Neuigkeiten

Auf einen Blick!

Informationen über kommende und Berichte über bereits gelaufene Veranstaltungen, der neuste Newsletter, Stellungnahmen zu aktuellen Entwicklungen und brisanten Themen, Wissenswertes, Tipps und Trends - das alles finden Sie kompakt unter der Rubrik „Aktuelles“.

Donnerstag, 22. März 2018
19:00 Uhr
Orange Bar, Green City Energy AG, Zirkus-Krone-Str. 10 (Eingang Georg-Schätzel-Straße), 80335 München, 6.OG, S-Bahn Haltestelle „Hackerbrücke“

Referenten_Innen:
Heidemarie Krause-Böhm, Verbraucherzentrale Bayern, Leiterin Referat Energie, Umwelt, Nachhaltigkeit
Martin Janke, Stadtwerke München, Zentrale Angelegenheiten,
Claudia Mammach und Thomas Keimerl, Soziale Dienste/Stromspar-Check, Caritas München

„Nicht bezahlt, zack ist der Strom weg“, titelte kürzlich eine Boulevard-Zeitung: 2016 geschah das deutschlandweit rd. 330 000 Haushalten (9%), bei rd. 6,6 Mio. Sperr-Androhungen gegen säumige Zahler. Seit Jahren unverändert leben also hunderttausende Menschen im reichen Deutschland – auch dauerhaft – ohne elektrisches Licht, ohne Kühlschrank, vielfach ohne warmes Wasser.

„Die Reichen am Starnberger See verdienen sich eine goldene Nase mit ihrer PV-Anlage und wir Ärmeren zahlen bei der Energiewende doppelt und dreifach“, „Ich kann mir keinen neuen, stromsparenden Kühlschrank leisten“ – vielfach zu hören, auch in Veranstaltungen der Umwelt-Akademie.

88% der Deutschen befürworteten 2017 die Energiewende, 80% halten Energiesparen für sinnvoll; 88% wünschen sich bei einer energetischen Gebäudesanierung zumutbare Begrenzungen der Mieterhöhung; und über 65% sind der Meinung, dass die „kleinen Leute“ die Kosten der Energiewende tragen, während Unternehmen profitieren.

Im Jahr 2000 wurde die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eingeführt. Seither haben sich die Strompreise hierzulande verdoppelt, auf derzeit durchschnittlich 85 Euro pro Haushalt im Monat. Die Stromkosten belasten Ärmere – relativ zu ihrem Einkommen –stärker als Besserverdiener, hat das Rheinisch-Westfälische Institut (RWI) 2017 festgestellt: Das untere Einkommensdrittel trägt rd. 30% der gesamten Kosten der EEG-Umlage, während das obere Einkommensdrittel – bei weit höheren Haushaltseinkommen – ebenfalls (nur) 30% der Kosten trägt.

Was tun? Ist die Streichung der 19%-Umsatzsteuer auf die EEG-Umlage als Lösung sinnvoll? Soll die Rate der Mieterhöhung nach Gebäudesanierung pro Jahr von 11% auf 6% der entstandenen Kosten für die betroffenen Mieter gesenkt werden? Kommt eine „neue Ökosteuer“ mit einer gezielten sozialen Komponente, die untere Einkommensschichten entlastet und z.B. den Zugang zu energieeffizienten Geräten ermöglicht? Oder statt der bisherigen Stromsteuer ein Preis für CO2-Emissionen zu Lasten der Emittenten? Die Streichung der milliarden-schweren Ausnahmen bei der EEG-Umlage für energieverbrauchende Industrien durch den Bundeshaushalt zugunsten von Privatkunden und Mittelstand?
Genügt die Absenkung der EEG-Umlage um 3€ pro Haushalt (!) im Jahr 2018 (mit steigender Tendenz ab 2019)? Senken die Wärme- und Stromversorger inkl. der Unternehmen in öffentlicher Hand ihre Preise für ärmere Haushalte mit einem „Sozialtarif“? Hilft wenigstens das Sozialamt bei steigenden Energiepreisen? Oder genügt die Energiespar-Beratung von Sozialverbänden, gfs. mit einem Gutschein für einen energiesparenden Kühlschrank oder einem „Sparfuchs-Beitrag“ für energiearme Mobilität?
Oder sind steigende Energiepreise gar „gut für Klima und Ökologie“, weil hohe Energiekosten „Anreize zum Energiesparen“ sind?

