einen Fisch-Einkaufsratgeber herausgegeben, der handlich genug ist, um ins Portemonnaie zu passen. Damit kann jeder an der Ladentheke zweifelsfrei entscheiden, welchen Fisch er guten Gewissens kaufen kann und welchen nicht.

 Präsentation Dr. Iris Menn: Klicken Sie hier

Im Anschluss ging es Nicole Knapstein zunächst um die Frage, wie weit wir den gängigen Fisch-Siegeln vertrauen dürfen. Als besonders renommiert gilt das blaue Siegel des „MSC“ (Marine Stewardship Council). Es verspricht eine nachhaltige Nutzung der Fischbestände und den Schutz der Ökosysteme. Sein Nachteil: Das Zertifizierungsverfahren ist aufwendig und teuer und damit nicht für jeden Fischer finanzierbar, auch wenn er sämtliche Kriterien erfüllen würde. Das Siegel „SAFE“ für den Delfinschutz beim Thunfischfang sagt nichts darüber aus, wie viel sonstige Schäden beim Fang angerichtet werden. Das „Naturland Wildfisch“-Siegel wird für nachhaltig produzierten und fair gehandelten Fisch vergeben, bei „Friend of the Sea“ wird auf soziale und Umweltaspekte geachtet. Aber: Keines dieser Siegel erfüllt wirklich alle wünschenswerten Nachhaltigkeitskriterien. Auf der sicheren Seite ist der Verbraucher dagegen mit Bio-Fisch aus Aquakultur, der das grüne EU-Siegel „Bio“ trägt. Es steht für artgerechte Besatzdichte, ökologisch erzeugtes, gentechnik- und von synthetischen Zusatzstoffen freies Fischfutter sowie das Verbot vorbeugender Medikamenten- und Hormongaben.

Aber braucht jeder Fisch unbedingt ein Siegel? Keineswegs, meint Nicole Knapstein. Wo immer es möglich ist, sollten wir Verbraucher regionalen Fisch frisch und unverarbeitet direkt vom Fischer (am besten aus handwerklicher Fischerei) oder vom Fischzüchter unseres Vertrauens kaufen, also dort, wo wir die Herkunft des Fisches genau zurückverfolgen und dem Fischer in die Augen sehen können. Ansonsten bleibt nur: im Zweifelsfall das Gespräch mit dem Verkaufspersonal suchen, nachfragen – und wenn man keine entsprechende Antwort bekommt, den Händler wechseln.

Nicht zuletzt kann der Fischliebhaber einen Beitrag gegen die Überfischung der internationalen Gewässer leisten, indem er sich wieder auf heimische Fischarten besinnt, wie z. B. Karpfen, Äsche, Schleie oder Barsch. Richtig zubereitet sind allesamt höchst schmackhafte Speisefische.


Präsentation Nicole Knapstein: Klicken Sie hier

Nach einer angeregten Diskussion lautete das Fazit des Abends: Fisch ist schmackhaft und bietet zwar leicht verdauliches Eiweiß und gute Fette, aber wir sind hierzulande ernährungsphysiologisch nicht darauf angewiesen, ihn in großen Mengen zu konsumieren. Wir können es uns leisten, ihn nur hin und wieder – dann aber in bester nachhaltiger Qualität – zu genießen. Dass es geht und wie es geht, haben die beiden Referentinnen klar aufgezeigt.




 

 

 

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Telefonisch bestellen unter:
040-30618-120

Oder per Post:
Greenpeace e.V.
Infoversand
Hongkongstraße 10
20457 Hamburg


Gesundheit und Eigenverantwortung

 

Rückblick

 

Auswirkungen von Lärm auf Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung

4. Februar 2014, 19:00 Uhr, Green City Energy AG, Zirkus-Krone-Str. 10 (Eingang Georg-Schätzel-Str.), 80335 München, 6. Stock (ÖPNV „Hackerbrücke“)

Referent:
Thomas Myck, Umweltbundesamt, Leiter des Fachgebiets Lärmminderung, Dessau

Beim Thema  „Lärm“ denken viele zunächst nur an Flugzeuglärm. Aber: 42 Prozent der Bundesbürger fühlen sich vom Nachbarschaftslärm beeinträchtigt. 54 Prozent nervt der  Verkehrslärm,  gefolgt von Zug-, Schiffs- und Fluglärm. Nicht zu vergessen der Lärm von Maschinen und Geräten bei Baumaßnahmen. „Umgebungslärm“ hat viele Facetten, vom alltäglichen Musikgedudel in Kaufhäusern bis hin zu schlafraubenden Beeinträchtigungen aus hellhörigen Nachbar-Wohnungen.

Mit dem Bundes-Immissionsschutz-Gesetz (BImSchG) sollen durch Lärmschutz „schädliche Umwelteinwirkungen“ eingegrenzt werden. Dabei geht es stets um künftige (Genehmigungs-) Maßnahmen; Lärm aus dem (Bau-, Verkehrs-, Nachbarschafts-) Bestand zu reduzieren, ist nicht intendiert. Die EU-Umgebungslärm-Richtlinie von 2002 schreibt vor, „schädliche Auswirkungen einschließlich Belästigungen durch Umgebungslärm zu verhindern, ihnen vorzubeugen oder sie zu mindern“. Genützt hat es bislang wenig.

Wer aus Peking oder Delhi nach München reist, merkt, wie „still“ München ist; wer weiter nach Bad Bayersoien im Vor-Allgäu fährt, atmet auf, fühlt sich unbeschwerter, schläft besser, „hier ist ja richtig still“. Lärm ist zu einer – unbemerkten – Umwelt-/Umfeld-Belastung deshalb geworden, weil wir diese gesundheitsbeeinträchtigende Geißel bewusst kaum mehr wahrnehmen; unser Unterbewusstes jedoch schon. Das kann zu Nervosität, Schlaflosigkeit, Depression führen. Doch wir sind nicht nur Opfer; wir sind auch Täter, Nachbar, Bauherr, Flugreisender.

Der Vortrag von Herrn Myk zeigte uns die ganze Breite des Themas, das sich nicht nur auf Flughäfen oder Verkehr beschränkt, sondern uns in allen Lebenslagen begleitet.  Gelernt haben wir, dass Lärm einen beträchtlichen Teil der Herz- und Kreislauferkrankungen verursacht.

Präsentation Thomas Myck: Klicken Sie hier

 

Paul Greineder

Für das Thema
„Eigenverantwortung
und Gesundheit“ engagiert
sich unser Vorstandsmitglied
Paul Greineder.

Mutbürger für Energiewende!

Ausblick

Leben mit der Energiewende

27. Februar 2014, 19:00 Uhr, Neues Rathaus, Kleiner Sitzungssaal, Marienplatz 8, München

Filmvorführung „Leben mit der Energiewende“

Podiumsgespräch zwischen

  • Dr. Thomas E. Banning, Naturstrom AG, Vorstandsvorsitzender
  • Dr. Helmut Paschlau, Die Umwelt-Akademie e.V., Vorstand

Diesmal zeigen wir einen Film und diskutieren in einem Podiumsgespräch.

Den Film des freien Journalisten Frank Farenski „Leben mit der Energiewende“ aus 2012 haben wir auf knapp eine Stunde gekürzt.

Farenski geht kritisch um mit Regierenden, Journalistenkollegen und Lobbyisten, die die Energiewende nicht nur nicht unterstützen, sondern behindern; er zeigt aber auch für jedermann sehr interessante Möglichkeiten auf, die eigene Energiewende sinnvoll zu gestalten. Mit klaren Film-Sequenzen, offenen Gesprächspartnern und kritischem Geist. Der Film beginnt mit der Kohle-Anlieferung aus Australien und Kohle-Kraftwerken, CO2-Schleudern; zerlegt die „Strompreisdebatte“ interessierter Kreise; findet einen Anbieter Erneuerbarer Energien, der sich traut, seine weitaus günstigere Kalkulation offen zu legen. Farenski berichtet von der einfachen Installation von PV-Anlagen auf dem EFH-Dach, von Stromspar-Verhaltensänderungen in der Familie, dem Waschmaschine-Anmachen-wenn-genügend-eigener-Strom-erzeugt, neuartigen Kleinspeichern im Keller. Und er zeigt plug&save: Strom-Paneele an den Balkon gehängt und Stecker in die Dose, fertig ist der billige Strom vom Baumarkt.

Anschließend soll der Film, die weitere Entwicklung seit 2012 und der Ausblick über die Große Koalition hinaus diskutiert werden; zunächst auf dem Podium, dann mit allen TeilnehmerInnen.

Als Podiumsgesprächspartner zugesagt hat Dr. Thomas E. Banning, „Urgestein“ der Energiewende, Gründer und Vorstandsvorsitzender des alternativen Energieversorgers Naturstrom AG und als „innovative Unternehmenspersönlichkeit“ ausgezeichneter Preisträger des „Energy Awards“ der Fachmesse Renexpo. Banning setzt sich seit vielen Jahren für eine nachhaltige Energieversorgung auf Basis regenerativer Energien ein, die sich durch Bürgerbeteiligung, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit auszeichnet. „Rückenwind für Bayern“ gegen das populistische Ausbremsen der Windenergie wird eine Rolle spielen; Banning hat dieses Bündnis mit gegründet. Hochspannend und hochaktuell also.

 

„Mutbürger für
Energiewende!“

Veranstaltungsreihe 2012

Gefördert durch

Ikea Stiftung

DBU

 

In Kooperation mit

Landeshauptstadt München,  Referat für Gesundheit und Umwelt

 

Energiewende europäisch denken!

