Fünf Schulen nahmen bereits am Projekt „Essbare Schulgärten“ teil, das die Umwelt-Akademie e.V. in Kooperation mit Schulen und Gemeinden initiiert. Auch in der Emanuel-von-Seidl-Grundschule in Murnau lernen jedes Jahr Schulkinder, wie man Obst im eigenen Schulgarten anbaut und pflegt.

Ganze 5,5 Grad Celsius misst das Thermometer, als am Morgen des 11. April 2019 eine Horde Erstklässler, ausgerüstet mit Schaufel, Spaten und quietschbunten Plastikgießkannen den Pausenhof stürmt. Zwei Gärtner haben bereits Vorarbeit geleistet und in der Nähe der Westfassade des geschichtsträchtigen Schulgebäudes zirka 2 Quadratmeter Rasen abgestochen. Denn heute ist Spatenstich des Projekts: “Essbarer Schulhof“ an der Emanuel-von-Seidl-Grundschule. Das trübe Nebelwetter und die Kälte scheint die 8 Jungs und 14 Mädchen nicht zu stören. Sie machen sich sofort an die Arbeit. Mit roten Backen und klammen Fingern buddeln sie ohne Handschuhe in der Erde und schaufeln weg, was vorher mit einer Spitzhacke von den Erwachsenen gelockert wurde. Voller Tatendrang graben die Kinder Löcher, lockern mit großen Spaten oder kleinen Metallschaufeln die steinige Erde, um zwei Weinstöcken und sechs Johannisbeersträuchern ein neues Zuhause zu bereiten.

 „Feuerstein!“ schreit ein Junge in blauer Buddelhose aufgeregt und hält seinen kostbaren Fund in den erdigen Händen. Beim Hacken hatte der Stein Funken geschlagen. Feuer und Flamme sind sichtlich alle Kinder von dem Projekt „Essbarer Schulhof“, das heute hier am Mayr-Graz-Weg seinen Anfang nimmt. „Jede erste Klasse darf einen Teil des Gartens anlegen, essbare Büsche und Bäume pflanzen und diese in ihrer vierjährigen Schulzeit auch betreuen“, erklärt Angelika Bader, Direktorin der Schule. So wachse der essbare Schulhof Jahr für Jahr, ein nachhaltiges Projekt, bei der die gesamte Schulfamilie, einschließlich Lehrer und Eltern eingebunden sei, so die Schulleiterin stolz. Aber nicht nur für die Direktorin, auch für Initiator Nico Döring und Naturgärtnerin Ingrid Völker ist dieses Projekt eine Herzensangelegenheit. „Die Kinder lernen hier von Schulbeginn an Naturverbundenheit und bekommen durch das Projekt einen direkten Bezug zu Pflanzen und Erde“, schwärmt Nico Döring, Vorstand der Umwelt-Akademie e.V. Warum sollte der Schulhof mit zum Teil sogar giftigen Zierpflanzen begrünt werden, wenn man auch Essbares wie Weintrauben, Kiwis, Wildpfirsiche, Johannisbeeren und Äpfel pflanzen könne, meint der Murnauer Biologe, der schon einige „essbarer Schulhof- Projekte“, unter anderem auch in München, Gauting und Polling, begleitet hat. Auch der Hausmeister und die Gemeindegärtner unterstützen das Projekt und haben einen großen Wildpflaumenbaum  für den Schulhof gepflanzt.

 „Hey, helft mir mal“, ruft eine Erstklässlerin in die Runde. Sofort eilen kleinen Gärtner heran, um aus einem weißen Sack Anzuchterde in die frisch gegrabenen Löcher zu schütten – Teamarbeit par excellence. Dann werden die kleinen Sträucher vorsichtig aus Ihren Töpfen gekippt - genauso, wie es die Kinder von Ingrid Völker gelernt haben. „Wir packen die Pflanzen nicht am Schopf“, erklärt diese und zeigt wie man durch Kippen des Topfes, die Pflanze unbeschadet herauslösen kann.  Nachdem die zarten, weißen Wurzeln der Topfpflanzen von allen begutachtet wurden, dürfen die Kinder um die Wurzeln herum vorsichtig die Erde lockern und die Pflanzen anschließend in ihr neues Zuhause setzen. „Darf ich auch mal versuchen?“ quengelt ein Mädchen mit bunter Mütze ungeduldig, Gesicht und Pullover erdverschmier. Und während andere Kinder bereits am Holzgeländer herumklettern oder in Matschpfützen herumspringen, legt sie sorgsam Steine um das Pflanzloch und streicht liebevoll mit ihren Händen über die Erde. „Ich deck dich noch schön zu“, flüstert sie dem jungen Pflänzchen zu, das sie nun vier Jahre lang hegen und pflegen, mit dem sie gemeinsam wachsen darf.

Pünktlich zur Pause sind alle Pflänzchen versorgt. Fehlt nur noch das Gießen! Vroni Edenhofer, eine engagierte Mutter, bewacht die große Regentonne. Neben ihr an der Holzwand des Hortgebäudes hat ein vor wenigen Jahren gepflanzter Wildpfirsich seine ersten, rosa Blüten geöffnet. „Alle der Reihe nach! Nicht drängeln! Ist das deine Gießkanne? Nach und nach tunken alle Kinder ihre mitgebrachten Gießkannen in das dunkle, kalte Nass. Dann werden die Erstklässler rund um ein Pflanzloch gruppiert – für das Pressefoto. Statt „Spagetti“ rufen alle Kinder „giiiiießen“ und das fröhliche Wässern der Beerensträucher kann beginnen.

uf dem Laufenden.