Es dämmert den politisch Verantwortlichen: Mit Klima- und Energiepolitik (allein) ist Sozialpolitik nicht zu erreichen; aber ohne soziale Strukturpolitik – z.B. beim Abschalten von Kohlekraftwerken – und sozialer Abfederung – bei steigenden Preisen, Mieten und wohlfeilen Appellen zum Energiesparen – sind Klimaanpassung und Energiewende nicht erreichbar.  

12. April 2018
18:00 Uhr
Museum Mensch und Natur, Schloß Nymphenburg, 80638 München, Trambahn 17, Bus 51 und 151: Haltestellte Schloss Nymphenburg

Referenten:     

  • Prof. Dr. Hubert Weiger, BUND Naturschutz in Bayern e.V., Landesvorsitzender
  • Klaus Leidorf, Luftbilddokumentator „Flächenfraß vorher / nachher“

Moderation:      Dr. Helmut Paschlau, Die Umwelt-Akademie e.V., Vorstand                        
                  
Der Flächenverbrauch und damit der Verlust von Boden ist eines der zentralen ungelösten Umweltprobleme unserer Zeit: Boden ist nicht vermehrbar, er ist zentrale Lebens- und Wirtschaftsgrundlage des Menschen; mit seiner Versiegelung geht nicht nur Acker- und Weideland, sondern auch wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie Schönheit und Erscheinungsbild der natürlichen Umgebung unwiederbringlich verloren. Die Fotos von oben, vom Luftbilddokumentator aus dem Flugzeug über Bayern aufgenommen, zeigen es eindrücklich: Vorher Natur – nachher Autobahn, wahlweise Gewerbegebiet, wahlweise Siedlungsbebauung, wahlweise Verkehrsknotenpunkt…  

Die Bundesregierung hat als Ziel beschlossen, bis 2030 den Flächenverbrauch in Deutschland auf max. 30 ha/Tag zu reduzieren; auf Bayern würde demnach ein Anteil von max. 4,7 ha entfallen. Doch in Bayern wird derzeit täglich 13,1 Hektar (ha) freies Land in Siedlungen, Gewerbegebiete oder Strassen umgewandelt. Das ist der Verlust einer Fläche von der Größe des Ammersees – jährlich; der Fläche von 8000 Bauernhöfen in den letzten 20 Jahren. Ungebremster Raubbau auf Rekordniveau: Trotz jahrelanger umfangreicher Öffentlichkeitsarbeit und politischer Bemühungen aller Art auf verschiedensten Ebenen, trotz eines „Flächensparbündnis‘“mit 52 Organisationen inkl. des Freistaats Bayern seit 2003.

Doch die Landesregierung hat im November 2017 – nach monatelangem erbittertem Streit leicht abgeschwächt –die Änderung des Landesentwicklungsprogramms Bayern (LEP) mit dem Ziel der Lockerung des bisherigen „Anbindegebots“ von Gewerbegebieten an die unmittelbare Siedlungsnähe von Kommunen über die parlamentarischen Hürden gebracht: Kommunen können nun die weitere freie Ausweisung von Gewerbegebieten etwa an Autobahnen oder vierspurigen Bundesstrassen ohne direkten Anschluss an den Ort beschliessen, wenn das „Orts- und Landschaftsbild nicht wesentlich beeinträchtigt“ und kein alternativer, bereits verkehrlich angebundener Standort vorhanden ist.

Der Protest dagegen ist massiv, „Landeszerrüttungsplan“ hat die Süddeutsche Zeitung am 10.11.2017 das neue LEP genannt: Es sei, wird kritisiert, geradezu ein Förderprogramm für die Zubetonierung der Landschaft mit immer neuen Gewerbe-„Parks“ und Einkaufscentren auf der „grünen Wiese“ – und das trotz 11.000 ha freistehender Gewerbeflächen derzeit in Bayern –; weitab von örtlicher Bebauung auf ehemaligen Landwirtschafts- und naturnahen Erholungs- und Kulturlandflächen; mit weiterer Trennung von „Wohnen“ und „Arbeiten“ und damit Schaffung neuer (motorisierter) Verkehrsströme ins Umland; mit zunehmender  Verödung der Orts-Kerne mit ihren gewachsenen Versorgungsstrukturen; und schließlich mit weiterem, ungesteuertem Flächenfraß, getrieben von der „Gier nach Gewerbesteuereinnahmen“ der Kommunen.