Donnerstag, 27. März 2014, 19:00 Uhr, Neues Rathaus, Großer Sitzungssaal, München, Marienplatz 8

Referent: Prof. Dr. Thomas Hamacher, Technische Universität München (TUM), Lehrstuhl für Energiewirtschaft und Anwendungstechnik

Das Thema „Energiewende europäisch denken!“ hat mindestens zwei Aspekte: Welche (technischen) Folgen hat der Energiewende-„Alleingang“ Deutschlands auf die europäischen (Nachbar-) Länder? Und welche Ziele setzt sich die Europäische Union hinsichtlich Energiewende, Abkehr von fossiler Energiewirtschaft, CO2-Klimaschutz?

Dass es „knirscht“ zwischen Deutschland und einigen Nachbarländern, ist medienbekannt: Polen und Tschechien wollen Bollwerke gegen deutschen offshore-Windstrom errichten, Belgien und Niederlande haben sie schon: „Phasenschieber“. Weil deutsche Überlandleitungen von der Nordsee nach Süddeutschland fehlen, drückt offshore-Windstrom in die Übertragungs-Netze der Nachbarstaaten; diese drohen zu kollabieren, blackout´s werden befürchtet. Deshalb sollen dort für viele hundert Mio. Euro riesige Transformationen gebaut werden, die den deutschen Stromdurchfluss begrenzen können; mit der Folge, dass wiederum deutsche Netze überlastet wären. Denn der Strom sucht sich physikalisch „seinen“ Weg des geringsten Widerstands. Deutschland täte gut daran, seine Energiewende-Politik mit den europäischen Nachbarn abzustimmen, denn die haben den „Stromkrieg“ erklärt. Doch dergleichen ist kaum bekannt.

Zeitgleich grätscht die EU-Kommission in die deutsche Energiewende-Politik Deutschlands: Es geht vordergründig um die Wettbewerbskonformität der „Beihilfen“ aus dem Erneuerbaren Energien-Gesetz (EEG): Ob der zuständige EU-Wettbewerbskommissar die EE-Stromerzeuger-Subventionen durch die privaten Stromnachfrager, also mit dem EEG die gesamte Energiewende kippen will oder „nur“ die überbordenden Ausnahmen zugunsten energieintensiver Industriebetriebe, bleibt in dem seitens der EU-Kommission offiziell eingeleiteten „Straf“-Verfahren gegen Deutschland bislang offen. Erstaunlich nur, dass die EU-Kommission die „Beihilfen“ – also die Steuerzahler-Subventionen zugunsten Kohle und Atom – nicht angreift. Oder ist das gar nicht erstaunlich? EU-Energiekommissar Oettinger bereitet das europäische Ziele-Paket für die Periode ab 2020 vor: Galten bisher EU-bindende Ziele für Energiesparen, Anteile von Erneuerbare Energien etc., soll es künftig nur noch (abgeschwächte) CO2-Klimaziele geben. Jeder Nationalstaat kann dann energiepolitisch machen, was er will: Großbritannien und Litauen bauen neue AKWs, Frankreich ruht sich auf seinem Staatskonzern EDF mit 80% Atomstrom aus, Polen und Tschechien setzen zunehmend auf Braunkohle, die Alpenstaaten mit ihrem Erneuerbare-Energien-Ansatz werden wettbewerbsrechtlich eingebremst.

Das kann das letzte Wort nicht sein.

 

Zur Energiewende gehört die Verkehrswende!

Donnerstag, 17. April 2014, 19:00 UhrNeues Rathaus, Großer Sitzungssaal, München, Marienplatz 8

Referent: Jörg Schindler; ASPO Deutschland (Association fort the Study of Peak Oil and Gas); ehem. Geschäftsführer der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, Co-Autor des Buches „Postfossile Mobilität“.

Die Diskussion um die Energiewende leidet entschieden unter ihrer Einseitigkeit: Es geht nicht nur um Strom (-preisbremsen)! Wenn die Umkehrung von fossiler Energieversorgung und der CO2-Klimaschutz gewollt ist, dann müssen wir über Wärme, Verkehr, Ernährung, Landwirtschaft, die internationale Handels-Wirtschaft etc reden. Über die „Große Transformation“ (so der Ratschlag des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen (WBGU) der Bundesregierung).

An diesem Vortrags- und Diskussionsabend wollen wir drei Aspekte untersuchen und diskutieren:

  1.  Grundlagen: Welche Verkehrsarten  (Flug, Schiff, LkW-Logistik, Privat-PkW, e-FZ, Fahrrad)  tragen heute europa- und deutschlandweit wie viel zu CO2-Emissionen und zum Verbrauch fossiler Energien bei? Wie weit bin ich selbst an Energieverbrauch und CO2-Emission beteiligt?
  2. Zukunft: Wie sehen die Verkehrs- und Energieströme 2030/2050 aus? Die Bundesregierung prognostiziert einen Zuwachs von über50 Prozent an Frachtverkehr in Deutschland auf Autobahnen. Fracht-und Personenflugverkehr international wird zunehmen; auch die PkW-Zahl in deutschen und europäischen Städten. Die Menschen in den Schwellenländern eifern unserem westlichen Lebensstil nach – mit noch mehr Mittelklassewagen, BMW 7er und Porsche Cayenne. In Tokio, Delhi, Peking, Sao Paulo reichen schon heute sechsstöckige Autobahnsysteme nicht mehr aus.
  3. Alternativen: Es geht schlicht um die „postfossile Mobilität“. Angesichts zunehmender Mobilitätswünsche weltweit wird es in einer nahen Zeit mangelnder (Öl-, Rohstoff-) Ressourcen um alternative, post-fossile Mobilitätkonzepte gehen müssen. Da sind schnell „die aus dem Alten entwickelten neuen Modelle“ in Rede, e-Bike, e-Auto. Das wird helfen bis 2050, nicht weiter. Und auch nur, wenn der Strom aus der Steckdose erneuerbar ist. Wer Mobilität nicht als Verkehr missversteht, redet über Rollator_Spazieren_Fahrrad, Car-sharing, intelligenter Verknüpfungen von Bahn_Tram_Rad_Fuß, öffentlichem- statt individuellem Verkehr, modernen Verkehrsleitmodellen, neuen Stadtentwicklungsmodellen ohne Trennung von Wohnen/Arbeiten/Einkaufen, Rückbau von Autobahnen als verlängerter Lagerhalle von Industriebetrieben.

Über all das soll berichtet und diskutiert werden.

 

 

Umwelt-Neurologie: Warum wir nicht tun, was wir tun sollten… und wie man das ändern kann

Donnerstag, 22. Mai 2014, 19:00 Uhr, Neues Rathaus, Kleiner Sitzungssaal, Marienplatz 8, München

Referent: Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth, Universität Bremen, Institut für Hirnforschung

Wir wissen doch, dass wir das Licht ausschalten, weniger (und ein CO2-ärmeres) Auto oder Rad/ÖPNV fahren sollten. Die Umwälzpumpe im Keller könnten wir energiesparend umbauen und dadurch Geld sparen, einen energiearmen Kühlschrank anschaffen. Für wenig Geld ein programmierbares Ventil am Heizkörper anschaffen und die stand-by-Schaltungen an PC und Fernseher regelmäßig ausschalten. Würde dem Klima und der Umwelt nützen – unseren Enkeln auch. Wissen wir alles; tun es aber nicht. Warum?

Wer entscheidet, wenn ich entscheide? Wie weit her ist es mit der Willensfreiheit des Menschen, des Ich? Ohne Determiniertheit ist Willensfreiheit nicht möglich, sagt die Gehirnforschung; also doch eigen-Gehirn-fremdbestimmt?  Einer der bekanntesten Hirnforscher Deutschlands erklärt, wie unsere Persönlichkeit im Gehirn entsteht, wie sie bewusst und insbesondere unbewusst unsere Entscheidungen und unser Handeln lenkt. Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten ist das übergeordnete Thema. Dies am Beispiel des umweltorientierten Verhaltens, am Beispiel unseres Verhaltens im Rahmen der Energiewende.

Dass wir Menschen dressierte Dackel seien, würde der Referent sicher nie akzeptieren. Er erläutert hirn-physiologisch und psychologisch, warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern. Und wie dies dennoch zu schaffen ist. Jedenfalls nicht durch Befehl von oben, durch externe Apelle an die Einsicht, durch Außen-Orientierung auf die Persönlichkeit, durch den Eigen-Befehl „Ändere Dich!“ – am ehesten in kleinen Schritten durch Selbstmotivation und Selbstbelohnung.

In diesem Vortrag wird manch Vorwissen über das Ich, mein Bewusstsein, mein Un- und Vorbewusstsein, meinen Willen relativiert werden. Spannend allemal.

 

Rückblick

Klimawandel konkret

Montag, 16. Dezember 2013, 19:00 Uhr, Neues Rathaus, Großer Sitzungssaal

Referenten:

  • Prof. Dr. Peter Höppe, Leiter Geo Risks Research/Corporate Climate Center,
    Münchner Rück Stiftung, MunichRe:
    „Menschengemachter Klimawandel: Globale Umweltschäden“
  • Gudrun Mühlbacher, Deutscher Wetterdienst (DWD), Regionales Klimabüro München: „Klimawandel und Stadtstrukturen: Beispiel München“.

Grundlage dieser Veranstaltung war die Tatsache, dass die unbestreitbare Erwärmung der Atmosphäre schon jetzt erhebliche Konsequenzen für die Menschen überall auf dem Globus und auch Konsequenzen hier in München hat.