Doch die Zeit scheint reif: Nach Erreichen der erforderlichen Zahl von 25.000 Unterstützer-Unterschriften wird es 2018 voraussichtlich ein Bayern-weites Volksbegehren gegen Flächenfraß – „Damit Bayern Heimat bleibt: Betonflut eindämmen!“ – geben, das erste seiner Art in Bayern. Es wurde im Herbst 2017 initiiert von den GRÜNEN und wird unterstützt u.a. von der ÖDP, einer Anzahl von Umweltverbänden wie dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) und den Naturfreunden Bayern (NF), örtlichen Umwelt-Initiativen, Bauernorganisationen wie der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL),  kirchlicher Vereinigungen usw.. Auch wenn einzelne Orts- und Kreisgruppen das Volksbegehren unterstützen können, ist beim BUND Naturschutz in Bayern e.V. noch nicht entschieden, ob das Volksbegehren unterstützt wird. Ziel muss sein ein möglichst breites, überparteiliches Bürgerbündnis gegen die zunehmende Zerstörung von Landschaft.

Hauptziel des angestrebten Volksbegehrens ist die Änderung des Bayerischen Landesplanungsgesetzes ab 2020 mit der Vorgabe einer Reduzierung der Flächenumwandlung auf durchschnittlich max. 5 ha pro Tag. Es ist erfolgreich, wenn 2018 knapp 1 Mio. Wahlberechtigte innerhalb von (vorgegebenen) 14 Tagen in den Rathäusern Bayerns für diesen Volksentscheid zum Flächenschutz gestimmt haben.

Über den Flächenfraß in Bayern, seine Triebkräfte und Folgen, wollen wir uns informieren lassen und anschließend diskutieren.

In diesem Zusammenhang verweisen wir auf das „Bürgerbegehren gegen Flächenfraß“ in Bayern: Die Informationen dazu finden Sie hier.  Sowie die näheren Detaills zu dem Thema "Bürgerbegehren Grünflächen in München" erhalten Sie hier.

     

Quellenangabe: Prof. Hubert Weiger, Bund- Foto Puder

 

    

Quellenangabe: Gündelkofen, Bayern vorher                            Gündelkofen, Bayern nachher

Luftbilddokumentation von Herrn Klaus Leidorf

Fachexkursion zum Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU), Augsburg

 

Wie bitte? Energiewende ist doch Umweltschutz?

Dass beide Begriffe „gelebter Dualismus“ sind und jederzeit gesellschaftlich neu verhandelt werden müssen, darauf wollen wir eingehen – im Rahmen eines Besuchs beim Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU): Als zentrale Fachbehörde für Umwelt- und Naturschutz, Geologie und Wasserwirtschaft in Bayern begleitet das LfU das gesamtgesellschaftliche Projekt Energiewende in ökologischer Hinsicht.

„Windräder erschlagen Fledermäuse“ oder „Wasserkraft schreddert Fische“ – gängigen Behauptungen wie diesen wird im LfU fachlich fundiert, ergebnisoffen und neutral auf den Grund gegangen.

Die Diskussion mit Fachleuten über die Vereinbarkeit von Umweltschutz in der Energiewende wird ergänzt um die Ausstellung „Energiewende“ und die Vorstellung der Behörde mit Rundgang durch die Außenanlagen.

Was? Halbtages-Exkursion zum Landesamt für Umwelt (LfU), Augsburg (dort 10:00h - 12:30h), anschließend kurzes Vesper in einem nahen Restaurant (im Teilnehmerbeitrag nicht enthalten)

Wer? Claus Kumutat, Präsident des Landesamts für Umwelt (LfU), Augsburg, Präsident 
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LfU

Wann? Samstag, 21.04.2018, 08:30h (Bus-Abfahrt) bis ca. 15:00h (Rückkehr)

Wo? Abfahrt und Rückkehr München, Nähe Hauptbahnhof

Teilnehmer und Teilnehmerinnen? Da wir die Teilnehmerzahl auf max. 25 begrenzen müssen, ist eine vorherige Anmeldung unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und die vorherige Überweisung des Teilnehmerbeitrags in Höhe von 10,--€/ Person unbedingt erforderlich.