Zuerst der konkrete Blick auf die Unwetterereignisse, die weltweit auf die fortschreitende Erd-Erwärmung zurückgeführt werden. Klar ist: Nicht jeder Hitzesommer, nicht jeder Hurrikan, nicht jedes Hochwasser, nicht jede Dürre ist „Klima“; so etwas hat es schon immer gegeben, „Wetter“ eben. Statistisch relevant feststellbar aber sind solche Unwetterereignisse in den letzten Jahrzehnten weltweit zunehmend. Uns interessieren die globalen Regionen, in denen Unwetterereignisse zunehmen, deren Häufigkeit und verstärkte Heftigkeit, sowie die (finanziellen) Schäden, die diese bewirken. Wer könnte dies besser darstellen, als derjenige, der über die weltweit größte Unwetter-Schadens-Datenbank verfügt?

Prof. Dr. Peter Höppe Kernaussagen: Geopghysikalische Ereignisse z.B. aufgrund Vulkanausbrüchen, Tsunamis oder Erdbeben sind kaum relevant. Die größten Schäden der derzeit 34.000 dokumentierten Schäden waren die Hitzewelle 2003 in Europa mit >70.000 Hitzetoten, die Waldbrände in Russland im Sommer 2010 mit >56.000 Toten , die Überschwemmungen in Queensland/Australien im Winter 2010/11, die teuerste Überschwemmungskatastrophe der Menschheit, Thailand Herbst 2011, die Dürreperiode in den USA im Sommer 2012 und die zweitteuerste Überschwemmung in Deutschland im Sommer 2013. Und: Die seit 20 Jahren global und auch in Europa exponentiell zunehmenden meterologischen (Sturm), hydrologischen (Überschwemmungen) und klimatologischen (Dürren, Hitzewellen, Waldbrände) Unwetter-Schäden sind zu >95% Wahrscheinlichkeit auf den Klimawandel zurückzuführen.

Präsentation Prof. Dr. Peter Höppe: Klicken Sie hier

Als Zweites der Blick auf München: Die AZ hatte es am 13.11. ganzseitig auf den Punkt gebracht: Hochwasser, Starkregen, Hitzestau sind für München zu erwarten. Heute schon, morgen und übermorgen hat der Klimawandel – oft unbemerkt und schleichend – Auswirkungen auf menschliches Wohlbefinden, (Energie-) Verhalten der Bürger, Mobilität, Wirtschaftsentwicklung, Stadtentwicklung. Konkret: Mehr hitzegeschädigte Menschen – mehr Krankenhausbetten, mehr kühlende Grünzonen in der Stadt? Heftigere Regenfälle – weniger Biergärtenbesuche, zu vergrößernde Abwasserkanäle in allen Straßen und neue Regenrückhaltebecken? Gletscherschmelze in den Alpen – weniger Ski-Spaß, Hochwässer und Wassermangel in München? Wer könnte dies besser darstellen, als derjenige, der für die Stadt München bis 2015 gutachterlich ermittelt, welche Folgen der Klimawandel für unsere Stadt hat?

Gerhard Hofmann konzentrierte sich auf die Temperaturentwicklung in München: Unstreitig sei die Durchschnittstemperatur seit der Industrialisierung, zuletzt in den vergangenen 40 Jahren erheblich angestiegen; und zwar stärker als der globale Durchschnitt von +0,85 Grad. Die Prognose bis 2050 lässt eine Temperatursteigerung in den nächsten 40 Jahren von 2 bis 4 Grad (!!) erkennen. Auch die Zahl der „Sommertag“ (>25 Grad) ist in Vergangenheit gestiegen und wird weiter deutlich steigen. Was manchem zunächst wünschenswert erscheinen mag: Folie 8 „Temperaturgang in München“ (01.08.2012) zeigt, dass die gefühlte Temperatur in der Stadt höchst unterschiedlich und vielfach z.B. in Straßenfluchten und dicht bebauten Bereichen keineswegs mehr angenehm ist. Im Sommer klarer Trend: Mehr Hitzetage, mehr Hitzetote.

Und das wird politische Entscheidungen für die Landeshauptstadt zur Folge haben: Investitionen, Verkehrsströme, Siedlungsänderungen, mehr Luftschneisen. Wer könnte dies besser beleuchten, als derjenige, der das Gutachten in Auftrag gegeben hat und für die Folgen für München die politische Verantwortung trägt: Joachim Lorenz, Referent für Gesundheit und Umwelt (RGU) der Landeshauptstadt München (LHM).

In seinem Grußwort betonte Lorenz noch einmal, dass Maßnahmen des Klimaschutzes die eine Seite der Medaille sei. Die andere aber sei die Notwendigkeit der Anpassung insbesondere der Städte als „Hitzeinseln“ auf den Klimawandel. Der Referent werde demnächst und dann immer wieder erneut den Stadtrat mit unvermeidlichen und sicher sehr teuren Investitionen und Anpassungsmaßnahmen befassen müssen.

 

Dr. Helmut Paschlau

Für das Thema „Mutbürger für Energiewende!" engagiert sich unser Vorstandsmitglied
Dr. Helmut Paschlau.

Energiewende: Mehr Chancen als Risiken!“

Donnerstag, 23. Januar 2014, 18:00 Uhr, Neues Rathaus, Großer Sitzungssaal

Referentin: Prof. Dr. Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance, Berlin

Das Thema hieß: „Energiewende: Mehr Chancen als Risiken!“. Ausrufezeichen. Nach den letzten Ereignissen – Gabriel-Papier für die Bundesregierung – muss das zum Fragezeichen werden? Was wurde nicht alles diskutiert?! Ausbau der Erneuerbaren Energien nur noch nach Ausbaukorridoren; Begrenzung der Windkraft onshore wie offshore; Biomasse nur noch aus Reststoffen; Stärkung der (Braun-) Kohle als angebliche „Übergangstechnologie“, CO2-Schleudern schlechthin; trotz Strompreisbremsen-Diskussion: weiter steigende EEG-Umlage trotz fallender Börsen-Strompreise; kein CO2-Emissionen-Gesetz, keine Wiederbelebung des CO2-Emissions-Handels; Re-Zentralisierung von Strom-Erzeugung und -Verteilung; Erschwerung von Bürger-Energie-Genossenschaften; Bürgerbeteiligung weiterhin unter „ferner liefen“; keine Fortschritte beim Energiesparen; keine Steuerabschreibungen bei energetischer Gebäudesanierung; keine gesetzlichen Ziele bei Wärme und Verkehr; kein Energiewende-Masterplan für Bund und Länder; keine Aufbruch-Stimmung, sondern konkrete Abwicklungs-Befürchtungen bei Klimaschutz und Energiewende.

Noch im März 2013 hatten die Experten von McKinsey der Bundesregierung mit ihrem „Energiewende-Index“ bescheinigt, dass nur bei vier von 15 Zielen Hoffnung besteht, die europäischen und deutschen gesetzlichen Vorgaben bis 2020/2050 zu erreichen. Trotzdem hatte Arbeitgeber-Präsident Hundt im September 2013 einen „Förderstopp“ für neue Anlagen Erneuerbarer Energien gefordert. Industriepräsident Grillo verlangte gleich eine „radikale Reform binnen 100 Tagen nach der Wahl“, sonst drohe Industrie-Boykott. Die Chefs von RWE und E.ON sprachen von drohenden Strom-Blackouts. „Union und SPD begraben die Energiewende“, hat DIE ZEIT am 22. November getitelt. Tür auf für weitere CO2-Kohlekraftwerke, Ende der deutschen Vorreiter-Rolle mit erheblichsten ökologischen und weltwirtschaftlichen Vorteilen bei deren Erfolg? Macht Superminister Gabriel im „dreamteam“ mit Klima-Kanzlerin Merkel Industrie- statt Energiewende-Politik?

Die bekannteste Energie-Professorin Pro-Energiewende hat uns 180 TeilnehmerInnen ihre Einschätzung erläutert: Frau Prof. Dr. Claudia Kemfert leitet seit 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance, Berlin.

Von den zehn Mythen, die sie in ihrem Buch „Kampf um Strom“ abhandelt, hat sie in ihrem Vortrag drei vertiefend dargestellt:

  • „Energiewende ist nicht zu schaffen“: Da werde „Atomausstieg“ (bis 2022) mit „Energiewende“ (bis 2050) gleichgesetzt. Energiewende ist aber viel mehr als Erneuerbare Energien in der Erzeugung statt Atom; nämlich Energie sparen, Verhaltensänderung in Industrie und Privathaushalt, Umbau der Stromversorgung auf Dezentralität, (intelligente) Verteilnetze und smard grids im Haushalt, Eigenerzeugungssteuerung großer Industrien, Hauptenergieverbraucher Verkehr und Heizung…
  • „blackouts“: Seit 1979 werden wir von Medien „blackouts“-verängstigt (damals um AKWs durchzusetzen, heute, um Erneuerbare Energien zu verhindern): Es hat sie noch nie gegeben. Wir importieren nicht „Atomstrom aus Frankreich und Tschechien“, Deutschland ist Strom-Export-Weltmeister, dank Erneuerbarer Energien. Doch wir müssen Strom europäisch zu organisieren lernen; Großbritannien will neue AKWs bauen mit einer für 35 Jahre garantierten „EEG-Umlage“ von 11 Ct/kWh (ohne Entsorgung etc.); in Deutschland bekommen wir Windenergie für 6-9 Ct/kWh!
  • „Strompreisbremse“: Eine gelungene Ablenkungsshow: Es wird nicht mehr geredet über die Benzinpreise, die Kosten für Heizung und Mobilität, die steigenden Preise für Rohöl und -gas. Nicht über den Mechanismus, dass bei fallenden Strompreisen an der Leipziger Strompreisbörse – bedingt durch deutlich niedrigere Kosten erneuerbarer als konventioneller Energien – die EEG-Umlage zulasten der Haushalte steigt und die Strompreisbelastung für die Industrie sinkt. Dass wegen des politisch heruntergewirtschafteten CO2-Emissionsrechtehandels – derzeit 5, statt nötigen >20€/t CO2 – die Preise für Energie zulasten des Klimaschutzes zugunsten der Kohle viel zu billig sind.