Die zugelassenen Teilnehmer erhalten eine Bestätigung mit Angabe des Treffpunktes.
Bitte haben Sie Verständnis, dass Mitglieder der Umwelt-Akademie vorrangig berücksichtigt werden.

Claus Kumutat, Präsident des
Landesamt für Umwelt

26. April 2018 (Tag der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl !)
19:00 Uhr
Donner&Reuschel AG, Friedrichstraße 18, 80802 München (U-Bahn Giselastr.)

Referent:  Dr. Franz Alt, Journalist, umwelt-engagierter Journalist, Bestseller-Autor (drei Mio. Auflage in 22 Sprachen), Träger diverser Auszeichnungen und Preise; Baden-Baden

Grußwort:  Stephanie Jacobs, Berufsmäßige Stadträtin, Referentin für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München

Energieversorgung ist die kritischste aller Infrastrukturen: Sie ermöglicht uns angenehme Temperaturen, bringt Licht in die Dunkelheit, treibt unsere Handy‘s und Computer ebenso wie unsere Industrie, bildet eine der Grundlagen unseres Lebens, für Versorgung,  Telekommunikation, Mobilität oder medizinische Dienste. Ohne Energie käme unser aller Leben zum Erliegen.

Wesentliche Elemente künftiger Energieversorgung werden die „drei E“ sein: Neben Erneuerbaren Energien eine höhere Energieeffizienz und das Energiesparen. Der CO2-induzierte Klimawandel – insbesondere aus der Verbrennung fossiler Ressourcen – könnte zum einen zu nie dagewesenen Rückschlägen für die menschliche Zivilisation und Kultur führen. Deshalb sollten sich Weltwirtschaft und Weltpolitik auf die fatalen Wirkungen der Erderwärmung und seiner Bekämpfung konzentrieren.

Zum anderen verschärfen sich die Konflikte um die nicht-erneuerbaren Energien von Jahr zu Jahr: Irak-Krieg, Iran-Krise oder Abhängigkeit erzeugendes Gas aus Sibirien sind nur die Vorboten künftiger Konflikte um die letzten Reserven, wenn wir in den nächsten Jahrzehnten nicht zu 100 % auf Erneuerbare Energien umsteigen.

Doch Elektrizität und Wärme wird künftig nicht mehr primär zentral in großen Kraftwerken produziert und über weite Entfernungen verteilt, sondern dezentral und verbrauchernah mit einer wind- und sonnenarme Zeiten ausgleichenden Zwischenspeicherung. Die Grenze zwischen Energie-Produzenten und -Konsumenten verschwimmt. „Prosumer“ erzeugen Energie selbst, verbrauchen diese und speisen überschüssigen Strom/Wärme in ein öffentliches Netz ein. Sie beteiligen sich verstärkt direkt am Energiemarkt und werden ein wichtiger Teil der Strom- und Wärmeerzeugung.

Keine Frage: Für die künftigen Anforderungen an eine höchst-flexible Energiewende braucht es innovative Köpfe, die Ungewöhnliches denken und neue Lösungen schaffen. Schon heute ist klar, dass eine Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität notwendig ist; doch umfassende Lösungen fehlen noch. Power-to-Heat Lösungen ermöglichen die Umwandlung überschüssigen Wind-Stroms in Wärme, für Nahwärmenetze und industriellen Wärme- und Kältebedarf. Elektrofahrzeuge können durch intelligentes Laden Strom-Lastspitzen vermeiden und Entladen Speicherfunktionen übernehmen. Und Power-to-Gas-Lösungen aus überschüssigem EE-Strom werden temporäre und saisonale Speicherung via Erdgas-Netz darstellen, gar die bislang verpönte Nachtspeicher-Heizung wieder sinnvoll machen.