Kemfert verlangte eine ehrliche Diskussion. Sie als Ökonomin sehe volkswirtschaftlich weitaus höhere Vorteile als Nachteile aus der Energiewende, ganz zu schweigen von höheren Anstrengungen um den Klimaschutz. Trotz der Vorhaben der neuen Bundesregierung sei sie aber zuversichtlich: Die Energiewende ist längst in Bürgerhand – und nicht mehr zurück zu drehen.

Wer Stellungnahmen, Begründungen für die Ablehnung eines „Kapazitätsmarkts“ (= Weiterfinanzierung abgewirtschafteter Kohlekraftwerke) und insbesondere die neue Studie des DIW zu den (volkswirtschaftlichen) Vorteilen der energetischen Sanierung von Gebäuden anschauen möchte, bitte: Bitte klicken

In gewohnt deutlicher Art hat Kemfert eine Rundsicht geliefert, die den Mutbürgern für Energiewende Mut macht.

 

Biodiversität

Ausblick

Waldkindergarten; dreckig aber glücklich, zukunftsfähig mit allen Sinnen in Theorie und Praxis

Dienstag, 8. April 2014, 19.00 Uhr, Green City Energy AG, Zirkus-Krone-Str. 10 (Eingang Georg-Schätzel-Str.), 80335 München, 6. Stock (ÖPNV „Hackerbrücke“

Referentin: Dipl.-Ing. Almut Döring, Landschaftsplanerin und Waldkindergarten-Pädagogin

Barfuß gehen, Eicheln sammeln, Pilze suchen, Beeren pflücken, in Pfützen springen, Baumhaus bauen, auf Bäume klettern, über Bäche balancieren – das war es doch, was unsere Kindheit aufregend gemacht hat. Im Wald gibt es immer etwas zu entdecken, zu suchen, zu sammeln, zu sehen, zu hören und zu bestaunen. Mühelos erlernen die Kinder Bewegungen, stärken ihre Muskeln, schulen ihr Gleichgewicht, schärfen ihre Sinne, lernen ganz praktische Dinge – spielerisch, ganz natürlich, fließend und selbstverständlich, ohne es zu merken, ohne „trainieren“ zu müssen. Spielräume in der Natur sind vielfältiger als angelegte Spielplätze, und so ist der Erlebnisraum Waldkindergarten nicht nur Spielort, sondern auch ein großer Lernraum, in dem Kinder Erfahrungswelten erforschen und Fähigkeiten erwerben, die sie auch im Erwachsenenalter in sich tragen. Naturraumerlebnisse verbinden Kinder miteinander und schaffen die Basis für eine erlebte Verbindung zur Natur - unserer wirklichen Lebensgrundlage. Tiefe emotionale Beziehung zur Erde ist die Voraussetzung dafür, die Samen für einen neuen, achtsamen Umgang mit der Natur in das Bewusstsein der nachwachsenden Generationen zu pflanzen. Denn das, was wir lieben, ehren und schätzen, wollen wir auch erhalten.

Was macht glücklich sein für Kinder aus? Was ist eigentlich - aus Sicht von Kindern - „Dreck“? Wie wirkt sich das Lernen im Wald auf das spätere schulische Lernen aus? Sind Waldkindergarten-Kinder gesundheitlich stabiler? Welche sozialen und körperlichen Muster werden im Waldkindergarten gefördert, die auch für die spätere Zukunft des Kindes wichtig sind? Welche sozialen Fähigkeiten sind im gemeinsamen Spielen in der Natur im Mittelpunkt? Was bedeutet es für die Zukunft, dass Kinder in urbanen Umgebungen nur noch eingeschränkte Naturerfahrungen machen können? Welche städtischen Veränderungen könnten dazu beitragen, daß Kindern wieder Naturerlebnisspielräume eröffnet werden könnten?
Mit Bildern / Filmsequenzen nimmt Frau Dipl.-Ing. Almut Döring  Sie in den Waldkindergarten Alltag mit, zeigt wissenschaftliche Erkenntnisse praxisnah und erzählt von ihrer Arbeit.

 

Exkursion zu Waldkindergarten; zukunftsfähig mit allen Sinnen

Samstag, 10. Mai 2014

Eine Exkursion mit Almut Döring erfolgt am 10. Mai 2014 (nur mit Anmeldung)
Mit dieser Einladung möchten wir interessierte Bürger, aber auch Mitarbeiter von Schulen und Kindergärten ansprechen, sowie städtische, kommunale Behörden, oder Architekten, um mit Ihnen gemeinsam Möglichkeiten der Integration natürlicher Lernorte in der Stadt für Kinder zu diskutieren.

 

Rückblick

 

Urbanes Grün zum Essen - Tischlein deck` Dich - auch in München?

Dienstag, 18. Februar 2014, 19:00 Uhr, Green City Energy AG, Zirkus-Krone-Str. 10 (Eingang Georg-Schätzel-Str.), 80335 München, 6. Stock (ÖPNV „Hackerbrücke“)

Referent:
Lutz Kosack, Landschaftsplaner und Initiator der „Essbaren Stadt Andernach“, Stadtgärtner , Stadt Andernach

Milde Temperaturen künden vom Frühling und gerade zum richtigen Zeitpunkt im Jahr, wenn es darum geht, das zu säen, was man am Ende des Jahres zu ernten gedenkt, kam Lutz Kosack in die Umwelt-Akademie, um die „Essbare Stadt Andernach“ vorzustellen.

Seinen Vortrag begann er mit einer historischen Betrachtung über die Trennung von Stadt und Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten. Er erinnerte daran, dass es im 2. Weltkrieg Not- und Hungerzeiten gab, in denen die Menschen auch in Städten wieder Gemüse anbauten. Ältere Menschen können heute noch davon berichten. Städte sind Lebens-Mittelpunkte - warum also nicht auch für Lebensmittel-Punkte? Genug Platz ist schließlich ausgewiesen für Parkplätze, Gewerbeflächen, Verkehrsflächen und Konsumoasen – warum also nicht auch für echte Lebensmittler?

Entstanden ist die Idee in Andernach mit dem kreativen Enthusiasmus und der Tatkraft von 4-5 Leuten, die jedoch erst einmal gegen eine Horde von Bedenkenträger aus allen Lagern kämpfen mussten. Bevor die erste Saat ausgebracht war, „kannten“ die Leute, zahlreiche Argumente, warum so ein Projekt nicht funktionieren könne, seien es aufgrund öffentlichen Vandalismus', pinkelnder Hunde, gieriger Bürger, fehlender geeigneter Flächen oder aufgrund des kommunalen Finanznotstand. Nach dem Prinzip „es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, wurden die ersten Spatenstiche auf „Angstflächen“ getan, vermüllte Brachflächen in Bahnhofsnähe. Sie verwandelte man als erste in Gemüsegärten und, oh Wunder, die Vermüllung hörte auf. Sowohl die Bürger als auch die Hunde traten den Bepflanzungen mit neuer Wahrnehmung und Respekt entgegen. Man beobachtete, dass der beste Schutz vor Vandalismus eine achtsame Bewirtschaftung ist – denn die natürliche Reaktion der Einwohner auf die Grünflächenveredelung ist Wertschätzung. Sogar Jugendliche fühlen sich aufgerufen, Bepflanzungen zu bewachen – obwohl man das Gegenteil von ihnen erwartet hätte.
 
Statt „Betreten verboten“ heißt es „Pflücken erlaubt“. Erst mussten sich die Bürger daran gewöhnen, ihr Essen einfach pflücken zu dürfen, ohne dafür schief angeschaut zu werden. Mit der Zeit hat es sich eingebürgert, abends nach der Arbeit sein Abendessen auf dem Nachhauseweg zu sammeln. Die südexponierte Stadtmauer bietet dem genussfreudigen Gaumen Khakis, Feigen, Bitterorangen, Granatäpfel, Mispel, Quitte an, in und um Andernach sprießen Mangold, Grünkohl, Salate, Kräuter, Bohnen, Kartoffeln, Kürbisse, Zucchini, Beeren, Weintrauben, Obstbäume, Walnussbäume, 101 Sorten Tomaten und vieles mehr. Wechselbepflanzungen in Blumentrögen, die pro Jahr 58 €/qm kosten, wurden mit Wildstauden ausgetauscht, die den kommunalen Haushalt mit 11 €/qm entlasten.

Die Stadtwerke helfen in der sommerlichen Hitze bei der Bewässerung des großflächigen Gemüsegrüns mit geeigneten Wasserführungssystemen. 5 km vor den Toren der Stadt entstand ein 14 ha großer Permakulturgarten, dessen Erzeugnisse im „FairRegio“ Laden in der Innenstadt verkauft werden – zu Preisen, die sich auch Hartz-IV Empfänger leisten können. Mit diesem Gemüse wird auch eine Kantine für Hilfebedürftige beliefert, wo für einen Euro ein Mittagessen in biologischer Qualität erworben werden kann. Im Rahmen der „Qualifizierungsgesellschaft“ wurden 20 Langzeitarbeitslose für die täglichen Gärtnerarbeiten unter fachlicher Anleitung eingebunden, die für die tägliche Pflege verantwortlich sind. Ihr Engagement wird von den Bürgern allseits geschätzt – ohne sie würde das Projekt so nicht stehen - und auf diese Weise entwickeln sie für sich neues Selbstbewusstsein und berufliche Perspektiven.

Der von Menschen nur als Nutzpflanze angesehene Grünkohl wurde auch als grüne Zierpflanze in Blumenbeete gesetzt, eine Verkehrsinsel wurde mit buntem Mangold bestückt, woraufhin interessierte Bürger sich nach den schönen „exotischen“ Blumen erkundigten. Duft in der Luft und guter Geschmack durchzieht die ganze Stadt. Der fahrbare Schulgarten, übers Jahr von Schülern gepflegt, machte auf der Bundesgartenschau Furore und ist das mobile Aushängeschild des Vorzeigeprojektes Andernach. Aus ökologisch sinnfreien Grünflächen, die im Jahr ca. 14 mal gemäht werden mussten und durch Rasenmähereinsatz Baumwurzeln beschädigten, wurden bunte Wiesen mit Sonnenblumen und blauem Lein. Jedes Jahr wird ein „Motto“ ausgegeben, wie z.B. das "Jahr der Tomaten", in dem 101 Tomatensorten gepflanzt wurden, oder das "Jahr der Bohne" etc., um das Bewusstsein dafür zu wecken, wie viele Sorten alleine nur eine Fruchtart hervorbringt. Zur Erntezeit gibt es im Rahmen eines Stadtfestes den großen Schmaus für alle Bürger, wo das Mottogemüse in allen denkbaren Variationen serviert wird.

Beim Anbau wird vollständig auf Herbizide, mineralische Dünger und Torferde verzichtet und, sofern erhältlich, nur samenfeste Sorten verwendet. Bürger werden explizit aufgefordert, Samen der angebauten Sorten zu vermehren.

Auch Tiere bekommen wieder einen Platz in der Stadt: Die neue Attraktion in Andernach ist ein mobiler Hühnerstall, zu dem sich jetzt auch ein - vermutlich vereinsamter - Hahn aus unbekannter Herkunft gesellte. Auf dem Gelände des Permakulturgartens leben auch Schweine als gute Resteverwerter sowie Ziegen und Schafe zur Abweidung von Gras. In der neuen Stadtnatur gibt es zahlreiche Nistplätze für Vögel, Insektenhotels, genug Landeplätze für Schmetterlinge und einladende Nektaroasen für Bienen, so dass sie sich wieder vermehren können. Auf dem Land ist die großflächige Massenausbringung von Gülle und der verbreitete Einsatz von Spritzmittel eine tödliche Bedrohung für sehr viele Tier- und Pflanzenarten.

BiodiverCity Andernach plant munter weiter: Die Ansiedlung von Bienenstöcken steht auf der Wunschliste, die grünste Hochgarage Deutschlands ist in Planung, Bürger sollen dazu inspiriert werden, ihre Privatgärten zu Naturoasen umzugestalten. Aus deisem Grund hat man bereits einen „Dummygarten“ zu Schulungszwecken eingerichtet, der jedem Interessierten eine Vorstellung davon gibt, wie sNaturoasen harmonisch gestaltet werden konnen.Auch Indoor-Landscaping mit Hochbeeten in Büros sowie Dach- und Fassadenbegrünungen zur Luftverbesserung stehen als Idee im Raum.

Andernach verwendet 5 Prozent der öffentlichen Flächen – und das genügt, um die Aufenthaltsqualität für alle Bürger signifikant zu erhöhen. Das neue urbane Grün wurde zu einer echten Begegnungsstätte und inspiriert die Einwohner, sich über Gemüse, Saatgut, Ernährungsfragen und Rezepte auszutauschen. Die Gemüsegeschäfte verzeichnen beste Umsätze, denn das gepflanzte Gemüse reicht bei weitem nicht für die alltägliche Rundum-Versorgung für alle Einwohner, doch, nie zuvor war Gemüse und Essensqualität so im Mittelpunkt vieler Gespräche wie jetzt.
 
Das Konzept Andernach besteht aus vielen bunten Bausteinen, die sich zu einem großen Mosaik zusammenfügen. Andernach demonstriert eine praktikable Herangehensweise an vielschichtige sozio-ökonomisch-ökologische Fragen, die in jeder Stadt zur Debatte stehen. Grünflächenveredelung versus einer ökologisch sinnfreien Grünflächenverwaltung erzeugt „biodiverse“ synergetische Impulse im gesamten Stadtorganismus, wovon Menschen, Tiere und Pflanzen profitieren. Man muss sich vor Augen halten, dass die Industrialisierung bereits 75 Prozent der Biodiversität unwiederbringlich verschlungen hat, und jede einzelne verschwundene Pflanzen- und Tierart einen Kulturgutverlust darstellt, vergleichbar der Zerstörung eines Heiligtums wie dem Kölner Dom oder der Frauenkirche in München. Letztlich ist der Schaden durch jeden Artenverlust im Lebensnetzwerk Natur viel größer, als es durch einen Kircheneinsturz versinnbildlicht werden kann, denn jeder einzelne Artenverlust bedeutet das Verschwinden eines ganzen Netzwerkes von sich gegenseitig nährenden Pflanzen- und Tierarten aus dem Naturkreislauf.

Andernach wird überschwemmt von neugierigen Touristen, Schulklassen und kommunalen Abordnungen aus ganz Deutschland, die Geschmack an dem appetitanregendem Grünkonzept gefunden haben. Haar bei München plant bereits die ersten Umsetzungsschritte für 2014. Ökologisch und ökonomisch sinnvolle Begrünung ist ein immens wichtiger Beitrag zur Klimaregulierung, denn Grünflächen und Bäume sind die besten „Klimaanlagen“ und filtern großflächig Feinstaub aus der Luft. Dieses Projekt hat das Potential parteiübergreifend konsensfähig zu sein, denn für die FDP ist es „ein liberales bürgernahes Konzept“, für die SPD ist es ein „beschäftigungspolitisch richtiger Schritt“, die CDU schreibt sich auf die Fahnen, damit die Schöpfung zu bewahren, und für die Grünen gibt es wohl kaum ein grüneres Konzept als das von Andernach.

Die urbane Naturgestaltung wurde nach dem Prinzip „top–down“ durchgeführt, heißt, von der Stadtverwaltung angestoßen und erhalten. Projekte dieser Art entstehen in anderen Kommunen meist „bottom-up“, so dass die Hauptinitiative von Bürgern ausgeht und die Impulse von den Stadtverwaltungen idealerweise aufgenommen werden. Die Wunschvorstellung wäre, dass sich „top-down“ mit „bottom-up“ in der Mitte trifft und synergetisch miteinander kooperiert. Auch in Andernach wird darüber nachgedacht, ob und wie es langfristig möglich sein wird, genug engagierte Bürger für die Erhaltung und des Ausbaus von BiodiverCity Andernach zu gewinnen sind.
 
Land könnte auf diese Weise auch in der Stadt bewahrt werden - ist das nicht eine schöne Aussicht? Wir danken Herrn Lutz Kosack für seinen Herz erfrischenden Vortrag, und wünschen ihm für Andernach eine fruchtbare und blühende Zukunft.

P.S.: Und last, but not least, eine Zeile aus einem Gedicht von Ralf Sartori:
„Bedeutet, einen Garten zu erschaffen, nicht, der Welt einen neuen Ort zu geben, an dem Nymphen tanzen können?“

2014 startet auch „Haar blüht auf“ mit Lutz Kosak und Michael von Ferrari in der VHS Haar

Einführung unter der Mitwirkung von Bürgern am 19. 02. 2014.

Selbach-Umwelt-Stiftung

„Gewässerschutz versus Gewässernutzung"
Veranstaltungsreihe 2013 gefördert durch:

Selbach-Umwelt-Stiftung

Dürfen amerikanische Douglasien in den deutschen Wald?

Dienstag, 14. Januar 2014, 19:00 Uhr

Die Experten:

  • Sandra Hieke, Greenpeace; Forstwissenschaftlerin, Kampaignerin Wälder & Biodiversität
  • Rudolf Zwicknagl, Bayerische Staatsforsten; Betriebsleiter von Haigenbrücken im Spessart

Der Saal war voll, es waren mehr Menschen gekommen als Stühle vorhanden waren, und es lag eine neugierige, gespannte Aufmerksamkeit in der Luft, wie die beiden Referenten ihre signifikant kontroversen Standpunkte wohl vertreten würden. Grundlage dieser Veranstaltung war die provokative und heiß diskutierte Douglasien-Kampagne von Greenpeace: Nachdem bayerische Staatsforsten im Spessart amerikanische Douglasien in den Buchenwald pflanzten, um diesen in Richtung Klimaerwärmung fitter zu machen, rissen Greenpeacer die jungen Douglasienbäume wieder aus.

Es folgten zwei spannende Stunden mit ganz unterschiedlichen Positionen, beide fachlich fundiert und kompetent präsentiert.

Frau Hieke begann ihren Vortrag mit Bezug auf diese umstrittene Aktion. Greenpeace geht es ausdrücklich um den Fortbestand der stabilen, weit über hundert Jahre alten geschlossenen Buchenwälder, die nur noch 3 % unseres Waldes ausmachen. Die Buche gehört zu den seit Jahrhunderten klimatisch bestens für unsere Breitengrade angepassten Baumarten, während es sich bei den Douglasien um Baumarten handelt, die an die Klimaeinflüsse ihrer Herkunft angepasst sind. Sie brauchen eine lange Vegetationszeit, vertragen weder starke Hitze noch Dürre und ertragen lediglich milde, frostarme Winter. Nur sehr wenige Regionen in Bayern bringen diese speziellen klimatischen Voraussetzungen für den Anbau der Douglasien mit (wie z.B. der Spessart). Dort, wo es in Bayern heute gleichmäßig warm ist und es gemäßigte Niederschläge gibt, könnten mit dem Klimawandel und der damit einhergehenden Trockenheit die Douglasien unter Wasserknappheit leiden. Pflanzt man sie heute in kühlere Höhenlagen, um sie heute schon an den optimalen Standort von „morgen“ zu setzen, werden sie in ihrer Wachstumszeit mit der kurzen Vegetationsperiode und Frösten zu kämpfen haben.