Voraussetzung für solche Lösungen ist eine „digitale Revolution“ für einen effizienteren Datenaustausch zwischen allen Sektor-Beteiligten, der auf gemeinsamen Standards beruht, die sowohl sensible Verbraucherdaten schützen als auch fairen Wettbewerb garantieren.

Dies alles bedeutet einen fundamentalen Wandel im bisherigen Energie-Denken. Erreichbar bis 2050 – oder nicht doch schon früher?

   

Dr. Franz Alt, Foto: Sonnenseite.com                                      Berufsmäßige Stadträtin Stephanie Jacobs, 19.10.2017

8. Mai 2018
19:00 Uhr
GLS-Bank, Bruderstr. 5a, 80538 München, U-Bahn U4/U5 Haltestelle Odeonsplatz

Referent: Hubertus Paetow, Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), Vizepräsident

„Es ist Zeit, das System als Ganzes in Frage zu stellen“, sagte der Präsident der ehrenwerten Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), Carl-Albrecht Bartmer, in seinem Interview in DIE ZEIT vom 23.02.2017. Bartmer sei „einer der einflussreichsten Bauern Deutschlands“, so die ZEIT; mit „das ganze System“ meinte er die hiesige industrielle Landwirtschaft.

Grund genug für Die Umwelt-Akademie e.V., nachzufragen, ob wir da wohl etwas falsch verstanden hätten…

Nein, haben wir nicht: Die Fachgesellschaft der Landwirtschaft, die DLG also, will – im Gegensatz etwa zum Bauernverband als Berufsverband –„die Wende auf dem Acker“. Aber nicht die Wende zurück!

Mit Selbstbewusstsein sagt die DLG, „wir Landwirte haben Fehler gemacht“. Es werde nur noch eine geringe Zahl von Feldfrüchten – Weizen, Mais, Raps, Zuckerrüben – angebaut; das führe mit zunehmendem chemischem Pflanzenschutz zur Gefahr von Resistenzen, die die Anbausysteme instabiler machen. Die Kunst der Vielfalt sei vernachlässigt worden. Und das zunehmende Versagen der Chemie bereitet Sorgen: „Stellen Sie sich vor, Sie sind Patient, und es gibt keine wirkungsvollen Medikamente mehr!“.

Gebraucht würden zukünftig kombinierte Lösungen aus Züchtung und Pflanzenschutz, die passgenau auf den jeweiligen Standort zugeschnitten sind. Aber nicht wie in den guten alten Zeiten von Monsanto & Co; sondern Nutzung des gesamten landwirtschaftlichen Könnens und der Vielfalt aller ackerbaulicher Werkzeuge – wie den Pflug oder den Striegel zur Unkrauteindämmung –, das Zusammenwirken von Mechanik und biotechnologischen Pflanzenschutzmitteln aus Pilzen und Bakterien.

Auch offene und transparente biotechnologische Züchtung von nachhaltigen und seltenen Pflanzensorten – z.B. von proteinhaltigen Erbsen zur Futtermittelherstellung – mittels CRISPR sei erforderlich, um Kultursorten widerstandsfähiger gegen Krankheiten zu machen. CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) sind Abschnitte sich wiederholender DNA im Erbgut von vielen Bakterien und Archaeen (Urbakterien); sie unterstützen einen Mechanismus, der Resistenzen gegen das Eindringen von fremdem Erbgut durch Viren oder Plasmide ermöglicht, und sind hierdurch ein Teil des Immunsystem-Äquivalents von vielen Bakterien. Dieses System bildet die Grundlage der gentechnischen CRISPR/Cas-Methode zur Erzeugung von gentechnisch veränderten Organismen. Wissenschaftler sehen darin Chancen auch für den Ökolandbau. Ganz gegen die Interessen der Agrarkonzerne, die sich auf wenige, ökonomisch aussichtsreiche Pflanzen konzentrieren, könne CRISPR auch von kleinen und mittleren Züchtern gemanagt werden.