Außerdem legte Frau Hieke die Problematik dar, dass nur die Küstendouglasie in unseren Breitengraden stabil ist, während die Inlands-Douglasie hier eingeht. In der Vergangenheit hat man diesen Unterschied nicht beachtet, und so kommt es, dass sowohl Küstendouglasien als auch Inlands-Douglasien hier angepflanzt wurden.

Als besonders dramatisch betrachtet sie die Tatsache, dass es sich bei Douglasien um eine invasive Baumart handelt, deren Verbreitung durch kilometerweiten Samenflug geschieht und daher nicht kontrolliert werden kann. Somit sieht sie durch die Douglasie potentiell eine Gefährdung für bestehende Baumbestände. Als „Vorteil“ der Douglasie wird gerne angeführt, dass die Douglasie unter keinem Schädlingsbefall leidet, nachdem es sich hier um eine nicht heimische Baumart handelt, und der Anpassungsprozess der heimischen Tierwelt erst begonnen hat. Aber wer weiß, wie es damit in 100 Jahren aussieht? Ihr Plädoyer gilt dem Erhalt der heimischen Buchenwälder, nachdem diese unter jetzigen und zukünftigen Klimabedingungen aufgrund ihrer Klimahülle stabil sein werden. Weitere Informationen zu der Position von Greenpeace sind aus dem Informationsblatt von Greenpeace im Internet zu entnehmen: Klicken Sie hier

Herr Zwicknagel gab in seinem darauf folgenden Vortrag einen sehr guten allgemeinen Überblick über die Wald-Altbestände, ältere und jüngere naturnahe Waldbestände sowie übrige nicht näher klassifizierte Bestände in Bayern. Er legte dar, dass die Bayerischen Staatsforsten gesetzlich verpflichtet sind, den Staatswald unter Beachtung der Grundsätze einer naturnahen Forstwirtschaft in vorbildlicher Weise zu bewirtschaften. Die im Juli 2008 veröffentlichten Waldbaugrundsätze der Bayerischen Staatsforsten konkretisieren diese gesetzliche Bestimmung und stellen damit eine wesentliche Rahmenvorgabe für das Handeln im Staatswald dar. Bewirtschaftungsziel sind dabei standortgemäße, naturnahe, stabile und leistungsfähige Mischwälder. Diese Wälder besitzen in der Regel einen hohen Strukturreichtum, sind anpassungsfähig gegenüber Umweltveränderungen, zeigen ein hohes Regenerationspotenzial und dienen einer Vielzahl heimischer Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum. In einem integrativen Ansatz berücksichtigen die Bayerischen Staatsforsten mit ihrem waldbaulichen Konzept der naturnahen Waldbewirtschaftung die Belange des Naturschutzes und anderer Waldfunktionen auf der gesamten Staatswaldfläche. Schutzgebiete und wertvolle Einzelobjekte erfahren dabei besondere Aufmerksamkeit. Dies ist der Rahmen ihres Handelns, und unter dem Gesichtspunkt der Artenvielfalt und der Klimastabilität wird die Douglasie als wertvoll erachtet und mit maximal 5% in den Wald eingebracht. Die Invasivität stellt nach seinen bisherigen Erfahrungen und Studien noch kein Problem dar. Bei diesen Studien wurde untersucht, ob sich die Douglasie im direkten Umkreis der Bepflanzungen ausbreitet, was nicht bestätigt werden konnte. Die Douglasie ist im heimischen Wald auch deshalb begehrt, weil sie ein ergiebiger Holzlieferant mit gutem Wuchs ist. Mit Fichten gibt es wegen der jahrzehntelangen Monokultur zunehmende Probleme hinsichtlich Schädlingsbefall und deren zukünftiger Klimastabilität, und so hofft man darauf, dass man mit der Douglasie schon heute für morgen vorbauen kann. Der bayerische Staatsforst steht auch unter der Anforderung, ökonomisch zu arbeiten, und die gestiegene Nachfrage nach Holz als Baustoff sowie als Brennstoff zu gewährleisten. In diesem Spagat zwischen Ökologie und Ökonomie wurde die Douglasie als nicht heimische Baumart ausgewählt, um diesen Anforderungen auch zukünftig gerecht zu werden. Weitere Informationen zu den Staatsforsten und deren Leitlinien sind abrufbar unter Klicken Sie hier

In der anschließenden Diskussion wurden Fragen zum Bestand der Buchenwälder beantwortet, die Definition von „naturnah“ in den Bayerischen Staastforsten hinterfragt sowie auf mögliche zukünftige Probleme durch Einbringen nicht-einheimischer Arten hingewiesen.

Beide Referenten waren sich zwar über die sich zukünftig verändernden Bedingungen, in denen der Wald bestehen muss, einig, jedoch wählen beide unterschiedliche Wege, damit aus heutiger Sicht vorausschauend umzugehen. Greenpeace wünscht, dass 10% des alten Bestandswald aus der forstwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen werden, dem stehen jedoch die wirtschaftlichen Interessen sowie die immer größere Nachfrage nach Holz auf Seiten der Verbraucher an die Staatlichen Forstverwaltung entgegen.

Wer nun die zukunftsfähigere Strategie für die zu erwartenden Klimaveränderungen vorschlägt, lässt sich nur schwer beurteilen, nachdem die Folgen heutiger Entscheidungen in der Forstwirtschaft erst in 50 oder 100 Jahren Auswirkungen zeitigen.

Von keiner Partei wurde diskutiert, dass ein großer Waldbestand die beste Klimaanlage für jede Region darstellen würde, und sich dadurch der Klimawandel selbst beeinflussen ließe. Auch wurde nicht darüber gesprochen, welchen Einfluss der dezimierte Waldbestand auf die Entwicklung des Klimas hatte, hat und haben wird. Stattdessen versucht man – aus heutiger Sicht verständlich - Lösungen zu finden, die den jetzigen wirtschaftlichen Anforderungen Genüge tun. Welche Konsequenzen heutige Entscheidungen für zukünftige Generationen haben werden, tritt hinter die Aspekte von Wirtschaftlichkeit zurück – und das hat möglicherweise für die Klimaentwicklung für die folgenden Generationen fatale Konsequenzen. Dieser – tiefergehende – Ansatz wäre vielleicht Gesprächsstoff für eine zukünftige Diskussion.

Beide Referenten boten eine überzeugende Darstellung ihrer Sichtweisen, fachlich kompetent und verständlich – auch für nicht Forstwirte – vorgetragen. Eine spannende Kontroverse, und, hätte man jeweils nur einen Referenten gehört, hätte man jedem zu 100% recht geben müssen. Ein wirklich inspirierender Austausch mit vielen anregenden Beiträgen, die zum Nachdenken und Weiterfragen animieren.

Beiden Referenten möchten wir herzlich für Ihr Kommen danken, und freuen uns auf weitere spannende Veranstaltungen mit ihnen.

Was gewinnen oder verlieren der Forstwirt und die Gesellschaft?

Es sind mit fünf Prozent jungen Douglasien ein paar Festmeter gutes Bauholz als Ersatz für die ausfallende Fichte. Dafür aufgerissen und riskiert wird das Ökosystem der bestehenden alten und sogar bestens klimastabilen geschlossenen Buchenwälder. Leiden sie Schaden, entsteht ein viel größerer Verlust für die Gesellschaft.

Dr. Nico Döring

Für das Thema „Biodiversität und Gewässerschutz“ engagiert sich unser Vorstandsmitglied Dr. Nico Döring.

Veranstaltungen mit unseren Kooperationspartnern

Rückblick

Neue Chancen für eine Sozialökologische Sektorpolitik in Deutschland?

Donnerstag, 6. Februar 2014, 19.00 Uhr, Green City Energy AG Zirkus-Krone-Str. 10 (Eingang Georg-Schätzel-Str.), 6. Stock, 80335 München (Nähe S-Bahn-Haltestelle Hackerbrücke)
eine Veranstaltung der FÖS-Regionalgruppe München

Referent: Dr. Anselm Görres, FÖS-Vorsitzender und Unternehmer in München

Vor etwa sieben Jahren präsentierten kluge Politiker und Berater das Konzept einer „Ökologischen Industriepolitik“. Es blieb damals allerdings im Wesentlichen bei interessanten Papieren. Heute wird immer deutlicher, dass eine konsequente ökologi-sche Wende ohne den Staat als starken Mitgestalter nicht möglich ist – schon gar nicht in der Energiepolitik. Wir müssen die damaligen Konzepte dafür nur erneuern und fortentwickeln, in mehrere Richtungen.

Wissenschaft und Öffentlichkeit müssen eine starke Präsenz des Staates auch auf Sektorenebene akzeptieren, bloße „Makropolitik“ reicht nicht. Dies muss für alle Sektoren der Volkswirtschaft gelten, nicht nur für die Industrie. Und es muss klar sein: In einer Öko-Sozialen Marktwirtschaft gehören zu jeder sektorbezogenen Strategie immer auch strenge soziale und ökologische Leitplanken sowie ehrgeizige Ziele.

Um dies alles umzusetzen, brauchen wir mehr Dialog mit allen Bürgern und Akteuren und eine kluge Kombination marktwirtschaftlicher und ordnungspolitischer Instrumente. Wenn der politische Wille vorhanden ist, könnte gerade eine große Koalition hier vieles zum Guten bewegen.