Schließlich solle die Landwirtschaft unabhängiger werden vom Geschäftsgebaren des Handels; nicht warten, bis er noch massiver Einfluss auf Produktqualität und Produktionsbedingungen nehme und – via Preis – die Schraube weiter zuungunsten Umwelt und Tierschutz drehe. Aber auch unabhängiger werden vom bisherigen Agrarsystem der EU-Subventionen; Beihilfen sollten künftig schrittweise konsequent gekoppelt werden an zusätzliche Leistungen der Landwirte für die Umwelt, im Sinne von gesellschaftlichen Leistungen, die der Markt sonst nicht entlohnt. An Hanglagen etwa oder für andere wichtige Kulturlandschaften; auch für (Dorf-) Projekte zur Stützung ländlicher Räume, um sie vor der sozialen Auszehrung zu bewahren.

Genügend Thesen für die erforderlichen kontroversen Debatten mit und um die Landwirtschaft der Zukunft!


in unserer Veranstaltungsreihe „Mutbürger für Energiewende“

in Kooperation mit der

  

12. Juni 2018
19:00 Uhr
Münchner Zukunftssalon, Waltherstr. 29, Rückgebäude, 2. Stock, U-Bahn U3/U6 Haltestelle „Goetheplatz“.  


Referent: Prof. Dr. Günther Bachmann, Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE), Generalsekretär

Mit der Neuauflage der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie am 11. Jan. 2017 hat die Bundesregierung die Nachhaltigkeitspolitik aus dem Jahr 2002 konsequent weiterentwickelt und „eine Nachhaltigkeitsarchitektur geschaffen, die uns als solide Grundlage für die nationale Umsetzung der Agenda 2030 dient“. Tatsächlich hat die „Agenda 2030“ die bisher eher abstrakten und theoretischen Vorstellungen über nachhaltige Entwicklung erstmals in 17 Ziele konkretisiert und damit einen globalen Orientierungsrahmen geschaffen. Die deutsche Bundesregierung hat sich zur ambitionierten Umsetzung der „Agenda 2030“ verpflichtet, sie entstammen dem Beschluss der Vollversammlung der Vereinten Nationen zu den „Sustainable Development Goals (SDG)“ vom September 2015.

Mit der nationalen Strategie soll aufgezeigt werden,
• wie die Chancen auf ein Leben in Wohlstand weltweit heute und zukünftig erhöht werden können,
• wie die natürlichen Lebensgrundlagen bewahrt werden können und wie ein Leben in Würde für alle Menschen auf der Welt ermöglicht werden kann.

Deutschland weist in vielen Bereichen bereits hohe Standards auf. Gleichwohl sind wir in vielen Bereichen noch sehr weit von einem nachhaltigen Leben, nachhaltigem Wirtschaften und einem nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen entfernt. Wertet man die Indikatoren, die zum Monitoring der Nachhaltigkeitsentwicklung verwendet werden, aus, ergibt sich ein negativer Trend.

Drohen wir zu scheitern, wie es das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (berlin-institut.org) in der Streitschrift „VIELE ZIELE, WENIG PLAN - warum Kommunen und die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie nicht zusammenfinden (September 2017)“ kritisiert hat? Brauchen wir nicht endlich mehr Verbindlichkeit insbesondere bzgl. Chancengerechtigkeit auch in Deutschland sowie verstärkte, messbare Maßnahmen bei Klima- und Ressourcenschonung? Steht der von maßgebenden Politikern geforderte Freihandel nicht diametral den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN entgegen? Droht ein Scheitern a là „Klimaziele 2020“ – ups, nicht mehr erreichbar, weiter wie gehabt?!
Pof. Dr. Bachmann wird berichten, wie der Transformationsauftrag für Deutschland gelingen kann. Der RNE berät die Bundesregierung seit 2001 in allen Fragen der Nachhaltigkeit. Seine 15 Mitglieder werden jeweils für die Dauer von drei Jahren von der berufen und stehen je nach ihrem fachlichen Hintergrund für die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit in der Definition des Deutschen Bundestages: Ökologie, Ökonomie, Soziales.
Zum Weiterlesen: Klicken Sie bitte hier. 


  

Prof. Dr. Günther Bachmann, Foto: Noel Tovia Matoff, © Rat für Nachhaltige Entwicklung

Auszeichnungen

Bayerische Klima-Allianz PHINEO Wirkt Siegel http://www.un-dekade-biologische-vielfalt.de/ Umweltbildung Bayern UN_Dekade_Offizielles Projekt_2014BNE-Auszeichnung www.landesstiftung.bayern.de

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