Präsentation Dr. Anselm Görres: Klicken Sie hier

 

 

Der große Ausverkauf -
Das geplante Freihandelsabkommen EU – USA

11. Februar 2014, 19.00 Uhr, Schweisfurth-Stiftung, Südliches Schlossrondell 1, 80638 München
eine Veranstaltung des Münchner Forum Nachhaltigkeit

Referent: Dr. Fritz R. Glunk
Mit einem Impulsreferat von Dr. Martha Mertens zu den Folgen für Landwirtschaft und Ernährung

Seit Juni 2013 verhandeln die Europäische Union und die USA über den Ausbau der bisher größten Freihandelszone der Welt – das transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP). Das Abkommen wird nahezu alle Lebensbereiche betreffen: von Landwirtschaft und Ernährung über Umweltschutz, Energieversorgung, Datenschutz, den Zugang zu Medikamenten bis hin zur öffentlichen Auftragsvergabe. Trotz dieser Tragweite werden die Verhandlungen bislang unter bewusstem Ausschluss der Öffentlichkeit geführt.

Während sich die EU-Kommission im Einklang mit zahlreichen Wirtschaftsvertretern „langanhaltende Wachstumsimpulse“ für die europäische Wirtschaft verspricht und auch die deutsche Politik deutlich mehr Chancen als Risiken in der geplanten Liberalisierung der Märkte sieht, formiert sich vor allem in der Zivilgesellschaft der Widerstand.

Der Vortragsabend informierte kritisch über die konkreten Verhandlungsziele und über die weitreichenden Folgen des geplanten  Freihandelsabkommens kritisch informieren.

Dr. Fritz R. Glunk ist Literaturwissenschaftler und Publizist und war 15 Jahre lang in der Auslandskulturpolitik tätig. Er hat sich in jüngster Zeit intensiv mit dem TTIP beschäftigt und u.a. einen vielbeachteten Gastbeitrag in der SZ verfasst.

Dr. Martha Mertens ist Biologin und u.a. Sprecherin des Arbeitskreises „Gentechnik“ beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

 Münchner Forum Nachhaltigkeit

Veranstalter / Initiatoren

  • oekom e.V.
  • Selbach-Umwelt-Stiftung
  • Schweisfurth-Stiftung

Kooperationspartner

  • Bürgerstiftung
    Zukunftsfähiges München
  • Die Umwelt-Akademie e.V.
  • Hochschule für angewandte Wissenschaften - FH München
  • Ringvorlesung Umwelt
    der Studentischen Vertretung der TU München

Wissenswertes

 

Bio-Einkaufsführers „Bio! Wo? Her Damit!“

Münchens Bio-Wegweiser des BUND Naturschutz neu aufgelegt

Mit mehr als 500 Bio-Adressen ist die komplett überarbeitete und aktualisierte Neuauflage der beliebten Broschüre „Bio? Wo? Her damit!“ wieder gewohnt umfangreich geworden. Die aktuelle, elfte Auflage des neu herausgegebenen Heftes listet in bewährter Manier das Bio-Angebot in Stadt und Landkreis München auf. Auf einen Blick weist das Heft den Weg zu Bio vor der eigenen Haustür.

Der Bio-Einkaufsführer „Bio? Wo? Her damit!“ im handlichen Pocket-Format (Postkartengröße, DIN A6) ist übersichtlich nach Stadtteilen bzw.
Gemeinden gegliedert und umfasst alle Rubriken des Bio-Angebots. Neben Naturkostfachgeschäften sind Adressen von Ökokisten, Bio-Bäckereien und Bio-Metzgereien sowie Wochenmärkte mit Bio-Angeboten aufgelistet. Auch zahlreiche Restaurants mit Bio-Angebot und Catering-Angebote finden sich in dem Heft.

Den Trend zu mehr Regionalität greifen auch in München einige Bio-Anbieter auf. Vor allem im Naturkostfachhandel gibt es immer mehr Angebote, die eine klare Auskunft über die regionale Herkunft geben. München verfügt im Vergleich zum Bundesgebiet über ein sehr dichtes Netz an Naturkostfachgeschäften.

In einer aufwendigen Recherche konnte der BN mehr als 180 Adressänderungen gegenüber der letzten Auflage von 2012 ermitteln. Die Anzahl an Bio-Einkaufsmöglichkeiten im Raum München gegenüber den Vorjahren hat mit 80 Neueröffnungen abermals zugenommen. Allerdings gibt es eine hohe Fluktuation, insbesondere im Bereich der Bio-Restaurants und bei kleineren Läden.

Die neue Broschüre „Bio? Wo? Her damit!“ ist kostenlos erhältlich beim BUND Naturschutz, Pettenkoferstr. 10a. Im Internet gibt es die Broschüre als pdf-Datei zum Herunterladen: Klicken Sie hier

Der Bio-Einkaufsführer wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft. Die Projektstelle wird gefördert von der Landeshauptstadt München, Referat für Gesundheit und Umwelt.

 

 

 

 

 

 

Intern

 

Verstärkung in der Umwelt-Akademie

 

Die Geschäftsstelle der Umwelt-Akademie hat sich Unterstützung geholt:

Katharina Andrelang absolvierte ihr Studium in Kustgeschichte und Geschichte an der Universität Passau. Bevor Frau Andrelang zur Umwelt-Akademie kam, arbeitete sie als Kunstarchivistin sowie -kuratorin und organisierte Ausstellungen.  Zudem engagierte sich die Mutter von zwei Kindern schon immer in zahlreichen Ehrenämtern.

Über Frau Andrelangs Beschluss, ihre zunächst gelegentliche Mitarbeit bei der Umwelt-Akademie auszuweiten und als Vollkraft ihr Know-How im Sinne des nachhaltigen Klima- und Umweltschutzes einzusetzen, haben wir uns sehr gefreut. Derzeit obliegen Frau Andrelang in der Umwelt-Akademie das Veranstaltungs-Management, das Fundraising sowie die Projektbetreuung des Schwerpunktes "Kinder- und Jugendarbeit".   

 Katharina Andrelang M.A.

Katharina Andrelang

Buch- und Filmempfehlungen/Neuerscheinungen

 

Vom rechten Maß: Suffizienz als Schlüssel zu mehr Lebensglück und Umweltschutz

politische ökologie Band 135, 144 S., 16.95 €, ISBN 978-3-86581-426-5.

Die neue Ausgabe der politischen ökologie ergründet, was eine Gesellschaft ausmacht, die aus Mäßigung Genuss schöpft und das Wachstumsparadigma gegen die Bewahrung der Natur eintauscht.

Immer mehr Menschen befreien sich von materiellem Ballast, zeigen dem Dogma des „Größer, schneller, mehr“ die kalte Schulter und entdecken den Homo collaborans in sich: In Reparaturcafés, Genossenschaften und Tauschbörsen leben sie vor, warum ein genügsames und an den wahren Bedürfnissen orientiertes Leben glücklicher macht, wirtschaftlich sinnvoll ist und die natürlichen Ressourcen schont.

Aber noch ist die Kultur des „Weniger ist mehr“ nicht im gesellschaftlichen Mainstream angekommen – politische Appelle ans Maßhalten gelten als geschäftsschädigend und sind unpopulär beim Wahlvolk. Deshalb setzt die Politik lieber auf umweltfreundliche Technologien und Energieeffizienz statt auf Suffizienz. Das ist nicht falsch, es reicht aber eben auch nicht, um den fortschreitenden Klimawandel, den drohenden Ressourcenmangel und den Verlust der Biodiversität in den Griff zu bekommen.

Die politische ökologie schaut sich um bei denen, die schon mal angefangen haben mit dem Maßhalten. Die Autor(inn)en untersuchen, welche Spuren die aufblühende Sharing Economy hinterlässt und finden heraus, was es Menschen erleichtert, auf kleinerem ökologischem Fuß zu leben. Außerdem beantworten sie die Gretchenfrage: Wer trägt eigentlich die Verantwortung für eine ressourcenleichte Gesellschaft?

 Vom rechten Maß: Suffizienz als Schlüssel zu mehr Lebensglück und UmweltschutzMichael Lörcher, Vorsitzender des Vorstands




Kalender "Energiejahr" des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU)

 

Der neue immerwährende Kalender "Energiejahr" des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) versorgt Sie jeden Monat mit Tipps und Wissenswertem rund um die Themen Energiesparen und Nachhaltigkeit. Von Januar bis Dezember und von Stromcheck bis LEDs - mit diesem Kalender sind Sie ganzjährig auf dem Laufenden. Sie können den Kalender als pdf downloaden oder (besser) auch kostenlos in gedruckter Form bestellen. 

„Der in Wort und Bild ansprechende Kalender sollte im Kinderzimmer aufgehängt werden: Die „Jungen“ werden dann den „Alten“ erklären, wie’s geht…“, meint Dr. Helmut Paschlau.

 Kalender "Energiejahr" des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU)


Klimafakten 

Sven Plöger und Frank Böttcher, Westend Verlag, 2013, ISBN-10:3-86489-048-9, Euro 12,99

Im Winter schneit es in Deutschland immer noch und die Erde ist in den vergangenen 15 Jahren kaum wärmer geworden. Findet der Klimawandel also gar nicht statt?

In ihrem neuen Buch Klimafakten bringen die Wetterexperten Sven Plöger und Frank Böttcher auf einfache und humorvolle Weise – anders als der nüchterne Buchtitel suggeriert – Licht in die verworrene Diskussion um den Klimawandel: Wetter ist nicht Klima. Wetter ist fühlbar, hier und jetzt. Klima ist Statistik, Wetter gemessen über Zeit und an vielen Orten. Nicht nur hartgesottene Klimaskeptiker verwechseln das oft. Nicht zuletzt deshalb haben es Klimawissenschaftler in der Öffentlichkeit oft schwer. Die Autoren bedauern, dass die Leugner des menschengemachten Klimawandels in den Medien mit einfachen Pointen punkten können, indem sie auf das kalte Wetter oder andere Phänomene, die dem Klimawandel scheinbar widersprechen, hinweisen. Der Wissenschaftler hat zwar immer eine Antwort darauf, doch er muss weit ausholen, erklären was die nord-
atlantische Oszilation und La Niña sind, wie Aerosole eine „globale Verdunklung“ verursachen, dass in den vergangenen 15 Jahren die Luft zwar kaum wärmer geworden ist, dafür aber die Ozeane, dass wir die Meere durch unseren Kohlendioxidausstoß zu salzig-sauren Limonaden machen, und so weiter.

Die Autoren befürchten: Bevor der Wissenschaftler bei seinem Fazit angekommen ist, hätte ihn der Talkshowmoderator aus Sorge um wegzappende Zuschauer schon längst unterbrochen. In Büchern wie den Klimafakten lässt sich die Polemik der „Skeptiker“ auf mehreren Seiten mühelos widerlegen. In einer Talkshow ist das in drei Sätzen leider nicht so leicht. Ein Problem, das aus der Diskussion um die EEG-Umlage und den Strompreis nur allzu bekannt ist.

 Klimafakten


Der Metzger, der kein Fleisch mehr isst

Karl Ludwig Schweisfurth, oekom verlag, 17. März 2014, ca. 224 Seiten, 19.95 EUR, ISBN 978-3-86581-470-8, auch als E-Book erhältlich.

Einst war er Europas größter Wurstfabrikant, heute isst er Fleisch nur noch, wenn er ganz genau weiß, wo es herkommt und wie das jeweilige Tier gelebt hat: Karl Ludwig Schweisfurth, Pionier auf dem Gebiet der ökologischen Erzeugung von Lebensmitteln, die – wie er sagt – wieder Mittel zum Leben sein sollen. In seinem Buch "Der Metzger, der kein Fleisch mehr isst ..." (ET 17.03.) erzählt er in 12 berührenden Episoden, wie und warum er vom Großmetzger zum Biobauern und schließlich zum "Auswärtsvegetarier" wurde.

Im Jahre 1964 übernahm Karl Ludwig Schweisfurth den 1897 von seinen Großeltern gegründeten Familienbetrieb "Herta". In den 1950er Jahren hatte er in New York und Chicago die großen Schlachthöfe mit ihrer industriell optimierten Fließbandproduktion besucht. Fasziniert und zutiefst beeindruckt war er nach Deutschland zurückgekehrt und hatte seinen Vater davon überzeugt, die Fleisch- und Wurstproduktion im westfälischen Herten nach amerikanischem Vorbild umzugestalten. Dies markierte den Beginn einer unaufhaltsamen Erfolgsgeschichte: innerhalb von 20 Jahren war Herta der größte Fleischkonzern Europas mit über 5.500 Angestellten in zehn Fabriken. Doch als ihm der eigene Sohn vorwarf, dass er schon gar nicht mehr wisse, "wie's da draußen zugeht", war der Zeitpunkt gekommen, sich selbst und sein Tun zu hinterfragen: "Eine Weile, vielleicht sogar eine lange Weile, kann man so viel um die Ohren haben, dass man nicht hört, was Vernunft, was Moral, was bessere Einsicht einem zurufen. Aber irgendwann hat man nur noch die Wahl: taub werden – an Ohr und Seele – oder das Gehörte zu bedenken. (...) Im Sommer 1984 fiel meine Entscheidung, aus der industriellen Fleischproduktion auszusteigen."

In den folgenden Jahren entstanden mit Unterstützung der Familie die Herrmannsdorfer Landwerkstätten vor den Toren Münchens, in denen wieder alle Stufen der Erzeugung zusammengefügt sind: Landwirtschaft mit achtsamer Tierhaltung, handwerkliche Weiterverarbeitung mit Metzgerei, Bäckerei, Käserei und Brauerei sowie der eigene Vertrieb unmittelbar an die Verbraucher. Zum Auswärtsvegetarier wurde der Metzger jedoch erst Jahre später, als er in einem Lokal beim Anblick der achtlosen Fleischesser am Nebentisch so sehr betroffen war, dass er zu seiner Frau sagte: "Ich werde nur noch Fleisch essen, wenn ich weiß, wie die Tiere, von denen es ist, gelebt haben, wie sie ernährt wurden und wie sie zu Tode gekommen sind."

Karl Ludwig Schweisfurth gilt als Pionier auf dem Gebiet der ökologischen Lebensmittelherstellung. Der ehemalige Eigentümer von Herta, des einstmals größten industriellen Fleischerzeugers in Europa, gründete Mitte der 80er Jahre die Herrmannsdorfer Landwerkstätten sowie die Schweisfurth-Stiftung.

 Der Metzger, der kein Fleisch mehr isst


Einfach. Jetzt. Machen! Wie wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen

Rob Hopkins,  oekom verlag, 24.02.2014, 192 S., ISBN 978-3-86581-458-6, 12.95 EUR

Wir befinden uns im Jahre 2014 n.Chr. Der ganze Erdball steht Peak Oil und dem Klimawandel ohnmächtig gegenüber. Der ganze Erdball? Nein! Mehr als 1000 engagierte Kommunen und Initiativen haben begonnen, vor Ort Widerstand zu leisten. Die Bewegung, die sie eint, ist die der Transition Towns. Ihre Ziele: Krisenfestigkeit sowie ein CO2-armes Leben und damit der Übergang in eine postfossile, relokalisierte Wirtschaft. Ihr Begründer, der britische Umweltaktivist Rob Hopkins, legt mit "Einfach. Jetzt. Machen! Wie wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen" eine leidenschaftliche Einladung vor, sich der Bewegung anzuschließen – und liefert die Anleitung und viele anregende Beispiele gleich mit.

Ob der jährliche "Kartoffeltag" in Chesterfield, eine "Tool Library" in Seattle, eine Solaranlage auf einem Kirchendach in Melbourne, eine Getreidemühle im argentinischen El Bosón oder der Palettengarten in Hannover: rund um den Globus tut sich was!

Die Idee von Transition begann als Experiment in Hopkins' englischer Heimatstadt Totnes und expandierte von dort in alle Welt. Die Vision dahinter: Durch die Stärkung der lokalen Wirtschaft und nachbarschaftliche Initiativen können Abhängigkeiten reduziert und Gemeinschaften widerstandsfähiger gegenüber ökonomischen und ökologischen Krisen gemacht werden. Anders als Regierungen und große NGOs unterliegen die kommunalen Aktivitäten weniger Handlungszwängen und bürokratischen Vorschriften und können so schnelle, individuelle und nachhaltige Lösungen ermöglichen.

"Dieses Buch ist eine Einladung", schreibt Hopkins, "einen neuen Ansatz dafür zu entdecken, wie unsere Wirtschaft funktionieren kann, wie wir Beschäftigung und Wohlstand schaffen, und dafür, wie wir in unseren lokalen Gemeinschaften leben und arbeiten." Anhand vieler konkreter Beispiele des Gelingens wird geschildert, wie man Probleme vor Ort identifiziert, Lösungen entwickelt, Mitmenschen mobilisiert und am Ball bleibt. Hopkins baut Hemmschwellen ab und macht Lust, die Ärmel hochzukrempeln und selbst anzupacken, denn "durch lokales Handeln kann man die Welt verändern".

 Einfach. Jetzt. Machen! Wie wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen

"Der neue Hopkins ist so inspirierend wie sein zum Klassiker avanciertes Transition-Handbook. "Einfach.Jetzt.Machen!" liefert eine fundierte und zugleich verständliche Perspektive für eine Welt ohne Wachstum."
Niko Paech


Neu im Zeitschriftenhandel: Das Slow Food Magazin

Der Markt der Food-Zeitschriften ist um einen spannenden, zeitgemäßen Titel reicher: Mit der Ausgabe 1/2014 bringt der oekom verlag das Slow Food Magazin in den Zeitschriftenhandel. Es versteht sich als Publikumszeitschrift für eine nachhaltige und bewusste Ernährungsweise. Mit seinem Themenmix aus Genuss- und Gesellschaftsthemen, Porträts und Produktempfehlungen, Reisen und persönlichem Engagement bringt das Slow Food Magazin seinen Lesern die kulinarische Seite der Nachhaltigkeit näher – und macht Appetit auf mehr.

Slow Food liegt im Trend – und das gleich mehrfach: Immer mehr Verbraucher machen sich Gedanken darüber, wo ihre Lebensmittel herkommen und wissen regionale Produkte und Gerichte zu schätzen. Die Begeisterung fürs Selbermachen bringt neuen Schwung in die Küchen, wo mit Hingabe geschnippelt und gerührt und sogar die Kunst des Einkochens wieder gepflegt wird. Nicht zuletzt wollen immer mehr Menschen ihrer Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung gerecht werden und hinterfragen umweltschädlichen Pestizideinsatz und agrarindustrielle Tierhaltung ebenso wie menschenunwürdige Bedingungen für Saisonarbeiter.

Die Slow Food-Bewegung setzt sich bereits seit den 80er Jahren für eine lebendige und nachhaltige Kultur des Essens und Trinkens ein und wagt nun den Sprung vom reinen Mitgliedermagazin in den Zeitschriftenhandel: optisch und inhaltlich erneuert sowie fit gemacht für eine breitere Leserschaft. "In der Verbindung von Genuss und Verantwortung, die den Geist von Slow Food ausmacht, ist unser Magazin einzigartig. Wir freuen uns, dass der oekom verlag mit uns diesen wichtigen Schritt geht", erklärt Dr. Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland. "Damit können wir unsere Werte - getreu dem Slogan "gut, sauber und fair" - noch besser in die Öffentlichkeit tragen!"

 Das Slow Food Magazin

Auszeichnungen

Bayerische Klima-Allianz PHINEO Wirkt Siegel http://www.un-dekade-biologische-vielfalt.de/ Umweltbildung Bayern UN_Dekade_Offizielles Projekt_2014 BNE-Auszeichnung www.landesstiftung.bayern.de

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